Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 829 (19.5.1921)
- Date
- 1921-05-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2979076-2979773-2979908--07612-2993680- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
EdtziSpreis K L«h«rchttv'r' K» WWlwlptit (ZitH* Mk-»*Mch 7. »n«r* »««.'- fÜrSi** Wi . veßne et ch: _ Oit«»«tt:ch;ftc*uc«100.- ,;!- Dkchoch<-Elv»akn: - .'. Sttätttu iV‘~~ itMgmi PSSüSEF t' Iusojlowl«»: jttutfijA « . Di»me J?«<i «icefeltaipUÄ « SV- Einzelpreis K Monattick» . M«tt i« »»lnischev _ „.S-rMttch: MWWchiH i CUdlyK a «y-im.it ul%FmwB" ^^%wV9f%%wp 4 ■ «a* . _ G» - ... ■ ,• . auuKnuau - ■ Mosatttch. . ..»Aej Schwerz tL Ler Löüg- Moaattich «edartü»»u.Ad«iuS SSHttt, *»®«Sv «ö «Uhr afen&SeJi P»ftch«Llffe»rs»tt» ~!"'I7*7~ Nr. 829 Wien, Donnerstag den 19. Mai 1921 3. Jahrgang ss( Pariser Brief. Bo» «nserem Pariser K»»vespon-O»te«. : ' : > »t. P a r i S, 15. Mai. ' Deutschland hat akzeptiert. Ein etwas schwäch begründetes Akzept. Denn vörr den 469 Mitgliedern, dir der Reichstag zählt, haben ■ 220 für die Annahme öes Ultimatums gestimmt.. Aber die Besetzung des Rsthrgebietes ist aufgeschoben. Nur täusche man sich nicht. Eine Entscheidung ist anch dasnöch nicht. kein Gefühl - der Erleichterung, der Befriedigung gibt sich Kund. Man -bleibt in Frankreich' mißtrauisch, man Wut Deutschland nicht: Die Haltung Bayerns und die vjrWnge in Oberschlesien geben zu denken.- Man Hechtet einen neuen Aufschub und dadurch eine schlechtere Stellung Frankreichs, als es sie sowieso heute besitzt. An diesem Moment ist die Kammer in Ferien und Mrd erst am-19.'Mai zusammentreten. Unzweifelhaft mrh Briand an diesem und den folgenden Tagen üneir harten Strauß' zw bestehen haben. L«on Daudet Mtert in der - „Action Franchise" wie 1917 üherall Verxat - und, Gefahr für das Vaterland und ruft den pere de Ja Victaire, ruft- Clemencemls starke Hand;str Rettung. >. /?; ' 1? Freilich, daß er retten könnte, glauben nur wenige. Au /groß - ist das - Chaos, zu verwickett die Probleme, O-groß die Gegensätze. Bon Wffchub zu Aufschub lrMt das Schiff Europas eineö Katastrophe entgegen, von der keiner sagen kgm^ nM grauenhaft sie 'sehr «nrd> und von dch l keiner ahnest kann.: ob es einen, MMchWegr - nM. giötl -Diese' sUrchihÄe Spannung liegtmifhM und >!u der .Ratlosigkeit sucht Man.' nach ihren tiefen. HMmen,. verborgenen Ärsächen.- Kein Wunderdaß manche es -sich .le'icht'machenckMM'be^-ünbsLikmMen Faktor, der so vielfältig kompliziert ist, einen halb-und salschgckämften einftihren,. der ihnew einfacher dünkt: die internatiönäle Wische'Verschwörung. Sie sehen sie überall. Der Arftffemttismus in allen Ländern wächst, aber während man in Deutschland die Iyden beschlüdigt, an dem Verlust des Weltkrieges die Schuld Zu tragen, heißt es hier,- daß es das mternattünalc Mische Kapital in Paris, London und Rew-Pork >und der jüdische Bolschewismus in Rußlands feien, die" die treuesten Bundesgenossen Deutschlands öarstellen. Vor allem sieht man ' m der englischen Polttik, in der Polttik Lloyd Georges, die Frankreichs Gelüsten nicht freien Lauf läßt.- den jüdischen Einfluß, der seit Disraeli das Dritenreich beherrscht und in Lloyd Georges nächster Umgebung das Weltgeschick leitet. Die „Morning.Post" signalisiert diese Gefahr für England, geistig einflußreiche Meise in Frankreich jenen m der Herrschaft Saffoon^Rothschllds die große Gefahr. Zu einer antisemitischen 'WeltpöMK' fordert Maürras auf. Mer wir glauben, daß auch dieses MM. nicht Helsen wird, Run ist. der 12. Mar vorüber,' , am 19. wird sich bas französische Parlament auszusprechen haben. And dann - kommt sicher. eine Konferenz zn Spa ' ober London, zu Boulogne oder Brüssel, zu San Remo oder Paris! Und wird auch nichts helfen. Der Hexen* keffe! siedet weiter. Anwillkürlich drängen sich selbst dem Pariser Kyttespondenten, der von Frankreich zu berichten hat, aus weltpolittschen Perspektiven gewisse Gedanken auf: Was sollen die Juden in diesem Hexenkessel?, Werden sie nicht alle Leiden doppelt tragen, werden sie nicht überall die Sündcnböcke sein? Zwei Schlüffe daraus: Sich aus dem'Hexenkessel zu retten in ein Land, das noch außerhalb feister liegt, und dort das Leben auf anderen Grundlagen aufbauen, als es die sind, die wirl, vor uns sehen.' Aber der Beschluß von San Remo kann das ebensowenig bewirken, wie die Konferenz von London die Reparätionsfrage lösen konnte. Das Karin nur das Volk selbst tun. Aber die allgemeine Niedergeschlagenheit hat auch das jüdische Volk in ihren Bann gezogen, dennoch mußdas große es dazu bringen, die notwendigen Geldmittel auf zubringen, die Menschen hinzuschaffen, die wirtschaftliche Grundlage zu - errichten: Unsere Untätigkett hat die arabischen Mruhen erzeugt, wir sind die Schuldigen. Denn nach San Remo hat jeher, hat die englische Regierung» hat Herbert Samuel, haben die Araber Arbeit von uns erwartet, Tätigkeit, > Aufbau. Unsere UuIättgk«;t,ihreEittüäuschüllghatlM2inWl^Augclcherüb' gesetzt, molalffchesttv-tteiDiearabischmttmtthenIjndeine Cloyd Sesrge gegen MMch Eine aufsehenerregende Kundgebung in der oberschlefische« Frage. — Bor Ende der Entente? London, 18. Mai. Lloyd George ermächtigte das ReUtersche Bureau zu folgender Erklärung^- . Ich halte die Erklärangen aufrecht, die ich im Unterhause in bezüg auf Oberschlesien gegeben habe. Natürlich -kann - ich nur die Verantwortung übernehmen für das,' was ich wirklich gesagt habe, nicht aber für v e r st ü m m e l t e Und eTt st e I I t c Berichte in der fr an z ö s is ch e nPresse. Die fast einmütige Billigung, die sowohl in der a m e ri k a n i sich e n und italienischen wie auch in der englischen Preffe dest von mir zum Ausdruck gebrachten Gefühlen gezollt wird, zeigt, daß die großen Völker, welche in dem Weltkriege an der Seite Frankreichs standen, den Vertrag von D e rfailles nach Billigkeit a u s le g e n wollen. Ich war noch niemals Zeuge einer gleichen Einmütigkeit in irgendeiner Frage.'. Alle Richtungen der öffentlichen Meistuntz in den drei genannten Ländeßn haben sich auf den gleichen Standpunkt gestellt. Es wäre im höchsten Grade bedauerlich,? wenn die > französische Presse sich einen anderen Standpunkt zu^ MeM machen soltte, aber wir muffen Me'siHttnffsver- ^i e^e n.h ^i^sie n. :mnMManbM^ mtt' M « lkfam K e i t aufnehmen, - Ich möchte der französischen Presse mtt allem Respekt sagen, daß die Gewohnheit, jeden- Memüngsausdruck eines Alliierten, der nicht mrt der eigenen Meinung überstimmt, als Ungehörigkeit zü b e h an dein, unh eilsich manger ist. Wenn diese G e i st e s v e r f a s s u n g andauern sollte, so wttd sie für jede Ente n t e u n h e i l v o i l sei n. Die Stellungnahme, die die öffentliche Meinung in Amerika, Großbrttänmen und Italien in der oberschlesischen Frage gezeigt hat, sollte keinen Anstoß in Frankreich erregen. Diese öffentliche Meinung hält sich att' den Vertrag von Versailles, sie will die Bestimmungen dieses Vertrages mit Gerechtigkeit anwenden, ob sie nun für oder gegen Deutschland seien. Das Schicksial Oberfchlefieus matz dnr de» Ob s r ft e n R a t, nicht aber dvrch Korfanty e»schiede« werde«. Es darf de» „Ki n d e r «" des V e rtrages nicht erlaubt werde», »»gestraft ^das GeschirrC uro pas z» z e r b r e ch e »«. Man muß ihnen einen Zügel anlege» oder aber es wird ständig Schwierigkeiten gebe».'Der Verlauf der zukünftigen Ereigniffe kan« nicht voransgesehen werden. Vie N e b e 1 am Horizont find düsterer als gewShnlich. Es wird fast alles von der Einigkeit der Verbündete« «bhängen. Außer den aus dem Vertrage-sich ergebenden Verpflichtungen muffen Ereignisse, die nicht vorausgesehen werden körmen, die zukünftige Gruppierung der Nationen bestimmen. Die Zukunft der Welt, insonderheit Europas, wird durch alle oder neue Freundschaften bestinrmt werden. Unter diesen Umstanden ist der. Vertrag von Versailles ein Dokument von unendlicher Bedeutung, besonders für die Nationen der Entente. Er bindet uns zusammen, wo e s sin vre 8 g t bt, das uns trennt. Diejenigen, - %) die Bestimmungen des Vertrages behandeln, als ob sie ein Sport für Leidenschaft - ’ ol Vorurteil wären, brauchennicht - -länge ' leben, um ihre H i tz k ö 'p f i g k e i t n o H - z u d auerit. Das englische Volk entzieht sich Lei . seiner Verantwortlichkeiten aus dem Vertrage. Vorübl gehende Schwierigkeiten erschweren es, Truppenerübrigen. Aber diese Schwierigkeiten, werden,-wie vertrauensvoll schon jetzt annehme, bald vorüber se« und ich mache auf die Tatsache aufmerksam, ^däff w! Besttmmungen der Alliierten nicht ännehr würde, den A N i i e r t e n f ü r jede m i 1 i t ä-e» s-che Operation zur Verfügung -K st e l l e n, über die beschloffen wurde. . . . - Die brittsche Regiemng war bestrebt, die -Froq einer Teilung Schlesiens auf der Londoner -Konfcke« zu regeln. Alle Taffachen der Volksabstimmung' wa« bekannt. Unsere. Bundesgenoffen wären >aher -nichk bM! reit, mit der' Befprechury - fortzuMreiksi. Mir-rpsD Um ja der Mächte gettöffen werden' wird, die. Msi Gn» des Vertrages bei der FestfetzrMg'der schlesischen eine Stimme haben, wie' auch immer. der- SpruMiutt« * möge, wir nehmen die B o-l-L'sn-bMw -A--Ü-Ü.«- a 1s Ans d r u ck d e r Wnnsi ch e tte r. B ö H kerung S chlesii-ens v osil an. Dä wir-aben^ in den großen Krietz eingetreten sind und fürdie:B«Ä' teMgung des alten Vertrages, an dem unser LoM. beteiligt war, gewallige Verluste erlitten haben/ .ka»N- Gr otz b ri L an nie n .ui.ch t ein w.i l'-1L dabeizustchen, während auf dem Vertrage. bew.seMtz> Vertreter vor weniger als zwei Jahren ' ' * " haben, herum getreten wird. Rußland verlangt land einen von M o s L a u, 18. Mai. (Funkspruch.) erklärte auf dem Moskauer GewerLfchaj kyngretz, datz er den englischen Hmrsi minister um die Eröffnung eines Kredrts vol einer Milliarde Goldrubel ersucht habe. Ersnchen ist «och nicht erledigt. Der tÄrkisch-griechrsche Kriez. V Athen, 17. Mai. (Agence d'Athenes.)' AnrtlstW Heeresbericht vom 16. d. M.: Bei der Nordgxüypg Patrouillentätigkeit. Von der.Südgruppe ist nichts | melden. Im. Gebiete nordwestlich von Aidm SLuberun; des Gebirgsmassivs von Messaghis. Die Dänsi^ wurden zerstreut und ließen 60 Tote zurück. - Athen, 17. Mai. (Agenee d'Athenes.) In. W formierten Kreisen verlautet, daß Ehimarra umzingels sei. Die Bewohner seien entschloffen, sich zu verteidigend Hie albanischen Banden verdoppeln ihre TqtigkefL Der Mimsterrat hielt eine Sitzung ab, .der auch ' Kommandant des Armeekorps von Lpims. zögen war. Folge unserer Schwäche,' unsere Arbeit , hätten die Araber respektiert. Nicht Soldaten gilt es hinunter zuschicken, sondern Geld, Menschen, Arbeiter, Werkzeuge. Soldaten können nur Haß erzeugen uud Ueberschüumung des Nationalgefühls und Völkerhader., an denen Europa zugrundegeht; friedliche, ihrer Friedensmission sich bewußte Arbeiter werden sich und uns Achtung erzwingen. Sie werden nicht nur die Ruhe Herstellen, nicht durch Waffenaeraffel, sondern durch Pflug» Spaten und Maschine, sie werden auch die Ruhe füc die Zukunft verbürgen. 10.000 Soldaten sind auf den ersten Blick vielleicht billiger als 500.000 Arbeiter aber wen« man die Rechmmg vo« etwas weiteren Perspektiven aus macht, sicht man leichthch Fehler. Nur daß der Ausbau durch die 500.YW W> Hefter größere Opser seitens des jüdischen Volkes W fordert l Wird es weitblickend genug fein? Mögp manche aus dem Schauspiel der heutigen euroviU«! Politik zweierlei lernen : Daß wir uns vor Mer M nationaler Romantik wtz vor dem - LchM Mi müssen und daß nur eine große, fast Übergröße-:« sftengung — auch aus matenellem Gebiet, noch chp sacher gesagt, in den Sammümgm für den Keren " Jeffod uns aus dem Hexenkeffe! retten kann. ' es noch eine Rettung gibt.