Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 857 (16.6.1921)
- Date
- 1921-06-16
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Men. DormersraL Mener Mo-gr«zemmtz zwischen Europäern der nitzdersn Klasse und den Ein- Lorenen stattgefnnden, deren Gründe noch unbekannt sind. Die europäische Kolonie hat gegen diese Darstellung, welche sie als eine Vertuschung und Verschleierung hes wahren Sachverhalts bezeichnet, lebhaften Prozeß erhoben und der „Messaggero Egiziano" .hat daraus hingewiesen, daß es sich diesen Behauptungen zum Trotz, um «me richtige, geM die Fremden gerichtete Revolte gehängt habe, bei welcher d« eintzeüoreue Polizei mit den Mzchenten gemeinsgmeMache gemacht habe. .' * ’ Die Duplizität der Fälle in Aegypten und Palästina ist in der Tat auffällig und auch die Haltung, der englischen Behörden war in beiden Fällen die gleiche. Es macht den Eindruck, als hätte sich die englische Orientpolitik in der letzten Zeit die Maxime zuxechtgelegt, ihre Autorität möglichst wenig zur Schau zu tragen und der im vorderen Orient von Zeit zu 'Zeit aufflammenden Nervosität mit möglichster Duldung zu begegnen. Auch der Politik Herbert Samuels, des Oberlommifsärs in Palästina, wird von jüdischer Seite der Vorwurf der Schwäche gemacht. Aber fy sehr man bereit ist. ihm,' dev Englands verantwortlicher Beamter ist, alle Rücksichten auf Englands Interessen zuzubilligen iind so wenig man einer Scharfmscherpolitik gegen die Araber das Wort reden möchte« so gehört vieles von dem, was geschehen ist, in ein anderes Kapitel. Die alte Militärverwaltung, deren antizionistische Haltung seit den vorjährigen Unruhen in Jerusalem zur Genüge bekannt ist, wurde im Dienste belassen, und es scheint, daß noch immer jene Kreise einen wesentlichen Teil der Macht haben, die seit Anfang gegen den Geist der BalfouEellaration intrigieren. Nur so wird die Passivität der militärischen Behörden verständlich, welche nichts dagegen taten, daß die Araber mit Waffen versehen wurden, daß eine, systematische Pogromhetze betrieben wurde, und das alles, obzwar es an rechtzeitigen Warnungen nicht gefehlt hat. Go wird auch die Saumseligkeit des Militärs begreiflich, das erst nach Stunden in Jaffa eingriff, während es «in Leichtes, gewesen wäre^ die Unruhen im Keim zu ersticken. Den schärfsten Protest aber muß die Art und Mise Hervorrufen, wie die Untersuchung über die Geschehnisse geführt wird. Es scheint, daß das System der Vertuschungen hier so weit geht, daß man die Wahrheit nicht sehen will. Bisher ist nicht einmal daS Selbstverständliche geschehen, / daß jette suspendiert worden wären, denen die Verantwortung für die Passivität des Militärs und die Exzesse der Polizei zusällt, und sie selbst, die unter Anklage gestellt werben müßten, find an der Führung der Untersuchung mitbeteiligt; der Untersuchungsrichter ist derselbe Mann, der voriges Jahr daS Urteil gegen JerHoirtnsli tz und Genossen fällte. Die Untersuchung selbst ist zur Komödie geworden, die Araber werden mit Handschuhen angefaßt, und «S hat den Anschein, als wollte man die Schuld an den- Vorkommnissen in gleicher Messe Juden und Arabern yuserlegen. Dieser Opportunismus, der es sich' mit den Arabern nicht verderben, möchte, hat mit Politik nichts mehr zu tun. Wenn man Mördern und Mordanstiftern, Nachsicht beweist, geraubtes Gut ruhig verschleppen läßt und auf alle Strenge verzichtet, so können die- Wirkungen eines solchen Verhaltens sehr nachteilig und gefährlich werden, und dies, nicht bll>ß für die Mische Sache allein. Die Zionistische Organisation hat durch ihre Schwäche vieles verschuldet, jetzt aber ist es ihre Pflicht, gegen eine Politik energisch zu protestier«», welch« diese« Name« nicht verdient und durch ihr stetes Zurück, weichen nur sehr unangenehme Effekte erzielen kan». Vom Augenblick der Verfügung der EinwanderungSzperre bis zu der verwässernden Interpretation d«r Balsvur-Deklaration zeigt Herbert Samuel eine Rücksichtnahme auf die levantinischen Fanatiker, die sich schwer rächen kan», und die Mt, wie die Untersuchung geführt wird, erregt allgemeines Befremden. Einer versöhnlichen Araberpolitik werden alle einsichtigen Zionisten das Wort reden und es unterliegt keine« Zweifel, daß auf dem Gebiete jüdisch-arabischer Verständigung leider noch alles nachzuholen ist. Wer zarte Rücksichtnahme auf Verbrecher gehört nicht in dieses Programm und es not, daß hier ein klares und energisches. Mort gesprochen wecket fltut EinbSkgerungsschwierigkeUen in Amerika. Rew-Aork, 13. Juni. (Jüd. Korr.-Bur.) Die Kampagne gegen die Einwanderung artet in Schikanen gegen die bereits eingewanderten Ausländer aus. So werden jetzt Maßnahmen erwogen, jeden neuen Immigranten das erste Jahr hindurch unter Polizeiau fsicht zu stellen. Weiters sollen die Frauen der im Auslande geborenen Männer sich separat um die Naturalisierung in den Vereinigten Staaten bewerben müssen« obwohl deren Ehemänner bereits im Besitz sämtlicher Einbürgerungspapiere sind. Dadurch soll die Naturalisation von Ausländern bedeutend erschwert werden. Diese Maßnahmen riesen' in maßgebenden Kreisen der jüdischen Bevöll^rung .Amerikas, groß« Aufregung herva.r. > Politische^drur-schau. Sin zweischneidige» Schwert. ' München, 13. Juni. Die Münchei.er Polizei sucht den Mörder des Sozialistenführßrs Gareis. Sie wird ihn nicht finden. DaS laßt sich schon M« Voraussagen, Ihn ganze bisherige Migbrit — fest Herr Pöhper ihr Präsident ist -» macht dies, Prophezeiung sticht. Hat fle «S doch dem Vizepräsidenten bey.Mnchener Handelskammer, Herrn Sstgyiulch Frarnstl, er» müglicht, die katastrophalen Folgen des jetzigen Polizei-- und Regierungstaktik in Payern unmittelbar vor dem blutigen Attentat vorauszuvevkünden. In einem Artikel über „die konfessionelle Verhetzung in München" erklärt er im „Berliner Tageblatt" ganz unumwunden, „daß der unter der stillschweigenden Billigung der Münchener Polizeidirektton beschrittene deutschvölkische Irrweg unfehlbar in rin neues ChaoS von Zrvstörung und Verwüstung führ»« muß". Zum Beweis bekommen wir eine BAttnkfi aus dem antisemitischen Blätterwald vorgesetzt, die uns eine erschreckliche Verwilderung der politischen Kampfes verrät. Wir vernehmen ferner, baß überdies die Straßenecken mit Plakaten verziert werden, die den Ton der Hetzpresst noch überkiöten. Das Bezeichnendste für hie jetzt in Bayern herrschenden Zustände ist aber der Umstand, daß dies« Plakate < den Zmsurstempel des Polizeipräsidiums tragen, Dalsti ist der fanatische Judenhaß, den sie predigen, so, grenzenlos, daß er sogar vor unflätigen Angriffen auf das Wesen und die Geschichte des — Christentums nicht Halt macht. Ein Plakat weist nämlich als Belegstellen für den angeblich gemeingefährlichen Charakter de- Judentums auf eine Reihe von Bibelversen hin, darunter auf jene, von der die Kirchenväter die Abstammung deS Stifters der christlichen Religion ableiten. Die Folgen dieses StzsstmS find, denn auch nicht ausgeblieben. Daß in hellen Mondscheinnächten di« israelitischen Gotteshäuser besudelt werden, daß der Mehrhritssozialift Sänger auf dem Heimweg von einer Versammlung hinterrücks überfallen und schwer mißhandelt und der Unabhängige Gateis gar erschossen wurde, dürfte den merkwürdigen Behörden, die berufen, für Auf- «chttzrhaltung von Ordnung und Sicherheit zu sorgen, statt dessen die wüsteste Pogromhetze unter ihre schützenden Fittiche nehmen, keine besondere Aufregung verursachen. CS fehlt aber auch bereits .nicht mehr an solchen Symptomen, die selbst den kurzsichtigsten Reaktionären bedenklich erscheinen müsst«. So hat ein stellenloser Kellner jüngst eine,Hertz Jesu"-Andqcht dadurch gestört, daß er die- Predigt des über die Wunder Jesus' aus Erden sprechenden Geistlichen mit dem höhnischen Zwischenruf/unterbrach; «Wie kann denn JesuS uns helfen, dg ex selbst ein Jude war!" Dieser unliebsame Vorfall muß den jetzigen Machthabern in Bayern und überall sonst, wo der Antisemitismus M Köder fürs Volk geschätzt wird» besser als Vorstellungen von gegnerischer Seite di« Augen darüber öffnen,, wohin sie mit der Begünstigung der hemmungslosen Verhetzung steuern. Wenn sie selbst aktiv oder durch passives Beiseitestehen di« Grundpfeiler der europäische«' Zivilisation untergraben helfe», dann müssen si» darauf gefaßt sein, baß nicht nur hie von ihnen als SündenLöcke preisgegeh-ne^ soziale» und konfessionellen Schicht«», sondern auch sie selbst und alles, was ihr«» Leben Inhalt gegeben hat, rettungslos m die Tiefs stürzid . , ' Wie Ungarn abrüstet. Ungarn geht daran, sich auf die Durchführung des Friedensvertrages vorzukereiten. ES tut dies in bezug auf die Abrüstung der Armee in der Weise, daß eS die Truppenkörper einfach in statistische Aemter «mwandelt. Offiziere un& Mannschaften erhalten Zivittleidung und altes andere bleibt beim alten. Auch die berüchtigten T-Organe» di« Spitzelabteilungen, werden Leibehakten. um die eingerückte Mannschaft je nach ihrer politischen Gesinnung behandeln zu können. Rach einem von dem Militärkommandanten van OedenLurg. Oberst Moesary, verfaßten Geheimbefehk find die politisch Verdächtigen, die „Aufwiegler", ferner die Letter der kommunistischen Lokalverwaltur^en, die «deftrNk» tiven" und sonstigen staatsfeindlichen Personen bei Alarm in Arkeiterbataivone einzureihen, wenn sie mindertauglich find. Heftet die Behandlung der jüdischen Soldaten in de» Arbeiterbataillonen hatte jüngst der Abgeordnete Paul Sandor in der Rattonaldersammlung Beschwerde geführt. Der Honbedminister BelitSla richtete an Gandor ein Schreiben, in welchem er alle diese Beschwerden rundweg ableugnet und zum Schluffe den Abgeordneten auffordert, konkrete Tatsachen anzugeben, ..damit emöglich werde, gegenüber den dar Ansehen der nationalen Armee schädigenden tendenziösen Anzeigen gehörig vorzugehen und die Anzeiger oder Widerfacher zur Verantwortung zu zieh«»-. SS soll also Rache an den jüdischen Beschwerdeführern genommen werden« tfij schuldigung verhaftet wprben seien. Ebenso protestigrA daS muslimisch-christliche Komitee. ©fe wir ersahren. versammelten sich die Einwohner vyn Jaffa jn glytzg» Zahl vor dem ReLierungsgMud» und verlangten di» Freilassung der Gehafteten. Zum Zeichen dgsj Protests schlossen sie ihr« Süden. Die Juden folgte« diesem Beispiel und schltzssen die ihrigen. Lwtzdentz fiel »ichjK Ernstes vor.'; s. < Amerika «ad England. P-rir,,1S. Juni. „Petit Pariskn" gibt einen «Mii sichtlichen Stimmungsbericht des Wsshingtpner! „Times"-Kvrrespondenten über die Lage nach An^ nähme der Resolution Porter wieder, dis den Frzg-s denszustand mit Deutschland erklärt. Der Korrespon«! dent habe Grund zu der Annahme, bah die Vereinigt ten Staaten die Ratifizierung des Versailler' Vertrages^ allerdings mit einer Reihe von Vorbehalten, vornehmer? dürsten, um an den Arbeiten des Obersten Rates, derj eine Schöpfung des Friedensvertrags sei, teilnehmen zu können. Die neue amerikanische Regierung hege auch den lebhaften Wunsch, ein engeres Ei«? vernehmen mit England über sämtliche Fragers der Politik anzustreben, doch denke man vorläufig nicht daran, ihm den Charakter eines Bündnisses zy? verleihen. Einer her wichtigsten Punkte dieses (Stow Vernehmens solle die Regelung der Marinefrage« bilden. Nach dem in Erwägung stehenden Plane wür->! den die Vereinigten Staaten ihre Seestreitkräfte im Stillen, Ozean konzentrieren und den Atlantisches Ozean England als Einflußsphäre überlassen. D Plan setze ferner den Verzicht auf die Erneuerung de englisch-japanischen Bündnisses voraus. Präsident Hg ding und sein Krbinett hoffen, ein engeres Zusammen-, arbeiten zwischen den Staaten englischer Zunge herbes führen zu können. Inland. Dt« arabisch« Pr«ffe Sber die Uarahe« itt Jaffa. Der Jaffaer Korrespondent des arabischen Mattes „Alis -Be" berichtet, daß ein Komitee von arabischen Advokaten gebildet wurde, «m die Interessen, ihrer Brüder in Angelegenheit der Jaffaer Unruhe« zu schützen. In diesem Komitee befindet sich auch Mr. Rich ard so«, einer her Anwälte beim Britische« Militärgerichtshof. „Maralb-el Scharat" berichtet, daß in Jaffa sieben Efendis verhaftet wurben. Das Blatt geht so weit zu erklären: „Wir forschten «ach dein Grunde dieser Verhaftung, konnten aber keine klare Antwort erhalten. Die Efendis protestierten vor dem High 'iMMwMw« twmßt Nt W.Mi WH-iUft «in 1« atm Die ratlose Sieqierungspartei. Die augenblickliche Sage ist dadurch s-ksmizsichnÄ, hgj die Parteien des Rstionalrateihre Unfähigkeit offen dellas ritten. Die Grpßdeutschen hoben in dem Brief an Tis Hrndlqy de« Herrn Mahr angeschwärzt, daß « fifejj Oesterreich falsche Berichte auSgiht. Mahr hat sich revanKert und dm unzweideutige Antwort deengäfche« Gesandten der Oeffentlichket mAeilen lasten. Jetzt bleibe« die Grohdeutschen bei dem AbsttmmungSplan und dis Christlichsozialen Men weder aus noch ein« SH haben folgendes beschlossen: j Di* christlichsoziale Partei ist, solange der stelrlschy Abstimmungsbeschlnß nicht rüHängig gemacht wird, r,«cht in der Lage, den anderen Parteien «inen Vorschlag aus gemeinsame Bildung einer Regierung zu machen. Um aber im StaatSintereffe wenigsten» die vorläufig« Bildung einer Regierung zum Zwecke der Führung der StaatSgeschöfte ,u ermöglichen, ist die christlichsoziaH Partei bereit, eine von anderer Seite borge-, fchkagene Regierung «itzuwahle«, wenq folgende Bedingungen «füllt werben r 1. Die neue Regierung und die sie wählenden Parteien «klären sich für die konsequente Fortführung dws PrMk der SanierungSaktion durch den Böller, 8. We Parteien gewährleisten,, daß ltin% Weitere länderweise AnschluHabstimmung stattfknded s 8. Die Regierung verpflichtet sich, alle» zu tim,' uut auch die steirische Anschluhabstimmung zu der« meiden. Gelingt ihr dienicht, so behält sich die christliche soziale Partei ihr gegenüber freie Hand vor.; Daist daS offene Geständnis, daß hie große Staat»! retterpartei Konkurs ansagt und, davonläust, nachdem sie dtz Fen ster emgeschloyen hat. ~ M Die Antwort der Drrßdentsche«. Ir d« Sitzung deß verbändeder Abgeordneten der GroßÄ denisch« BoNSpartei teilte Abg. Dr. D i r g h o f e r den letzte« Beschluß de« chrisilichsozialen Lbgeordnetenllvb» mit nrd gab seiner Meiuurg Ausdruck, daß darin kein» geeignet^ Grnndlage für eine rasche Entwirrung erblickt vmd« könne. Die endgültige Stellungnahme der Großdentsche» hängt von der morgige» Eutscheidaug in Graz übe» die Abstimmung ab» vkeibt eS bei ber Durchführung dies« Abstimmung, so sei «ia^ rasche Lösung der Krise zu gewärtige»; anderenfalls wäre eine völlig veröndrrte Lage geschaffen, dir eine mnerliche Slellnugnahnw der Großdentsche» erfordere. U«ters«ch«ug«a«»sch»tz für di« Holz-' Lbstock««g»vrrtrSge.;{ In der gestrigen Sitzung des UntersuchjmgSauÄfchufses für die Holzabftockungsverträg« äußerte 'sich! Bundesminister Heinl darüber, wie weit er auf das Zustandekommen deS Vertrages Einfluß genommen habe. Zur Erörtzttung gelangte weiters die Frage, warum dev StaatSsiorstwirtschast die Erwerbung von Dachbemvbilisierungsgütern im Gegensatze zur Privat» industrie so außerordentlich erschwert wurde. Die zuu ständigen Referenten, Präsident Dr. Künstler, Hofrat! G rabor, BtaatSkommissär Dr. Hillinger, Forstrat BaigaS, wurden hierüber einvernommen. Außerdem hätten die Vertreter der Forst- und Domänendlrek- Hott Wien Gelegenheit, über die Rückwirkung deS Holzabftvckungsvertrages auf das Bertragsgebiet AMdWA.