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Wiener Morgenzeitung · 1921-06-03 · Heft 844 (3.6.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 844 (3.6.1921)
Date
1921-06-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Der Reichskanzler hielt - eine unpathetische Rede, an deren Spitze er ein-Programm stellte, ' wie es vor diesem Auditorium, von solcher Stelle seit der unglückseligen Offensivrede Bethmann Hollwegs noch nicht vertreten norden ist -. Vorständigung, Wiederausbau. Versöhnung. Aas Wohltuendste an' diesem" Programm aber ist die ion dem französischen Mimperpräsidenten Briand mterstrichenc Bekräftigung, daß Deutschland die bis §nöe Mai fälligen Reparationsleistungen bereits erüllt hat Briand hat die Gelegenheit benützt,' in der ranzösifchen Kammer 'Worte des'Vertrauens für die reue deutsche Regierung zu -sprechen. Ja er könnte ogar, .ohne, durch nationalistische Wutausbrüche ge-- Mt zu werden, von einer Verständigung mit dem »rutschen Volke rede». Das ist/ schon eine Tat des «ärmlichen Widerstandes . gegen die vom ftanzösischen Zeneralstab beherrschte Agitation , der Kriegspsychose rrch man geht nicht fehl, .wenn .Man den Autor der Btstmdfchen /Rede in London-sucht.. ^2-- - Mie programmatischeErklaruyg der, neuen demschen. Legierung stützt sich, also bereits: gpf Tatsachen,' die hreu'WÜlen zur Loyalität dokumentieren. Die Mndeung, die sich in der deutschen Politik vollzogen hat, kommt zwar spät, allein : sie .Kommt. Der Schaden,. \m, die Untzlorhei! in Wollen und Ziel, schon ge-. Met hat, ist mrendlich groß, aber wenn das Pro-, namm der Ehrlichkeit sich wirklich für 'hie Dauer, durchsetzen kann,, wären. die Vorteile für Deutschland» iber auch für die ganze Welt noch immer, größer. Je «ehr Terrain der Knegsverhetzun'g verloren geht je jefer derr Gedanke der materiellen, aber. auch. >er moralischen Reparationen in das Volksbewnßtem eindringt, .umso besser. Der Reichskanzler, hat >on sozial-ethischen Ausgaben, gesprochen. Dieses Bort, das dem Sprachschatz des neuen Aufbaummsters Rathenau entnommen ist. bezeichnet in der lat alles, was Deutschland zu erfüllen hat. Es muß. wt Äricg ausmerzen. Mer es karm mit Fug und siecht fordern, daß ihm von seiten seiner Kriegsgegner r'lle Unterstützung zuteil wird, daß nicht seine inneren. Feinde durch das ewige Drohen mit den Sanktionen rmuttgt werden. Freilich wird die Entente Herrn Wirths Forderung Legt endlich die Flinten weg!* mit. dem Hinweis iu( die Orgesch der bayrischen und: preußischen Reichs- / einde beantworten, die die Kaffen nicht abgeben vollen, weil sie sich für den großen Tag bereithalten. Sas Austauchen dieser Scharen in Oberschlesien hat die Herstellung der Ruhe zu einem schwierigen Problem rmacht und, obzwar die neue Regierung, auch hier 'urch ihr Waffenstillstandsarigkbüt guten Willen zeigt, em Treiben Korfantys neue Nahrung gegeben. Es st tausendmal wahr, daß die SankÜonen/ die Rheinvllgrenzen, die Besetzung deutscher Städte im Westen lnd die Haltung der‘ sranzösischen Kommissäre in )berschlesien ein Erstarken des demokratischen Geistes a Deutschland verhindern, aber die Gegner Deutschvnds können sich bei all ihren Schritten Zug um siig auf die Provokationen der Deutschnationalen md ihrer Presse berufen. . In bezug auf Oesterreich hat der Reichskanzler n feiner Rede geschwiegen und auch dadurch kluges Verständnis der Lage bewiesen. Er hat in, einer Note «n Oesterreich um Einstellung der Anschlußpropagauda rsucht. Diese Rote, die die österreichische Regierung tft knapp nach ihrer Demission publizierte, xft bereits ml Montag ergangen und am Dienstag der steirischen Landesregierung mitgeteilt worden. ° Herr Rintelen Mt die Note achtlos beiseite gelegt mit der Erklärung» «t deutsche Reichskanzler müsse mit Graz direkt »«kehren und nicht erst den Weg über Wien nehmen. Den Landtagswatteim hat weder er noch der «tt» Paffsive Resistenz und Obstruktion der Ministerial- und GerichtsbeaMen. - R 0 m, 2. Juni. (Tel.-Komp.) Die Obstruktion im Post- und Telegraphendienst hat begonnen, während in den Verwaltungen die passive Resistenz eingesetzt hat. Zn verschiedenen Ministerien hielten die Beamten Streikbersammlungen ab. Die Verteilung der Post wurde nur teilweise besorgt.Auch die Telearaphenapparate des Königshauses find außer T t g .L c r t gef etz t. Ein Kurzschluß har die Apparate des römischen Telegraphenamtes beschädigt, , so daß die Telegramme durch die Post befördert werde» müssen. R o m, 2. Jimi. (Tel.-Komp.) Wie der Verkehrsminister versichert, werde» sich die Eisenbahner nicht am BeamteuftreiL beteilige«. Dagegen beteiligen sich die Beamte« des KriegsministerinmS rmd des- Ministeriums des Aeußern sowie die Gerichte an der passiven Resistenz.. . Rom, 2. Juni. (Tel.-Komp.) Giolitti wird heute im Ministerrat Maßnahmen Vorschlägen, um der Bewegung der Staatsbeamten wirksam entgegenzntrete«. Der Ministerpräsident scheint entschlossen zu sein, mit aller Energie vo^ngehen. Der augekündigte Gesetzentwurf süv die Reform der Bureaus wird beschleunigt^ Er sieht die Aushebung des MiursteriuMs / für die befreiten Gebiete, des Verpstegs-i^ Kommissariats nnd der AnterftaatSseKretariate; . der Marine und der Brennstoffe» sowie aller durch den Krieg entstandenen Aemter vovL/ Der Entwurf ermächtigt die Regierung.rmchi' zur Gehattsanfbessernng. -.-.v. Der Kampf in Oberschlefien. Englische Tr»pperr augelaagt. Oppeln, U'ZÄü. (KüÜf.^' Ein englisches Wa- ' taillon .ist. heute in die Stadt G v 0 ß - St r eh l i tz eingerückt, ohne auf Widerstand zu' stoßen'. In den Kreisen Kreuzbmg und Rosenberg sind zahlreiche Meldungen über P l ü n d e r u n g e n von G es ch ä j t'e n,; Gutshäusem und Wohnungen eingelaufen. Es sind auch erneut deutschgesinnte Oberschlefier in diesen Gebieten mißhandelt und verschleppt worden. In den übrigen Kreise» ist die Lage rm w sentlichen unverändert. Der Ott; Fisch e r e i (nördlich von Kofel) mußte unter dem Druck der polnischen Aufrührer von den deutschen Verteidigem geräumt Befriedigung darüber Mitgeteilt, daß sie schon jetzt.Vorkehrungen für die Einlösung der auIgegeh'ene» Schätzwechsel' getroffen...'hähe.^^y;vr: . London. 2 Juni.. Das Rettterfchi: Burechrmeldet . aus N e w -.P ö r k *. Die erste Rate DeutWgnds in der Höhe vön 47 Millionen Dollar geläptzte .heute in den Besitz'der ksäkrsl Reserve Batik. Die deutsche Regierung ergänzte gestern durch.BeOmttlnng.'vM' vier New-Dorßer Bankinstituten die. EinZahtzW.. Die Zahlungen erfolgten nicht in Bar- oder- Gold -sondern, durch Banküberweisung. . . ' ' Die Hnslösmrg der^ OrgeM Eine scharfe Rote der Entente an Baherh. werden. ' . » Warschau, 2. Jrmr. (Funkspruch.) Aus dem Ausstandsgebiete werden mehrere erfolglose Angriffe d e r D e u t s ch e n gegen die Front der Aufständischen gemeldet. Nach den letzten Nachrichten haben französische. Truppe n bereits begonnen, die neutrale Grenze zu besetzen. V Zi»ramme«1chllltz der amerikanischen Staaten. Austritt aus dem BSlkenbund. Rew-Dovk,?. Juni. (Tel.-Komp.) Nach dem Mew Bork Herald" beabsichttgen die amerikanischen Staaten, aus dem B ö l k e r b u n d a u s z u t r e t e n und jic!} der vom Präsidenten Harding geplanten Völkeroerbindung anzufchließen. Diese Angelegenheit sei bereits Gegenstand von Beratungen im Staatsdepardement mit. den Diplomaten der s ü d- « n d mittelamerikanischen Länder gewesen. Argentinien» Nicaragua und Uruguay solle» bereits ihren destnitioell Entschluß, aus dem Völkerbund anszutretem gefaßt haben. . Die Reparationskommisfion lobt die dentsche Regierung. Paris, 2. Jum. (Havas). Die .Reparations- Kommission hat von der Pünktlichkeit Kenntnis genommen, mit der die deutsche Regierung die Bestimmung des Artikels 6 der Zahlungsaufstellung, betreffend die Zahlung von einer Milliarde Goldmark, erfüllt hat und der deutschen Regierung ihre selige Herr Mayr-das Ersuchen Deutschlands zur Kenntnis gebracht. Hier ist also wieder falsches Spiel getrieben worden von Deutschen gegen Deutsche. Aller- London, 2. Juni. Nach BlättermeLdunge» .haben England, Frankreich und I t a 1 i e n' gemeinsam eine scharf gehaltene Note an die .b st y r vsch e Re gierung gerichtet, worin die Behauptung des bayrischen Ministerpräsidenten, daß Bayern nicht entwaffnen könne, widerlegt -wird.' - 'Jy?: : ' London- > 2. Janr. - Rrutrv meldet : Die englische Idegirrnng hat. gestern ihre Vertreter i» MLichen beavstr-st, der bayrische» Regierung lategorisch zu erlläieen, daß tzmstchtbchidie En t fo-a if« »« g Bayer« kein anderes Isgssiaudms gemacht werden. köMe als dem Sbrigen Deutschland. Die restlose Erfüllung der B ed i n g « n^g r «. deS Entente-Mimatmns sei der einzige Weg, um stir 'BayM' und ganz Dmischlynd ernste Folgen zu vermeiden. . .. ' Die tfchecho-slowakisch-nngarischeU Verhanvlungen.? - Präg, 2. Juni. (Privat.) Die ^Prager Presset schreibt: Wie wir erfahren, hat .das hiesige Minfftermue des Aeußeren der Budapests Regierung mitgeteilt, daß es mit dem Beginn der rechllich-polttischen Kommissions- Verhandlungen am 3, d. M. einverstanden wäre. Ein Prooinzblatt veröffentlichte eine Information aus Preßbürg, woiwch die magyarischen Regiemngsvettreter. auch territoriale Wünsche vorzubringen gedächten. Da es sich in Prag und in Budapest qm Erörterungen ausschließlich wirtschaftlicher und praktischer Natur hcmdelt und hier von derartigen Absichten der ungarischen Delegierten nichts bekannt ist, m sich diese Information offenkundig als unzutrej Die Vertreter der tschecho-slowakischere Regie! würden eine jede Diskussion über territoriale jedenfalls a pmri ablehnen ihrem Eintreten für den Anschluß haudell es sich bewußte Spiegelfechterei. Sie wollen die Sache die Spitze treiben, Oesterreich zuanmde richten den Anschluß an die Horthy-Banbe einleit« diese Leute wirklich an Deutschland kämen, jäo finale Echik Mv ^1 S

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