Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 817 (6.5.1921)
- Date
- 1921-05-06
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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( wsi— ' m£ws*~. $it -er Zeit bis dahin ist er der Herr des österreichischen EisenS urch. strebt dgnach. feine Position zu festigen uv) daS Monopol in die Hand zu bekommen. Diesem Ziel ditznt die Forderung nach einem dreißigprozentige« Wertzoll, den er durch seine Zeitungen zum Schutz d-er Erzeugnisse her „heimischen Eisenindustrie" verlange« laßt. Ein solcher Schutzzoll würde zum Beispiel die österreichische Maschinenindustrie vernichten, er 'Äirde da« jeher Hausfrau gefühlt werden,- wenn sitz Nägel und Stifte für ihre Küche kaust. Ohes dazu komme« -wird, Laß Negierung und Parteien sich dem Diktat des Sturmes beugen, steht noch dahin. Die endgültige Ertt" scheidung liegt bei der Sozialdemokratie. Für die Großdeutschen wird es nicht schwer sein, die Pläne des deutschen Mannes zu unterstützen und die Christlichsozialen werden sich lediglich für den Preis. interessieren. Aber es ist auch möglich, daß wir aus einem anderen Grund von der Sache verschont bleiben. Hecrn Stinnes drohte die Gefahr der Nationalisierung seiner Gruben im Ruhrrevier. Der Einmarsch französischer Truppen verhindert dies und da an der Spitze der französischen Imperialisten eben auch jener Herr Loucheur steht, so scheint es, daß beide wieder den Wag zu einander gefunden haben. Wenn die Klingen einer Schere noch so scharf sind, sie tun einander nichts und zerschneiden ' nur den Stoff, der zwischen ihnen liegt. Und weil Stinnes doch nicht wissen kann, was morgen geschieht, so besetzt er die deutsche Regierung mit seinen Leuten. Sicher ist sicher, Geschäft ist Geschäft. Deutschland wird jetzt unterschreiben, es wird auch zahlen. Dafür sorgt Stinnes, well er irgendwie daran beteiligt ist. Entweder muß Deutschland sein Eisen oder seme Kohle kaufen oder Frankreich wird dies hm.. (Kommt es nicht dazu, nun dann ist der Schutzzoll in Oesterreich auch nicht zu verachten.) Auf alle Fälle wird sich die blutige Arbeit des deutschen Volkes und dev von französischen Nationalisten aufgestachelte Zorn der von neuem mobilisierten Soldaten in gute, schön: Dividenden rnywandeln. Für Stinnes und für Loucheur. Poltttsche^tundscharr. Die Wandlungen in Fiume. Man schreibt uns aus Fiume: Die seit fast zwei Jahren immer wiederkehrenden Meldungen über Unruhen und Kämpfe in Fiume find geeignet, in einem entfernt wohnenden Leserkreis den Eindruck ^u erwecken, als ob Fiume ein unsicherer Platz wäre und die Fiumaner Bevölkerung eine besondere Vorliebe für politische Unruhe hegte. Wer aber Fiume kennt — und es sind tausend Fäden, welche speziell den Wiener Handel von der Vorkriegszeit her mit dem Fiumaner Platz verknüpfen — kann unmöglich glauben, daß Gesinnung und Art' der abtttsamen und berständrgen. Fiumaner eine derartige Entwicklung genommen habe. Tatsächlich liegen die Ursachen der beklagenswerten Geschehnisse auch durchaus nicht in der Fiumaner Bevölkerung. Seit dem Zusammenbruch ist Fiume nämlich von jenen zweifelhaften Elementen «mS Reichsitalien überschwemmt« welche sich dortselbst als Faszisten bekanntgemacht und auch Fiume zum Ort ihrer patriotischen Betätigung erwählt. haben. Diese Unruhestifter hatten sich mit Hilfe einiger in Fiume bodenständiger nationaZistisch-sxtremer Gesinnungsgenossen während der Zeit der italienischen DkMtärokkupatirm zu Herren der Lage in Fiume gemacht. Als ihr TerroriSmuS im Sommer 1919 zu sofzistischen Ausschreitungen gegen die französischen Truppenteile der Fiumaner interalliierten Garnison auSartete und von Italien daraufhin zwecks Säuberung des Platzes die Abberufung seiner überstarken- Truppenkontingente gefordert wurde, wurde die Expeditum h'AnnunzwS arrangiert. Diese ohne Verantwortung de» offiziellen Italien durchgeführte Unternehmung bedeutet die trübste Zeit der Fiumaner UnaLhängigkeitSbeweguug. Unter dem Borwand der Rettung seiner Jtalionität ward Fiume während dieser eineinhalbjährige« irregulären Besetzung itt Wirklichkeit den italienischen Adria.Jnterefsen, das heißt Triest zuliebe, systematisch zugrunde gerichtet, dem der fteie Handels, staat eine unerwünschte Konkurrenz bedeutete. So wurde das einst k lühende Gemeinwesen von gewissenlosen Abenteurern ausgeplündert, ahler bewegliche Besitz verschleudert und verkauft, die bodenständige Bevölkerung planmäßig durch Zugewckvderte aus Erwerb und Verkehr verdangt, schließlich die Stadt selbst durch die unverantwortliche Kriegskomödie im Dezember 1926 der Zerstörung preisgegeben. Was nützt es nachträglich, wenn Italien di« Schäden vergütet, nachdem die Sprengung der hem Verkehr mit Jugoslawien dienenden Brücken auf viele Monate hinaus den Fiumaner Handel mbr seinem natürliche« Absatzgebiet unmöglich gemacht hat! Was nützt er, wenn Italien im Vertrag von Rapallo Fiume seine Unabhängigkeit und Freiheit garantiert, nachdem die Stadt durch die inoffizielle Politik pn den Rand deS Verderbens gebracht worden ist! Die Wirkungen dieses Spieles konnten natürlich nicht ausbleiben. Die Fiumaner, welche mit begeisterter Siebe an ihrer JtalianitSt und an Italien gehangen hatten, ernüchterten sich in dem Maße, in. welchem sie ihren wirtschaftlichen Ruin erkannten. Geplünderte Staatskassen, verschleudertes Staatsgut, ein verkehrSlosep Hafen, stilliegende Fabriken und daher Arbeitslosigkeit, und Hunger, Korruption und Terror als Erbe der d'Annunztanischen Befreiung-, epoche haben die Enttäuschung der Fiumaner zur Verzweiflung gesteigert. Gin sichtbarer Ausdruck dieser Verzweifln nist daS Resultat der Wahlen in die Konstituante «n 24. April dieses Jahre-, welche eine Zweidrittelmehrheit Alener ÄvAge«r«ttME __ Der Putsch in Diktator Korfanty. B r e s I a rr, 3. Mai. (Wolfs.) Kvrfa « ttz hat sich gestern abends zum Zivil- und MiNtärgouvernenr in Sberschlesien ans gerufen. Die Aufr/rrhrbewegung wächst. , Oppeln, 6. Mai. (Wolfs.) Die polnische Aufruhrbewegung ist weiter nach dem Westen vorgetragen werden. Die Säubern ngsaktion der italienischen Truppen im Kreise Nybnik hat bis jetzt keine Erfolge verzeichnen können. Laut Meldungen haben die Aufständischen im Laufe des Tages über die polnische Grenze erhebliche Unterstützungen an Munition und Sanrtötsmaterial erhalten. Die Nachrichten Uber Terrorerscheinungen sind zahlreich. Es -werden Angriffe auf die größeren Städte des Jndustriebezirks befürchtet, die jetzt noch von den Truppen der interalliierten Kam* Mission gehalten werden. Auf dem Lande sind zahlreiche friedliche Bürger verschleppt und gefangengesetzt worden. Die Arbeiter werden von den Aufständischen mit Waffengewalt gezwungen, die Arbeit niedeczulegen. In manchen Teilen des JndustriebezirkeS wird zwrschen den Aufständischen und den interalliierten Truppen heftig gekämpft. Im Kreis Ratibor finden Kämvfe zwischen den üalienischen Truppen und den Aufständischen statt. Oppeln, 6. Mai. (Wolfs.) Bei dem Ueberfall auf den Lastkraftwagen in der Nähe von Kattowitz wurde ein französischer. Unteroffizier getötet, die Mannschaft entwaffnet und' der Kraftwagen von den Polen demoliert. AuS allen oberfchlefifchen Städten wird Lebensmittelknappheit gemeldet. Ebenso liegen Meldungen über den Raub von Lebensmitteln durch die Aufständischen vor. Der Eisenbahnverkehr ruht. An zahlreichen Stellen sind von den Aufstänischen erneut Gleise gesprengt und Bahnanlagen zerstört worden. CS finden täglich Nachschübe von Material und Mannschaften aus Polen nach Oberschlesien statt. Im Kreise Pletz find besonders zahlreiche Lehrer und Beamte von den Aufständischen festgenommen worden. Lublinitz ist von den französischen Besatzungsbehörden geräumt worden. Der Einmarsch der polnischen Truppen wird stündlich erwartet. Guttentag im Kreise Lublinitz hält sich bis zrrr Stunde noch, wird aber stark angegriffen. Oppeln,. 5. Mai. (Wolfs.) Der überaus große Ernst der Lage, in Oberschlesien besteht unvermindert fort. Die Aufstandsbewegung hat noch weiter Raum nach Norden gewinnen können. Seit heute morgens ist auch die Stadt Rosenberg im Besitz der Polen. Der erwartete Angriff der Polen auf die größeren Städte des Jndustriebezirks ist bis zur Stunde noch nicht erfolgt, doch mutz nach wie vor mit dem Angriff gerechnet werden. Besonders. Gleiwih ist stark bedroht. In der Nähe von Kattowitz wurde ein Lastkraftwagen der ftanzösischen Truppen, der aus Oppeln Lebensmittel holen sollte, von den Aufständischen überfallen. Pole« sperrt die »berschlefische Grenze. Warschau, F. Mal. (Pvln. Tel-Agentm.) Mit Rücksicht auf die Ereignisse in Oberschlesien wurde die obeschlesische Grenze pvlnischerseitr gesperrt. Ei« neuerltcher Protest der de«tsche« Regierung. Oppeln, 5. Mai. Molsi.) Der deutsche BedollmÄH. tigte in Oppeln hat gestern erneut nachdrückliche Borstellungen bei der interalliierten Kommission erhoben und verlangt, datz umgehend alle erforderlichen Matznahmen zur Wiederherstellung der Ruhe und Ordnung und zum Schutz der friedliebenden Bevölkerung im Abstimmungsgebiet getroffen werden. Er hat weiter im Namen der deutschen Regierung mitgeteilt, datz diese bereit sei, der Kommission alle Hilfsmittel zur Derfügung zu stellen, die sie etwa Ar notwendig erachte« werde und mehrere Hundertschaften Schutzfür die auivnomistische Partei ergaben. Wenn «an berück« iichtigt, daß diese Wahl unter faszistischem Terror mit Zührlfe» nähme aller erlaubten und. unerlaubten Mittel vor sich ging, kann man ermessen, welche Wandlung in den Herze« der italienischen Fiumaner vor sich gegangen ist. , Die Zukunft des Freistaates unter Führung feiner gewählt«» besten Männer, deren bedeutendste Zanella %vt Dr. Blasich sind, welch letzterer während des Krieges auf italienischer Seite gegen die Monarchie im Felde stand, dürfte durch eine Politik der Versöhnung gegenüber Jugoslawien und den übrige« SulzessionSst raten gekennzeichnet lein, zu denen Fiume nicht nur seiner nun« mehvigen Staatsform nach» sondern «ich wegen feiner natürlichen. LebenSbedinAungei» zu rechnen ist. Jtatten aber wird nun hoffentlich erkenn««..daß auf die Daper mcht bisherige Methode faszistischer Machenschaften, .sondern nur eine ehrliche und freundschaftliche Politik gegenüber dem Freistaat Al«M dM itallMjchm 'äßtmftm -u dienen vexmas, «. «tot ItzSl .'Sk. 817 Oberschlesien. Polizei zur Unterstützung angehofeu. 'Der Vorsitzsuds der interalliierten Kommission hat erklärt, er würde sofort den übrigen Mitgliedern der Kom^ Mission von dem Angebot der deutschen Regierung Mitteilung machen und den deutschen Bevollmächtigten ooq -er Entscheidung der Kommission verständigen. Eine deutsche Anfrage 1« Warschau »ttlifl, 5. Mai. (SBoIff.) Am 4. Mai ist ht »etfln ein offener Funkspruch aufgefangen worden, der besagt, datz Korfauty und ein gewisser Doliwa sich an die Spitze der polnischen Aufstcmdsbewegrmg in Oberschlesien gestellt haben. Der deutsche Geschäftsträger in Warschau ist angewiesen worden, bei der Polnischen Regierung Aufklärung über diesen Funkspruch zu fordern. Polen fordert die Entscheidung in der oberschlesischen Frage. Marsch««, j. Mai. <Pol». Tll.-Ageut.) Die polnisch« Ne» gmung hat an die Regierungen der Alliierten einen Bericht über die Vorgänge in Oberschlesien geschickt und den in London weilenden Minister des Aeußerv S a p i e h a über die Lage informiert. Der Mmifterrat beschloß, eine D r m a r ch % bei den in Warschau attrebuleitflt Vertretern der Alliierte» zy unternehmen und in einer Verbalnote die rascheste Entscheidung in der oberschlesischen Fragezu verlangen. Die Forderungen des Warschauer oberschlesischen Komitees. Warschau, 5. Mai. .Wie mitgeteitt wird, hat daß Warschauer oberschlesische Komitee den Ententemissionen eine Denkschrift überreicht, in der die sofortige Besetzung der o'berschlesischen Gebiete mit polnischer Mehrheit durch polnisches Militär gefordert wird/ Für die übrigen Teile Oberschlesiens wird eine nochmalige Volksabstimmung gefordert. Die Deputation wurde lediglich vom französischen Gesandten empfangen, während sie bei der italienischen und englischen Gesandtschaft keinen Einlaß fand« Flüchtlings aus Oberschlesien in Oderberg. Mckhrisch-OstvkM, 5. Mai. (Tschecho-slow. Preßbur.) In der Nacht auf heute war an der Grenze abermals Geivehrfeuer pi hören. Der Eisenbahnverkehr auf der Streck Anuaberg—Ratibvr wird nur bei Dag aufrechterhalten. Auf den Personenzug wurde heute früh beH Kreuzenort von Aufständischen geschossen. Hinter Ratibor sind die Geleise aufgerissen und der Telephon-- und! Telegraphenperkehr unterbrochen. DieZahl der Flüchtlinge steigt beständig. In der Nacht auf heute sind in Oderberg ungefähr 120 Flüchtlinge, darunter 86 tschecho-slvwakrsche Staatsangehörige, äuge kommen, nach deren Aussagen sich unter den Aufstau dischen eine bedeutende Anzahl von Ha ller-Soldaten in, Uniform befindet. Die polnische Prefle über de« Anfstand. Warschau, 8. Mas. Die Warschauer Presse bc< schäftigt sich ausführlich mit dein polnischen Aufstand, in Oberschlesien. Die „Gazeta Warszawfka" bezeichnet den Aufstand' als einen Triumph des polnischen Patriotismus und sagt, die polnische Regierung müsse die oberschlesischeh Ereignisse vor der Entente ht8 richtige Licht setzen. Die »Gazeta Poraima" schreibt, der Aufstand sei erklärlich und eine Warnung für die Entente, nicht mk den Gefühlen des polnischen Volkes zu spielen. Auch: „Narod" entschuldigt den polnischen Aufstand in Oberschlesien, rat aber zur Vorsicht im Hinblick auf die internationalen Verpflichtungen Polens. Trotzdem könne Oberschlesien auf die Hilfe Polens rechnen. -Rzeczpospolila" meldet, datz der gestrige Ministerrat Über die Ernennung deS Nachfolgers, KorsantyS beriet. Den Vertretern der alliierten Mächte soll heute eine Note Übergeben werden, in der die polnische Regierung die Entstehung des polnischen Aufstandes erklärt und auf die Notwendigkeit einer baldigenEntscheidung über daS Schicksal OberschlestenS auf Grund des FriedenSvertrages hinweist. Die «ilitärische,Organisation Sowjet--, rußlands. Die Moskauer „Pratyda" vom 7. April enthält genaue Mitteilungen Über die Verhandlungen des zehnten kommunistischen Parteilongresses, betreffend militärische Fragen. Da bei der Debatte, die bei dieser Gelegenheit geführt wurde, Zahlen und Fakten angeführt wurde», die deutlich die militärische Sowjetorganisation erkennen ließen, wurde hie Sitzung als geheim erklärt. Die Beschlüsse des Kongresses wurden einmütig angenommen. Vo« den wichtigsten veröffentlichten. Be-- schlüssln des 5dougrasses wäre« folgende erwähnenswert: 1. Die Miliz fraget Di« kommunistische Partei findet hier keinen Aulaß zu einer Aenderung ihres Programms. Die Formen. Methode« und das Tempo, des Uebergauges zum Milizsystem hängen vollständig _v«M dee «tternatmuaü» urö üwere» Situation,