Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 820 (9.5.1921)
- Date
- 1921-05-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Auf die Ansprache des Landeshauptmannes Sch raff! erwiderte Bundeskanzler Dr. Mayr in längerer Rede, in der er u. a. anSsührte: Wir hatte« in erster Linie unsere Hoffnungen auf die Arbeite« der Reparationskommiffion gesetzt. Die Herren habe» gut und fleißig gearbeitet, sie haben Hel geleistet, aber erreicht wurde nichts. Sind alle unsere Hoffnungen zur Zeit der Pariser Konfereuz mS Wasier gefallen, so haben wir doch in London einige, allerdings sehr bescheidene- Anfangserfolge «reicht. In Wen sind nun dieser Tage von den Delern deS V ölkerbundes, der beauftragt worden Oesterreich wenigstens die allernotwendigste Hilfe zu bringen, die diesbezüglichen Verhandlungen abgeschloffen worden. Wir haben in dem Bewußtsein, daß er nicht, anders möglich ist, f ü r uns e r e - B e v ö l k e r u n g schwere Lasten übernehmen müssen, wollten wir zu einer Stabilisierung der Währung und wieder zu ein« Wertgeltung der Krone kommen; «»sonsten würde . eS mit uns immer schlimm«, und wenn UNS die organisierte Selbsthilfe' in Verbindung mit ausländisch« Hilfe nicht vor dem-^SchUmmsteu . bewahre»?an«, smd wir eben aM Ende angelgngt, , Der Bunbeskanzl« betonte dann die Notwendigkeit dick'- Ern st e l l u n g d e r u n h e i l v o l len T ä t i g le i-t der Roten presse und «klärte: - . Wik stehen vor dem^ Ende, .- wenn es uns jetzt nicht MNgt, uns aus deck wirtschaftlichen Niedergang heraus z«. retten. Die gestern abgeschloffeum Abmächungen stellen; die letzte Rettungsmöglichkeit dar, und zwar muß in Ber^ bmöüNg mit der raschesten Auslandshilfe auch eine ebenso rasche Selbsthilfe einsetzeN. Es handelt sich darum, uns««. B a l u t a einen stabilen Wert zu geben. Denn gerade, die Wertlosigkeit d' e r K r o n e richtete die uns vom Auslande trennende J2(uta auf. Für unsere Bevölkerung aber ist er nicht länger zu tragen, daß rings um uns in allen Staaten die Preise zurückgehen, wahrend bei uns alles noch immer teurer wird. Im Reichsbudget - muß besonders der Posten für die Verbilligung und den Ankauf ausländ is ch er Nahrungsmittels der über 30 Milliarden beträgt, in geordnete Bahnen gelenkt werden. Ferner muß die Regelung der Beamtenfrage angestrebt werden. Die gestern, getroffenen Abmachungen «strecken sich ab« auch aus viele rudere Dinge,' ' Ich bin n i ch t m u 1 l o S, w e n » ä« ch nicht o p t i m i st i s ch, «klärte der Bundeskanzler. Es ist möglikb, daß dieses großem Werk gelingt, allerdings unter der Voraussetzung, daß unsere Bevölkerung, bie in den letzten zwei Zähren so viel äusgehatte« hat» - den Mut auch jetzt nicht smlett läßt und die sittliche und moralische Kraft aufbringt, uns«« Wirtschaft in Der-" Andung mit ausländisch« Hilfe selbst aus die Füße zu Helsen, bei welchem Werke gerade -dem Gewerbestand eine gewichtige Rolle zufällt. ' --- Haudelsminister Hsinl über die Kredithilfe.; Innsbruck» 8. Mai. Bei der heute vormittags «-i öffneten Tiroler Gewerbetagüng ergriff d« Minist« für Handel und Gewerbe Hernl das Wort zur Ausführung deS Themas „Oesterreichs Gewerbe und feine Mission-. Der Mimst« erörterte die allgemeine wirtschaftliche und finan- Me Krise Oesterreichs und sagte hiebei : > »Das Wiederaufbauprogramm d« Bölkerbund-- drlegierten für Oesterreich ist eigentlich nur - ein Teil l dessen, was eine umfassende Hilfsaktion erfordert^ VS beschäftigt sich mehr mit Maßnahmen finanziechnischer als' ökonomisch-organisatorischer Rätm.'- Wellngleich - auch die in den Bordergrimd gestellte Abficht der Stabilisierung unseres KröneukurseS -- und'^8«--OiMl!lll»g--Uüs«er Bankrwtenpreffe für die Welt der Produktiven Arbeit und für; die Kaüstnannschäst vo«^ allergrößt« Bedeutung ist »md ebenso die Frage, wie wir unsere Handelsbilanz aus- Zugleichen vermögen, so sind Liese Frage« nur-gestreift und ist üb« die Art ei«« Krehithilfe für' den Rohstoff l'ddai-s - - für Ausbau der Wasserkräfte' aus 'dem! Pro.WM,n nicktS «»MtLULM.' ru., LMMlxL, - - vtt mmm Die Botschafterkonferenz und Oberfchlefien. Paris, 8. Mai. (Havas.)Nach denr „Petit Parisienbildete die o b e r sch l e s i s ch e Fra g e den Gegenstand ein« Debatte in der Botschafterkonferenz. Der Konferenz lag ein englischer Vorschlag vor, der die Beendigung der unsicheren Lage in Öberschlesien durch eine provisorische, Regelung vorsieht. Diese bestände darin, die südlichen Kreise - P l e ß nnd R y b n i k an Polen und die links von der Oder gelegenen a n Deutschland zu übertragen. Das umstrittene Gebiet, d/h. das eigentliche.Industriegebiet, solle unter der Verwaltung der Alliierten bleiben. Es'ist jedoch kaum wahrscheinlich, daß der Vorschlag angenommen wird, denn er hätte den schwerwiegenden Nachteil, die Gemüter dnrch eine halbe Lösung aufzuregen.. Die Konferenz hat eine neuerliche Prüfung der polnisch-deutschen Grenze vorgenommen. ES lagen zwei Berichte vor : der eine stammt von Gen«al Ler.o nd, der andtte, hem sich der englische Oberst Percival angeschlossen hat, vom italienischen General Marinis. Zed« dieser Berichte schlägt eine andere Teilung OberschlesienS vor. Beide stimmen ab« darin überein, baß sie Pl eß und Rybnik Polen, die westlich des Industrie gebietes.grleüe«en. Teile D eutschländ U tM k N. ' '" .. Deutsche Beschwerde« gegen General Lerond. Berlin, S. Mai. (T,el.-Komp.) Nach den aus Oberschlesien hiehergelangten Meldungen, ist General Lerond in Oppeln eingetroffen und hat den Vorsitz der interalliierten Kommission wieder übnnommen. Die Hoffnung weit« Kreise der oberschlestschen Bevölkerung, daß er mit ordnender Hand in das Chaos eingreifen werde, hat sich als trügerisch erwiesen, vielmehr versagt Lerond gänzlich. Seine ganze Energie scheint sich in der Herausgabe von Erläffen an die deutsche Bevölkemng zu entwickeln, in denen « diese aufsordert, sich ruhig zu verhalten, wahrend von den Polen ein Gleiches nicht verlangt wird. Nur der italienische Vertreter General Marini tritt den Aufrührern mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln gegenüber, während von Lerond nicht das geringste Zeichen eines aktiven Auftretens zu bemerke» ist. Bloß auf das dringende Ersuchen der Deutsche« hat sich Lerond herbeigelassen, an Korfanty ein Mimatum zu richten, in welchem er diesen auffordert, dafür Sorge zu tragen, daß alle landfremden Polen Oberschlesien sofort verlassen. Von ein« Einstellung des Kampfes ist keine Rede. Als einzig« scheint noch immer der italienische General Marini mit . semm Truppen den Polen' die Stirne zu bieten. Jedenfalls^ ist Kandrzin. das von den Polen erobert würden ist, , wieder zurückgenommen worden, uuch Kofel, der wichhige Umschlaghafen, mußte von. den Polen, nach Kampf wieder geräumt werden. Dagegen spitzt sich die Lage im Industriegebiet weiter, zu. In, Gteiwitz müßte sich die Abstimmungspolizel zurück-«- ziehen, Groß-Strchlitz und Tarnowitz halten sich noch.; Hindenburg wurde von den Polen wieder genommen.! Infolgedessen ist es begreiflich, daß die' Selbstschutzi bewegung unter der deutschen Bevölkerung immer! mehr an Boden gewinnt und die Zahl der^ Frei-j! willigen stark wächst. Namentlich Oppeln, KrerVbnrgj, und Rosenberg sind Sammelpunkte der deutschen Freiwilligen. .; , : / Oppsi«, 8 Mai. (Wölff.) Da die Erregung des' deutschen Bevölkerung in Oppeln wegen eines bevor-' flehenden.Angriffes der polnischen Insurgenten, überaus groß geworden war, erließ die interalliierte Kommission heute abends zwei Aufrufe, in deren einem fie die Bevölkerung, zur Ausrechterhaltung von -Ruhe uM- Ordnung ermahnt und vttspricht, einen Angriff aus- Oppeln mit allen Kräften abzuwehren.' Der zweite' Ausruf fordert' die Alüchtlinae zum Mrlchsen d«^ 'Stadt: t»uf, wozu die interamieM KlMnWön' Htzi;sM«e Züge berestftellrn wird. Oppeln, 8. Mai. (Wolff.) Rach deck bis ZuA 8. Mai abends eingelangten Meldungen verläuft das von den Aufständischen besetzte Gebiet, im Norden den Kreises Rosenberg beginnend, östlich Seichwitz. und Bankau, westlich Wendrim östlich Turawä, Uascheom- und/Tarnau, westüch Leschmtz, östlich KanbrZm und. sodann längs der Oder, bis zur Grenze. V , | In der reindeutfchen Stadt Kattowrtz D das Standrecht »«hängt worden. Jeder Zioikst, de« mit Waffen angetroffen wird, wird nach dem Befehl der . interaüiierten Kommission erschoffen. Diel Städk' Köniashütte befindet sich in den Häpden d« Aufständischen. - Nur das Rathaus wird mii französischen Truppen besetzt gehalten. V I^ Gebiete zwischen Gleiwitz und Petersdorf hck eine. Schießerei stattgesunden. Bei lBankM«^ (Kreis Kreuzburg) ist ein Angriff d« ÄufftSnbffcheu ' gescheitert. Ebenso mußte, Leschcktz . im''Kreffe Grotz-^ Strehlitz von den. polnischen Bänden wieder gecaümt! werden. Die Notlage der deutschen Bevölkerung ckachft von Stunde zu Stunde. ', Rom, 9. Mai. (Stefans.) Nachrichten aus Oberschlefien zufolge sind bei den Zusammenstößen Mt dtzft polnischen Aufständischen 19 italienische Soldätenl aetötet und 34 oerwuitdet worden. - - Ich begrüße dennoch den so ernst bekundeten Willen des Bölkerbundausschuffes, sich für Oestnreich tatsächlich zu interessieren und ihm Hilfe zu verschaffen. Dar Programm der Bölkerbunddeleginten läßt keinen Zweifel darüber, dyß sich Oesterreichs Volkswirtschafts- Politik von dem Druck all« politischen Demagogie sreimachm muß und daß die M i l H a rd euau swendungeit bes Stilates nach und nach mit eisern« Zähigkeit a b g e b a u t w«den müssen. Das Vvlknbundprogramm ist in erster Linie auf Selbsthilfe gestellt, durch Erniedrigung d« StaatSauSgaben und entsprechende Erhöhung der StaatSein-! nahmen das Gleichgewicht im Budget zu erzielen? D« Minister teilte am Schluffe seiner Rede mit, daß dn längst begehrte G e setze n t Wurf ' g e g e n >«nlauteren Wettbewerb bereitdemnächst im Nätionalrat . ei »gebracht wttden wird. ~ Eine nene türkische Offenfine. __ Konftantinopel, 7. Mai. (Havar.) Nach micm" offiziellen Eommuniqs aus Angora haben die türkischen 'Truppen die Offensive «griffen und am «Yen Tage bereits Bigadji (Sb Kilometer von Balikehir) besetzt. Dir Tücken stabm einen Munitionszug in Ahmed zwMen Nschak Krise in der Sowjetregierung. Sinowjew tritt znrüch. Berlin, «.Mai. Me die «l«t»r am Moskau melde«, hat DolkskommiffSe Srckowjew seine Demission gegeben, weil er mit der neueu revolutionären Politik Leulus.ulM einverstanden sei. Gleichzeitig mit ihm haheu auch die Kommiffäre Zorine unk Evdomiko« sowie sämtliche Mitglieder der außerordentlichen Kommission demissioniert. Amerika für eine allgemeine Abrüstung. Paris, 8. Mai. (Dolff.) »Chicago Lribune" meldet aus Washingto«, daß Kberstj Sarvey ermächtigt werde». soll, ^n ge,; legeuer Zeit dem Obersten Rat eiueu Ä»^ trag gyf ivtexuEuale -Leae«..-