Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 847 (6.6.1921)
- Date
- 1921-06-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Zufolge dieses Verfahrens würde sich die Repgrätionskommission jedesmal, wenn eine DerstMjgung in der Frage, die sie attgeht, nicht zusiflnde Kommen kann, der Verantwortung entledigen, nicht zu Lasten der Regierungen, die sie, vertritt, sondern -zu Lasten einer neutralen Persönlichkeit. Das Blatt bemerkt, daß dies im Versailler Vertrag nicht vorgesehen sei. Es sei wohl von einem Schiedsspruch einer unparteiischen Persönlichkeit die Rede, aber die Kommission soll nur dann zu diesem Schiedsspruch ihre Zuflucht nehmen, wenn in ' dieser oder jener Frage die Einstimmigkeit der Kommission bedingt ist. Mit anderen Worten, der Friedensyertrag von Versailles gestattet, dem Schiedsspruch Fragen des Verfahrens zu übertragen, Die Reparatiönskommission habe nun angeregt, daß man dem Schiedsspruch Grundfragen unterbreitet; damit werden gleichzeitm - die Verantwortungen der Regierungen und: der Kommission beseitigt. Das Blatt bezweifelt, daß dieser Vorschlag genehm sein werde. Desterreichs Schulde« 50 Milliarden Kryuen. Dtzp Goldschatz. der Oefterreichisch-ungarifchen iniit ,; «yten.Die Wiegsanleftzen. //•' r.. Der Herausgeber der Korrespondenz Herzog hatte Gelegenheit, mit einer autoritativen Persönlichkest des sprechen, die im Vordergründe der öffentlichen Erörterung stehen. Auf die Frage r Wieviel Prozent des Goldschatzes der Oesterreichisch-ungarijcheu Bank fallen guf Oesterreich und wie groß ist er? antwortete der Gewährsmann: Der Goldschatz betragt nach dem kotzte» publizierten Ausweise, welcher auch den Stand der- Liquidation umfaßt (30. November 1920), 222 Millionen Goldkronen, dazu kommen Gold- «vechsel per 50 Millionen Kronen7und Silber-, und TeiüULnzen per bl Millionen Kronen, liebet das Eigentum am Goldschatz der Bank bestehen im Hinblick auf die seinerzeitigen Golderläge der Regierungen und die bei diesem Astlaß vorbehaltenen Eigentumsrechte und Rückforderungsansprüche der Staaten Meimmgsverschiedenhetten, die erst im Zuge der Liquid datton zur Austragung gelangen sollen. Bon ziffernmäßigen Angaben kann derzeit noch keine Rede sein. Was die Höhe des Umlaufes der ungestempelten Banknoten im Auslande betrifft, für die Oesterreich und Ungarn haften, so ist . sie gänzlich, unbekannt, Die Liquidatoren haben am 25. April d. I. eine Zuschrift an alle. Regierungen des - Auslandes gerichtet, worin, sie auf Grund der Friedensverträge von St. Germain iArtikel 206) und Trianon (Artikel 189) um Maßnahmen zur Einsammlung der. in den einzelnen Staaten befindlichen Noten ersuchen und die, Frist sin die Präsentation dieser Jsoten mit 15. September d. I. festsetzen. Für wieviele Prozent Oesterrreich haftet, ist noch nicht bestimmt und wird erst im Laufe der BanKliqihation zu entscheiden sein. Wasdie Last der österreichischen Renten und Staaisschuldpapiere betrifft/ die m Oesterreich abgestempest .wurden, so hat die Abstempelungsaktiou kaum begonnen. Derzeit liegt es noch in der Privatdisposition des Inhabers, ob er seine Vorkriegsschuldtitres zur Abstempelung bringen will oder nicht, so daß eine ziffernmäßige. Beantwortung dieser Frage noch lange Mt.mögluh ist. ' Was die Last derselben Titres betrifft, die im Wausland liegen und die, der Republik ^ut- Last fallen werden, so hängt die Belastung Oesterreichs picht von der - Quantität dieser Vorkriegsschuldtitres ab. da die Austeilung der Borkriegsschulden überhaupt. Materiell mach; einem; von der Reparätionsßvmmission' auf Gruich des Fnedensvertrages zu bestimmenden Schlüssel vorzunehmen sein wird. ... - Was die Summe der Kriegsanleihen betrifft, die Oesterreich abgestempelt hat und . für die Oestcrreich Hastet, so kann nach den bi.sb?f;igcn Foft:stclllurgen diesc Summe auf zirka 20 Milliarden.geschätzt 'werden. wovon jedoch ein.großer Teil durch SmzWungen au^ die . Kriegssteuer,' deutschösterreichische SLachsanleihe Losanleihe,' Vermögensabgabe u. a. m staatlichem Besitz ist.;/\: / .Was ^>ie. SumM KriegsMHew chMfft,.. He sich' im AlläüSlaride Fefmdet! und für die Oesterreich noch wird haften müssen, so ist sie derzeit nicht bekannt Die erforderlichen Regelungen zur Feststellung sind im Zuge. ,/. / Was schließlich die Summe der Kriegsanleihen betrifft, welche die Sukzeffiousstaaten nicht übernommen haben, obwohl sie auf ihrem/Gebiete liegt, so ist diese Frage ziffernmäßig nicht zu beantworten. Oesterreich haftet nur nach Maßgabe seiner e i g e me n G e s e tz c dafür, und für den Besitz von Mausländern. Die Summe der von der Republik. Deutschösterreich und von der Republik Oesterreich seit dem Zusammenbruch emittierten Schüldtstel belauft sich bis Ende Piai auf rund 50 Milliarden. Amerika für Me Abrüstung. ■ Jvafhingto», 5. Jnur« (Trl.-Ko«p.) Der Kongreß hrt: dev Plan des Präsidenten, eine Konferenz Mer die Abrüstung einzuberufen, gntgeheiße». Auf dieser Konferenz so!! über die Herabsetzung der militärrschen Rüstungen der einzelnen Staaten Beschluß gefaßt werden. Der Kongreß.billigte die Eröffnung eines 5kreditS von 100.000 Dollar - fite die Eiubrrnfnng dieser Konferenz. . >, . Frankreich «nd Deutschlimd. PairiS, 6. Juni. (Tcl.-Komp.) In der »Attion franvaiie". beschäftigt sich Jacques Bainville mit de« zukünftigen DerhältniS Frankreichs zn dxn mropciischen Staate«. Erstellt fest/daß die französische Politik zwischen der Herstellung, eines europäischen Gleichgewichts und einer Zusammenarbeit mit Deutschland hin- und 'herschwanke. Die Annäherung an Deutschland würde gleichbedeutend mit einem Zusamwenschllrß Deutschlands und Oesterreichs fein. In diesem Falle-würde man dann zu de« Theorien James und Michelets komme«, die, wen«' sie noch lebten, die Tschecho-Slowakei' nnd Polen anfopscrn, die Brennergreuze Italien entziehen nnd das Anschsteßverbot für Oesterreich ansheben würden. " ' Devtschland zahlt. // Berlin, 4. Juni.. (Wolfs.) Der /Reparations^ koMission.ist'am '31/Mai die z'w eite Rate bet fälligen Zählungen von. 50 Millionen Goldmark" an--' geböten worbe». Diese50 Millionen sind nunmehr^ in^ gleicher Weise wie die erste. Rate..von 150 Millionen' Goldmark an die Federal Reserve Bank in "New Uork in. Dollm-überwiesen worden. Oberschlesten. Oppeln, 5. Juni. (Wolff.) Die Kampfhandlungen der polnischen Aufrührer dauerten auf einem großen Teile, der von ihnen beseyten Linien auch, wahrend der vergangenen Nacht 'larti de? .hemigru Tages an. In: Kreist KoseI versuchten sic, rn der Richumg Kosel vmv _ . wurden aber vom örtliche» z n r ü ck geschlagen. Es gelangden - deutschen Verteidigern, Kofel-Hafen zu besetze«. Diebin der Gegend, des. AnnabergeS gemachten Vorstöße endete»- damit, daß einige der von den Ausrühre r« bisher besetzt gehaltenen Ortschaften von ..diesen geräumt! werden mußten. .Gestern. uachmittagS wurde von den Aufrührern die Klodbrücke gesprengt. /Die Wirtschaftslage im oberschlesischen Aufstandsgebiete verschärst, sich immer mehr. U n g e h e ux e . .'Et!«4e» s ch S d en sind besonders in den Gebieten, hie den Schauplatz der gegenwärtigen Kampfhandlungen darstellen, zu verzeichnen. ^, / 't Paris, 4. Fum. Die Antwort der. englischen Regierung ans die letzte französische Note,, betreWd.die öberschlesische Frage, ist bisher n.ich;t, i,n Paris eingela ngt. . Nach. dem , „Joupna!.,,§ß: Dvbats* scheine dieses Wllschweigen.in gewiffe» ^reijssn k(nige - Beunruhigung hervorgerufen zuchaben. Das -Blatt erklärt jedoch, daß!eine rlei ,,Un.l a ß für eine un g ü n st i g e Beurteil ü n g - vorliegeL Ups - Londoner Kabinett bereite eine längere Rote vor, PyranS sich , die Berzögenmg bei der Abfassung und UehscWnng erklären lasse. , , T r! Griechenland wird von England unterstützt. T r Paris, 4. Jmü. Der „Temps" bespycht die HMge - Meldung des „Daily Expreß", wonach fich -ieiue/b^:itische F l 0 Li e vor'M alTu konzentrierte,/m» 4» vornehmen würden. In gewissen Kreisen, ' so Me das englische-Blatt hinzu, glaube man, daß Fr.a»,rre.ich) sich ' diesen' Operatwnen anschließen werde, 'ihm ' England freie H and g e g e n L b e r Deutschl a n d ilaffe. Der ,,TempS" bemerkt dazu: Ünsers HrMdfätze sind klar. Wir denken . in erster Shije,; Söf,/fein4 französischer Soldat verhalten werden dürfe, sei«. Leven.j für Interessen, die nicht fch a n z ö s i s ch e siichodcr jenen Frankreichs direkt zuwiderlanfen, einer,,Gefahr,7 auSzusetzen. : Ein Bündnis zwischen Persien Md den Kemalisten. Londo«, 5. Ium. (Reuter.) Rach einer Depesche, aus Konstanttnopel ist in Angora eine aus füns Mügliedern bestehende persische Delegation eingetwffen, die damit betraut ist, Verhandlungen über/ einen Bündnisvertrag zwischen Persien und den Kemalisten. zu. führen. > „; , Verkauf der „Times". 4 Paris, 5. Juni. Wie die »Action ftanyane/'^ aus . London meldet, erhält sich in politischen Kreisen das/Gerücht, daß Lord- Northcliffe beabsichtigt die, ^ÄmeS" an Sir John Ellermän,' eine« "bn\ größten Reeder Englands, zu 'verkaufen.' Wen» der Besitzwechsel' des großen - Blattes . stattfinden ' süllte> werde die ^Times" ihre' bisherige oppysstionellr' Haltung aufgeben und ein Reglernngsb latt^werden.' Ellerman ist einer der engsten Freunde /'-Mby'v^ Georges und man glaube, daß ihm die- WLrde//etnrKenglischen Lords werde verliehen werden, wenn es' ihm' gelingen sollte, dem englischen Premierminister dies« ' Dienst zu erweisen. ' Exkaiser Karl geht nicht nach Spanien. - Madrid, t.Zmii. (Havar.) »Ep»««- melsei. d« spanischen Regierung von eine« Plane de? ' ehemaligen Kaisers Karl, sich in Spa«ie» ni sßer-- zulassen, nichts bekannt sei. / ' // ' ' / Wien - Sitz des DdLkerdundM ü / Paris» 4. Juni.' Der'^Jutränstgeant"',Küt Ms -!! Meldung des ^DäilhChroniele" wieder,' wonach - der -! B'ö'lk e r b n n d beabsichtige, Wien' als seinen künftigen' ^Sitz/zn' wählen, wo das Schönbrunner Sch'lo'ß' geeignete' Räumlichkeiten bieten würde. . ' - Für eine jüdische Hochschule rn Litauen. Mv.Äo, 1. Juni. (Jüd. Korr>Bur.) Der Uuher-r - ritchsausschuß des litauischen Parlaments hat/Ms:'' vom jüdischen Minister Dr. Solo w e j t s'ch i k untere - üreueie V-:ojet! 'für die.Errichtung einer jüdischen . ' 1'Hochschule aus -a»K«;-N-.mmR^