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Wiener Morgenzeitung · 1921-05-18 · Heft 828 (18.5.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 828 (18.5.1921)
Date
1921-05-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Eiszelpreis K fiSinnMettfMtiittifct Ihi MM« i*eettprtMtiätt; L. Bezirk» Tab«»» ^AEAii-^8»?*** «auatttch * SUitte* 100«— VHt?-sti»eks!mz fitr Me« »A Oefterrrlchr , Mv««lt!rch. Krane» 100.— Lsch«ch»-Sl»v<ckel: Menaklich.. 5troueu IV.— vierteljährlich „ KJL— i* tschechs-slswalkscherKL^mns - ttttgcnu MonLttich. .Srsa« VO^-. Vik-rteljÄrUch « »W«-* tm t « VK Monatlich » » Dtrbr 1^^- Lievteliirhrttch - 36 - Vnzelprers kCW.^M -P^awmwva^iMs »«owWjTTvv MonaHiH ,, 90utifateK •' mantMUtFTTZk&Atr" (. Schweiz u. dq-rLrizö' ' Monatlich . . «ebaktto»«LtzH LS1«l,LBr^, _rttiML «* »ÄbraOaMchWde. V»ftip«SaMnL,»i» m. «28 Wie«, Mtttwoch den 18. Mai 1921 3. Jahrgang!Ä. Oesterreich und Deutschland. ' 7-7. W i e », 18. Mai. .Pariser Meldungen Kündigen eine Intervention! der Ententestaaten bei der österreichischen Regllmng gegen die Anschlußabstimmungen an. Die Mitglieder der großen und Kleinen Entente seien darüber einig.', von Oesterreich die Einhaltung jener Bestimmung des Friedensvertrages zu verlangen, welche die Unabhängigkeit Oesterreichs feststellt und Aenderüngen seines staatsrechtlichen Verhältnisses'.zu / seinen. Nachbarn vyn der Zustimmung des Völkerbundes abhängig macht. Hie Mächte halten es für Unzulässig, daß in Oesterreich 'Volksabstimmungen ohne Einwilligung des- Völkerbundes vorgenommen wetzen. Es ist also wieder eine .für Oesterreich ungemein. peinliche. Situatton entstanden, die noch durch die Bindung der Änschlützsiage an die Kreditaktion eine leider sehr aktuelle Verschärfung erhalt. Am 23, Mai' sollen die drei Experten der Finanzkomm ission den: Plenum des Völkerbundes über ihre in Wien gepflogenen Untersuchungen berichten. Sie haben sich der Regierung Mayr gegenüber persönlich /verpflichtet, Oesterreichs Sache als warme Fürsprechet, .zu vertreten, und es besteht kein Grund, an ihrer Zusage zu zweifeln. Ob. der Völkerbund ihrem Antrag' .beitreten und/ Nor allem durch die Empfehlung. von Kreditvörschüssen quf die angesprochene -Anleihe hie Einstellung der ijaätlichen Lebensmittelzuschüsse in' Oesterreich.in ihren. Mrkungen wenigstens moralisch mildern' wird, hangt heM weniger vonsinanziellen/. / üss// vielmHr . yoy ’ vMschen ErwätzMgewvM /G'H^ fÄbfefh, ob der VölLMündM-MM'PMHMen^äu/ den Obersten Rat die. östirrrhlchischeu Teilabstimtnungen über.' den - Anschluß an Deutschland als. bloßen Htünmüugsäüsdruck oder als fchweriviegende 'politische Akte betrachtet. Im zweiten Fülle wäre die wiederholt angedrohte Einstellung aller Hilfsflktioneu die erste Folge. Ihr würde sich dann möglicherweise die militärische Besetzung österreichlsä-en Gebietes durch Ententetruppen, sicherlich aber der endgültige Verlust hes westungarischen Rearmexivnögebjetes anschließen. Pie' Frage des Anschlusses Oesterreichs au Deutschland ist eine natürliche. Angelegenheit. Es ist selbstverständlich» daß der' deutsche.Volksstamm an der Donau Rückendeckung und Zuflucht in schwerer Not bei dem großen deutschen Muüörvolk sucht. .Dieses nationale' Ideal, dem niemand.den schuldigen Respekt versagen darf, entspringt dem eisiler jeden Nation mnewohnönhen Konzentrationsbedurfnis, dem Traum der Vereinigung aller kulturellen, . politischen und wirtschaftlichen Kräfte. Dieses / ideale Ziel, kann nur / schrittweise, vorsichtig" und. unter ftcfer Bedachtnahme aus die . Interessen des Ganzen berfolgt werden: seine Erreichungfetzt die 1 Anspannung der .höchsten seelischen und geistigen Kräfte voraus, vor allem aber die Einwilligung aller Teile desselben Volkes. Und daran, meinen wir, hat es bisher gefehlt. Deutschland ' hat. die' Mschlußsrage in ber Art angefaßt, die chm seine Stellung als besiegter und von immer neuem Mißtrauen beobachteter Staat auf-' tragt. In Oesterreich aber haben sich des Anschlusses die Klopffechter unseres politischen Und sozialen Elends bemächtigt und so .ist aus einer idealen Strömung eine Angelegenheit der Straßendemagogie geworden. /Wir sehen' ja seit Monaten die Agitation . und vor. allem die Agitatoren. Die Einmündung in den politischen Kreis der deutschen Nation' ist" zu einer Propagaudasache deutschnationaler .Lärmmacher geworden, die von der deutschen Kultur wenig wissen, desto mehr aber von dem Rachebedürsnis. Sie wollen keine Erhöhung des. deutschen Volkes, sondern eine Erniedrigung der anderen. Sie wollen keinen geistigen Anschluß, sondern einen militärischen. Ebenso wie die EozialdÄoKraten aus der Rebolütwn > einen' Lvhn-- kmnpfu machen, so machen' ' die ' österreichischen Anschlußleüle aus dieser Fraae eine schäbige Scheidemünze ihres politischen Schachers. In Tirol' zum Beispiel ist die Volksabstimmung aus einem Kottkmrenzstreit Zwischen dem Stinnesschen „Wpenff lend* und den „Innsbrucker Nachrichten" entstanden.' Iu den anderen Ländern spielt die Anschlußfrage nne Ädrige Rolle in dem Kampf der heimischen Christlichs-sioleu gegen die Wiener Christlichsozialen, wie ja " ' ' " ‘ Wien ocö.ert Das geräumte Gebiet wird von den Alliierten besetzt. Oppely, 17. Mai. (Wolfs). Der polnische Vollzugsausschuß, an dessen Spitze Korfanty steht, hat an die InteraMerte Kommission in, Oppeln folgendes Telegramm gerichtet: Oberschlesien hat sich zwölf Ztage lang im Äufstand befunden. Das polnische Volk hat niemals den Anspruch darauf erhöhen, durch Gewalt zu triumphieren, aber es hat sein Leben für ferne heilige« Rechte hingegeben. Der Ausschuß gibt zu, daß in der Leidens ch a f t des A u f st a n d e s die G r e n z e n der K l u g h e i t u b e r f ch r i t Len worden sind. Unsere begeisterten StreiLkrÜfte find nunmehr bereit, den Rückz» g anz n tpet enweit genug, um zu ficher», daß die-Feindseligkeiten mit den Deutsche« sofort aWoren, vorausgesetzt, daß dasGeb iet.dassie räumen, von alliierten und nicht yon d e ut s ch e u T r u p p e n besetzt werpeWir werden Keinen Zoll Boden an die Dentschen, wohl aber der Interalliierten.KoürMsßpn überlasse». Wir bitten demgemäß, daßdfegeräumte Zone von alliierten Truppe« besetzt^ werde, so daß die polnische Bevölkerung nicht unter Vergeltnngsmatzregeln zu leiden hat. wie sie bereits vorgekommen find. Deutschland zahlt eine Million Goldmark an die Entente. Berlin. 17. Mai. (WM) I« Ziffer S des Altimatmns hat sich die deutsche Regierung verpflichtet, innerhalb 25 Tagen eine Milliarde Goldmark in Gold oder anerkannten Devisen oder in deutschen SchatzanweismrAen mit dreimonatiger Laufzeit zu bezahlen. Zn AWßsthrrchg/^MefjkruKerpflich^W Hat, die deusche 'BeAiernng,.,Mipsechend/ Mem>Vvr< schlag m . dch«'/ BejmriMHuMMpchs- ^andie amerikanische Regierung der Neparationskommisston, zunächst die sofortige Zahlung von 180 Millionen Goldmark fast ganz in ansländischeu Devisen angeboten. Sobald die ReparationskomMission die Empfangsstellen genannt hat, werden die 150 MiMonen Goldmark überwiesen werden. Bor Ablauf der 25tägigen Frist, also Ende Mar, wird der Reparationskommisfion eine weitere Zahlung in bar, der Rest in deutsche« Schatzanweisungen geleistet werden. Wie das Wölfische Bureau erklärt, find Dispositionen getroffen, welche die Einlösung dieser Schatzauweisungen innerhalb des vorgeschriebenen Zeitraumes ficherstellen. . ’ Die Wahlen irr Italien. Rom, 17. Mar. (S^fam.)" Nach' mchtoffiziEn Schätzungen dürften gewählt fern: In- Rvrn 7 Kon'- stitntionelte, 4 Sozialisten/3 VoWparteiler und 1 Republikanerrn Florenz' 6 Ksnstitutronelle/ 6 Sozialisten, 2 Dolksparteilür und 2 Kornmnuisten; in Genua 6 Konstitutionelle, 3 VolkSParteiler, 4. Sozialisten und 2'Re'fornnste»^ in Neapel 9 KonstitUlioueL^,".-J Hölltz-i' parkeiler,' 3 'Sozialisten und / I Kandidat' der!.Awxü-. känipfervereinigung; in Mailand .4 KonsLiLutioileLle, '4- Bolksparteiler und 6 Sozialisten; in Turur '8. Konstitutionelle, 4 Bolksparteiler, 5 Sozialisten und/2/Komnmniften. In' den südlichen Provinzen'., und. auf dertz Inseln Sizilien und' Sardinien habeir dLe/KöMitutio- , neklen eine große Mehrheit' erhalten. In Bozeu ^uxstL^ die vier Kandidaten der deutschen Parker' gewahsiMm^ > ,. .Pach!. den: letzten Nachrichtens sLnd/ wichmMMz ' WnisterpräsKnt MlittL^ .sowie sämtliche WOKMM -Mnis^chrMWWf'Wh' ",' landd, Salandra^.'iund:! Nrtti, -sowie.. her/. .^hsMafiW KarmnerpräsiöenL' Riyola) die- Sozialistensühr^/MmA und Treves,,dÄ .GeneraLsekretär ^des .AltzenckMm^M^, beitsverbandes, Daragona, und der Führer,! dm/BolM', partei,Meda- '; / r.■. i:-/'./:;"'/; 1 j 1? i Die Besetzung des de«tfchen ÄMeiM , amtes. ///"//- Sloch krme ekini-nns. // ' Berlin, 17. Mai. Die Verhandlungen überdi« Besetzung der Ministerien für Auswärtiges, HnMzÄ und Wiederaufbau haben noch zu keiner ^WigüM geführt. Für das 2lußenamt stehen die Nanlest ^dess Wiener Gesandten v. - R o s e nh erg uitb'. - he Gesandten beim Vatikan v. Bergen noch' /in im Vordergrund. '/- Die Berufung des bahrischen Abgdordnestn .Handelsministers H a m m durch den nach Berlin wird mit seiner Betrauung minister in Verbindung gebracht. Wiederaufbmnninisterinms besteht noch Ungewißheit. - 'der Haß gegen das „unproduktive^ ■tä üitbr:: Aajratw» ifBr - viel wiired«N. dasselbe Wien, d'effen Steuerkraft die leeren Kaffen' der Länder unterstützen muß. Dieselbe innere Unaufrichtigkeit, die aus diesem Haß spricht, zeigt sich auch in der Führung der Propaganda. Die Parteien,~ bic da mit Zuhilfenahme des mißleiteten Idealismus ihrer studierenden Jugend auf Wählerfang , und Mandate ausgehen, wissen, genau, daß ' der Anschluß derzeit unmöglich ist und daß jeder Versuch, den Staat als solchen in der Sache zu engagieren, sehr schwere Folgen hätte. Die Entente hat bereits vor der Tiroler Abstimmung darüber sehr klare Worte gesagt. Aberdie Regierung hat in den Besprechungen mit den Anschlußpolilikern naäzdrücklich auf die Gefahren für Deutschland hingewiesen. Nützt alles nichts. Der Jugend redet man ein, daß sie sich für die Agenten der Stinnes nnd Krupp einsetzen müsse, und rechnet mit ihrem Unverstand in wirtschaftlichen Dingen, der dieser Jugend nicht erklären kann, warlrm Stinnes mit dem Anschluß ein gutes Geschäft machen kann, ltbec auch mit der Unabhängigkeit^^'Oesterreichs, die er mit Schutzzöllen sichern und für sich fruküsizieren kann. Der Anschluß Oesterreichs - an Deutschland ist eine Naturnotwendigkeit. Die Großdeutsch'en und die Händler rings um Sünnes können ihn nicht forcieren, die Entente kann ihn aufhallen, aber nicht verhindern. Er wird sich mit der Gewalt eines -elementaren Ereianifses vvllzieoew in dem.Apgenbllck, wo die po» als /Fma Mischen Voraussetzungen gegeben sein werden, joo; Europa Friede herrschen und zwischen FranKrerchi und. Deutschland kein, bewaffnetes Mißtrauen mehr stehen wird. Dazu wird es aber sehr lange bcauchM Es müßte die heutige Generation Frankreichs wieder! durch die Schule des Friedens gehen und nistz aus Deutschland ein demokratischer Bültss werden, der die sittliche und polittfche Regenpra des Volkes nicht mit Orgesch, sondern mit Schl mit Gesetzlichkeit und mit Abbau des nationalisttsche Racheapparats durchführt. Was bis dahin in Oeste! reich geschieht, schadet der gesamten deutschen Natwr und. nützt nur den politischen Schiebern. . MW' Anders aber steht die Sache für die Entente.' Verbot des Anschlusses befreit sie nicht von den i pflichtungen, den Friedrnsvertrag genau so einzuhal wie Oesterreich: Es gibt nicht nur den Artikel 88, e gibt auch eine Mantelnote, in der die Alliierten ffa ausdrücklich dazu bekennen, Oesterreich, dassie ge schaffen haben, zu helfen. Wenn sie diese Zusage «M emhalten, so werden sie vom moralischen Standpunkt aus nichts dagegen einwenden können» wenn Oeftec< reich auf Grund des Arttkels 88 vom Völkerbund die^ Zustimmung zum Anschluß verlangt mit der aründung, daß es einsam und verlassen nicht Mg«! leben könne. Die Entente muß Oesterreich Kredit m\ Arbett aeben. ' .- ■M -B -I ■ ..M G

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