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Wiener Morgenzeitung · 1921-06-07 · Heft 848 (7.6.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 848 (7.6.1921)
Date
1921-06-07
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr MS Wien. Dienstags Wiener Älorgenzettnns 7. Juck 1921 Seite $ Läildern fotpie die Ernstellung der antipolnischen Äßi" '.attoN. , Di« Behauptungen ^uhymirskis eilen MznschrM« Ereignissen voraus.. Dxs Mmderheitsrechte find hupch. di« polnische Verfassung noch nicht geregelt worden, Ml» mehr sind.die Unterhandlungen zwischen de».Polnischen Regierung unö den Juden, abgehopchen worden, daW insülge der gleichzeitig hetriebeuirn.antijüdischen PtzlM einzelner Parteien > zu ftimm Grgehms führen konnten, Am . wenigsten jedoch stimmt bi€- Behauptung,, haß von den Inden in. der Welt eine antip-olnische. Ägipatio« bctriehen werde, und derlei Kehauptungen-.-sirch '-nicht gerade geeignet, zu dem v-m dem Gesandten gewünschten Kele zu führen. - .... ... Wie übrigens „Kmftr Wa?sMwfti" berichwt. fallen jetzt in den Bersimtzwn-Gta^ten BsMxeitunM« troffen worden, um «in« »,jüdische Miiiipll u ach Polen zu «nksenhen, welche w Uustzabe haben soll, sich üdor di« LagH der Juden A Poftnxu -inß-r? mieren. Sie soll aus einer größeren Anzahl von Wt» glwder bestehen, um die Möglichkeit zu haben, in verhältnismäßig kurzer Zeit alle größeren. WN Juden bewohnten Orte PyMs M hssllHen, Mr diese Nachricht trägt das Blatt, welches sie hxmgt, die Verantwortung. Ist sie wahr, dqn« scheint sie mit den Bemühungen dtzs Fürsten Lubvmirski zusammenzuhängen, in de« amerikanischen Öffentlichkeit viM günstige Stimmung für Pyftn zu schafft«. Leni» Aber Rutzlands Z»tz»nst. „Das Rote Neuland" heißt «ine neue kommunistische Zeitschrift, dt« seit Ende April in Petersburg erscheint. Vier von uns auszugsweise bereits mitgeteilte ^Eröffnung,Partikel stammt von Lenin und enthält programmatische Aeußerungen von einschneidender Bedeutung. Wir werden darauf noch zurückkommen. ' ' ' Die Ersetzung der Naturalrequtsition durch eine Naturalsteuer nennt man «inen Üebevgang vom Sozialismus ' zur Bürgerlichkeit. Dies ist schief. Di« Naturalsteuer ist eine Form des Uebergangs von dem durch dringende Not und Desorganisation bedingten Kriegskommunismus zum richtigen sozialistischen Warenaustausch. Mter dom- Regime des Kriegs, kommunismus nahmen stur/ hem Bauern nicht nur seinen Ueberfluß, sondern auch' einen Teil der ihm notwendigen LebenSmittel ab. Anders konnten wir die Gutsbesitzer und Kapitalisten nicht besiegen: Heute aber find Not und Desorganisation so groß, baß wir nicht imstande sind, eine großzügige, staatliche soziale Produktion wiederherzustellen. Hiezu ftofe gewaltige Getreide mengen im Zentrum nötig. Deshalb müssen wir die Entwicklung der ftieitt* in dustrie unterstützen, die Leine - Maschinen noch 'Rohstoffvorräte, Heizmaterial und Leben-Mittel im Großen erfordert. Das bedeutet eine Wiedergeburt'der Kleinl» b ourgeoisi« ünd' des Kapita lismus. ES war« lächerlich, sich dieserEtnstcht zu verschließen. Der Versuch, jegliche Entwicklung des privaten, außerstaatliche» Waren« austausches,' des heißt r des HandeÄ, das heißt: des Kapitalismus, der für die kleinen Produzenten »«Wendig ist, zu verbieten — solcher Versuch wäre eine Dummheit, wäre Selbstmord derjenigen Partei, did ihn machen würde. Absurd, die Entwickln^ des Kapitalismus zu verbieten; vrrnünftto, sie in das Strombett des Staatskapitalismus! zu lenke«. Dies ist möglich, weil der Staatskapitalismus schon da ist. Die Diktatur schließt ihn Leineswegs aus, denn der Staats« kapitaliSmuS ist ein Schritt vorwärts im Vergleich Mit dem patriarchalischen, kleinbürgerlichen Glend'. WaS aber die Arten des StaatSkapitalismüs betrifft, so ist die erste: Konzessionen, bei denen die Regierung dev Arbeiter und Bauern zwar ausländische Kapitalisten zur Industrie zuläßt, aber die Kontrolle in ihren Händen behält. 1 Die zweite Art des Staatskapitalismus ist: die Genossenschaft. Sie rückt kleine Kapitalisten luden Vordergrund. Die Freiheit und die Rechte der Genossenschaften bedeuten Freiheit und Rechte beS Kapitalismus. Bich gegen diese offenbare Wahrheit zu sperren, wäre Torheit und Verbrechen. Die Genossenschaft als Form beS Handels ist Nützlicher als Privathandel. Außerdem erleichtert sie den Zusammenschluß von Millionen der Bevölkerung, was für den künftigen Uebergang zu neuen Formen wichttg ist. ' ' Die dritte Art des Kapitalismus besteht darin, doch her Staat den Händler heranzieht, und ihm ein«« He» stimmte« Kommissionsprozentsatz für de» Verlauf von Staatsprodukte» und Einkauf von. Probukftn heim Kleinproduzenten zahlt. . Die vierte Apt ist: di« Bor Pachtung der hem Staate gehörenden Werkstätten oder Raturschiche a« hau kapitalistische« Unternehmor. I« diesem Kaldk hat der Vertrag Ähnlichkeit mit einer Konzession. <f. . Noch eines darf nicht übersehen werden. Mir sind der Borposten des Proletariats: .aber dieser Vorposten ist nur ei« kleiner Teil des ganze« Pryle» t a r i a t s und dieses wiederum ist ein kleiner Dell her gariM Masse der Bevölkerung. Um einen erfolgreichen NlSwog M finde«, vriW« bft Wege zum weiteren Fortschritt begriffen werden. Betrachtet die Landkarte: zwischen Wologdr, Rostow am Don, Saratow und Omsk «strecken sich unermeßliche Flächen/die in sich Dutzende großer Kulturstaaten fassen könnten. Ätzer überall herrscht hier Primitivität, Halbwildheit oder auch 'ganze Wildheit. Blickt in die russischen Flecken, abse^tg mv d^nnGiftübqhnqn: ist dort nicht die gleiche Wildheit — asts Mangel an einstn Zusammenhang mit der Kultur, mit' hem HHitaftsmuS, mit derGdyßinbustrie, mit her 'Großstadt? .M'' i>Wr ei‘i| nWiftelSarer Uebergang von diesem iORüWnv vorherrschende» Züstand zum Sozialismus denkbar? 1 Ja^ ^ist^nM^ßlLr'Mtzer'^iper einzig?» Bedingung: der' E l? kt r"t f izIe 't u n g d e's I a n de s. Wenn wir . DutzfiD VM^Mr^en GhstfioMi» auf dem Lande tzrSNoUi so'tyerdeil^ wj^'^in geschrchiliHeh.Werk vollbringen — igber: es'erforderh.miübestens.zehn Jahxe allein für die UnfangZi« 'fid^ verkürzen, f akls InEngjgn.h, DeutschlaM Md 'Amerika die proletarische REvolution sich vollzieht. Der Kapitalismus ist ein Nebel im Verhältnis MM Sozialisums. Der Kapitalismus ist ein Gut im Verhälirnö zu ' mittelalterlichen Zuständen, zur KkeintichtyMe. MMM' dir VerwiMchMg des unmittelbaren UebekgangB zum Sozia» lismns sich als unmöglich sxweist^ ist der KapitalismM IN einem gewissen Grade, als Zulassung von Kleinproduktion und Austausch Unvermeidlich. . , Gotzolow in Paris. Paris, S. Juni. (Jüd. Korr.-Mr.) Nahnm P yko lo w ist gestern aus Palästina hier eingetvofftn. IÄanÄ. Die Hilfe für Oesterreich. Forderungen des „DaUh Chronielö". London, 8. Juni. (Reuter.) „Daily Chronicle" schreibt jm Leitartikel unter dem Titel: „Kann der Volkerbund Oesterreich helfen?" folgendqs: Zwei Tatsachen sind es vvr allem, die nichtnur vom Völkerbund, sonder» auch von den Regierungen der Alliierten besonders beachtet werden müssen: Erstens die Notwendigkeit, Oesterreich sofort e'nen Var schuß zu gewähren, um. dem Lande die Möglichkeit zu gehen, über seine gegenwärtige Krise hinwegzukommen. Zweitens ist es von ganz besonderer Wichtigkeit, Oesterreich wirtschaftlich unabhäygig zu machen. Das Land kann, unmöglich gefunden, solange es mehr im» portiert als exportiert, und.es ist für die Arbeiter unmöglich, den Gegenwert für die Importe zu produziere», solange sw durch Zuschüsse unterstützt werden, die nm ze« eignet sind, das Land noch stärker zu belasten. Di« Regierung muh ihre Auslage» verringern u»h die Arbeiter müssen zu Löhnen zurückgeführt werden, die der Wirtschaftslage ent, spechen. Außerdem ist es dringend notwendig, daß zwrsch«: Oesterreichs und den SukzesfionSstiMten eine größere Handelsfreiheit sintritt. BorfchÜffe und Abfttunnuug, Load«», 6. Juni. (Reuter.) „Times" schreiben in einem Leitartikel über die stnanzielle Hilfe für Oesterreich, es ver. laute, daß sowohl durch neutral« als auch durch Bankiers der Akliierten vorläufige sSorschLff« flüsstg gemacht werden sollen. Da- Blatt fügt hinzu, Üß die internationale 5kommisstrm, die die Finanzen Oesterreichs k«n« troklieren soll, am besten durch Neutrale gebildet würde, und schließt mit der Bemerkung, daß die Bevölkerung Oesterreicheinstweilen gut tun werde, daran zu denken, daß der gute Wille der Alliierten von wesentlicher Bedeutung für das Ge» deihen des Landes fei, daß jchoch die Veranstaltung von BolkSabstimmungen zur Erreichung des An, MufseS an Deutschland nicht geeignet fei, Oesterreich diesen guten Willen zu sicher«. -<v' Die Regierungskrise. Der heute beginnende Parteitag der österreichischen Christlichsozialen wird sich vor allem mit der Kabinettskrise und mit den in der Partei bestehenden Difsevenze« zu befassen haben.', Erst noch Abschluß dieser Tagung, die die Wahl des Abgeordneten Fink zum Präsidenten! bringen soll, wird man an die Bildung des neuen Mniistermms schreiten. Es kann als wahrscheinlich gelteNz baß Herr Dr. Mahr an der Spitze bleibt.' Die Großdeutsche Volkspartei bestätigte auf ihrem Parteitag, der am Sonntag tu Linz stattfand, die Politik der freien Hand, ohne dies in bezug auf die steirisch^ Volksabstimmung zu. definieren. Kommisfio« für Angelegenheiten -e» «irtschaftUche« Wieher«»fda«e» Lesterreich«. Die Ausschüsse für staat-wirtschaftliche Frage» «ch Auge» legenheite» d« Gütervertülung haltm Donnerstag de» 9.1». M., präzise S Uhr nachmittag», im BuudeSdmzl«a«t ei« gemrim same Sitzung ab, aus deren Tago-ordmmg sich di« Forisetzwtg der Beratung Aber den Abba« der au» Vmche»«ittA« gm leistrtm Z»schüsse zudenSrbe,S«ittelp»eis«^ ferner «üw «aSsprache üb« die Aussichten eme» Preisabbaues bei Lebens mitte l« und sonstige» Bebarsgatt'ckelu befindet. Aus dem ungarischen Parlament. Gegen die Ausnahmsgesetze. — Vazsouhi als Scharfmacher. Budapest, '6. Krni. (Offiziell.) An der heutigen W begründeten dft Redner her Opposition unter Rechtstitel des Schlußwortes ihre während der Vudgetvebach! eingereichten Resolutionen. - - Abg. Bawn Josef Szterenhi erklärte, efc HE es für richttg, tzsß alle Maßvegekn tztztvyffMi werden, die hie Negierung zur Bekämpfung der bolschewikifchez Gefahr für notwendig hält. Ms beste Wt?el wäre hi Zusammenfassung aller nationalen Kräfte. Die Regtertzw und die Nationalversammlung Mßttn.alles aufbieten, d di^es/Ziel erreicht werde. ' . ' .1" Abg. Wilhelm B a z s o n y i pflichtete der nntz-r b lttkichen Be kÄ m p fnn g des Bo lschewi'smus' he^ Dieses höchst wichtige Ziel erfordere aber gPtzenwSrtig Aich mehr die Anftechte'rhaltugg der Ausgahmsverfügungey, demselben Mäße, wie dies früher notwendig gewesen Der K a m p f g e g t n den Bolschewismus sei mit bei klugen Wiederherstellung der öffentlichen Freiheiten wohl einbar. Redner befürwortete eine Politik d'er Au.^- jöhnuttg. 'Zum Schlüsse betonte Redner, daß sich Ausnahmsversügungen bloß gegen bolschewikische Ümtririchten^ ab«r auf andere Gebiete nicht übergretstm fo Abg. Ras sah verlangt, daß her Bericht' über IgL MflüWen lstromm Banl!gasft-Grlher M der Rationalversammlurrg unterbreitet werde. Schließlich' langt, er Auskunft darüber, lob die jetzige oder die Regfepung irgendwelche, staatsrechtliche oder materielle pflichtnngen gegenüber Karl IV. übernommen habe ob Legationsrat Aladar Bvroviczanyi als Bevpmächtigter der unMische» Regierung bei Karl,1V. peibe. Migifterpräfident Grgf Bethlp« erklärt, die rechnung der Bankgasse-Millionen geschehe' nach dem Gef vom Jahre 1920. Die Angelegenheit könne nicht , früher der Nationalversammlung unterbreitet werden^ als biS det oberste Staatsrechnungshof sich über Ursprung, Verwendung urch Verrechnung der Gelder mit der Regierung geeinigt habe. Bezüglich fc* Beziehungen -er ungarischen Negierung zu Karl IV. erklärt der Ministerpräsident, baß er von eins staatsrechtlichen oder materiellen Verpflichtung gegenüber Karl nichts wisse. Legationsrat Boroviczenyi sei seit sechs Monaten aus Urlaub, der ihm «och vom Minister des AeußerN der früheren Regierung bewilligt, worden sei, und es frij ihm nicht bekannt, wo er sich gegenwärtig vufhalte. , j Graf Behhlen erklärt sodann, das Institut ü-Ktz militärischen Rechercheure werde am :1..Juki , gelöst werden; dagegen werden die Recherchierur. göab teilungen der: Oberstadthauptmannschaft und des Mi'ui?t:rü:nrs dH JNNem ausgebant. Was dke TelephÄnsensinr . > betrefft, m-fft vt betonen, daß sie zur A^sdeaunZ n a ..r r nft! li'ch bvlfchewikischer Verbrechen wesentlW getragen habe. t 1 . Hieravf wurde der Staatsvoranschlag für 192Ä/A.' allgemeine« angenommen. Die Mändernngs- und Zusatz^ anträtze wurden ab gelehnt, nur der Antrag Szterenyi, 'ie# treffend die Ab s'ch a ff«n g'< der T.« legrap \\' o n sstHi angenommen. Telegramme. Lhnrchill über die hrMsche PalLfttW Poltttk. Zürich, S. Juli. (Tel. d. ,Wr. Morgenztg.'.) M bereitgemeldet, ist die Erklärung Churchills über Englands Palästina-PvMik, welche er am 2. Juni im englischen Parlament abgeben, sollte, aus einen spateren, Termin verschoben morden. Am gleichen Tage gewährt» Chutchill, wie die hiesige jüdische Preßzenttale meldet, deren Herausgeber ein Interview, wobei er diesen W Weitergabe der Erklärung ermächtigte, daß es Eng« lands feste Absicht sei, die in dem Mandat, betreffend die Errichtung einer jüdischnativnalen Heimstätte in Palästtna, sepgelegte Politik zm Durchführung zu bringen. Die polnische Regierungskrise VeenviH Warschau, 8, Mai. Wttvat.) Die Demission der polr schen Gesamtregierung ist, wie vorauszusehen war, zurüt gezogen worde» nnd hat einer Rekonstrultiyn de.j Kabinetts Platz gemacht. Zum Arbeitsminister wurde de jetzige Gesandte in Moskau Darowfki ernannt, das Er nährungSministerium wirb liquidiert und zum Liquidator wurde der frühere Gtadtpräftdent vyn Kalisch, MichalsE. bestellt. Die übrigen Minister dürften auf ihren Stellen ver-ü bleiben. E» gehen^, wohl Gerüchte über die Demission LM Finanzminister^ Steezkowfki um, die aus Mernungs^ Verschiedenheiten mtt de« neuernannten Arbeitsmimster enftl. standen sei« sollen, doch dürften wohl diese Differenzen, bei«! gelegt werden und Gteczkowski sein Portefeuille behalren. Dlö einzige Schwierigkeit bet der Rekonstruktion des Kablyet bildet die Besetzung de» Außenministeriums, geeigneter KandGat ist noch nicht gefunden. Die Nation^ demokraten und die Partei des Innenministers Skulfti in Interdssengemeinschaft mit der Fabank B.T. (Holzbank A. G.), Budape Wien« I., Wioplingerstrasse 23 Pg.ttparkH3.nV.ont«: ISa«B2! Ttlapl»a*Nrr»l47, IHM, IM-8S, I»»« : Tal.-Adr.: Nlttlnng,,WM| Knlaate DnrchfSllu’aiia von Balehnanaen aller Ärtr

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