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Wiener Morgenzeitung · 1921-06-18 · Heft 859 (18.6.1921) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 859 (18.6.1921)
Date
1921-06-18
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Wiener Mor-e»zettr«g 18. IrM 1S21 fc*SÜT\ Inland Sette 2 _Wien. Satt rtag .Frankreich. Großbritannien, Italien, Japan, j Spanten, Schwede«. Albanien. Finnland, Kriechenland, Polen und Jugoslawien. Die Tagesordnung umfaßte eine Reihe von Der- Handlungsgegenständen, die für den europäischen Frieden von hohem Jntereffe sind, darunter die Fragen der Alandsinseln, den polnisch-litauischen Konflikt bet Zügüch des Gebietes von Wilna, die Frage der alb an ischen Grenze und das österreichische Finanzpxodlem.' - Politische ^Rundschau. Der Papst und Palästina. Nach einer Stefani-Meldung hat der Papst in einem aeh'ecmÄr Konsistorium der Beunruhigung über die Tätrg-. fett der Juden in Palästina Ausdruck verliehen. Er würde . versuchen, den armen. Bewohnern dieses Landes Hilfe 4* senden, aber seine Mittet seien beschränkt. Er beklagt das Uebergewicht der Juden an den heiligen Stätten?cr Christenheit und ermähnt dte Regierungen, bei dem Völkerbund Schritte zu MN, der die Regelung des englischen Mandats in 'Palästina zu prüfen habe. Was Europa anbetreffe, so sei es nach wie vor in Gegensätze gespalten. Der Papst Orderte daher die Regierungen auf,, ihre Zwistigkeiten aufzugeben und Meinungsverschiedenheiten im Geiste der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit durch Aussprache zu klären. Gr freue sich, daß so viele .Nationen in Beziehungen zum Heiligen Stuhl zu treten wünschten. Sogar Frankreich sei in die Arme der mütterlichen Kirche zurückgekehrt. - Er wünsche, daß die gegenwärtige Zusammenarbeit für die Kirche und die Staaten ein Quell des Segens sein möge. Die Richtigkeit dieser Meldung vorausgesetzt, die , auch in die Wiener Presse Eingang gefunden hat — es handelte sich um ein geheimes Konsistorium — ist der Papst über die Lage in Palästina nicht gut informiert. Das Uebergewicht der Juden an den heiligen!Stätten -der Christenheit ist bisher nicht vorhanden und -soweit sich dieser Ausdruck auf das ganze Land bezieht, -ein jüdischer Wunsch, der bisher nicht in Erfüllung gegangen ist, da die Juden noch immer eine allzu geringe Minderheit in Palästina bilden. Wenn man aber unter ' den heiligen Stätten Der Christenheit jene Orte versteht,!denen allein diese Bezeichnung zukommt, so haben die lJuden selbst keinerlei Wunsch, den Christen deren Besitz \%n mißgönnen oder sie gar dort zu majorisieren. Im Wrigen ist im englischen Palästina-Mandat die Säkularisierung der heiligen Orte der Christenheit ausdrücklich vorgesehen. Es ist also der Wunsch des Papstes nach seiner Kontrolle des englischen Mandats durch dis Mächte umso unverständlicher, als dieser den Vertreter der zionistischen Sache Sokolow ausdrücklich seiner Sympathien für Den Zionismus versichert hat. Vor einem neue« Monarchistenpntsch 1« Ungar«. Der Wiener Korrespondent der „Boss. Zeitung" «telegraphiert seinem Blatte: Am 20. August feiern -te Ungarn den Stephanstag. Am 20. August wird ^rrl IV. von Habsburg sein Osterabenteuer wiederholen. Die Ankunft Karls in Ungarn soll diesmal .geheimgehalten werden. Es soll vielleicht ein Plebiszit durchgesührt werden, ähnlich dem von Griechen-« land vor Konstantins Rückkehr. Auf alle Hölle hoffen die Legitimisten, daß die Entente es!«icht riskieren werde, einem Dolksvotum Widerstand -entgegenzusetzen, v ' """ .. Ehristlichnationale Propaganda in der Slowakei. Das Wiener ungarische Blatt „Jövö" reproduziert sein Rundschreiben des großmagyarisch-klerikalen Pressevertriebsunternehmens „Nepakarat", an dessen Spitze der bekannte Pater Bangha steht und das vom derzeitigen magyarischen Regime finanziert wird. Dieses Unternehmen, das mehrere Blätter teils herausgibt 'teils ihren Vertrieb übernommen hat, trifft nach diesem Zirkular alle Anstalten für die Üebertragung der großmagyarisch-klerikalen Jrrebentapropaganda in die Slowakei. Diese soll durch Organisierung des Vertriebes der Blätter des „Nepakarat unter der Magyarischen und magyarisch sprechenden Bevölkerung der Slowakei inszeniert werden. Die Blätter, die in dem diskreten Zirkular den'Fremden des „Nepakarat" in Erwartung der Erteilung des Postdebits seitens der Tschecho- Slowakei nach Abschluß der bevorstehenden Verhandlungen mit Ungarn zum Vertrieb angeboten werden, sind folgende: „Nemzeri Ujsag", „Uj Nemzedek", „A Nap", „Budapests HirlaP", „Uj Lap", „Kepes Kwntka", „Uj Jdök". Der Hauptknotrnpunkt dieser staatsfeindlichen Propaganda soll in Bratislava sein, wo ebenfalls ein Unternehmen unter dem Namen „Nepcklarat" (Volkswille) der Vollstrecker der Mission im Sinne ides Zirkulars Nr. 932/1921 sein soll. Die griechische Offensiv« verschoben. London, 17. Juni (Wolff.) .Daily Telegraph' zufolge wird aus Smyrna berichtet, daß die neue griechische Offensive gegen die Komalisten um Einige Woche« verschoben «ordm set. Dor der Beilegung der Regierungskrise. Die Anfchlnßabstimmung in Steiermark stäket nicht statt. Gestern verhandelten die in Wim emgetroffenr« Berk et« der steinsche« chcistlichsoüalen Partei mit de« Parteiodma«« dir Christlichsozialen Dr. Seipel wegen der Anschlußadststnuntttg in Steiermark, die bekanntlich da feit drei Wochen feftfieitb« RegiernnaSkrise verschuldet hatte. Abgeordneter Dr. G e i p «t und der steirische Landeshauptmann Dr. R i n t e l e n. der Fstheer der steirischen»Unbotmäßigen*. konferinten auch mit dem italienische» Gesandten Marchese della T o r e t t a. Nach einer am Abend stattgefundenen Sitzung des chr stlichsozialen Parteivorstandes wurde bekannt, daß die steieri'chen Christlichsozialen, die bekanntlich im dortigen Landtag die Masottkär besitze«. doch eines Viffnen belehrt wurden und sich entschlösse» haben» de« Anschluß« abstimmungsbeschluß zu reassumieren. Damit erscheint dir RetzierungSkrise btigelegt und man glavdi in politischen Kreisen, daß das Kabmeit Dr. M a y r seine Demission zurückziehen und weiter i« Amte verbleibt« wird. Italien «nd die Anschlntzbewegnng. ' Der italienische Gesandte in. Wien Marchese della T o r e t t a erkläre ein:m Journalisten: Die Anschlußbewegung, die heftige Agitation, die entwickelt wird, läßt Oesterreich in unser:» Augen nicht mehr als eine Bürgschaft für die Aufrechterhaltung der Ruhe in Mitteleuropa erscheinen; im Gegenteil, Oesterreich droht ein neuer Gefahrenherd für.diesen Teil der Welt zu werden. Wir in Italien haben daran «in oberstes Interesse. Italien, sowohl Regierung wie öffentliche Meinung, sind zu der Anschlußbewegung absolut gegnerisch gestimmt. Sie halten diese Agitation für unvereinbar mit dem Bestand der Unabhängigkeit Oester re ichs, an die jetzt nicht getastet werden darf. Der. Anschluß ist in dieser Zeit vollständig undurchführbar und ein^ Agitation zur Durchsetzung dieses Planes ist unvereinbar mit dem höchsten Ziel der italienischen Politik, der Apfrechterhabtung der Ruhe in Europa. Diesem obersten Ziel gegenüber wird Italien alle Rücksichten Hintanfetzen. Ganz falsch ist es/ wenn die Frage so gestellt wich: Anschluß oder Kredite. Der Anschluß ist, Uh wiederhole es, in der jetzigen Situation unmöglich. Durch die Änschlußagitation werden auch die Kredite unmöglich. Es wird dann heißen: Weder Anschluß, noch Kredite. Welche andere schädliche Folgen die Anschlußbetvegung haben wird, darüber will ich mich nicht eingehender äußer», aber ich kann nur sägen, daß alle Warnungen, die bisher laut wurhchß nicht grundlos gewesen sind. Die Tiroler Reiseschecks. Za der gestern verlautbmtrn amtl'chm Mitteilvng über die von der B«ndrSrkftier«»g beim VersaffuugSgmchtShof eingekochte AnfcchtungderVerord»««g der Tiroler LaudeS« regier«ni über die Heftel**« des ftafiat* b altes und der D erpfleg«nft der Fremden i» Tirol, welche Beiordnung insbesondere mrchdie Durchführung des LandtagsbeschluffeS vom 7. Mai 1921. betreffend die Regelung der Frrmdmverpfl. gung durch E nikchrung des Reisescheckverkehrs, enthält, erfahren wir, daß die Verhandlung über die berdm Änfech1u«gScmtr8ge auf de» 28. d. M. angrsctzt wurde. Das Arbeitsprogram« von Portorose. Atom. 17. Juni. (Tel. Komp.) Für die am IS. Juli beginnende «onsenn, von Pöitorose wurde von de« Delegierte« folgendes Arbeusprogiamm sestgisrtzt: Bereiybanmüber dm WarnravSiausch, Erleichterung der Post'. Telegraphm- «nd Tclkphonverbiudungrn, Vere nbarungen über den Tiansitverleh» und dm Eisenbahnverkehr sowie Beschränkungen der En- und Ausfuhrverbote. Marchese della T o r e t t a» der rtal'mriche G-' sandte in Wren, wird diese Konsirmz leiten. A« ihr werden außer den Nachfolgestaaten Oesteirerch-UngamS auch Frankreich, England und Amerika teilnebmm. jedoch wird der amenk-nischr Vertreter Oberst Smith dm Arbritm nur als Beobachter folgen. , Die Konferenz von Rom. Nach Mitteilungen des.Sektionschefs Dr. Schüller in der gestrigen Pressekonferenz ließen sich die Verhandlungen in der Konferenz zu Ro nt anfänglich sehr schwer an; mit der Zeit' gelangte man aber in gewissen Fragen doch zu Entwürfen, die nun von den verschiedenen Regierungen genehmigt werden müssen. Folgende Fragen wurden geklärt: 1. D ie Teilung der Archive. — Bisher bestand ein diesbezügliches Uebereinkommen nur mit der Tschecho-Dlvwakei. Jetzt, ist zwischen allen Staaten eine Einigung herbeigeführt.. . 2. Die Pensiane« der ehemalig«« ö st e r r e i ch i s ch e n, und österreichisch-ungarischen Staatsbeamten. — Es wird anerkannt, daß jeder Staat die Pensionsansprüche seiner Staatsbürger und dexjenigen, die di« Staatsbürgerschaft durch Option erlangen, zu übernehmen hat. Bezüglich der Währungsverhältnisse haben sich die einzelnen Staaten Vorbehalten, daß ihre Gesetzgebung maßgebend sei. S. Die Frage bet Rechtshilfe, zum Beispiel die gegenseitige Dür.chführung der Urteile. 4. Feststellung der Staat§zugehSrtgr»iL und die Arrerkennutzg der daraus bezüglichen Dokuttftite. " ’r' '-w ' '' ' ‘ Mutmaßlich sind auch Grundsätze für de» Abschluß von Uebereinkommen in folgenden Kragen fertige gestellt wordm: Doppelbesteuerung (Schwierigreiten berei- - tete hier die Vermögensbe'steuerung) und di« Behandlung der Versicherungsgesellschaften in verschiedenen Gebiet«». Unerledigt und ungelöst blieben die Teilung der Postsparkasse, di« Frage der juristischen Personim (zum Beispiel das Verhältnis dev Bankfiliale« zu de« Zentralen) und die Frage der Kollektivität. Namentlich übär dett Begriff der Kollektivität war bisher keine Einigung zu erzielen, M diese Unerledigten Fragen sollen im Oktober weiter verhandelt werden. Die Stefanr-Agentur berichtet hiezu: Die Delegierten der Nachfolgestaaten, mit Ausnahme Un»j gakns, haben mehrere Vorschläge für Bereinbarun-j gen' und Abkommen unterzeichnet, die nunmehri den betreffenden Mgierungen zur Genehmigung unter-j breitet werden. Unter diesen befinden sich Ueberein^i h>mmen. betreffend hte von de» Nachfolgestaaten an-j geforderten Archivteile, die Fideikommisse, die Pen-j sionen an die Beamten des früheren Regimes, ferner^ Abmachungen über private und soziale Versicherungen.; Weiters wurden unterzeichnet: Ein Jmportabkommen, ein von Italien fertiggefteMr Entwurf eines!! Uebereinwmmens zur Vermeidunr von Doppesbest-üe-; rung, ferner noch der Ratifizierung vorbehalteue S o nderabkommen zwischen Italien, Oesterfeichq. der Tschecho-Slowakei und Jugoslawiens di« den Schutz der Staatsbürger den internaLio-.j malen juristischen Beistand, die Beglaubigung von Ur-; künden und die Auslieferung vom Verdreh chern zum Gegenstände haben. ' t * In Besprechung der Konferenz in Rom schreibt! „Meftaggero-r Me Staaten der ehemaligen Monarchie seien der Ginladung zur Konferenz gefolgt, die den Beweis erbracht habe, daß em Zusammenarbeiten aller Völker des früheren Oesterreich- Ungarn für deren Zukunft notwendig sei. Der 8rsolg der Verhandlungen liege nicht allein in den getroffenen Abkommen sondern auch darin, daß alle anderen Fragen einer Klärung nähergeLracht worden'seien. Italiens Verdienst fei es, die Maaten w Kontakt gebracht zu haben. : ' Telegramme. Die jüdische Emigrationskonferenz in Brüssel. »Etl, 18. Juni. (Jüd. Korr.-Dur.) Die von der ,Jca* für? den 7. d. M. zofammenberusene Konferenz sämtliche« jüdischer SmigrattonSgesellschaften hat ihre Beratungen über die Regelung der jüdischen AuS-, Durch- und Einwanderung absefchloffen. Die Konferenz einigte sich zunächst -auf Koordinierung aller für die jüdische Emigration wirkenden Gesellschaften und Komitees unter der Führung der »Jea". wodurch die Arbeit vereinheitlicht und systemisieri werden soll. Weiterhat die Konferenz eine Reihe von Maßnahmen zum Schutze der jüdische«, Emigranten be, schloffen, von denen die wichtigste die Einführung wirksamee sanitärer Aufsicht in de« Aus- und Einwanderungs- Mionen ist. ‘ sf; 8tnl dies« Meldung ist nicht zu ersehen, welche Emigrütion-organisatwnen an der Konferenz in BrüffA teilgenommen haben. Bekannüich hat deck Komitee der jüdischen Delegationen in Paris mich die Regelung der Gmigrationsfrage begonnen und die Karlsbader Aeithilfs. zentrale will jetzt eins Zusammsnfaffung der in Betracht kommende« Organisationen in die Wetze leiten. Wenn etz sich hier um eine Gegenaktion der »Jca" handeln fottie, so wäre dieß bedauerlich. Das jüdische Emigrantenproblem! wird nur gelüst werden kömu» durch ein Zusammenwirken aller jüdischen Krätfe und die Schaffung einer demokra, tischen Tribüne, welche allein die Mitarbeit aller BmkSkreift in dw Lege leite« könnte. - Die jüdische« Arbeiterparteien und die Lage in Palüftina. j Jerusalem, 14. Juni. (Jüd. Korr.-Bur.) Die Exekutivkomitees der jüdischen Arbeiterorganisationen Hapoel Hazair und Zeirei Zion traten zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen, um zu der durch die Erklärung Sir Herbert SamuelS geschaffenen Lage Stellung zu nehmen. Die Kon, ferenz faßte folgende Resolution: >Jn Anbetracht deffen, daß die Erklärung'Sir Herbert Samuels vom 8. Juni die Einwanderung nach Palästina von der Zustimmung der gegenwärtigen Einwohner Palästinas abhängig macht; daß sie stillschweigend über die internationale Anerkennung des jüdischen Volkes und seinen durch eine jüdische Vertretung auf die palästinensischen Angelegenheiten in der Zukunft auszuübenden Einfluß hinweggeht, ferner daß diese Erklärung einen beträchtliche« Teil der palästinensischen Judenheit als Fremde behandelt, was einen Eingriff i« die Rechte der Juden in Palästina bedeutet, appellieren die Exekutiven der Hapoel Hazair und IZeirei Zion an die Judm der ganzen Welt, sich zur Abwehr dieses Angriffes zusammenschiieße». Die Exekutiven der oberwähnten Foderatione» anerkennen alS Hauptursache der gegenwärtig ^WoaKen goUÜ&et» Lage dxs den ma&ßtl,

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