Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1921-06-10 · Heft 851 (10.6.1921) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 851 (10.6.1921)
Date
1921-06-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
83% known words query
IRI
…/2979076-2979773-2979930--07828-2993918
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

SvrzelpreisX 3.5» ffttfttt SMiaptt ttW M- YlM I tl - IHMr 8» IK)1n^ •Pp mETtm%?3t* i»ei»r SttDhr AMU- MMÄ »»— 'MMk HWWWWW88f»» fwP WiH‘»W 'Mmmdftfc. Swnallo,-. M««M» .. Stmus H.~ -.-.,' »apnu __W^.. ^19 ^RWPC ffw»HW . v .'.Mk-iIEH HfffttTTr" . .....9fe% . Mato Wtti ,1 -J—«-•■•--»• * AM WllflUVlIlMUm . M ao<*1 LAS?^L.WA VoWpaeZ»ff«Ar»«t» m« Nr. 851 Wien, Freitag den 10. Juni 1921 3. Jahrgang ÖS.’ In der Dämmerung. / , ■ .v -. —7. W i e.n, 10. Juni. Die christlichsoziale Regierungspartei' hat ihren Parteitag abgehalten uyd die politische Debatte mit einer Entschließung beendigt, welche die Rettung aus der wirtschaftlichen und politischen Not als die einzig mögliche Grundlinie der Politik erklärt. Das ist so wahr, wie daß die Armut von der Powertee herkommt. Die Entschließung bittet, jede Störung der für Oestereejufj eingeleiteten Hilfsaktion zu unterlassen, und fajcdert, wie / schon so . oft zuvor, eine Regierung, die mit starker Hand die Verwaltung zu führenentschlossen ist. Diese Entschließung, die sich an Selbstverständlichkeiten klammert, entspricht vollauf der von den Christlichsozialen seit .ihrem Wahlsieg betriebenen Politik , des Wartens. Sie leben immer von der Hand in den Mund, lassen, die Dinge an sich h'erankömmen’ Und vertrauen auf die große Entente, die doch um Gotteswillen Oesterreich und Wien, diese uralte Stätte deutscher Kultur — so' lautet ja die Phrase-— nicht zugrunde gehen lassen kann. Soweit d«rs Auge blickt, dehnt sich eine, verzweifelt dürre Wüste,' Die heischende Partei hat keinen einzigen MchLaren Gedanken mtwickelt, ihre PvtM' ist-ganz aüf'den französischen Generalstäb eingestellt und an Ideenlosigkeit schließt sie sich würdig den übrigen Wetteichischen Parteien an, mit denen, zusammen sie eigentlich nur vom Iudenpunkt lebt,' ' ' 'Mn Siaatsprogrsimm, di^s Wt. fester Entschlossen^ M We Zösitzy Wundnsäßt Md ""den Mfbßu"! verfoltz^.. hat' - bW Pjgrtßi me siehM Me W-immer nür'. zetstö'rend ge- «MrKL und der Steinhügel' auf dem Grab der onarchie ist vornehmlich von dieser christlichsozialen trfet zusammengetragen worden<Diese Tätigkeit setzt sie auch heute fort und wenn man ihr Programm, nämlich daS, was' als solches ausgegeben wird,'ins Auge faßt, so findet man rasch seine Prinzipien heraus: „Nieder mit oesi Iuden l" „Rache an Tschechen und Italienern Dazu noch ein tiefer Haß gegen - das protestantische Preußentum und Boshaftigkeit gegen alles:was' dem Fnedew und der Weltverföhnutta dienen Könnte. Aus diesen Punkten setzt sich die Tätigkeit dieser Partei zusammen und so ist Oesterreich dazu gekommen, daß es von seinen natürlichen' Freunden, von Tschechen, Iugvsiawen und Italienern mißtrauisch behandelt wird und daß der' HUfsplan der Entente vor allem die Kontrolle der Verwaltung durch eine Kommission verlangt», in der Oesterreich die Minderheit besitzt. -Der 'Parteitag,' dessen Verhandlungen hinter ge- Woffenen Türen vor sich gingen und der OeffeNtlichkeü nur in stark zensuriertek Berichten vermittelt würden, konnte gar nicht anders verlaufen, als feine milgeteilte Kompromißresolution annehmen läßt/ Eine Versammlung-von Städtem und Ländlern,' die nichts einigt als der Haß, die von einer Niederlage zur anderen schreiten- und denen durchs ihre Regiemngs- Verantwortlichkeit der Schwung der' Oppösmonge-' «o'mmen ist, muß zur Krttik gegeneinander: kommen, die wieder nur zerstörend wirkt, weil der gemeinsame Boden der geschlossenen ' Weltanschauung fehlt. Der Bauer - ist von Natur aus Republikaner, aber -nur für sich. Je kleiner das Vaterland ist,-um so lieber ist es ihm; sein politisches Interesse begrenzt der Dorfhorizont. Er ist in allem im Wider-' spruch zur Gtadh deren geistiges Leben er nicht : versteht und die er höchstens ' als güte Absatzstelle ' für seine überschüssigen Produkte gelten läßt: Seiner einheitlich gegliederten Masse, die den Staat nur als armes Düöatennmnnchdn ansieht, steht die Menge der politisch und wirtschaftlich buntgrmischten städtischen Parteigenossen gegenüber. Schutzzöllner sitzen, neben Frei- und Schleichhändlern, unzufriedene, verpowette Mittelständler neben reichgewördenen Kriegswucherern, mMontente Intellektuelle, sozial erniedrigte Bureaukräten neben aufgestiegenen Demagogen,- Rührige Kriegshetzer' neben ratlosen Kriegsopfern. Wv -: soll, wo kann sich da' eine gleiche Linie für politische, sozial« und wirtschaftliche Entwicklung ziehen lassen? Eine Zettlang konnte man das anmutige Spiel betreiben, den sozialistischen Regierungsgenossen vor der Menge anzuschwärzen. Als aber die Koalttion durch den unbezahlbaren'KunfchaL gesprengt wm und mqn den. Wahlsieg erfochten hätte,..kuui ber (Snijl uub M der Katzenjammer. Die döse Saat aißa auf. Der Der Mg zur Sanierung €uropa$. ix' Lord Churchill für ein Zusammenarbeiten zwischen Frankreich, England und Deutschland. Manchester, 8. Juni.» Nach einet Meldung des Reuierschen Bureaus führte Churchill.in seiner.in der-Handelskc-mmer gehaltenen Rede im wesentlichen,au§: »Wohin gehen wir in Europa? Hat der große Krieg -die. Sicherheit errws.-Quersitzen-^Friedens' .gebracht? Es^fiihrr zu nichts, bloß über den Frieden-'zu-reden, wenn wir nicht einen solchen Kurs steuern, daß her. Frieden'von Pen ktimpfendLy und leidenden Völkern der Welt tatsächlich vollendet, gesichert und aufrechterhalten wird:. Wenn wir - den besorgten und ^erregten Völkern der.Welt ihren Inteil an der wiederkehrenden Sicherheit .nicht.geben, .ist. cs ^icht. gut, sich auf. das P a p i e r 'des Völkerbundes, z u'verlässen. ''Wenn wir Europa wieder auf.die Füße'stellen wollen, gibt es meiner Meinung nach nur einen Weg: ES muß -aüftichtiäer'W'ede' zwischen' Großbritannien, F-raNkreich sind Deutschlasid bestehen (Beifall). - Es muß' ein Züsam^eysirMten" zwischen diesen. mächtigen NaiionM. stattfinben,' umauf den^Trümmerstatten des Krieges wiMr auj^ubauen - irrst)' die rümliche Einigkeit Europas wflsiH herzustellen.- Aber unser Volk mutz sich Frankreich gegenüLeMfäisi zeigen, jjsß treten in E n g l a q'd- -gewisse kritische A nsii chie n zutage, die eisie.völlige Un-' kenntmS der Stellung Frankreichsmit - feiner W* Hillronen- Es -ist dies eine völlig verständliche Sorge, die' die frnn<' züsische Politik in" Oberschlesien und anderwärts in 'BahW. führt,, die ' zu ' einigen Meina»gSv'.e"r^'chi-'eh6e;«V f heiten zwischen uns- und Frankreich geführt-Hachen:-'Wir^ ' müssen ihren Standpunkt verstehen lernen, weil 'eS-'tief-im ' Herzen Deutschlands —-sicherlich an seinen NniW^sisi täte n und bei - d e n jenige n m ä ch t i-'g ttv -K usisise n. - die durch den - Kr-ieg entthront -Worden'sind'-sitzdaüerliche Ideen -geben "muß, die - dem Frieden EurcipaS-^gei- { fährlich -sind.i Wenn wir uns die. vollem Früchte öeS'-'V'stzeS/ ' den England und Frankreich gemeinsam- - errungen habörr/ sichern - wollen, müssen wir Verein-bcrrüngen ' treffen,dre'^-it' 1 Zusammenarbeit nicht nur Frankreichs'und/Englands 'allem: ßonöerm- Frankreichs, '-ErigländS' ^nd - DeutschlandsAÄrL'rnsi'm fekben 'Gefahren 'gegienübersieht,- -wie."Frankveich'ünh '«Ms - .vondem - Groll empfindet,' -härin- Dmttschländs''H'erZenrlLü^n° '!mag, -treu gegepüber Fvnlkreich zu fein-und ni-chB ü nge» 1 g e sie it-ü llesi -D e u t s ch l a n d. Lassen wir an. Grtnzm lauernden 70 DWionen'Nnwvhneru erkeinlen lassen, fühl,' mit'i'fÄr -pläy behandelt -' zü 'wÄden, woduiWM-W-^ Frankreich, daszum Schlusses des?KriesiD>.»WGlauben -.vAiit*»*». .tnu* ■. versetzt worden war, daß es, wenn-'die Umstätrdh, ' wie sie im August1614 bestanden, sich. je wiederhole. sollten,- die. Hilst Englands und der -Vereinigten. Staaten erhaltsn .würLe, hat diese Ve-rsi i ch e r u n g.: ni^t.. er halte n... chnd-. nun ist. Me - -es Großbritanniens - Aufgabe: - sein: ~ bfcg^fÄMichcsn natürlich jedes, französische? Herz,,in. Sorge.. -über das,. w«S/- >>) -Leidenschaften-''zu' 'besänftigen, %b\inoch - 'reichlichin wenn auch nicht in zehn,- so 7 doch-, in. zwanzig s-ober - dreitz'ig- Jahren geschehen kann... .. y. -; Richtung jnden vor uns-liegenden JaMm stets MdMMMrch'-i freimütig' ein mit Mut,- Ehrlichkeit üüd Neberzmisir^Mässen^. chorhänden - sind, '- nnj) so -'die'Welt^'auf''ber. Grürü>lAe-rMf"'. Sieges-zufestigen,' - denunsere- Jungenerfochten.* -0^ Die Bündnisverträge der kleinen Entente. Die ischecho-slywakrsch-rumäuische KonvcuLwrr. Prag» S.. Jvli. (D'checho-sl»w.> PreßLureau^ Nach. eine« llebereinkommen der romanischen «nd /der tschecho-slowaksichrn Regierung wurde beschlofsm, den Inhalt der Konvention über em zwischen der tschecho-srowakische« Republik und dem Königreich - Rumänien geschloffenes DefensivbünduiS zn veröffentliche«: - Artikel 1. Falls Mag har irn, ohne' biez» provoziert worden zu' fem. emen Angriff auf eine der hohen Vertragspartei«« Mternehmen sollte, v e r p f l i ch 11 i '• sichdie. z mt i t e P a r t e i, der vnyegriffenen ^Partel' zum -Schutze - beizu-ehe«,' dürchdie im Artikel' 2 dieser Konvention bestimmten > Maß« rmhmen. ' . ' : ' r ' Artikel 2. Die kompetente« Fachbehörde« der tschecho- - slowakeschen Republik sind des Königreiches Rnmau'ien werden i« gegtnsrisige« N e b e r ein k »mm e'u in der M M t t ä r-? onve n 1 i 0 «, welche später abgeschlossen si>erden wird,' Hier Durchführung der 'gegenwärtigen Konveution «nbediügtsivtwendigttt Maßnahmen bestmrmen. ■ ■ r,; iknösre-.r Artikel S. Keine der - hohe«, ’.i t BSudues mt einer dritte» Macht abschließen ^öMen,-Me -KeptznÄ - die zweite Partei.itt'-KsimünSgesetzt zu habt«. . - - l - t: t >!! . -Artikel 4.' Behufs WkveinAimmende«'8örgche«r: m^ihre«» i WedeuSbestrrbüngen verpflicht«sich 'Heide.: KegiüuÄgen^ ch;,.' Uebereinkommen über die Frage« derauswärtige« Politik/ fayi treffend ihre Byiehurrgerr zu Magharie»: zu:treffe»:-L > Artllel 5-' Drese.-Aorcheutiau Mbt zp»«:-9<chre. höchWch-.M-- t Gültigkeit vom Tage des.AuMuschtS. d'er"RMlasiö»S«lMsüi an. Nach Ablauf dieser Frist, wird jede der BertragSparteir» rdier i Konvrntio« kündig« können, sie! bleibt jedoch sechs Mouate: «ach; Kündigung in Gültigkeit. i ' - Artikel 6. Diele Kouventivu wird dem Bölkerburü» - mitgeteilt .I .werden. (Bölkeröundpakt/Absatz 7.) .. . Ä ü >!. 'D.asW'ofl^Lk^tzM^che^HDMtz^ Belgrad» S. Äuni^ Wi^ymp.).- .--»er: j»gojl-NMf-> rumänische BAdniSvertrag:enth8lt folgende drsi-wichtige KLMelp: r i; Die -prrbüydelen Staate«. glUantirre», dey. .FriedensNchNk i«!Mitteleuropa. 2. Sie garantier.«>d.ie:.Durchführ«ps.-dyr-.PKWgd.-. . von . St.°Germam, Neuillp - ,mch SevreS.-S. Berpffichte«^ sie - sich!. zur Organisation einer starken Wehrmacht für dm Wi der B«-, drohrmg eines Verbündeten durch irgendeiuen besiegt« Staat.' - Staat war m Bundesländer geteilt, die sofort ihre eigene Individualität entdeckten und die Feindschaft gegen Men, die die christlichsozialen Agitatoren den ländlichen Brüdern eingeimpst hatten, übertrug sich sofort auf die neue gelobte chnstlichsoziale Regierung. Sn der Stadt" blieb das Sechskronenmehl des Knnhak und alle brüderliche Hilfe des' Horthy aus. Aus Deutschland kam kein Kredit und soversuchte mau es mü der französischen Orientierung. Mer die Parteileitungen auf dem Lande gerieten in die Lawine der Anschlußabstimmung. Die Autorität der Wiener Zentrale ging in die Fransen und Herr Seipel mußte das bittere 'Hört vom Tod der' Partei sprechen, um doch wenigstens in einer Ach- und Kräch-Refolution das Gksicht rvahren zu können. ’ Draußen steigt die Teuerung. Westungarn imd damit der Ruhm. Mehrer des Reiches' $vi' sein, schwindet' 'in 'M-Meiß-arnner Ferne. ' ' .. In jeder Partei, die innerlich altert und die Werbchrast verliert,- taucht als Heilmittel, die Äenderung des Orgamsationsstatuts auf. Also ist auch aufdem christlichsozialen Parteitag - dürch GatzungsKiderüngen den Landesparleilettüngen zu Gemüte geführt worden, daß der Separatismus verboten ist. Aber eine Partei lebt nicht von Paragraphen und Satzungen, sie lebt! auch nicht von der Fahl ihrer Anhänger, sondern von de« Wirkung ihrer Grundsätze auf die politische Phantasie dev, Waffe. Ist ihr Programm aufbauend, richtunggeheM förtschrettend, dann ist sie stark und fesselt die Menschen an ihre Fahne. Ist sie innerlich zerrisse«^' mangelt es ihr an scharfer politischer Orientierung dann nützt kein Organisationsstatut, -das sich niemalej in das Gefühl einwurzelt. Wird das Programm vom Leben verworfen/ als Lüge erkannt, dann muß der Rückweg zur Wahrheit angetreten werden. -Das' Meder mit den Juden! ' baut keim» Staat. '?

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.