Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 854 (13.6.1921)
- Date
- 1921-06-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Die Besprechungen werden morgen sortgesetzt. Zn f r a n z ö s i s ch e n Kreisen haben dze Besprechungen eine» guten Eindruck bewirkt, da Dr. Rathenau non der Notwendigkeit überzeugt zu sein scheint, daß Deutschland in dem Wnnsche nach Vers s S h u u u g seiue Verpflichtungen erfülle. Die i« Wiesbaden aufgenommenen Besprechungen werden wahrscheinlich in Paris zwischen srauzöfischen Sachverständigen und Vertretern Dr. Rathenaus fortgesetzt werden. Paris, 13.' Juni. (Tel.-Komp.) Die Mehrheit der französischen Zeitungen bespricht ausführlich die Zusammenkunft, die gestern Zwischen dem französischen Wiederaufbaumimster Loucheur und dem deutschen Wiederaufbauminister Rathenau stattgefunden hat. Loucheur erklärte gestern dem „Maün"-Korrespondenten, daß er von den Besprechungen mit Rathenau sehr befriedigt sei. Er habe Rathenau zum ersten Male gescheu, aber die Ueberzeugung gewonnen, daß er die besten Absichten habe, 'die von Deutschland eingegangenen Verpflichtungen durchzuführen, und daß er in allen Fragen auf der Höhe sei. Rathenau sei mit den besten Vorschlägen gekommen und 'es handle sich um nichts anderes als um einen Meinungsaustausch. Parlaments. 7 Rom, 12. Juni. Die Auffahrt des Königs zur Eröffnungssitzung des Parlaments hat unter großem militärischen Gepränge stattgesunden. Die militärischen Äbsperrungsmaßregebr waren schärfer als sonst.; Im Sitzungssaal hatten die Senatoren die Lücken oüsgesüllt. die durch das Fortbleiben der Sozialisten Kommunisten und Republikaner entstanden waren. In. der Diplomatenloge saß der deutsche Botschafter zwischen seinen englischen und französischen Kollegen. Als der König Md die Königin eintrafen» bereitete ihnen das Haus aus allen Rängen die üblichen Ovationen. Die Abgeordneten der neuen Provinzen wurden durch Zumfe: .Es lebe Triest!", .Es lebe Dalmatien!", „Es lebe Görz!" begrüßt. Als Giolitti den Namen Toggenburg Lüsstirach, rief der Abgeordnete G i u n i o, der bekanntlich geschworen hatte, Toggenburg zu ohrfeigen, wenn er das Parlament betreten sollte: .Rieder mit Oesterreich!" Sein Zwischenruf rief Zischen Md Bewegung hervor. Während die slawischen Vertreter erschienen und in den Linksbänken ihren Platz gefunden hatten, waren wider Erwarten und gegen die msprüngliche Absicht die Vertreter Südtirols nicht erschienen. Sie hatten Zusicherungen verlangt, daß die Haltung des Diester Abgeordneten Giunta gegen Toggenburg zu Keinen Zwischenfällen führen würde. Da diese Zusicherungen nicht gegeben wurden, zogen sie es vor, der Sitzung' fernzubleiben. Die Thronrede begrüßt im ersten Satz die Vertreter der neuen Provinzen, die in der italienischen Nationalversammlung die alte römische Trahition gewahrt finden würden, selber frei zu sein und niemand zu zwingen. Der König ging sofort zur Außenpolitik über, von der er sagte, daß sie sich loyal bemühen werde, den Gegensatz der Leidenschaften und Interessen zu lösen und dadurch vor allem und über allem für das italienische Volk den Fortschritt zu'sichem, der auf dem geraden Wege eines zuverlässigen Friedens zu suchen sei. Auf Einzelheiten wurde in der Thronrede nicht eingegangen. Bei Besprechung der inneren Politik wurde dem Parlament das demokratische Programm Gwlittis empfohlen, Bemerkenswert!war das Versprechen der Anerkennung sämtlicher!Organisationen und der Freiheit des -Unterrichts. Bei diesen Worten erhoben sich die K! erikalen von ihren Sitzen, um dem Monarchen langen Beifall zu spenden. . - Damit baden sie erreicht, was sie. für ihre Mandanten geforvert haben, nämlich Anerkennung ihrer Arbeiter- und Bavemorgamsativnen und der konfessionellen Schulen. Giolitti hat also den Versuch, die Sozialisten zur Mitarbeit heranzuzieben, ausgegeben ',11$! wird M Mso.-ckisM^mir''MAie7MMÄen stützen, die im'Wrein 'MeräÜn öerert.' Md, seiner Regierung die uvttge Stütze zu geben. Krassin über das Scheitern der WirtschastspolMkinNntzland. Paris, 12. Juni. (Havas.) In einer Unterredung mit dem Londoner Berichterstatter des .Petit Parifien" legt Krass in die Gründe dar, die die Moskauer Regierung dazu treiben, die Mitarbeiten S l ä »bischer Kapitalisten zu erlangen. Er bekennt zunächst daS Scheiteru der s o w j e t ist ischen Politik, die das Heer der russischen Proletarier so geleitet habe, als ob die Heere der übrigen Proletarier die gleichen Siege erringen müßten. Heute sei Lenin z« der Einsicht gekommen, daß er allein auf vorgeschobene Stellungen gelangt sei und sich dort nicht halten könnte. Er sehe sich zu einem strategischen R ü ck z u g genötigt. Lenin sei überzeugt, daß die Entwicklung der Revolution im Auslande langsam sein werde, und hat srtne, Taktik geändert, indem er beschloß, sich mit der inneren Opposition, jener der Bauern, und qnt der auswärtigen Opposition, jener der Kapitalisten, abzufinden, anstatt deren Vernichtung zu versuchen. Krassin gibt sodann ein düstere- Bild des Zusammenbruchs. In Rußland fehle. es an Transportmitteln und Brennstoffen; alle- Werkzeug sei zerbrochen, gestohlen oder verschleppt; die Arbeiter seien technisch nicht genügend ausgebildet; bewaffnete Banden plündern die ländlichen Gebiete; es herrsche Hungersnot. '' . ■ .Der russische Bauer", fährt Krassin fort, »wird niemals um unserer schönen Augen willen zum Kommunismus kommen und wir müssen ihm einprägen, daß wir für ihn die besten Führer sind, indem wir sein Wohl durch Erzeugnisse der Industrie fördern. Lenin widmet sich dieser Aufgabe und hat sich an die Kapitalisten mit dem Angebot gewendet, die Hilfsquellen des Landes zur Geltung zu bringen. __ Ernste Lage in Bayern. Ansdehmmg de» Streik». — K«ndgeLttnse« in München. Berlin, 12. Juni. (Tel.) Wie die Blätter aus München melden, findet die Einäscherung der Leiche des Abgeordneten Gareiheute Montag um b Uhr nachmittags statt. Zur selben Stunde werden in Berlin große Demonstrationen gegen die Mörder Demonstrauien aus einen noch zu bestimmenden marschieren und dort eine gemeinsame Kundgebung veranstalten werden. Die Unabhängigen berufen ihre Genossen für 5 Uhr nachmittags! zu einer Demonstration auf dem Berliner Schloßplatz ein. Ihre Forderungen gehen auf die Entwaffnung .der Ein w o h n e r w e h ren, Rücktritt der Re zrer«rtg Kahr und des Polizeipräsidenten Pö hne. Die Kommunisten haben. von einer eigenen Demonstration . Abstand genommen und werden sich an der Demonstrationder Unabhängigen beteiligen. Sie verlangen die.Bewaffnung der Arberterklasseu. .; Für alle Fälle muß für die nächsten Tage in Deutschland mit einer ernsten Gefährdung der Ruhe Md , Ordnung gerechnet werden. EL ist mehr, als/wahrscheinlich, daß Deutschland vor einer-schwierigen, innerpolitischen Situation sicht.' München,, 12. Juni. Nachmittags sammelten sich: e t w a 3000 Per s o n e n entgegen dem polizeilichen Verbot vor dem Ausstellungßpark an, doch, wurden, sie von mehreren Hundertschaften der Polizei 7 v.hu e besondere Zwischenfälle zerstreut. Der. Ausstellungspark wurde hierauf abgesperrt.u .< > Die Sonderausgabe. der »Münchner Posi5 ist wegen der Aufforderung zum Generalstreik.in .lebenswichtigen Betrieben beschlagnahmt worden, ebenso der „Völkische Beobachter".. Die Zeitschnst ,Der. Kampf", ist bis auf weiteres v e r ü o t en worden. . Berlin, 12. Juni. Wie die -^Freiheit^ meldet, stehen die Eisenbahner in Verhandlung mit dem Streikkomitee,, .um für. Montag den Streik/in g a nz. B k%tx w .emsetzen zu . laffe»,; /Rach'.' .ojfec Meldung:. des^ „Vorwärts"- ans München h e.iLssr.p'NL des Münchener Proletariat zur. Et-.-/ reichüng der. politischen Generalstreikforderungen. w.i.ech/er / hergestell-t... Fortdauer der Kämpfe in Oberschlefien. ...7/ Berlin, 12. Juni. (Wolff.) Die Polen setzen ihre Angriffe sott. Verschiedene Orte wurden mit Arttlletie- ' und Maschienengewehrfeuer belegt. So wurde Ra t ib o r st a r k b e s ch o s s e n. Aus Zembowrtz würden vier Angriffe mit Unterstützung von vier Geschützen ausgeführt. Die Brücke bei Lapatsch wurde gesprengt. Von der Bevölkerung von Boritsch, das die Polen besetzt haben, kommen fortgesetzt Hilfemfe.;; Oppeln, 12. Juni. (Wolff) Bei den Verhandlungen mit General Hofer hat die.interäMierte Kommission wiederholt auf das bestimmteste versichert, daß sie den Insurgenten jede Kampfhandlung unter-- sagen werde. Trotzdem haben diese auf der ganzen Kampflinie eine lebhafte Tättgkeit entwickelt. Allein Rattbor-Plania wurde am heutigen Nachmittag durch die Polen mit 32 Schuß Artilleriefeuer belegt. Mehrere! Ortschaften, die der deutsche Selbstschutz über Auf-- sordemng der interalliierten Kommission für die Ententetruppen fteigemacht hatte, wurden heute von den Pole» erneut besetzt._ Die amerikanische EinWanderungsdi« provisorisch abgeSndert. Washington, 12. Juni. (Reuter.) Der Ein» wanderullgsausschuß des Repräsentantenhauses hat .. sich/ für einen Beschlußantrag ausgesprochen, der alle« vor d e m 8. I u n i nach den D e r e i n i g t e n Staaten eingeschifftew Ginwanderer« die L a n d u n g g e st a t t e t. Diese Maßnahme wird getroffen, um der gegenwärtigen UeberfMüng der Häfen abzuhelsen, nicht aber, um hie nach dem'neuen Gesetze für ein Jahr zugelaffene Zahl von Ein-/ Wanderern, aus welchem Lande immer, zu erhöhen. Der «eue polnische Antzenminister. Warschau, n. Jrmi. (Poln. Trl.-Ag.) Der awmbini’ liche Gesandte anb bevollmächtigte Minister bei der üaliemsckrtt, Reg'.erung Konstantin S k e r « » u b ist zunr M'nißn ws Aeußrrn ernannt «ordea. Die Sequestration des tschecho-sloma-' Nischen Vermögens in England. P^äg, 12. Juni. Nach dem „Prager Tagblatt* HÄ dre englische Regierung die A u f h c b u n g her'. Sequestration des tschecho-slowakischen Lermoaem. gründsätz lIch ad^rle huL v