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Wiener Morgenzeitung · 1921-05-07 · Heft 818 (7.5.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 818 (7.5.1921)
Date
1921-05-07
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Wirnsr Moogenzeituttg Seite S 7. Mai 1921 mi: •fl» Nr. 818 Gien, Samstag Was Deutschland bezahlen soll. London, 6. Mai. (Wels s.) Lloyd Gcr-rge ciftöria in seiner Rede im Unterhause zstr Wwd^cguimachüngsfrage weiters: Die erste Zahlung von 50 Millionen Pfund Sterling habe innerhalb 25 Tagen zu erfolgen. M Ve° zahlnttg kämen auch Kohlen, Farben ühft M a t e- : i a (t c n zu Repo.ro tionsz-iv-aen in Betracht. Zur Frage der Bprozesttigen Ausfnhrstester H» tlätte Lloy'd George, drrß Deutschland 250 Millionen Pfund Sterling jührhlich bezahlen könne, da seine Aus« fuhr eine Milliarde Pfund jährlich betrage. Eine 6c* sondere Kommission mit dem Sitze in Berlin werde die Ansammlung 'der Steuer .beaufsichtigen. Die Parteien gegr« die Annahme der Bedingungen. ÄMst, '6. Mai. (Tet.-Kvmp.) Die im, Laufe bes heutiges Tages im Anschlüsse än die Besprechungen beim Reichspräsidenten gepflogenen Beratungen der Datschen Dolkspartei und der Demokraten haben ergeben,' daß innerhalb dieser beiden Parteien keine Geneigtheit zur Annahme des Ultimatums besteht. Dre Zentrumspardei wird erst im Laufe des Nachmittags ihren diesbezüglichen Entschluß fassen, iwch versichert man, baß auch in ihren Kreisen Mehr für die Ablehn ung eingetreten wird. Die Lösung der Kabinettskrise ist erst. nach bet klaren Stellungnahme der Kvalitionspütter, vorciüssichtlich für den morgigen Dag, zu erwarte«. Die Kabiüettsöildung iu Deutschland. Verlin, 6. Mai. (Wölsf.) Die Vorbereitungen zur Bildung der neuen Regierung sind im Gange. Die endgültige Entscheidung kattn naturgemäß erst er* folgenwenn die Stellung der für die Zusammensetzung der Regierung in Betracht kommenden Parteien zu der wichtigsten politischen Gegenwartsfrage, der Beantwortüng des llltimatüms, geklärt ist. Das zur Beurteilung dieser Frage erforderliche vollständige Material dürste nöch im Laufe des heutigen Tages eistgehsn. Die ztsnistische Deiegattß« ru Ametika. Äew-N«rk, 2. M«i. (Jüb. Kvrr.-Bür.) Ättivesenheit der zionistischen Delegation in den Vere.nigten Staaten hat nicht nur einö neue Epoche füt dtzst Mtett Hajessod initiiertsondern übt auch einen starken Einfluß Ms die bisherigen Outsiders aus, Man weiß schön heute von ungefähr 10.000 netten MitgliedetN, die untet dem Einfluß der. zionistischen DelegaLiöll ist die Mitgliederliste der zionistischen Organisation einivagen ließen. . . . ' Protest gegen die ÄgtthaS Aisrüet. Kotvrtö, 3. Mai. (Jüd. Aott.-Bür.^ IN efNem Mas sei! Meeting der KomNoer Judenschast würde Nach einem Bericht» übet die Wiener Mschlüsse des ZEMk» raies der ÄgUbas Jisroel eine R.svlution ängchrvististest, welche erklärtdaß die Versammelten gegen den versuch den Aguda, sich als Führer dös Mischen Bottes aufzuspielen, protestieren und Niemals die Äguvch sondern nur die zionistische Srgüttisätiolt als die Ber^ treterin des Volkes anerkennen, Das Vorgehen der Äguda wird als eine Provokation bezeichnet, die imr den Feinden des jüdischen Volles zu nützen geeignet ist. (Die Agudadie Orgänisation der asttiizionistisWn OrthVdoWhat, wie bekannt, eine Resvtw tion beschlossen, welche sich gegen die Anerkennung det Zionistischen L)rgani,ativn als der vertragschließendest Körperschaft im Palästina-Mandat wendet.) Die Einwandervngsbill in Amerika. NashMütsn, 6. Mar. (Füntsptuch.) Das Nöck Senät gutgeheißene Gesetz Über die Einwanderungsbeschränküttg legt fest, daß von jeder Nationalität drei Prozent bsr Ättzähl einwattbdrti blltfeN, dis sich W Jahre 1910 in den Bereinigten Staaten aufhiSkt. Ko«Mka«sere»z. Paris, 6. Mär. MiiksMch.) Die rnternütkoüavr DöttaukoNserenz ßät in ihv^r Sitzung am 4. Mai die Frage her Bedeckung der Kosten für die Notwendigen RegullevuNgtzatberten botateus die Beratungen, die nicht beendet wurdest, werden artt 6. Mai fortgesetzt iverden. - Der polnisch-russische Friede. »Mfett, 6. M«i. (Funkspriich.) Am 80. April wurden in Minsk die Ratifizierungsurkunden des Friedensvertrages von Riga zwischen Rußland und bet Ukraine einerseits und .Polen andererseits ausgetauscht. Demissionen 1« der polnische« Negierung. WätfchW, 6. Ml. Hunksptüch.) BrbditsMniM Faiikowski häk dMistMiettj tr Mört tzdr Mvs nakeu Abeitspartei all, bfe däs Bvrgsyett bet ständischest ist ÖberstzlSM Wgt. Watschach L. Mi, (Privat,) Der GrnLHMng.ssti«strster Grydzieeki hat dem Ministerpräsidenten schriftlich sein DeknifsivirsgesuM .LberreW». Me. Demission wurde angenommen,. Jerusalem, '4. Mai (Jüb. Korr.-Bür.) Die Zionist Comnlission veröffentlicht folgende Mitteilung über die Exzesse.in Jaffa: Der Umzug der jüdischen Arbeiter am 1. Mai war von den Behörden bewilligt. Die Kundgebungen verliefen vollkommen friedlich. Nichtsöestowöniger versuchte eine Handvolt K o tttÜn u nisten, Untuhen hervorzurufen. Die Araber bWütztCn die Gelegenheit zu einem Angriff gegen die Juden und züt Plünderung der jüdischen Geschäfte. Sie stürmten das I m m i tz r a n t e n h e im UNb töteten Männer, Frauen und Kinder, wobei sie sowohl Messer als auch Revolver und Gewehre benützten. Die arabische Polizei hat an den Ausschreitungen und Mordtaten tätigest Anteil genommen.. 27 Juden wurden e r m ordet, 15 0 perw und et. Tel-Awiw wurde von demobilisierten jüdischen Legionären verteidigt. Jerusalem, 4. Mai. (Jüh. Korr.-Bür.) Dienstag morgens haben sich die Ausschreitungen der Araber wiederholt, wurden aber sofort unterdrückt. Im Lande herrscht nunmehr Ruhe. Jaffa- 6. Mai. (Jüb. Kört.-Büt.) Der ehemalige Kotnmandant der jüdischen Legion, Colonel Margolin. hat eiste jüdische Selbstw ehr organisiert. DiÜ Regierung hat etttfn au ßdtotbentlichen lltktersüchung'sgErichtshof eingesetzt. Dtztt letzten tznförmätiönen züfölge böttägt die Zahl der jüdischen Toten zweinnd'drtzißig. Die BestättuUg hÄt bereits stattgesUridtzn. Et« Dtanifest dttk zionistischen Okganisatio«. L ö U d o st, 6. Mai. (Jüö. Kort.-Bur.) Die Exekutive der ziönistischen Organisation Erläßt eisten Appell an das jüdische Polk, ungeachtet des schweren Unglücks ist Jaffa Ruhe zu bewahren. Die britische 'Regierung Wetde sich dütch Gewaltakte Uttd Ruhestörungen nicht beetttfluffeu lassen. Sir Herbert Samuel besitze das ünerschütterliche Vertrauen des ganzen jüdischen Polkes und aller friedliebendest Elemente in Palästina. Die zioüistrfche Sache stehe fest. Die Eteiguisie. in Jaffa werdest das jüdtsche Pölk in seinem Willen, den Äiööeraufbüst Paliististas fortzuführen, Rabbiner WMtz KrNmet gestorben. Nach langem schwerist Leiden ist vorgestern nachts das Mitglied des Wiktlet Rüdbinats Mürth KraMtzr im 71. Lebßstsjcihötz MtoWn; Der Verstorbene, eist Aianst bost großer takmudischer Gelehrsamkeit und weltmännisch«r Auffassüng, wrw.'infolge seiner Frömmigkeit, seines überaus bescheidenen und selbstlosen Wesendganz besonders aber wegen seiner grenzenlosen Menschenfreundlichkeit eines der in den weitkstett KtÄsen Seliebtest Und hochgeachtetest Mitglieder seines Standes. Als Führer des Misrächt ist Wiest hat istaoomer Kramet unbekümmert um die Hiudernisse, die ihm von mancher Seite in den Weg gelegt wurdest. Mit geradezu heiligem Eifdr ist den Kreisen der glaUbenStreuen Juden für den Zivstsäedästkest erfolgreich gewirkt. Groß ist die Zähl derjenigen, die dank der liebevollen Belehrung und Meisterhaften Ueberzengungsgabe KraMers sich mit Eifer und Hin» gäbe der StfcBrft für Evez Israel gewidmet habest und heute Ku den Lberzeugungstreuestest Mitkämpfern Lös ZivtnSMUs zähtM. Rohrend des Krieges hat Rabbiner Kramer die dom Kriege hier überraschten Palästinenser wie ein Ääter tzetreüii Und alles aufgeboten, Um ihnen daß Leben hier zu erleichterst. Auch für die Repatriierung dieser durchaus nicht kleinen PätästiNeNsergrNppe hät der Verswrbeste sthr RA geleistet. Das $eft. Las ihm ssreustde ustb Berehrer vor einigen Monaten anläßlich seines siebzigsten Geburtstages dereiteten, war eilt Beweis der höhest Wertschätzung, derest sich Rabbistöt Krämer während feister lästgjätzrigest WirksNmkett ist Wiest Ist allen Kreisest der jüdischest Dwölketusttz tt« freuen durfte. Die Liebe für Zion war so groß üstd so tief, daß sie einer Anbetung gleichkam- und wurzelte so fest in feister Ueberzeuhustg, däß er sie stuf jeden übertrug, der Mit ihm ist Äerührustg kam. Geiste letztest Wütte ist dem schwetest TodtzslaMpse wärest: »Erez Jisraet .. . FetuschvlajiM^ Obzwar eine Verständigung deS Publikums nicht möglich Mär, fand sich steftern zu seinem Leichenbegängnis ein großer KrAS düst Fteündest ist stör RemSrrtNdt»Gtzstagetze, wo dör Verblichene Met: Jahre histdutch als VebeistSrabbistet Mtz War, Sin/um ihm die letzte Ehre zu bMitfin. Hier hwlt Obed» tabbiner Dr. C h a j e S den Nachruf, der Zeugnis ablegete für die mststevgülttge» nicht nur grsehrstreue, sondern auch dolkS» treüS SSÜestSfühkstH des Mannes, der würdig wan als Mstpstbiltz eines tzütN hüve« in steS. WötteS WahrDR üstd edelstem Sinne zü diesttck . .. .. Die üLtainstchrn Flüchtlinge in Polen. Lemberg» tz. Mal. Hrivat.) Gine gtötze Aahl von jüdifchm Flüchtlingöst aür der Ukvaine ustd dost Heimkehrern befindet sich m iMtet M tzrvNüö«; Me» werden dost stk« polnischest Vehorden allerhand GchMttiMll» Miächk» wodurch thte Lstgr seht etschwett isst tz« ttesstt ÄstgMestheit sprach jetzt eiste Deletzsttivst des jüdischest ÄettustgskomiteertzMseud M M flmm mit bestärke n. Jeder Zionist, jeder Jude müsie ei loschen, das; dieses Ereignis sich nicht zugetrageu hätte, wenn es möglich gewesen wäre, die warrenden Tausestde von Juden ins Land zn bringen. Den llngluckSsall ist Jaffa Jitttfi das jüdische Bott mit Veistellnng genügender Geldmittel, mit einer mächtig anwachsenden Einwanderung und mit VorbenguttgSmaslnahme« gegen Ruhe» störustgen beantworten. A. Eh- Brenner gesallen, Jstfsa, 5. M-at. (Jüd. Zwrr.-Bur.) Der hebrülM Schriftsteller I. CH. Brenner wurde nach den Exzessen auf der Straße to t"aü fgefanden.^Brenner, der sich an den Sträßenarbeiten in Galiläa beteiligte, befand sich zufällig in Jaffa, wo er auch den Dod fand. * I. Eh. Brenner, der unter so tragischen Umständen best Tos gefunden Hai, gehörte zu den prominentesten 'Begabungen der hebräischen Literatur und entfaltete in der Novellistik seine besondere Meisterschaft. Seine tiefbohrende psychologische Art, die Gestaltungskraft, mit der er vre Figstten üüs dem Ghetto zu schildern tvnßte, und der eigenartige Pessimismus, der seine Darstellung kennzeichnete, bereicherst; die neue hebräische Literatur Um eiste neue Note. Seinen literarischen Rnf begtündete H, . als er noch in jungest Jahren zstr Zeit der erstest russischest Revolution in LostdVN seinen „tzamtzyver'^ herausgab, den „Mcket", ist welcher Münatsschrifit sehr Wertvolle Arbeitest ans 'seiner Feber erschienen. Später übersiebelte Brenner nach Palästina, um innerhalb des sich entfaltenden hebräischen SprachlebenA - feiste literarische Tätigkeit fortzstsetzen. Eiste Pause in seinem Schaffen trat ein, als sich Brenner der Publizistik zuwandte. Er wurde Redakteur der „Haad ama", des Fachorgans der palästinensischen „Pvale Zion", welchen sich der stark sozial empfindende Dichter angeschlossen hatte.. In der letztest Zeit hat Brenner wieder fleißiger produziert und seinem jüngstest Roman -,Sch'chol wekischavon" werden ganz besondere Vorzüge nachgerühmt. Eine Novelle ist noch im. Druck. Brenner hat die Konsequenzen seiner Auffassung gezogen! stnd mit den Ehaluzim aM Straßenbau nlitgearbeitet. Ein böses Geschick hat ihn, der zufällig ist Jaffa weiltem frühen Jahren, .mitten in voller Schaffenskraft, hinweggerafft.- Die junge neuhebräische Literatur verliert in ihm einen ihren besten Vertreter Dr. Emil ^ärnäk uhb Dr. Leon Reich, beim Generaldelegawü für Ostgalizien, Dr. G a l e c k i, vor, welcher ausführte, daß die jMscheü Flüchtlinge und Heimkehrer sich in einer trostlosest Situation befindest. Am meisten sind die Heimkehrer detroffen, unter denen sich eine große Zahl von in Kongreß« polest .seßhaften Personen befindet, die polnische Staatsbürger sirtd. Sie werdeii, da sie nicht im Besitze ihrer Dokumente sistü, ist Czortkow von den polnischen Behörden aufgehcilten und an der Rückkehr in ihre Wohnorte gehindert. Es besteht die Gefahr, daß die Flüchtlinge und Heimkehrer tun die Möglichkeit der Registrierung kommen, dir die Retzistrierungsfrist in Kürze abläuft, und damit droht den Betroffenen die Abschaffung zur Grenze. Der Gesteraldetegäl sicherte der. Deputation zu, er Wörde Äste entsprechende Verfügststq an die Dezirlshauptmannschäften erlciflen, ebenso werde die Registrierungsfrist v er-- längert werden. iii Vor einiger Zelt konnten wir den Beschluß erncr tun Inn gelegenen Gemeinde melden, in Hinkunft nur Arier als Sommerparteien -auszunehmen, von diesen, aber eine sehr hoch bemessene „Kaution" einznsteckeu, Angesicht? dieser Tatsache wirkt es sehr possierlich', wenn das Wiener Organ der Gwßdeutschen die Frage vufwirft: ,-Welchem Arbeitersannlienvater rft es heute, trotz der fortwährenden Lohnstetgernngen, noch möglich, mit seiner Familie einen ganztägigen Sonntags- Nusflug zu machen, geschweige benn eine ganz bescheidene Sommerwohnung zu mieten? Wo bleibt da die. Fürsorge der roten Gemeindevertretungen auf dem Lande für das minderbemittelte, sich nicht vom Schieben und Wuchern Nährende Bott? Warum rüht sich keine „PrstletariethaNd" der Führer oder sonstigen. Parteigewaltigen, Um hier ttns Verbesserung der Zu-, stände herbeizuführen? Ist der internationale Sozia», lismus tatsächlich nur verkappter Judennativiialismus?. Warum setzt man sich' nicht dafür ein, daß es auch, Arbeitern, ob geistig oder Manuellermöglicht roetbe* durch Mithilfe der in den Sommerfrischen ansässigen. Parteigenossen füt die drholNngsllediirftigeu Städter, erschwingliche Sommerfrischen zu sichernd . Es ist ganz begreiflich, daß die Sozialdemokraten diese Demagogie zurückweisen. Wenn aber die „Arbeiter-Zeitung" dabei den Deutschnationalen vorwirft, daß es ihnen nur mit der Bekämpfung der Sozial-, demokratie ernst ist, aber nicht mir d^r der jüdischen Plutokratie, und wenn sie die Antisemiten dafür verantwortlich macht, daß die christl ich sozia len und beütschnationättn Bauern und Gasthofbesiher ihre Bo» häüsungell Wer Juden als Ariern eröffnest, dann hästoelst sticht wänig^r demagogtsch als die Hrüßdeutschtw. Zumindest den svziaLemvkratischen Mas» dütsttest bet Leopold stabt kasti» os »icüt ganz unbekannt sei«, büß M mm

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