Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1921-05-27 · Heft 837 (27.5.1921) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 837 (27.5.1921)
Date
1921-05-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
85% known words query
IRI
…/2979076-2979773-2979916--07692-2993768
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Einzelpreis K 3AO Einzelpreis K »l«,r |m «t»M» l» ttt *m*ß* * Sktma 1*0.- uai&l^^^^k |Am SWW WWWW^MM fff WDl mtm . OeUemi^: MmeiUch. Sroveu 1W.~' '■si^teto^umadt " ' (MmmHIiI .. Krone» 17.-?!!88W8^ch««8hr!ms •. Krön« flft- -HL ^Of» äi gWBpmn i «o>na3^Ä»n m~ Merte«äkrU» „ 3G.- _ D«NschIa«»r. MonnMch . IÄ#/ niuliutl i «onnMch . _ . . JNüren: ■ Monatlich . . .-. Site <?r-* fitattibfeft:' Monolvlch . . . , Lek ' Tchvetz n. da» «bctzr . .;• ..gf LWWW-LW «chchchonor^VS«. «rir ««he AbendsNr.lSÄM «fffflwtftlfffealm» «SM *wn<u*<w^CTi«wwy)y^iMiTO«»^iig»ai»faw»<HnwMuiwwirift>ii«!LWar»rrvy<w^v-—^w-^^lwwMKijii>iiiiiii«iwMn»igBaiiiiiiwiiiii ii' m Nr. 837 Wie«, Freitag den 27. Mai 1S21 iMSiania 3 Jahrgang Sowjetdämmerung. — 7. Wien, -7. Mai., Aus Rußland kommm neuerdings Ziachrichten über Maffenstreiks in den großen Zentren"und über schwere Oisftände in Sibirien, die bereits bis an die Stadt Tomsk heranreichen sollen. Der russische Vertreter in London, Herr Krassi n, erklärt zwar diese Meldungen für unwahr, doch wird zügegeben, daß die steigende Lebensmittelnot die Pntschgefahr für die Regierung bedeutend erleichtere. Die Regierung sucht, dieser Situation die .Spitze zu nehmen dadurch, daß sie die inneren Reformen verbreitert. und den Weg des Kompromisses mit dem westlichen Kapitalismus werter beschrettet. Sie hat neuerlich Instruk- -innen an ihre Getreuen erlassen, die eure sehr wehmütige 'Sprache führen und vor allem das schwerwiegende Bekenntnis enthalten, daß Rußland nur ein Teil der Welt, das Proletariat nur ein Teil des russischen Volkes und die kommunistische Partei nur ein Teil des russischen Proletariats sei. Weitersgibt sie die Freizügigkeit der Arbeiter frei, gestattet unter stetiger Staatsaufsicht die Vermittlung von Privatpersonen zwischen Arbeitern und Bauern (was den Zwischenhandel bedeutet) und fordert schließlich) zur Ueberwachüng der Menschewiken und. der Parteilosen auf. Diese ivtttschaftspolttischen Maßnahmen - laufen auf eine . vollständige Umformung des inneren . Lebens, hinaus und sind zum Teil als Folgen der Verträge mit hem Ausland, Jteifo als Beschwichtigungsversuche zur Eindämmung der wachsenden Unzufriedenheit .zu Wen-. M letzter, Lime öfce£ HMdeU.A. jt&; um eine yertzülttäLigen Kommunismus und dem Bauerntum, dayftch hier wie sonst überall in der Welt als der Stärkere erweist. Die Hoffnung, die Weltrevolution herbeizusühren, hat sich bisher als trügerisch erwiesen und die mißliche Lage der Sowjets yr Rußland selbst beweist,' wie falsch es war, den Sozialismus in dem industriell am schwächsten entwickelten Land aufzubauen und von hier aus die Abrechnung mit dem Weltkapitalismus zu versuchen. Dieser Grundfehler hat zusammen mit den anrüchigen Methoden des militanten.Bolschewismus die sozia- Wsche Sache überall kompromittiert, die schwer kämpfenden sozialistischen Parteien in Deutschland Md' m den Weststaaten bis. zur.Ohnmacht erniedrigt. Nun scheitern an der Millionenmasse der Mischen Bauern auch alle inneren Wirtschastsänderunaen und das Ende ist ein langsames, aber unaufhaltsames Zurück. Der Staatskapitalismus, von dem Lenin immer spricht, ist genau dasselbe wie der Staatssozialismus, Pen im Kriege fchreibkundige preußische Prosessorm , pour 1c roi de Presse aus bth Thesen Marx' herausdesülliert haben und der schließlich in Hungersnot Mschlug. > Die Moskauer Regierung sucht also nach dem alten russischen Rezept ihr Heil wieder in der 'Herbchöhrung weltpolitischer Händel, die ihren Völkern eine falsche Sittration vorgaukeln sollen. Auch hier ist eine Abkehr von der bisherigen Putschtaktik zu erkennen. Die Regierung akzeptiert lieber das durch die vielen Kriege der letzten Jahrhunderte glänzend approbierte System der Geheimdiplomatie und nimmt eine neue Uebersetzung des alten Macchiavel! in ihre Sprache vor. Die Anweisungen Tschitscherins an die Vertreter in England, Deutschland, Italien und in der Tschecho-SIowakei werden jetzt in der russischen gegenrevylmionchcen Presse veröffentlicht. Herr Tschitscherin dementiert zwar ihren Inhalt, aber sie fügen sich doch so genau dem Geist der neurussischen Polttik ein, daß ihre Echtheit in den Grundlinien als sicher gelten kann. Tschttscherin verlangt von seinen diplomatischen Verttetern äußerste Vorsicht, Verschleierung der russischen Verhältnisse. Das Hauptaugenmerk-fei auf den Balkan zu richten (was'wieder der zaristischen Politik der Hartwig »nd Schebeko entspricht) ^mrd von hier aus ‘ die Spaltung in der Entente herbeizusühren oder zu verlesen. Es liegt im Intereffe der Sowjetregiemng. gekriffe Annäherungen zu unterstützen, um dadurch getvffse Gegensätze zu verschärsen. So waren die Annäherungen zwischen England und Japan zu fördern, weil sie Amerika bedrohen, zwischen Italien und Griechenland, weil sie die enalisch-srünzösische Stellung im Südosten konterminiereu können. ♦♦ 100 NlMonen Goldfranes Kapital. Die Aktrsrr des Völkerbundes. - Gnglsrrd und Frankreich GeneralpfändrechL zurtzck. — RöLerruMtaufch. — Innere Anleihe. Kommission. m[ Das KhntröD!. Berlin, 26. Mai. Der V oll erb u n d Äbermiitett der Ageneck tzavas folgendes ^Contnmmqne: Me m London versammelte *F i n a n z k ö m m 1 f fron ist verständigt worden, daß die Regierungen Englands rryd Frankreichs " geneigt seren» dis zrva « zi gfährrgeFrist fLr die Zurück st e ll ttt! g der sich ans dem V er trage v 0 n S t. G er nr arn ergebenden Privilegien, wie es vorgeschlage» worden sei, an znnehmen. Diese Zwanzigjährige Frist wird als hinreichend erachtet, um die Durchführung des gegenwärtig in Beratung desindlichen Entwurfes für d.ie G e w ähr « n g eines internationalen Kredits zn gestatten. In der Hentrgen Sitzung beriet die Finanzkommifsion in fortgesetzter Prüfung dyr Vorschläge der österreichischen Negierung den Plan der Anfftellrmg einer < neoen GrurrÄla HK et« österreichinknW»t.' / Nach dem in Wien ansgearbeiteten Plan wurde dieses neue Noteninstitnt de« A u stanfch der gegenwärtigen gegen die von ihm auszugebeuden Noten v 0 r b e r e i t e n und so bald als möglich durchführen'. Der allgemeine Wert dieser Noten würde sich in deck neuen, an Stelle der Krone tretenden Gelde ausdrüÄe«. Das gegenwärtige Kapital der Emissionsbank würde 100 Milli0 nen Goldfranes betr a g e n. Diese Ziffer wurde fest bestellt, indem MM der gegenwärtigen Zahl der BebMernng Oesterreichs Rechnung getragen unk einen Vergleich mit dem Kapital der. Gmjisstonsbansen rn den anderen Ländern gezogen hat. Mindestens die Hälfte disfM -Kapitals würde iin Ansland aufgebracht ufttb der Rest der Aktien in Oesterreich plaeiett werden. Die Aufsicht über die BexwenÄnng. aller im Ausland erhaltenen Hilfsmittel upd der zu diesem Zweck als Pfand gegebenen, Einkünfte des Staates würde von einer-vorn der Finanzkomwisfion des Völkerbundes j ernannten KontroLkommissivk ausgeübt werden. Wenn es zu einer Met« nuugsverschiedenheit mit der SsterreichiMen Regierung käme, Könnte-letztere an die Finanz- Kommission des Völkerbundes appellieren^ die' in Letzter Instanz Zu e«sicheiden'--tzSW.'^>OM^ Vsrwaltungsrat der Bank würde zOrM ä^f t aus Oe st err eiche'rn bestehen. Aeber diese verschiedenen Punkte entwickelte sich eine allgemeine Debatte, in deren Verlauf die Mitglieder d e r nach. Wie« eutsandten Autersuchuugsk 0 m m i's s io« besauntgabe«, wie das neue Emissionsinstitut »ach den ihnen in GesterrLrch zuteil gewordenen Aufschlüssen funktionier«» könnte. Die Beratungen der FinaNzkoMmissiNn des Bölkerbnndes werden voraussichtlich Ns Dienstag da«.erv. Blutiger Kampf i« Dublin. Dubli», 26. Mai., (Reuter.) Eine starke Groppe von Siurrfeinern steckte das hiesige Z 0 \ Vq t bäu de m Brand. Truppen umzingelten sogleich dä§ Gebäude. Di« darin eiugtschlossenen Sinnfeiner e r 0 f fn e t e n d aS Feuet' auf die Truppen, die eö aus Maschiuengewkhren erwiderten. In dem Augenblick, wo anS dem Gebäude Flammen schlugen, erhiellrn Ik Zollbeamten, darunter zahlreiche Frauen, die von den Sivnseinern-zurllckgehalten worden waren, die Erlaubnis, sich zu.rcttkn. Die Sinnfemer verließen m geschloffenem Zuge, mit weißen Tüchern in den erhobenen Hände«, das Gebäude. Gruppe»! von Rebellen, die sechsmal ansgebrochen Haren, wnrden'durch Getvehrschüss« getötet oder zu Gefangenen gemacht. Schließlich gingen die Truppen zum Sturm auf'das dr e n n e n d e G e b äu d t über. Die Aufständischen ergaben' sich. Auf Seite der Sinnfemer wurden sieben Tote, elf Verwundete und IN Gefangene gezählt. Auf Seite der Polizei gab es vier Verwundete. Das Gebäude ist fast gänzlich zerstört.. Man glaubt, daß Sinnfeiner bei lebendigem Leibe verbrannt sind. Frankreich wird auch allein vorgehen. Paris» 25. Mar. (Havas. Kammer.) Auf eim Anfrage de§ Drputirrtm Barthelemy (Republikaners ob das Londoner Abkommen, betreffend die Durchführung von Strafmaß«ahmen, falls Deutschland seine Verpflichtungen nicht erfülle, für die Zukunft gelte, erklärte Ministerpräsident Briand: Wen» Deutschland eine Berpflichtlmg nicht «jLÜe, die i» den Hondvwrr Dckls« rationeu nicht vorgeseheu sei, werde es notwendig fürt, dm Ober-' sten Rat zufammenzurufm. Wen» «S sich aher-um eplie Verpflichtung handle, die .im Londoner Abkommen ^rgefche» fei,. konnten bie, Verbündeten nur . das Versäumnis : Deutschlands feststklle» und jeher von ihuen hatte : das Recht, mit der Durchführung der vorgeseh'enen Strafmaßn a h m e» v0rzu geh en. In . diesem Falle würde die sranMsche .Regierung die belgische und °die -englische Regierung telegraphrsch von ihrem Willen in Kdunints setze», einzugreifen, sie emtadeu, das gleiche zu üm, und sie in die Lage versehen, gemeinsam mit ihr vorzugehrn. Aul kinen Zwischruruf von der Rechten: „lt n b w e n n d i e A l l r i kr t e n f i ch ' a n den S t r a f m a ß n a h m e n - '11 i ch t .' b t eilig e n?" erwiderte Briand, er könne « i ch i g l a u b c ä daß auch «m riyer sich au der vorgesehenen SanWu nicht beteiligen würde. Selbst wenn die Verbündeten sich in emer: Logs befänden, die ihnen eine Mümirktntg nicht gestattete,, werden die Franzosen die Macht haben, . mit i h r e u; e i g e n e n Mittel» einzugreifen, und sie ck is n n t e» dies auch aller« tun. Diese Politik des Hans Dampf in allen Gaffen ist> genau dieselbe, die das alte Rußland entkräftet und is den Abgrund gestürzt hat. Sie wurde von der Romanowschen Kamarilla betrieben, um den inneren Krisen ein Paroli - zu bieten und in der Welt die Vorstellung eines ungeheuren, gesunden Offensivkolvffes zu erwecken. Dieser Eindruck soll auch jetzt erweckt werden, aber trotz aller Zensurkünste weiß man doch genug, um die traurige Wahrheit von dem sterbenden russischen Städlervolk, von der wirtsckaftlichm Irtdolmr der Streiks in Aegypten. Kaiss, 26. Mai. (Reuter.) Dre Werftarbeiter nÄ bii Äm . gestellten EifenbahnwerlstAt«« sind in de» Ausstw^ g«ürrtrn- Es droht rin allgemeiner Eifenbahuerstreik. . . Bauem zu erkennen. Der Bolschewismus wehÜ sich aus 8llen Kräftdn, aber Äe Entwicklung LLmyst gegÄ ihn und vor allem seine eigene Wäffe, die brutale' Zersprengung der Arbetterparteien im übrigen Europa!' Der Zusammenbruch des russischen Systems, der riachV fast-dreijähriger Dauer in die Nähe rückt, wird der - Ausgangspunkt einer neuen Katastrophe für die Dell und des Aufblühens der von Frankreich lwmmrn-'. dierten Wettreaktiün sein. IS»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.