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Wiener Morgenzeitung · 1921-05-01 · Heft 812 (1.5.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 812 (1.5.1921)
Date
1921-05-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelpreis 41 Kronen PrAnu«reratto«»preiser PM e »: 8«m Abholen i» Mt StDfbirtatt, L. Vezirk, Taboritraße 1 5, ober hj einer öftfAleififttffe (Sm{U): Monatlich Kronen 100.— Mit PostverfauL für Wien und Oesterreich: Monatlich . Kronen 10».— Tschecho-Llowakei: Monatlich .. Krotten IV — vierteljährlich », 51.— In tschecho-slowakischer Währung Ungam: Monatlich .. Kronen 70.— Vierteljährlich ., »10tn ungarischer Währung. Jugoslawien: lviongtUch .. Dinar 1».— vierteljährlich „. »«- n-. + /' iJ (y't-1-!<■■{/? ’ Einzelpreis 4L Krone« PrSnumeratiönspreffe: Pole«:'! Monatlich . Spark 100^, ia polnischer -WLHrmch > Devtschliimd: ' 1 Monatlich. ... Mark 1S^- _ Frankreich: \ Monatlich . . FraneS 0.-» Italien: Monatlich . . . . Lire 0 Rmnanien: 's Monatlich .... Lei 90.—, Schweiz n. das übrige Ausland- Monatlich. . .FrancsS.-i Sk edaltkon u.Ad miniftratio» Wien, S.Bez., Taborstr^l—S Telephone: 44038,4331». ab 0 Uhr abend? Nr. 1080» Postsparrafsenkovto1S0.6N Nr. 812 Wien, Sonntag die« 1. Mai 1921 _ 3. Jahrgang Der finanzplan. Das Regierungscommunique. Abhau der Lrbensmittelzuschüsse. — Ersparungsmatznahmen. — Aentzere Anleihe. — Garantie« der Parteien. Keine Notenabstempelung, keine Zwangsanleihe. Amtlich wird gemeldet: Die Regierung hat die Ausarbeitung eines Finanzplanes in Angriff genommen. Dieser wird den allmählichen Abbau der staatlich e n Zuschüsse zu den Preisen der Lebensmittel» die Eröffnung neuer EinnahmsqueKen und gewisse E r s p a r u n g sm a tz n ahmen ins Auge faffeu sowie den bis zur Herstellung des Gleichgewichts erforderlichen Geldbedarf veranschlagen. Da die Bölkerbuudd elegierten wünschen, daß für die Einhaltung eines vereinbarten Finanzpro, gramms nach Möglichkeit auch p o li tisch e Garantien geboten werden, hat die Regierung die Fühlungnahme mit allen pol ii i scheu P a r t e i e u eingeleitet, um sie mit den Wünsche» des Finanzkomitees und Le» Grundzügen des Finanzyrogramms dekanntzumachen und ihre Zustimmung^ KrMzM BdrhWh'llMDn''- stehe» vor dem Abschlüsse? Die im Auslande aufzunehmend e it A n l e i h e n sollen, wie bekannt, auf gewisse Einkünfte und Aktiven des Staates stchergestellt und unter eine besondere, von Oesterreich und den Kreditgebern gemeinschaftlich auszuübende Kontrolle gestellt werden. Die Verhandlungen werden mit großem Nachdruck betrieben, da die Völkerbundvelegierten möglichst bald der Finanzsektion des Völkerbundes ein vollständiges, im Einvernehmen mit Oesterreich festgesetztes Programm vorzulegen wünschen, um nach seiner Annahme sofort utit den eigentlichen Kreditmaßnahmen einsetzen zu können. Von dev Regierung wird neuerlich be- KanuLgegeben, daß eine den Wert des Geldes herabsetzende N otenabftemp e l un g. eine mit einem Notsnumtausch zusammenhängende Zwang s a n lei h e und dergleichen nach wie vjpr u i ch t g e- PI aut f i n d und daß Me« beiKglicheu ,OerüchtßnZebeHru uKMM / feOlt äych in i; vMMWHeu Delegiertem M&] BSMrhuUdes - erörterten FmauzplSiMi derartige Maßregeln n i ch t v o r h a ü d e n und weder von ihnen «och von der Regierung besprochen oder auch nur angeregt worden sind. €instför$cb ohne ' London, 30. Aprll. Das Rentersche Bureau erfahrt aus französischer Quelle, daß bei der Zusammenkunft der britischen, französischen und belgischen Minister die ersteren dafür tzintraten, eine Rote an Deutschland zu senden, die ihm sieben Tage Zeit für die Annahme oder Ablehnung ft t b t. Wie verlautet, hat sich L o u ch e u r diesem Plan energisch widersetzt. Es heißt, daß B r i a n d diesen wichtigen Punkt in den Besprechungen mit Lloyd George aufgreifen und die dringende Forderung der Franzosen aufstelleu wird, sofort militärische und wirtschaftliche Maßnahmen zu ergreifen, die Note aber er st nachher abgehen zu lassen. Man glaubt, daß auch die Belgier dieses Vorgehen gutheitzen. England gegen die wirtschaftlichen Sanktionen. Berlin, 30. April. „Eft Europe" meldet aus d8aris: Zurzeit beziehen sich die englisch-französischen Differenzen auf folgende Punkte: 1. Die Notwendigkeit eines Ultimatums wird von Frankreich bestritten. 2. Wollen die Engländer die im Pariser Abkommen enthaltenen Forderungen ein wenig mildern, wäh. rend die Franzosen diese noch verschärfen wollen. 3. Tie Engländer erklären, daß man die geforderten Milliarden Goldmark nicht noch den deutschen Vcrdilichtungen hinzusügen dürfe. 4. erklärt England, das; bei der Besetzung des Ruhrgebretes die Ausdeutung desselben nicht erfolgreich fein könnte. 5. Gegen die militärische Besetzung des Ruhrgebretes hat England nichts einznweudech aber es sträubt sich gegen die Wirt chaftlichen Pläne Frankreich s. 6. besteht ein Widerspruch zwischen Frankreich und England,-da Frankreich erklärt, die Besetzung des Auhrgebictes muffe auch eine Sanktion sein wegen der KMWsM BWMWdA M Wieder 12 Milliarden fällig. Paris, 30. April. (Wolfs.) Wie der „Temps" meldet, wird die Reparationskommission hinsichtlich' der am 1. Mai fälligen Nestschuld von 12 Milliarden morgen der Kriegslastenkomnn'ssion durch einen Brief in Erinnerung bringen, da diese Summe am 1. Mai fällig gewesen ist. Zu gleicher Zeit wird die Neprrationskommission den alliierten'Negierungen die Verfehlungen Deutschlands notifizieren. Keine Antwort Amerikas. Parts, 30. April. (Wolfs.) Nach einem Kabeltelegramm der „Chicago Tribüne" aus Washington, ist an Deutschland kein direktes Ersuchen um Abänderung der Vorschläge gerichtet worden. Staatssekretär Hughes habe jedoch die Hoffnung auf Verhandlungen nicht äufgegeben, selbst für den Fall, daß die Entscheidung vor dem Einrütkn der französischen Truppen in das Ruhrgebiet nicht erfolge. Berlin, 30. April. Den Blättern zufolge war bis heute mittags in Berlin noch keine Antwort Amerikas auf die Note der deutschen Regierung esngetvoffen.. Die Meldung, daß eine weitere deutsche - Note nach Washington abgesandt worden sei, bestätigt sich nicht. .! J : '! ■ ,: :-’f \i' *! ■; r .1 Kabinettskrise in Deutschland. Berlin, 30. April. (Wolsf,) Zu den Notzrichie» über eine angebliche Krise im Kabinett erfährt das! Wolffsche Bureau von zuständiger Stelle, folgendes: . Es ist richtig., baß der Min i st er des A u 2 w är t rgen vor einiger 'Zeit dem Reichspräsidenten sein Abschieds g e s u ch vvrgelegt hat. Maßgebend für den Entschluß des Ministers war sein..Eindruck über die Stellungnahme der deutschen öffentlichen Meinung zu seiner Politik. Mit Rücksicht vust die von ihm eingeleiteten Verhandlungen mit Amerika hatte sich! 'der Minister zugleich bereit erklärt, die Geschäfte, seines lMKvN-"""'1 Sanierung und Finanzplan. —7..Wien, 1. Mai. Der Oesterreicher, 'der bekanntlich ein Vaterland' hat und es liebt, muß sich vor dem Anhören des-neuen * Fincmzplanes ein dutzendmal vorsprechen: Wir haben. den Krieg verloren. Hält er sich dies mit der nötigen Inbrunst vor, dann ist es möglich, daß er sich dieser Flut von Teuerung, Steuern und Abgabenerhöhungen < seelisch überlegen erweist und den Zeitpunkt abwartet,, in Welchem, die in Aussicht gestellten' Ententekre'dite zu! wirken beginnen. Die nach Wien entsendeten Delegierten^ des Völkerbundes haben den Abbau des Defizits als - Vorbedingung für eine Kreditgewährung aufgestellt.. Der Finanzminister hat einen Plan ausgearbeitet, i»;, welchem er sich an die Vorschläge der Kommission hält/, und die Entscheidung ssegt. nunmehr beim Parlaments dessen Parteien höchst unsanft aus der bei ihnen be-, :"Men Knlissengeschäftigkeit aufgeschreckt wurden mtfr sich nunmehr der harten Notwendigkeit gegenübersehen, die Last der Verantwortung vor ihren Wählern zu übernehmen, denen sie . statt des freigebig versprochenen Paradieses Ersparungen, Steuern und Herabsetzung der 1 Lebenshaltung begreiflich machen müssen. , - Es soll außer der Beseitigung des. Defizits, das sin Augenblick auf 60 Milliarden zu schätzen ist, die weitere - Ausgqbe von Papiergeld -verhindert werden- .dessen-Umlauf 40 Milliarden bereits übersteigt. Daraus soll.-zunächst eine Stabilisierung der^ Krone , auf -einerr Stasid etwa rzwischen 1: undM der^HMcher- ^WÄßen^ünd -tzmn'HtzM- 'cmf^n^--Wtsr''eiMetm^e^ lang« > same.Steigerung der Krone. Der Abbau des Desizits soll nun durch eine Steigerung der Einnahmen.,unddurch eine Reduktion der Ausgaben erzielt werden. Das soll rein mechanisch geschehen. Sämtliche Staats-^ . einnahmen sollen kurzerhand auf die Vorkriegsparität gebracht, das heißt entsprechend der Entwertung der- Krone auf das Hundertfache gesteigert werden. Es sollen also die Vermögenssteuer, die Verbrauchssteuern, die Erträgnisse der Monopole so angesetzt werden, 'daßihr- Gesamtertrag den Vorkriegswert erreicht. Innerhalb' dieses Rahmens wären Revirements möglich, um drei Kräfte des Publikums richtig zu verteilen. Zur Ein-' schränkung der Ausgaben soll eine staffelmäßige Aufhebung der Lebensmittelzuschüsse des Staates Platze greifen, die nach dem von Holland und Italien gegebenen Beispiel in einem bis anderthalb Jahren restlose durchgeführt werden müßte. Die hier erzielte Ersparnis^ von 26 Milliarden würde allerdings das Budget außer--, ordentlich entlasten, dem noch durch eine ausgiebige- Hinaufsetzung der Tarife für Personen und Güter, füralle Gebühren und Zölle sowie durch Einfiihrung einer: Vermögenssteuer eine ansehnliche Stärkung blühen würde.. Erfreulich wirkt an diesem Marbukett lediglich die Forderung nach Aufhebung aller Verkehrsbeschränkmtgen zwischen den Ländern.! Die Finanzreform, die auf diese Weise eingeletiel-j wird und durch Ententekrediw gekrönt werden soll,': basiert auf dem Gedanken, daß sich die Konjunktur des Weltmarktes auf der ansteigenden Linie bewegt, sich aber in Oesterreich nicht answirken - kann, weil sie durch die Entwertung der Krone? bisher paralysiert wurde. Hält diese Bewegung an, dann ist es möglich, den Preisabbau unter ständiger'^, sorgsamer Kontrolle von Negierung und Oeffentlichkeit: so zu regeln, daß arge Erschütterungen des Wirtschaftslebens vermieden und die Belastung des Volkes. durch «die neuen Anforderungen in einträglichen Grenzen^ gehalten werden können. Trügt aber diese Rechnung, dann hat auch dieser Finanzplan nicht die erwartete Wiri> kung. Wir werden möglicherweise schon in kurzem bief; Probe auf das Exempcl machen können, wenn nämlich i Rußland als Käufer auf den Weltmarkt kommt^, Können dann «die Weltpreise gehalten werden, dann besteht auch für Oesterreich die Möglichkeit, sein Elend au überwinden. Der Finanzplan an und für sich ist aber, solange nicht die Höhe der Ausländsanleihe, die sich auf die Reparationsmasse stützt, feststeht, nicht geeignet, e« abschließendes Urteil über die Aktion zuzulaffen. Die Situation, in der heute Oesterreich steckt, ist aber ärger als die neue kommende Zeit. Es ist in gewiffem Sinne von einem.Ende . des Schreckens zu' sprechen. Der schwerkranke Patient wird zu einer Roß- X 3365

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