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Wiener Morgenzeitung · 1921-05-24 · Heft 834 (24.5.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 834 (24.5.1921)
Date
1921-05-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der Außenminister der türkischen Regierung in Angora, Bekir Samt, hat! demissioniert. Er 'hatte anläßlich der .Londoner Konferenz mit der französischen 'Regierung ein Bündnis . abgeschlossen:. FraMreicsi, welches seit der Rückberufung des deutschfreundlichen Königs und Schwagers des deutschen Exkaisers auf den griechischen Thron eine gegen Griechenland gerichtete Politik treibt, hätte dem türkischenLlüßenminister eine Revision des Friedensvertrages von Seores auf Kosten Griechenlands in Aussicht gestellt, wogegen sich Bekir Samt zum Abschluß eines Bündnisses verpflichtete, welches Frankreich zum Protektor der europäischen und kleinasiatischen Türkei macht. Eine Hauptbestimmung des Vertrages bildete die Verpflichtung der Türkei, alle Beziehungen zu Sowjetrußl and hbzubrechen. Den Vertrag hat nunmehr Bekir Sann dem Parlament in Angora zur Genehmigung yorgelegt, das Parlament hat ihn verworfen und Bekir Samt hat demissioniert. "In Frankreich hat das Mißlingen dieser Aktion, große Erbitterung heroorgerufen. Man. empfindet die Ablehnung nicht , nur als eine Niederlage Frankreichs, fondernauch als einen Sieg der Bolschewiken. Vor M^WD-'zMr^-PaKM^MWNWsteW habM sich' dte Türken für Weres Wschiedeir. Die' Pariser Feiülngett behaupten nun, daß England die Hand im Spiel hat, daß es der indirekte-Urheber dieses gegen Frankreich geführten Schlages ist. Die Türkei, welche daran war. sich von Moskau loszusagen, sei durch die griechische. Offensive genötigt würden, das Bündnis mit Moskau aufrechtzuerhalten. um sich vor einem bolschewikischen Ueberfall zu sichern. Die griechische Offensive sei aber nur aus Betreiben Englands zmückzuführen, welches auf diese Weise eine Einflutzuahme Frankreichs auf den nahen Orient verhindern will. Das führende Pariser Blatt »Temps" schreibt ßn Leitartikel: „Die Einleitung der griechischen! Offensive hat die Türkei dahin gebracht, sich enge an W Bolschewiken anzuschließen, welche letztere ihren ganzen Einfluß in Ängora aufbieten, um eine Verständigung . zwischen den Türken und Franzosen zu verhindern. Andererseits hat der Zusammenbruch, der griechischen Offensive, viele türkische Nationalisten über-', wütig - gemacht, und, sie stellen an Frankreich Forderungen, welche unerfüllbar sind. Die Griechen, hätten nie ' eine Offensive gewagt, wenn sie nicht jemand dazu ermuntert hätte. Die französische Regierung hat Griechenland gewarnt und ihm geraten, sich mit'der Türkei auszugleichen. Die englische Diplomatie war weniger besorgt oder, besser gesagt,, sie hat wissentlich die Gefahren, welche Griechenland drohten, übersehen. Viel Blut ist geflossen. Tausende griechische und . türkische Soldaten sind gefallen. Jetzt befindet sich ein türkischer Unterhändler in London und der Feldzug wird fortgesetzt. Wie lange noch werden die Völker fortfahren, für andere einander zu töten?" Englands wird also ganz offen der Kriegshetze in Verfolgung eigensüchtiger Zwecke beschuldigt. ' Neben dem oberschlesischen also auch noch ein KNnasiatischer, sehr ernster Konflikt, zwischen Paris und. London, welcher, den Bestand der Entente bedroht! Biele Politiker und Zeitungen in Deutschland und Oesterreich werden jubelnd diese Nachricht begrüßen Hnd auf den..Streit/ der Sieger die kühnsten Hoffyungengchnden. Dieses Spekulieren Huf die Rolle des lachmdett' und profitierenden Drittelt ist jai bei den Deutschen zur Manie ausgeartet. Wer nüchtern denkt, muß' im Interesse Deutschlands' diesen neuen Konflikt bedauern. Er wird sicherlich keinen Bruch, sondern einen Ausgleich herbeiführen, aller Wahrscheinlichkeit nach einen Ausgleich — auf Kosten Deutschlands. England ist darauf angewiesen, den nahen Orient, die Brücke, welche zum englischen Asien führt, sichet in der Hand zu behalten. Für diese Sicherung hat es die schwersten Opfer gebracht und ihr zuliebe ZpsmnmerchAße nicht nur mit seinen Bundesgenossen, sondern auch mit den «M'chen Wie die Politische Korrespondenz erführt, hat Bundeskanzler Dr. Mayr an den Landeshauptmann von Salzburg folgendes Telegramm gerichtet: „Mit Rücksicht auf die allgemeine politische Lage erscheint es unbedingt erforderlich, alles hintanzuhalten,. was den Charakter der von dcn politischen Parteien - in Salzburg beabsichtigten Volksbefragung, falls nicht doch noch von ihr int d r;n g ende n Int e resse des' Bundesstaates Abstand gen o.m m e n wird, anders erscheinen lassen könnte, als den einer rein p r i v a t e n V e r a n ft a l t u n g, Am in besonders deutlicher Weise zum Ausdruck zu bringen, daß die B unde sr e g i e r u n g dieser Volksbefragung vollständig ferne st e h t und sie in keiner-Weise zu unterstützen beabsichtigt,, fühle ich mich genötigt, Ihnen im Sinne des Artikels 108 des Bundesverfassungsgesetzes die strenge Weisung zu erteilen, mit dem Nachdruck aller Ihnen zu Gebote steh end en" gesetzlichen Mittel, namentlich auch unter Androhung der Disziplinarsolgen, die Ihnen unterstellten Organe jber Bundesverwaltung anzuweisen, sich jeder unmittelbaren oder mittelbarm Mitwirkung, zum Beispiel durch Beistellung von Lokalen, U e b e r l ü s s ü.n g v o. n . D r.ü ck J vi t e n, W ä h \ ' -r'. -.. * . .. " ’ V *. Die Christlichsozialen hielten gestern im Parlauteut . eine erweiterte Vorstandssitzung ab, der auch der Bundeskartzler Dr. M a y r und der Obmann Hers. Partei, NaüonalratDr. Seipel» anwohnten. Den Gegen-' stand der Beratung bildete die bevorstehende Bolksabsiinmrung in Salzburg. In der. sehr eingehenden Debatte ergriff mich Bundeskanzler Dr. Mayr das Wort.! «K ' Bundeskanzler Dr. Mayr hat sich gestern abends in Begleitung des Ministers für Heerwesen, Baugoin, nach . Graz begeben, wo er morgien mit der Landesregierung über eine Reihe aktueller politischer Fragen, darunter auch über die Ä n s ch l u ß h e w e g u n g, und Volksabstimmung, eine Aussprache pflegen wird. kf VtSSHHBSSWlifgi* Die Grazer Chrrstlichsozialeu unb SoziaLÄeMokraLen tSÄen «ö. Gr«z, 23. Mai. Zu der, für heute abends au^ dem Areiheitsplatz in Aussicht genommenen.sÄffWyß-s. kundgebung meldet das' „Volksblatt", daß''der.''Vch:-s. , stand der ch r i st l i ch f o z i a l e U Land e s p a r i 11 ke- Mossen habe, an der Kundgebung , n t K t st'e.rl z-u-. .nehmen. Auch der „Ärveiterwillc" veroffentüsi)L'eliie, bezügliche Mitteilung, in der . sich das Präsidium der,/ sozialdemokratischen Landespoirteibertrehntsy. ge gen die Te i lua hure au dieser-. VersMUmlung!,' ausspricht, . ' . ' - - ■- ,;. Di.e Grazer Versammlung Graz, 23. Mai. Hier fand heute eine von. der^ G r o tz d e u s ch e n Par t e i zugunsten des An- . tfchlusses' an Deutschland veranstaltete Versammlung statt, in der eine Resolution ongenommen wurde, durchs die der Landtag ausgefordert wird, auf - dem Abstimmungsbeschluß zu beharren.' An der BersatNMluüqf nahmen weder die C y r i ft 11 ch s v z i^a l e n nschs die SdZiald em oLrate n teil. FxaMösische Strmmeü, #ftßis^^,23. Mai.s Die SBMiier fahren hin, die für Oesteyrsichdurch - tzie AnschlußLewe-n gung, insbesonders durch, das.betzgrstehenhe/ SaltzbUrKed Plebiszit, entstehen^ Die vrgchtce>-H-VNS teilt LM öftere reichischeu M^ndpultkL .mit, wonach -sich in- .Salz-' - bürg nm eine -- rein -pmMer Unternehmung hatchelt-! ' Die meisten -Blätter dichten an> die politischen! Parteien^ Salzburgs die 'Mahnung, noch! im letzten oAu^blW von - ihrern Vorhaben abzustehe«, da diesesjehÄrfaWk ergebnislos bleiben müsse und die. Kredithilse m - Frag-L;: '.bringt'.- n. M - * :-l/ r "■ „Excelsior". spricht von den Schwierigkeitesl: der: 'österreichischen Regierung, die.den Mächten gegenüber, sür. die Einhaltung, des Vertrags von Saint-Ger-main' verantwortlich sei und zugleich vergeblich ^gegen die.r ' Hartnäckigkeit der . politischen Parteien in Salzburg. ankämpfe> die auf dem Plebiszit bestehen, trotz'der->! Verlegenheit, die. es für ganz Oesterreich bedvyLet. Dr. Rose» - deutscher Äutzenminister. - Berlin, 23. Mai. Der Reichspräsident hat den bischerigen deutschen - 'Gesandten im Kagg/ Dü'. R ose n, zum Minister für 'auswärtige Angelegenheiten, ernannt und der» Neichskanzlev^ie Entlassung von' der Führung her auswärtigen Geschäfte des Reiches erteilt. Der * neue deutscheAußenminister .Kr, Friedrich Rosen, bisher deutscher Gesandter im Haag, wurde am 30. August 1856 als Sohn des^ Orientalisten Georg- Rosen in Leipzig geboren^ Er studierte in; Berlin, Leipzig,. München, Göttingep < und Paris. Don 1891 bis 1899 war er Dolmetscher , puh ze.ihveiss Geschäftsträger der, deutschen Gesandtschaft in Persien, wurde-im Fahre 1899 zum Konsul in Jerusalem ernannt uitb im Fahre 1900 in die politische Abteilung des Auswärtigen Amtes nach' Berlin berufen. Bis 1904 bekleidete er das Orientreferat des Auswärtigen ■ HirilMCMMWMWMMBWMWWWMWBIWaWMi riskiert. Zum Zwecke der Sicherung Asiens hat es mit Sowjetrußland über alle Bedenken hinweg einen weitgehenden Vertrag abgeschloffen. Der jetzt gemeldete Abmarsch der russischen Streitkräfte aus Persien ist der erste sichtbare Erfolg. England kann uyd wird nicht bulben, ddß Frankreich seine weitausgreifenden und unter größten Opfern verfolgten Pläne im Orient stört, es wird' Frankreich mit harter Hand femhalten. In der kleinasiatischen Frage wird England nicht nachgeben, aber, um das Bündnis mit Frankreich doch aufrechtzuerhalten, wird es in anderen Fragen Zugeständnisse machen, aller Mahrscheiulichke'.l nach in W ob.ccjchlepischen. CLMich Zxaukreich Amtes, wurde 1905 &B Sondergesandter cnr '' bertrv abessinischen Hof geschickt und k«m' dann als WesKtbW^ ' nach Marokko. Damit im Zusammenhang stand ' euU Reise nach Paris,' wo er Verhandlungen mit dem zösischen^ Kabinett führte. 1910 wurde' er Ges« iit Bukarest, 1912 in Lissabon, 1916 im Haag. ' ° Eintritt-er Sozialisten in vte - italienische Regierung?! Mailand, 28. Mai. (Schweiz. Dep -Agent.) Di.e! Blätter beschäftigen sich entgehend mit der Möglichkeit des Eintrittes der Sozialisten in die Regierung ,Gioma!« d'Jtalia" glaubt aus Mitteilungen parlämentärifchLv Kreise schließen zu können, daß die Bildung eines! Kabinetts unter Mitarbeit der Sozialisten vor W gehen und daß der Kammerpräsident de Nicol Ä der bei den Sozialisten große Sympathien genießt^ Ministerpräsident werden wird. " . , ' 1 , 7 , 1 in Europa triumphieren lasten, um es in Asien desto bester Niederhalten zu können. Zwanzig Oberschlesierv in deutschen Händen wiegen für England nicht soviel als eine gesicherte Position im Orient. Das ist eine einfache Rechnung» und nur politischer Anverstrmd! Kann sie anzweifeln. ' Neuer Streit, auch ein Strest! zwischen den Siegem, bringt den Besiegten keiyeni Segen. Nur der Frieden und die endgAttge Bemhigüatz der erschütterten Welt, nur ein Ausgleich der schärften Gegensätze in allen Lagem, bietet den Besiegten die Möglichkett der Gesundung. Wenn zwei Sieger sich streiten, soll der Besiegte nicht lachen, denn letzte« Endes gxyt es um seine Haut. - v\

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