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Wiener Morgenzeitung · 1921-06-11 · Heft 852 (11.6.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 852 (11.6.1921)
Date
1921-06-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Frankreich habe für den Fall der, Wiederholung der -Situation vom August 1914 keine Hilfszusicherungen von England und Amerika erhallen. England, das nicht der gleichen Gefahr , ausgesetzt fei wie Frankreich, - wolle Deutschland : gegenüber gerecht bleiben. Es sei Großbritanniens Aufgabe,!die gefährlichen Leidenschaften -in Europa zu besanfitigen. Diese Rede ist, wenn mgn sie aus der höflichen «nd vorsichtigen" Ausdrucksweise ministerieller Praxis herausschält, eine kalte Absage an die . gegen Briand in Frankreich mobil gemachlm Kräfte, die - den höchst materiellen Streit mit Deutschland vergiften... und mst Waffengeklirr begleiten. Churchill, der auf seiner Reise in Aegypten und Palästina die unheimliche Brandstisterei der ftanzösischen Kriegsschreier kennen lernen konnte, macht diese nüchternen Aeufzeruugen über die auswärtigen Gefahrenmomente". indem nämlichen Augenblick, in welchem Lloyd George' die Kohlenznüemehmer uüd" BeWrbeste^' wieder ^E'den gMen iTifch tzeZmungött hat und mü. .guter. Aussichtauf Erfolg an der Beilegung ' he? \ großen ‘ Streiks «kettet, zur gleichen Zeit, wo mit Wissen der englischen Regierung ein englisch-deutsches Inhüstriesyndikat' die Ergänzung des englisch-russischen Händelsvertrages in dem Sinne vornimmt, die Fabriken und damit die Arbeiter beider'Staaten für den Aufbau der russischen Wirschaft, in. Bewegung zu setzen. . Es wiederholt sich in der Geschichte der Jahre Jett dem großen Kriege die Isolierung Frankreichs. Man kann aus der'Rede Churchills deutlich den Anmut des englischen Publikums.über die französische Politik vernehmen, die, unklar. und schwankend, die Srsgenossen ständig in Atem hält und sie mit h unverständlichen Sorgen belastet.^ Die kritischen ten, die Churchill apostrophiert, wenden sich, gegen idie Härte der Sanktionen im Rheinland und gegen das Doppelspiel der französischen' Beauftragten in Oberschlesien. Von einer anderen Seite aus erhebt sich aber gleichfalls ein Widerspruch gegen die, , ganz unter Eeneralstadsäspekten geratene französische Aktion. Die Kleine Entente in Mitteleuropa, die man in Paris gerne mit Ironie abtut, ist seit dem Osterputsch? des Exkönigs Kar! sehr mißtrauisch geworden. DieZurücksiihrung der Habsburger in die Budapest« Hofburg, die in einflußreichen Pariser Kreisen sehr lebhaft gewünscht wird, wäre der Beginn eines neuen Krieges und würde zunächst heftige Unruhen in den neuen Staaten erregen. Sie bedeutet für die kleine Entente dasselbe wie der Anschluß Oesterreichs an Deutschland für die große Entente und wird von ihr mit einer Militärkonvention prüjudiziert,. die am letzten Dienstag in Belgrad zwischen Rumänien und Jugoslawien abgeschlossen wurde. Diese Vereinbarung ergänzt das rumänisch-tschechische Militärbündnis und dient, wie Take Joneseu erklärt, dem Frieden in Zentraleuropa und der Einhaltung der unterschriebenen Vertrage.- Sie richtet sich ausdrücklich; gegen, die Umtriebe des Karlismus, bedeutet also. die Errichtung eines ständigen Wacheapparats gegen das heutige System m Ungarn, das den Exkönig zwar nicht gern in Budapest sieht, ihn aber als Aushängeschild benützt, - um die unsauberen Hände in die innere Entwicklung der neuen Staaten stecken zu können. Die Zusammenhänge zwischen der magyarischen . Räuöerkape und der ftanzösischen Rechten sind aller Welt/seit der Affäre von Steinamanger bekannt und es ist klar, * daß die Belgrader Konvention auch als Ausdruck der Wachsamkeitgegenüber diesen Pariser Strömungen anszusassen ist. Aus der gemeinsamen Abwehrstellung ergeben sich -aber auch gewisse gemeinsame Berührungspunkte wirtschaftlicher Natur, die eine, freundschaftliche Rücksicht aus das zwischen den Staaten eingelagerte Oesterreich in den Bereich des Möglichen stellen. Oesterreich kann ihnen als gemeinsamer Wmenum» diese», würde.bieü* Rolle t o$uf>. eaeMy, Ermordung Abgeordneten Garais. München, 10. Juni.(WoMHeute nachts wurde geaen 12 Uhr auf den lyiÄWWgen Landtagsabgeordneten G a reis, als ' er von meiner Versammlung, in der. er über die d r o h end e V e rk i r. ch.'l i ch u n g d e t S ch u l e.' .gestochen hatte, zmückkehrte, ein. Rev o lv er attentat verübt. Gareis wurde von einem' Unbekannten durch vier R e v o l v e r f ch ü s s e verletz t ünd . in' Hoffnungslosem Zustande in.das Krankenhaus gebracht,, wo et im Laufe der Nacht st a r b. Der Ministerrat gibt, nachstehende Erklärung bekannt: Die .bayrische Staatsregittung gibt der schärfsten.Entrüstung Ausdruck über die Freveltat, der in der vergangenen Nacht der Landtagsabgeordnete Gyreis zum Opfer gefallen ist. Leider ist es bis jetzt nicht. 'gelungen, den Täter ftstzustellen. Die Stüatsregiemng wird' alles aufbieten, ihn ausfindig zü machen ' und die Motive seiner Tat aufzuklären. Zu diesem Zwecke hat die Polizeioerwaltung bereits aUe Maßnahmen getroffen und eine Belohnung von 10.000 Mark. Mr^ die Ermittlung des Täters ausgesetzt.? . ' . ' -MLnchen,10.Juni.(SüddeutscheS)KMsssppndenz- Büreau.) Äer WtionsnMschntz und me drei sozialistischen Parteien haben heute äbends den Generalstreikbeschlossen, der heute um 12 Ahr nachts beginnen und bis Montag den 13 d. M., 12 Ahr nachts, dauern soll. Die Straßenbahnen werden nicht verkehre«. Aeber die Haltung der Eisenbahner liegt noch kein endgültiger Beschluß vor. Wie verlautet, dürften die lebenswichtige« Betriebe während der Streiktage ' anfrechterhnlte« . werden ' Berliu, ,40.. Juni. Wie der „Viorwärts" aus München meldet, haben die Arbeiter der. Maschinenfabrik Masfei unter dem Eindruck der Nachricht, von der Ermordung des Abgeordneten Gareis die Arbeit niedergelegt. Die Vertreter der sozialdemokratischen^ Parteien beraten zurzeit mit den Gewerkschaften "über die M ergreifenden Maßnahmen. .; i- ' Generalstreik der Arbeiterschajt Die Erregung der Arbeiterschaft: Mnrvchen, 1V. Juni. Das Attentat aus. ben ^M^V geordneten Gareis' hatin ' Arbeiterkreisen:'gryße/iM•" regung hervorgernfen. In den Mittagssinnd^tt'.'..fHH^ der - bayrischen Staatszeitnng" zufolge,' 'im . schaftshause' eine Versammlung' der 'GewerkschaftsfttKSs^ und der Betrieüsyblaute statt, in der h'ieDage ^eittgeD;-^.. erörtert und bie Frage eines MneMftrKiks - .besh^M'''''' : wurde; Ueber die BsschWfafsung' ist' bisher noU'Aich^ bekannt geworden. Für. Samstag nachmittags^ sozialdemokratische Verein München die ' zu seiner öffentlichen Versammlung einbe'rufen/ in.vLr? der' Abgeordnete Auer über das' Th'ema ,^rütM: .He-^ ' Walt oder soziale Anfbanpolitik" sprechenwiM .-" Herr Kahr kondoliert. - Mürrchrrc, ,10. Juni. (Süddeutsches KorrezpoyLenz bureaü.). Ministerpräsident D'r. v. .Kahr, . der'.von- Müncherr abwesend ist, sandte aus Anlaß.des.AHMrM> aus den ,Abgeordneten Ga rei s . dem. Äydtagspräj^ tzenten.- und" ^der /Mttve- /des.., Ermprd^tzm-- .' Vepeschen.'.- - - ,, ,<\a 2 Obmann des Ausschusses-. und .der MnMHsp^AHeni^ ihrem -tiefen^ Wscheü über, öa^ Ättentai - auf^dew ordneten Gäreis mib. ihrer herzlichen. Krdessen Hinterbliebene Ausdruck.' Hieraus \ imrrde7 'dis'.' Sitzung zum Zeichen der TrarliLr aufgeWen. -c!. yj s< Die Justiz in Preuhen. v Bertm, 10. Zuni. Im HaupMusschuß 'deK'.^reüM*^ geordneten' Ga reis''in'. München und ersuchte, Justizministerium, "gegen Preßorgane, die ,zum' Hörüe^ politischer. Gegner anshetzem.' mit aller /SchäM, bor^--^ gehen. Es sei nicht normal,, daß' die' Jnsiiz'fin.Hyeyß^^ von Richtern ausgeübt iv6rde,'die^^ Monarchisten und Antirepublikaner feiert.'' Air^ Wählbarkeit der Richter hatte seine Partei noch heuje-sest.' Der Beamtenstreik in Italien. Ro«, 10. Juni. Der Beamtcnstreik m -Jtalietr, der. bereits «ne Woche audauert, gestaltet sich, zm einem entichKeydrn KrLstemessen -wischender Regiemug und den Beamtenorgamsationen. Am 1. d. M. setzte m fast sämtlichen Staatsämter» — Eisenbahnen ausgenommen — die. passive. Resistenein. Namentlich die passive Resistenz aus der Post und im V.rlegtaphenVetrieb, der ebenso me der Telephonverkehr stockt, macht sich.im GrschästSleben peinlich bemerkbar. ' Am zweiten Streittag lehrte G i o l i t.t i' «ach. Rom zurück und nach einem Mmisterrat wurde verlantbart, die Regierung sei den Beamten dis zur äußersten Grenze der Leistnngs sähigkeit der Staatsfinanzen entgegengekommevchabe die Vorlage eines. Gesetzes über.die Verwallvngsrefsrm unk Aufbefferuug der Beamtengehalte -«gesagt; - da aber die Beamten; ohne Rücksicht auf die Fmanzlage des Staates die: .Agitation forlsetzen, den Dienst iu einer Weise stören, die das . Strafgesetz ahnde, habe sie Regiervng beschlossen: 1. Die. Auszahlung der jüngst deschlosscken außeropdentlichm Zuwendung, wird eingestellt, ausgenommen für jene Aemter, in denen der Dienst -flinktioniert. 2. Jene Beamten und Angestellten, die willkürlich den Dienst , verlaßen od« dessen Fortgang hindern, unterliegen der unmittelbare» Entlassung, sowett es sich um AirshilfSkräfte handelt, der Suspension, wen» sie definitiv angcstellt sind, und' werden gemäß dem Beamttngesetze dm Gerichten a« gezeigt. Die Beamten, die säaritiche Ar«ttr..mir wenigen nahmen stillgllegt habm, erklärten..'.«rch^^'gegen die'Dvöhkvtzen der Regierung bis zum Zusammentritt des Parlaments; im Streik zu perhttrem Dre Regierung ließ öttkünden,- daß sir.z8»ächst<.M Entlaffimg der streikenden Aushilfskräfte schreiten weck./ V T, ..r In der Provinz erstreckt' sich die D'ewrchmg,'.den^Zr^E^^ Meldungen zufolge, fast nur "auf die Postünd'.TrtchrapM^» bmml«». ' ' "r; Am 3. d. M. habe« sich anch die Lehrkraste angeschlqsieu, indem sie beschlossen, während, der °’ die Schulen zu verlassen.___" Der englische Kohlenarbester« streik. . LionVo«, 10. Juni. (FunkspruM).^Jck.'per Konferenz ztvischen Bergarbeitern und' G'rubLnbeslUr^* ist eine v v N k o.m.mene Aus s p r ache übLr diL^vÄH^ . 7 tigen Punkte erzielt worden. Der VollzugsaüsschK Kr^l.^ Bergarbeüergewerkschjrst wivd' nun der BöDönHren^'"? V or s ch' täg e erstatten und'!es ist .vor der^ UraHWmung' der' BergleuteIeine weitere^Zusammenkuü ftHr' Vertreter.der beiden -Parteien zu erwarten.' Ein ü - ragender .Vertreter der Arbeitgeber Hali' ' vre legnng des. Aussta«hes Kr »nnMelkac to-t it 5ä. : 72 wenn es zu einer vorsichttgen Haltung überginge und sich aus dem Spiel der Franzosen ebensosehr wie aus dem der Revanchedeutschen ausschlütet. Horthy-Ungarn, der Feind der kleinen Entente, ist auch der Feind Oesterreichs, was es übrigens täglich beweist, indem es in Wien schürt und mit Hilfe der „Reichspoft-^Monarchisten die Ruhe Mens gefährdet und indem es m der westüngarifchen Frage bctt Friedensverlrag brichl. Eiir demokratisches Ungarn uitd eine Annäherung an die Sukzeffionsstaaten füchen^ Hierin läge die Garantie des Friedens, die alle * tärifchen Berettschaftsstellungen überflüssig - machat: r würde. Das jetzige System llngarns aber ist emö größere Bedrohung Europas, als es sich nur durch M: - Hilfe. der ftanzösischen Royalisten und Klerikales.. erhält. Wenn England die Ruhe sichern will, «mh-tStz .. Oesterreich zu Arbeit und Kredit, Ungarn. aber M . Demokratie uttb Besmuvg mn Mm .DMeyVgMsti neHelsey.. ". ..

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