Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 839 (29.5.1921)
- Date
- 1921-05-29
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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s&tenf* «WtzzMzMt»- 9fc 839 Me«, vmucksg hat ihn nicht gehört; er wird irr« au ihm, will ihm «ich! mehr dankt« diene». Da trifft ihn Gottes Hand noch stärker. Der Föhn, dessentwegen er mit Gott gehadert hatte, well ihm der Erbe der Tradition, der Erbe des Gebetes genommen ward, hat gar nicht «ehr dem Judentum ongrhöit. Und Aron Schiffer sieht, daß «an diesem indischen Gott nicht entrinnen kann. Er zwingt zu Lch, erbarmungslos, rachsüchtig. Das ist seine „Gerechtigkeit". über „wir brauchen Erbarmen". In dieser Erkenntnis der Vcrtweisinng kann Schiffer nicht mehr leben nnd gibt sich — am Sabbat! ~ den Tod. Die>ev Kern der Handlung —• Erinnerungen r n Asch' „Gott der Rache" steigen ünf^ — setzt ein gewaltiges Probleiu; er löst es nicht völlig, weil die Weite fehlt, welche die mge Welt der „kleinen Menschlein" et e r nicht geben kann. So stellt sich mehr Rührung als Erschütterung ein. Die Aus übrung 'et „Volksbühne", die Herr D e u t s ch mit seinem scharfen Bühnenilick gestellt hatte, sucht nun gerade das Erschütternde zum Ausdruck iu bringen. Es ist nicht völlig gelungen, da der zu redselige Bau des Stückes daran hindert. Vielleicht hätten noch einige herzhafte Striche das, was der Spielleiter zu geben suchte, der Erfüllung, eähergebracht. Jedenfalls aber ist das. woZ di: Regie erreicht -at, schon anerkennenswert. Das Pathos wurde vermieden und ru manchen Stellen war Wucht zu spüren, so am Schluff des lweiteu Aktes, der denn auch den stärksten Beifall auSlöste. In >em Bestreben, unpathetisch zu sein, wurde allerdings manchmal zu -ehr mtt Halbtönen auf „Stimmung" gespielt, wo rasch rollender stblauf des Geschehens mit vollen Tönen viel stärkere Wirkung Mn hätte. Unter diesem Zeichen ftand besonderder >rste Akt. Herr B e n - Z w i als Aron Schiffer erklomm renn auch die richtige Stufe erst im zweiten Aufzug und <ab bgmi im dritten Akt deiner Gestalt starke, elementare Büß«. Ganz ausgezeichnet Frau Wemtraub-Graf als Schiffers Tochter. Das Gestehen ihrer Schmach war große Kunst. Frau Deutsch als Schiffers Frau, wie stets, von verläßlicher Vorrefflichkeit. Herr Deutsch, der sür ausgezeichnetes Zusammelsspiel gesorgt hatte, vermochte seiner Figur (als Verlobtes der Tochter) venig mehr zu geben als Edelsinn; sie ist vom Dichter sonst «it wenig Gaben ausgestattet. Die Gestalt des Rabbi Eliahu. ^er Schiffer mit dem Wort von der „Ehre, für Gott zu leiden" >11 trösten sucht, wurde von Hrrrn N a t h a n zu sehr ins Gebrechliche hinübergespielt; einzelne Züge vermochten dennoch zu iesseln. Herr S i g a! l und H.rr H e r s ch k o w i c z gestalteten Lpisodenrollcn glaubhaft. Herr P r e i ß sah als russischer Militärarzt unmöglich aus. Regie! Der Beifall war herzlich, besonders «ach dem zweiten Akt. ■ ° S. 8. Jüdische Kürrstlerbühne Ges. m. b. H. Das jüdische Theater, welches unter dem Namen „Freie Wische Volksbühne" seit mehreren Monaten in Wien besteht, hat ^»rch seine hervorragenden künstlerischen Leistungen das lebhafteste Interesse bei allen Freunden jüdischer Kunst hervorgerufen. Für sie Führung des Unternehmens sind bisher die nötigen Mittel ^urch ein Konsortium von Freunden des jüdischen Theaters stigestellt worden, llnt nun dieses Theater auf eine feste finanzielle Grundlage zu stellen, ihm die Möglichkeit ^rL künstlerischen und iheatertechnifchen Ausbaues zu geben, letzten Lndes, um für die Bühne, die heute ein enges Heim hat, einen größeren und bequemeren Theatrrranm zu schaffen, haben sich sie alten Freunde dieses Theaters m>t einer ansehnlichen Zahl von neugewonnenen Jnteresscnten zur Gründung einer Gesellschaft «it beschrankter Haftung vereinigt, welche, wie wir hören, in allernächster Zeit unter dem Namen „I ü d i s ch e K ü n st l e rbü h n e G c s. m. b. H." ms Leben treten soll. Die Gesell' schastsanteile sind mit K 10.000 festgesetzt. Es ist anznnehmen, daß unter den vielen Besuchern des jüdischen Theaters 'n der Augartenstraße sich eine große Zahl von Kunstfreunden stndet, welche bereit ist, diesem Theater durch Beitritt zur neubegründeten Gesellschaft m. b. H. finanzielle Förderung angedrihc» m lasten und daz»r deizutrageu, daß das Unternehmen, welches schon in kleinem Rahmen sich als künstlerisch hochstehend erwies und dabei auch mit gutem materiellen Erfolg gearbeitet hat, seine künstlerischen Ziele völlig verwirklichen könne. Anmeldungen von Personen, welche bereit sind, sich ander neuen Gesellschaft m. b. H. tu beteiligen, nimmt auch unsere Redaktion gern entgegen. Aus de« Theatern. Im B n r g t h e a t e r gelangt morgen. Montag. ..D e r K a u f m a nn v o n B e n e d i g", mit Hugo T h i m i g als Gast, zur Aunührmig. Anfang Uhr. S p i e l v l a n d e s S ch v n b r st n n e r Schloßih eaterS. Montag, 7 Uhr. „Bunbury". — Dienstag,!7Uhr. „Das Konzert". — Mittwoch, 7 Uhr, „Der Rauh der Sasinermnen". (Striese — Herr Hugo Thiniig als Gast.) — Donnerstag, 7 Uhr. „Bunburv". - Freitag. 7 Uhr. ..Candida". — Lamstag, 7 Uhr,, „Der Raub der Sabmermnen". (Striese ~ Herr Hugo Thiemig dls Gast.) -7- Sonntag, 7? Uhr, »Bunbmy. *; Versteigerungsamt DOROTHEUM Wien.!., Dorotheergasse 17, Tel. 2916,9162, 3498 Gesamteinrichtung Schloss Klessheim Nachlass Erzherzog Ludwig Viktor Hl. Teil Erste grosse Mauktion auserlesener, hochwertiger, darunter historischer Kunstobjekte A V 8 S TELLUNG: Noch heute Sonntag den 29. Mai von 10 bis 1 Uhr in den Kunstauktionssälen des Dorotheums (Nebentreppe, Lift). 22 VERSTEIGERUNG von morgen Montag, 30.Mai bis Freitag, 3. Juni ab 3 Uhr Im D e u t f ch e n D 0 l k s,r h e a t e r gelangt Samstag den 4. Juni, 7 Uhr. das vieraktige Wiener Schauspiel „D i e R a x" von Hans Stifteggrr zur Uraufführung. Spielleiter Dr. Heinz Schulbaur. r In den Kammerspieleu findet Samstag den 4. Juni, 7 Uhr. die deutsche Uraufführung ■ der drnaktigen Komödie „Mann u n d< F r a u" von Ladislaus L a kat 0 s statt. In der FreienjüdischenVolkSbühne geht heute nachmittags, 8 Ubr, GordinS „Der Fremde" in Szene. — In der Abendvorstellung gelangt „S ch m a I i f r n e l". Drama in drei Akren von Ofsiv Dymow znr Aufführung. Anfang ’/»8 Uhr. In beiden Vorstellungen gibt B en- Z w i als Gast die Hauptrollen. — Die Mitglieder der Jüdischen Bühne(U.. Taborstraße) eröffnen unter Mitwirkmra der gesamten russrfchenOperettentruppe und unter Leitung des Direktors P 0 d z a m c z e am 1. Juni ein Gastspiel in der R 0 l a n d - B ü h n e. Im Wiener Stadltheater beginnt morgen, Montag, die SommerPirlzeit. Von morgen ab werden die Eiutrittsprei'e bedeutend herabgesetzt. Morgen bis einschlußlichDonnerstag den 2. Juni wird der Schwank „Dre Welt ohne Männer", von Alexander Engel, und Julius Horst, mit Haust Niese iu der weiblichen Hauptrolle gegeben. Freitag den 3. Juni gelangt das neue Volksstück „Zum goldenen Segen", von Bernhard, Buchbinder, Musik von Ludwig Gruber, zur Erstaufführung. Haust Niese kreiert die weibliche Hauptrolle. Die Neue W i e n e r B ü h n e hat das Repertoire ihres M 0 ifsi - Gastspiels wie iolgt festgesetzt: D-enstag den 31. d. M. und Samstag den 4. Juni „Hamlet", Mittwoch den 1. und Sonntag den 5. Juni „Der lebende Leichnam", Donnerstag den 2. und Montag den 6. Juni „Jedermann", Freitag den 3. Juni „Und das Licht leuchtet in der Finsternis". Repertoireänderung der Neuen WienerBübne: Montag den 30.' d. M. abends wird statt „Rote Robe" „F e d 0 r a" mit Oskar B e r e g i als Gast (letztes Auftreten) gegeben. __ Tanzabend Gertrud Vodenwiefer. Diese Tonzkünstlertn moderner expressionistischer Richtung wird bei ihrer am Donnerstag den 2. Juni, 8 Ubr. im Großen Saale der 11 r'an 1 a stattfindendrn ersten Urania-Veranstaliung zur Musik von Dcbussy» Scott, Korngold unter anderen nnd in Kostümen nach Entwürfen von F. v. Bahros „Exoten und Grotesken" vorsichrem Klavierbegleitung Otto Schulhof. Die Ausstellung „Wojeuuo Plenrii" iu der Severingaffe 9, hält rm Hinblick auf das gesteigerte allgemeine Interesse die Ausstellungsräume bis 15. Juni d. I. offen. Die EintrittSgedühr — K 8 — füllt den bedürftigen Heimkehrern zu. Salzburger Mozart-Fest. Das Salzburger Mozarteum veranstaltet rn der Zeit vom 1. bis 15. August ein M 0 z a r t - F e st,. in welchem drei Symphoniek 0 n z e r t e mit Solisten, drei Kammermusikk 0 n z e r t e, ein C h 0 r k 0 n z e r t und das R e q u i e m im Dom zur Aufführung gelangen. Für das Theater sind die Aufführungen der «Gärtnerin aus Liebe" und des „Schauspieldirektor" in Aussicht genommen. Bei günstiger Witterung werden die Haffner-Serenade und andere Serenaden auf dem Refidenzplah gespielt werden. Die künstlerische Anordnung des Programmes besorgt Dr. Bernhard P a u m g a r t n e r. Literatur «.Wissenschaft. Der deutsche Außenminister Dr. Rosen als Literat. S ch ö n b r n n u e r S ch l o ß t b e a t e r. Wegen Erkraukung der Frau Lewinsky wird morden. Montag, statt »Bunburh" Schönberrs „Der Weibsteufcl" aufgeführt'." . H e u t e, Sonntag um '/«II Uhr abends findet M B e l v e d e r e« P a r k die zweite A u f f ü h r u 11 g bon. William Shakespeares „D er Sturm". unter der Reg« von Albert Hern e. in der Bühnenbearbeitung und mit der Musik von Felix W e t n g a r t it. c v, statt. Das begleitende Swnphonieorchester dirigiert Direktor Felix Weingartner. Die nächsten Aufführungen finden Mittwoch den 1., Donnerstag den 2., Samstag den 4. und Sonntag den 5. June statt. Nach vchluß der Aufführungen. Straßcnbahnvcrkehr nach allen mchtungen. Än der Staatsoper geht morgen, Montag. „D e r kl regende Holländer" in Szene. Holländer — Herr Theodor Luttermann, Enk — Herr Hubert L e u e r als Gäste. In derBolksoper geht Mittwoch den 1. Juni neu emstudlert „Q u o v a d i s?" in Szene. — Hcute, Sonntag, wild »Carmen" gegeben: die Hauptrollen sind mrt den Damen Rantzau, Pfiffer. Herstein, Bleckmann und den Herren Schürmann. Hagen, Peer, Bandlcr. Markowsky und Lazer besetzt. Dirigent Herr Anderieth. — Morgen, Montag, geht „Dos ca" mir maulern Rantzau und den Herren' Neumann, Artur Fleischer. Tauber und Baumann in den Haliptrollen i« Szene. Dirigent Hcn Dr. Kauer. Der neue deutsche Außenminister Dr. Rosen gilt seit langem als Orientalist von europäischem Ruse. Aber auch als Urbersetzer orientalischer, namentlich persischer Dichtung ist er bei allen Freunden der morgenläudischen Llteratnrrn geschätzt. Bekannt ist seine schon inehrere Jahre zurückliegende deutsche Uebertragung der Verse OmarHajams. Vor wenigen Monaten jedoch hat der nunmehrige Minister des Deutschen Reiches eine Uebertragung des größten persischen Volsdichters, MuslinEddin Saadi, herausgegeben; er hat nämlich das achte Buch des „G u l i st a u". welches den in der deutschen Literatur durch Knigge bekannten Titel „Der Umgang mit Menschen" führt, ins Deutsche übertragen. Das Werk des persischen Dichters, welcher zn SchiraS von 1189 bis 1291 lebte, ist von Rosen formvollendet nachgedichtet. Ein paar Beispiele mögen dies beweisen: Wie weit im Wiffen es einer gebracht. Kannst du im Umgang eines Tags erfahren. Ob trdjt in ihm ein list'ger Schurke steckt, Das merkst du oftmals erst nach langen Jahren. Wenn dir 511 einem Flegel freundlich List, Wird er noch frecher, al§ er so schon ist. ,M Mir MI /6 ----- " -['ifTifwmh De» Biffen, de» b» Fm einmal gkgeöen, ' ' Vergißt dir nicht der Hund im ganzen Leben, /. Nnd wirfst du ihn auch hundertmal mit Stemen- ' Doch hast du noch so viel einem Gemeinen >. Drin ganzes Leben Gutes auch getan,!' ( Beim kleinsten Anlaß schon fällt er dich an. - Das Büchlein hat in literarischen Kreisen bald eiumstültts Wertschätzung gefunden- Es wich abzuwarten sein, ob dem PoÄ tiler Rosen die gleiche Anerkemymg zuteil werden wird, wie - sm der Literat errungen hat. Hans E. v. Tzichirnev-Lzschimre: „Zn die Wüstes W. Borngräber Verlag, Berlin. - j „ Ein ebemals deutsch-türkischer Offizier zeichnethier eine' Emsode des Krieges an den Grenzen von Palästina ans. Als Kommandant von Akaba wies Tzfchirner die Einbruchsversuch« der Alllierten zurück und brachte es trotz der primitiven Möglichkeiten auf türkischer Seite zu ernem Erfolg, der, ohne große Verluste, eine gewisse Wichtigkeit in der Geschichte des Wüstenfeltzzuzes' bat. Das Buch ist flott geschrieben und ist ein recht ansprechendes Erzeugnis der Kriegsmemoirenliteratur, denn es bringt ein paar wabre Bemerkungen über die unerhörte Borniertheit jener famosem deutschm Miütärmission in Konsianliuopel, deren Sonderbarkeithöchstens von der österreichischen Mission übertroffeu wurde. Ei» - paar warme Worte gelten dem türkischen Soldaten, dem unendlich braven und gutmüt'gen Anatolier, der mehr hungerte und größere Onalen erdulden müßte als irgendein Soldat dieies Krieges^ und e>n paar gute Worte svrechen vom braven,^ treuen aradischur P'erd. Für die, welche diese ZeitPalüstinas miterlebt haben, «eckt dieses Buch Erinneruugen, auck) wenn es von vielem, von dem zu sprechen wäre, nichts sagt. Eugen H 0 f l rch. Scholem Alejche«» „Menachem Mendel", übertragen tM Sicgfrikd Schmitz. (Verlag R. Löwit. Wien, M. 18.) Die tragikomische Geschichte des ostjüdischen Lusimensche«.' der sich iu Phantasien wiegt und Luftschloffer baut, während ihm», vor Hunger der Magen knurrt, hat hier der Meister des satm-,' scheu Ghettohumors in dem Briefwechsel zwischen Meuacheur Mendel und seiner Gattin Scheine Scheindä in voller Plastik' gestaltet. Die erste deutsche Uebertragung des Romans aus dev Feder Siegfried Schmitz' kennen die Leser der „Wiener Morgen», zeituvg", welche das Werk in Fortsetzungen gebracht bat. Nunmehr m würdiger Buchform vorliegend, bildet es eine schöne Br»^ reicherung des in deutscher Uebersetzung vorhandenen Vorrats »mt charakteristischer und wertvoller jüdischer Literatur. Das Bück, wird sicher seinen Weg machen und die Verbreitnng finde», die es verdient. —<L Eine hebräische Ausgabe von An—Ms Schriften^ In Moskau werden jetzt An—skis Schriften ' in hebrMch« Ueberiraguna herausgrgeben. Die Ausgabe soll zwölf Bcmde umfassen. Der erst; Band, welcher bereits druckferlig ist, enthalt unter anderem die hebräische Uebertragung von Au—skis dramatischer Legende „Zwischen zwei Welten" (Der Dibhk). Diel hebräische Uebersetzung dieses Bübnrnwerkes hat Chaim Nachman B i a l i k besorgt. Bialik werlt zurzeit auch in Moskau, u«. . einer hebräischen Aufführung des An—stischrn Werkes bnzn»' wohnen. _ Gerichtesaal. Ehrenbeleidigrmgsprozetz eines Amatsnrhypnotiscnrs. Vor dem Schwurgericht unter Vorsitz des Hofrates Doktor Ehrenreich fand gesteru die Verhandlung über die Ehrend beleidigungsklage des Atitomobilbestandterlhändlers und Hauptmanns a. D., Rudolf Groß, eines Telepathen und Hypnotiseurs, gegen den Chefredakteur des „Neuen 8-Uhr-Blatt" Hen» Georg B i t t n e r statt. Mitte November v. I. eieschim in de« genannten Blatte im Anschlüsse an die Meldung von eiuem durch Hypnose hervorgeruienen Scheinattentat auf de« Hofrat Pro- > feffot Dr. Wagner-Jauregg ein Artikel, in welchem au dem Auftreten der Hypnotiseure und Telepathen im allgemnnm schade Kritik geübt wurde. Es hieß in dem Aussätze: ' „Diesem ganzen Pack von Hypnotiseuren und Telepath«," die hier ihr Unwesen treiben, soll endlich das Handwerk gelegtz werden. Telepathen, die sich mit allen möglichen Titel», wie „Hauptmann", auiputzen, sind Erscheinungen in öffentlichen w privaten Bergnügungszirkeln. Was dabei herauskommt, erweist de^ vorliegende Fall. Dem Unfug soll einmal ein radikales Ende ge^ macht werden." Hiedurch fühlte sich der gewesene Havptmam» Rudolf Groß, der als Amateurteleparh bekannt ist, beleidist und er erhob, «eil „durch paffende Kennzeichen" in dem Artikel seine Person hin gewiesen worden war, die Klage. Der Kläger Rudolf Groß war mit seine« AvwÄtz; Dr. Hosmansthal, der Angeklagte mit Dr. Hrrzberg-Frankrl er-: schienen. Als Sachverständige waren die Psychiater Professor Dr. Hoevel und Primarius Dr. Stelzer der Verhandlung gezogen. Unter den ausgemfenen Zeugen befanden sich Hofrat Professor Dr. Wagmr-Jauregg, der Neurologe Professor Redlich, Dr. Paul Kohn. Redakteur Rolf Kinzl und einige Damen. Chefredakteur B i 1 t n e r erklärte sich mchtschuldig, «klar!» es als seine Aufgabe und soziale Pssicht als Journalist, Dhß^ stände aufzudecken und zu verfolgen und betonte, daß zu dieses die überbandgenommcnrn hypnotischen Experimente durch Laie» und wissenschaftlich ungebildete Personen gehören, gegen die « deshalb entschieden und scharf Stellung genommen habe. * Nur ein wissenschaftlich gebildeter Arzt dürste hypnotisiere^ wissenschaftlich ungebildete Prrsouen nicht. Nach dem Erscheine» des Artikels berief sich Groß auf Hofrat Professor Wagner-Äauregg.' Als dieser gefragt wurde, ob Groß eine wissenschaftliche Eignung für die hypnotischen Mpetiruente besitze, wurde dies verneint und damit war der Fall für ihn erledigt. .; Klageanwalt: Hat sich der Ausdruck Pack aus Herrn Groß bezogen? — Angeklagter: Nein, das habe ich schon auf eine Frage des Vorsitzenden gesagt. Sonst hätte ich Herrn Groß nirÄ . ausdrücklich herausgegriffen. ‘ \ Dr. Hofmannsthal: Dann ziehe i ch die Au» klage zurück! (Bewegung.) Der Vorsitzende erhebt sich. Dr. Herzberg-Fränkel ruft r Das ist Ffucht aus dem Gerichtssaale! Dr. Hofmannsthal: Oder Flucht deS Angeklagten! * | Der Präsident verkündet de« Freispruch de» Augeklagte», j du die Klage zurückgezogen wurde. und schneidet weitere Dis- > lulsionen mit de» Worten ab: Die Verhandlung ist geschlossen!