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Wiener Morgenzeitung · 1921-06-11 · Heft 852 (11.6.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 852 (11.6.1921)
Date
1921-06-11
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Wijmer Morgenzektüng *rm$nm isaam Die BanRroüwirtscbaft in ckk UnbedeKtrs Defizit von 4V Millionen Kronen. schfesien, die britische Regierung sei bereit, sich zu eitler: Hopserenmit möglich uahrm Termin zu'begebe». Es sei jedoch »och kefne Vereinbarung zustande gekommen. Oppeln, 10. Juni. Amtlich wird gemeldet: Der Kreis Rosenberg ist von den polnischen Banden, zum Teil geräumt vordem Die Ortschaiten Koselwitz, Skronska« und Kostellitz. Zchönwald, Böschdorf. Oreschau und Jastrzigowltz stnd von de» Znsurgenlen geräumt. Bei Ieytbowitz wurde durch polnische Anrisse gestern em Gefecht hervorgerufen, Las auch heute noch ansäuert. Amalienhof, Reudorf und Pruskau wurden durch polniche Ar'tillene beschossen. Im Kreise Rat,bor wird Niedans von polnischer Artillerie beschossen. Ein von Luckasino vorstoßender iolmscher Pimzeizug konnte außer Gefecht gesetzt werden. Dottwas Nachfolger. . Ptzgrschay,. 10. Juni. lPoly. Tel.-Ag.) Wie yus KoSpoivtxe ^emeld^t wird, wurhe zum Nachfolger des s).brtkommand-nten rer UuMudrsch^n ' D a l l w a, der We HrPljßon. ze^eHn Hatz der YuMchisHe W arwaZ ^ernannt. Df? ^oWsche Grenze Hr FMchhlinge gus der Ukraine gesperrt. Warschap, 9. Juni. (Tel. d. ^AZr. Morgenzlg/) Vom 1. Juli an werden Flüchtlinge und E in i g r ä nie n nicht mehr die' polnische Grenze passieren dürfen.' Nur 14 Krenzorte bleiben für polnische Staatsbürger offen, die aup Rußland und dpr Wraine zurüchkehren. Die Exzesse in Ystrawy. Warschiau, 9. Juni. (Tel. der „Wiener MorgönzSituisg".)'' Ueber die Exzesse in Ostrowo (Provinz isÄsen)^ liegen hier Nachrichten vor, denen folgende Einzelheiten' zu entnehmen 'sind:' 'Die Arbeiter ' der ddrtig'Är Waggonfabrik hielten am 28. Mai eine Versarynilung ab, bei welcher eine Resolution angenommen wurde, Lid.'die Ausweisung al^er Juden' und Deutschen aus "der Dtadt innerhalb' '24 Stunden und die Üebergabe ihrer'Wohnungen'an die polnischen Mbeitex 'verlangte. Ani 2'. Juni nachmittags sammelte sich' ein. Häuft von einigen hundert Arbeitern, dft mit Srö cken uhd Klötzen bewaffnet waren' uyd' . überfiel und beraubte die jüdischen und deutschen L'äb^n und Institut tönen. Die Polizei war ustfangs machtlos. Es wurde großer Schädey aygerrchtets viele Personen wurden verwundet. Die genaue Zahl der Beschädigten ist noch nicht' bekannt. den Personen, die beraubt und verwundet wur- Mn, befinden sich bezeichnenderweise zwei ührmgcher, einer ein Deutscher, der ändere ein Jude. DP WsD Bevölkerung lebt in Hroher Angst, weil' Wrüchte urwgehen, daß die Unruhen sich wiederholen sollen. Am Abend nach den Unruhen durchstreiften starke Patrouille!^ die Stadt, um einen neuen Ausbruch der Exzesse "i verhüten. Die letzte Sitzung des Wimper Kultusvorstandes nahm einen stürmischen Verlauf. Sie war von einer Debatte über die Iragen her Finanzen i^ib der WahftKsorm ausgefüllt. Die Wiener Judengememde steht pqx dpm Bgnkrott. Das Budget für has Jahr 1921 wesst ein unbedecktes Defizit von 40 Millionen Kronen auf. In Wirklichkeit muß aber» der Abgang viel höher beziffert werden, denn bei seiner Erstellung hat man die heürrgen Löhne und Materialpreise als Grundlage gewählt und weitere Erhöhungen nicht in Berücksichtigung gezogen. Darm aber hat man, und das ist viel härter zu verurteilen, das Defizit dadurch reduziert, daß man die wichtigsten Zweige der Gssmsindetätigkeit einfach ausgefchaltet oder arg beschnitten Hat. spaS Gemeindefpital ist . pur zp yin?m Drittel belegt uph. jche hrMere ApßnahW gesperrt. Fi§ AufyghM iys Haus ist gesperrt. Das Kapitel »Wohltätigkeit" gänzlich gestrichen. Für soziale Fürsorge und JugendwesW, HuMchM M'ipIliÜii M MM Esemeindernstrtutiorren sind' überhaupt feine Posten vorgeseherr. ' Es ist charakteristisch für dis Situation, daß zu dem in der Muptz gtzfahPp KßHlW hie ^rMung,^r BeapsteugMalte' Ldr Zusatz' angebracht warben mußte, ^aß der Porstßvd. fyG d'se KMM WKW 0%' tziMlei d^für übernehmen köppe, h%ß hie HySz^hsung in Hfnkuyf't guch tqssßchkich tzpfolgen werde! Mgestcht? dieses DAlrsW Sisugtioy Hut hiß Jishssch-- nationqle Minorität erklärt, auf energische Aktionen zux Pettyyg dxr Heuernde dxsngey zu ryüsftn, unh $e#e» die lejchtf.ersige Art,^ bje GEtzsM einfach zygrunhegeh^n zu lassen, hrpftUxch Dex iMstzM' sst 5s dex MffMlichkoitz schuldig, einen ungeschminkten Bericht zu erstatten. Er muß alles üiy, um alle Juhep zur Hestuyg' 'der' 'wHMM jüdischen Institution, äufzubietM. Die Majorität des Vor- M MManM r^d H:.thMxen bestMd, W M unter alley 'hAbAchers U^Sflüchtey öer ßrfullpyß . ^icfe« Pflicht entzögen unu die Anträge der Minorität sabotiert. DaS hat die "Jüdischnationalen veranlaßt, den Kämpf um die . Existenz ber Mener Judengemeinde fortan voö der breqtesten Oeffentlichkeit zu führen, und sie haben in dßx l^tzteZ Kftzung MM WtzWWen. Der öffentlichen 'Sitzung, welö^" der 'vertraulichen voranging, lag em «nt der statutarisch Horgeschrielenen Anzahl 'von Unterschriften versehener Dringlichk^itsamtrag dgö' JMfchngtjonalen guf Einführung gleichen und allgemeinen Wahlrechtes für alle in Wien lebenden Juden vor. Das Präsidium vo^ fv^igerte die Behandlung in SffenMchex Sitzung, ybzwaä^ hqß, Htgtut. dies verlangt, uyd brachtg .erst zu PegM .vertraulichen Sitzung dey Antrag por. , / . Die Debatte gestaltete sich zu einem wahren Straf-i gericht für die Majorität. Die jüdischnationcllen Sprecher wiesen ygch, haß die Mssch<zlltung vieler Tausender jüdischer Mitbürger, Abgesehen von' der Verwerflichkeit u»d zmjMsMK Tendenz eines solchen Vorgehens, den materiellen Ruin der Gemeinde zur Folge hat. Die vom Wahl«! recht äusgeschlossenen t s ch e ch o - s l o w a k i s ch e n, j u g oslawischen, und ungarischen Staatsbürger, msbe«! sondere aber die sonst so opferbereiten L) st j u d e n, verweigern massenhaft die Steuerzahlung, weih sie ihren Ausschluß vom Wahlrecht als eine Beschimpfung erachten.' Die Majorität ließ die vernichtenden Anklagen der jüdischnatio-j naleu Redner schweigend siter sich ergehen. Nur einige Herren suchten Ausflüchte, vermieden es aber, auf den Gegenstand einzugehen. Keiner von ihnen wägte offen gegen die' Forderung des, all'ge meines Wahlrechtes aufzutreten. Schließlich wollte die Majorst^ einer offenen Aussprache durch' Zuweisung des An--> träges an die Wahlreformkommisfian auSj dem Wege gehen. Die Jüdischnationalen aber wiesen nadj; daß. diese Kommission dank ‘ der Verschleppungstaktik betj Majorität zu einer Farce hxxahgewürdigt fcj, sie "et*j klärfey, daß sie darauf HHHey mstssey, dgtz die Majoritat ip offener Äbstimmung Farbe hekegneD müsse, ereignete sich ein für de» Mp't der Hemers zeugendes Schauspiel. Plötzlich erinnerten sie sich dmM, d gH npr in öffentlicher Sitzung über Fxagen deH Wyhlxechtes abgestimmt werden könne und ' WWsextey tzse Pyrnahme der AbstimtzrWg! Sie, die fettst statutenwidrig den Antrag in off ent, licher Sitzung'nicht be^Mdeln wollten! Natürlich hattfi dieses Mqntzhxr keinen Erfolg. Die Jüdischnationalen förderte^ unter Hinweis auf die Geschäftsordnung die (5inte* rufung eiyer öffentlichen Sitzung binn'eä piepz^n Tggen Pit de? Tagesordnung: HP trag heH JKtzsf'chyqtipnalen gpf Einführung des all,, g e m e i n e n W a h l r e ch t e s. Das Präsidium mußte diesem Verlangen, entspAchM yrch di? . jMM ^MMschkeit wird in kurzer Zeit Gelegenheit haben, die Tätigkeit' der MgjoM H'auS eigener Anschauung beurteilen zu können. . ' Die Siep«blik vstgalizie«. London, 10. Juni. (Prjv-'.) Unter den Tttxl »Eip DichtM Byrschl^ des Präsidenten der gglipschen kvnssitüiercndiM Bersqmmkung an den Bötschafleprat" njtlbet die Londoner ^aA sciluiiQ „Tho Jewish Times* aus Paris folgendes: Der Präsibeyf der' tvestllkramischen konstituierenden Versammlung. ^Drs Eugen P e t r u s ch e w y t s ch, bat dem Oberste» Rgt emyn Virrschläa übermittelt, daß m Ostgalstien eine unabhängige gaMche Re? publik geschaffen tperde, in der die Ukrainer. Juden und Polen, gleiche souveräne Rechte ausübm sollen. Eme'jcde Natlynailii.ät wll diesem Vorschlag gemäß ihre eigenen Schulen M eigene küttueelle Institutionen' besitzen.' Diese drei Nalionen sollen auch im Parlament eine proportiomlle Vertretung haben. Gip poMsches BkUkett zp Ghren Weitzmanns irr Washington. Vew-YorK, 9. Juni. (Jüd. Korr.°Bur.) Anläße lick des Abschiedsbesuches Dr. W e itz m a n p s itr A? g's.h irs'g t o n, wurde iW zzr Ehren" An grpßx-i politisches Bankett p.eränstalftt, dem' vftle amerikanische und ausländische Diplomaten,, darunter der englische uyd belgische Kesandte, beiwohnftn. Präsident K a b i n g war durch Otaatsigeschäfte M ExschMn verhindert und entschuldigte sein Fernbleiben durch , ein warmer Schreiben,- in welchem er seiner l e b h a s t e n S y mp H t h i e sjir die ZionWfn' und' ihr Werß ' Abdruck gibt. ' /' ' ' " Dst Mgxlpqg dM tschrcha-slowakischrumSnislh^n Grenz?. BMlin, 10. Juni. Der Buk-arester Korrespondent dir „-Times" betont, lbö| d^ botigen politischen 'Helft gwße "sZjpntzgtUWH Mer 'hft geäHte Pegelung dtzr. G rtznz^ z w Ls che n| w m äniß n und b^r T sch ech l0-S1o tv-ake i zeigen. Rumänftn erhalte eine'Äpzahl Dörfer mit 10.6>VÜ' jMn'hetM?6Ütz R««jM. sM' «MM m W'MiWtKOl W Dörfer mit 3000 Emwohnern erhalte, rn denen nur 600 RumänM ftftn. . l ' Der bisherige Erfolg der Hilfsaktion für die ukraillifch-jüdifche» Pogrpm- Mn Hsifstzmitee Mr hie Mainüch-jüdMey Pogromopftx, Wie», 1. Wzixt, PeLtenstetftugasft 8/Ü, sinh bisher: zixkH 5 Willipnen Aroney Ly Meydey zpgehrmMen, daMnhM acht SPUL«» von ft Kroyen, eins Spende vyy MMl> Krpney, estxe Pqp KvMtzß Menen, eine WP 2Y0,6W OpopM, Whr?re zp W.KD KpoiM. M den SpMdey sinh. pW pyx Wqz Wd.dft KstxWjchMe PWinz, sondern ist aych W Ausland bxtMgt,ftPeutschlPch,Jygpslmvien, pngarn/Pofty, dft Tschecho-Slowgfti, M RumMen. Dft Beamtenschaft vexschietzepKr Banken, darunter auch der ^nqwx- MapnarM, Wank n. ffoM., B a kargst, hat größere SamWlMM. YeraystaW. Es ist M chder Wr-stsch sehr hoch zu wexhendKN Sammlungen iy Meisenhänsssrn und Gchulxn nicht zp Mgefse«. (D'rpMxftn zu Sammelzwevfen schd Lm Birrpan des Hilfßkqmitqks erhältlich.) Eip Küststlexkomitea jftsaßh sich mtt heMi,ed.swen sünstlerjscheu PerMstgltMgeNk nch esM KWsftWon, M WW Künstler pnd Privaft HuyWKMr sttzM WMl. W sind ^»em Mmstee Whex ryehr .alß 20 HryaMgep' zuWymMl, welche sich guf bft WpxnMnp W: t!gpkrnd.en Perso;|g^ng vyy 9$$fff«? Linderrl bezfthxn. MKsL ErkläruWey Dnte» Wch Wß tzSW ffuStande W so xme .WWuM M WgMWfeß tn Fürth (Bayern), welches sich erklärt, einige Waisenkinder zu übernehmen. Auch die.Kleideraktion hat Erfolg aufzuweisen. (Jeden Donnerstag ypn S bis 6 Uhr.) Der ersft ^MHort iy hie polnische Uftcriye W demnächst absiehen. Es stt z^ erch^ten, daß L« eiyer Befeiljguyy Mer Kreise has vorMteckte Iiel,^ näMich, hie AufhriyMng tzyy 10 bfß Iß M'ijllionen Kroyep, xtrpicht $i|k? Nkstfins m m Am 7. Juni feierte der bekannte jüdische Publi- W KW' "H M fi«' seinen £0. Heb^rtstaH; W gleichen Lage wurden es 25 Jahre, seit er seine erste größere literarische Arbeit „Gut und Böse"^in A ch a K aams '„Haschiloach" vetöfsentlichte. Zeitlin nimmb eine hervorragende Stellung <in der 'jüdischen nMhebrätschen Literatur ein. Kr ist ein ernster und eigene artiger JdeenküMer, beherrscht große Gebiete jübfy scheu und europäischen Wissens und ist ein hervor-i ragchldev Stilist in beiden jüdischen Sprachen. ^SeiM Arbeiten über"' Nietzsche und über Spinoza haben irp per' pstjMisöhen WD lebhaftes Interesse für philoso?t (»his^ ' Fragen erweckt. Er kann auch als einer, bezf; eurigsten Interpreten der jüdisch-religiösen Lebens^ pnd 'Weltausfassüng bezeMnet.werden. Wertvoll siiD puch'sMe ^arste^lyn^en der chassidischen Mystik undi chässidischer '"'Lyrik ^sein „Rabbi Nachman" und „Die-! Dehnsucht nach Schönheit^ sind überaus interesfänt^ pnh wßrtvHlle Ar^eiftn). Zeitlin ist auch, ein 'tempera^- mentvMer HubRzist7'welcher zu den aktuellen jüdisch^ Tagesfragen steP iy.markanter Weise Stellung riimntkj Dr gehört gegenwärtig dem Redaktionsverbande dpris Darsch^ußr Tageszeitung „Der Mo-ment" an, woi seine AyMtzK über literarische Erscheinungen, kultu^ xelft PrcchleW, Fragen pes inneren Aufbaus des Jude-M Mms usw. ,eine 'Zieche des Blattes bilden. > ■ Die vielen Freunde styd Verehrer Zeitlins', dech piel für das leb^Mge jMsch.-geistige Wort getan hah;! beabsichtigen, wie uns KW Warschau berichtet wirdU zu Ehren des Jubilars ein spezielles Sammelwerk herauDzugeben,, das ZeÜlin .gejvidmeL ist. - * Die Kontrolle iy de« Wiener Gerichts^ hofgefSygqiffe«. ÜPahl von sechs GemeinderäLe«. Der Gemeiderat wählte gestern aus seiner Mitte sechs Bertrauevsyersonen, welche gemäß einer Verordnung des Bnndes- Ministeriums för Juftiz.das Recht habe», sich über BehandlunK Unterbrmgung, Beschäftigung und Beköstigung der Gefaugwen « dm beideu Merichtshofgeftingmüe» i« Wien z« unterrichte^ Bitte» und Brschwerdty entgegeuznuehmeu und au die zuständig« W§chey ztz lriten. Es wurdyr folgende Vertrauenspersonea für r* W in IntereBaengemeinflchatt mit Wmn,!., Post^p|rka|8^iko^5: tM.KSst : Kulante Durc Vt* V V der Fabäxdc R.T. (Hol^bank iL-CK), Badapei li •< 'H-M UM r^kfr.i Mittluna, Wie« _•***<■ -v'.. --;i£y^ von

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