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Wiener Morgenzeitung · 1921-04-26 · Heft 807 (26.4.1921) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 807 (26.4.1921)
Date
1921-04-26
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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feite r_ Dien, Dienstag_'_Wien«» Morgeuzeituns_ 126. Aprü 1921 Nr. 807 Potttische^tundschau. DieAffiSre-esUngarlschenTelegraphe«- Koxrespondrnz-Bnreaus. Aus einer Interpellation, die der Abgeordnete L rozdy in einer der letzten Sitzungen der ungarischen Riftrpnalverfammlung begründete, erfuhr, die. Oeffentlichtcit »on einer Kyrruptionsaffäre, die so vollständig in den Ncchmen des christlich nationalen GeschäftsanüsemitismuS hineinpatzt, wie all die vielen Skandalgeschichten, die mit den Namen der einflußreichsten Führer dieses Kurses verknüpf sind/ Diesmal galt es, in die Geschäftstätigkeit des Ungarischen Telegraphen - Korrespondenz-Bure a u Z hineinzuleuchten, welches, wie vor kurzem gemeldet wurde, einer Privatgesellschaft als Monopol überlassen werden soll. Aus der Geschichte dieses amtlichen Nachrichten» bureaus heben wir folgende Daten Hervox; Das Koxrtzsppn» denz-Bureau wurde seinerzeit, so fuhrt Abgeordneter Drozdh aus, .durch Baron Banffh an Samuel Rado, der eine jährliche Subvention von 12.000 Kronen erhielt, verpachtet. Das Kabinett W e k e r l e übergab dieses Unternehmen dem Journalisten Dr. Heinrich F a b t o mrt der Bedingung, den ungarischen Nachrichtendienst, von Wien unabhängig zu machen. Dann kam die Karolhische Revolution und das Ungarische Telegraphen-Korrespor^enz-Burea-u wurde ver. staatlicht, ein Zustand, der auch während der Proletarier, diktatur und während des christlichen Kurses aufrechterhalten wurde. Das Kabinett Teleki entfernte den hervorragenden Pressechef Franz Bonitz von seinem. Posten und ernannte an dessen Stelle Trbor Eckhardt zum Pressechef. Dieser reformierte schleunigst das Korrespondenz-Bureau, das er militarisierte und beritten machte, indem er an dessen .Spitze den Rittmeister Nikolaus Kozma stellte. Während nun das Korrespondenz-Bureau einst 12.000 Kronen Subvention erhielt, hat heute der Staat in einem Jahre 12 Millionen daraufgezahlt. Einst arbeiteten dort 20 Leute, heute in Budaipest allein 120, mit den Provinzorganisationen aber Gotr weiß wieviel. Im Staatsvoranschlag für 1820-21 sim>e ich für das Korrespondenz-Bureau 800.000 Kronen präliminierr. die Hälfte dient sachlichen Ausgaben, so daß — 100 Angestellte , vorausgesetzt — auf jeden ein jährliches Gehalt von 4000 Kronen entfiele. Da dies unmöglich ist, suchte und fand ich die dem Korrespondenz-Bureau zugesagten versteckten Posten. Für das Pressedepartement des MinisterprasidiumS sind nämlich 2.5 Millionen Kronen, für das de» Mwifterrums des Aeußern 7.4 Millionen, zusammen also zirka 10 Millionen Kronen veranschlagt. Das Telegraphen- Korrespondenz-Bureau hat aber außer dem materiellen auch ein moralisches Defizit auszmveisen. Die Auslandspreise hat lein Vertrauen za ihm, weil es sich im Besitz des Staates befindet. Als seinerzeit Baron Joses Szterenyi interniert worden ist, wollte das Telegvaphen-Korrefpondenz- Dureau die diesbezüglichen Nachrichten dementieren. Da» Ausland aber hat ihm keinen Glauben geschenkt. So war es auch während der Rätediktatur. Auch zur Zeit der Mordtaten im Donau-Theitzgebiet (unter dem christlichen Kurs) hat sich das Bureau erfolglos bemüht, die offiziellen Dementis im Ausland unterzubrmgrn, er hat vergeblich behauptet, daß eine Gemeinde Orgovanh in Ungarn überhaupt nicht existiere ttn& Zalaegerfzeg eine @kmmetfrische sei. Man hat es im Ausland nicht glauben wollen und jetzt, da die RechtSmwmmg wieder hergestellt wurde, telegraphiert es das Bureau vergeblich nach dem Ausland. Niemand schenkt ihm Glauben. Die Presse druckt seine Berichte einfach nicht ab. Nun wollte Graf Teleki das Bureau!o sw erden. Erst hieß eS, daß die Mitarbeiter des Bureaus die Anstalt Übernehmen werden. Nun hott man. Pressechef Tibor Eckhardt wünsche eS einem Konsortium, bestehend ouS der -Hangha" und der Aktiengesellschaft »Srgon" zu übergebe«. Der' Generaldirektor der «Ergou", Wilhelm Eckhardt, ist der Bruder deS Pressechefs Tibor Eckhardt. Scho» anläßlich der Kmoverordnung war der Nepotismus D» erkennen. >Dort handelt es sich um Geschäftsinteressen; was aber ein Monopol auf de« Gebiet de» Nachrichtendienste» bedeutet, können bloß jene wissen, die mit der modernen Technü des-Borsenspiels vertraut sind. Jemand, der gewisse Meldungen nur um fünf Minuten früher erfährt, aber auch ein Vorsprung von einer knappen Minute genügt, kann zu Millionenverdrensten kommen. ES müßte endlich ausgesprochen werden» der Nachrichtendienst sei kein Export-Import, kerne Lieferung von Leibrieirren»^ Börsen» Nachrichten dürfen eine« gewinnsüchtigen Handelsunternehmen nicht aUSgelisfjvrt werde«. Die Aktiengesellschaft »Ergon" verfüge übrigens in Wien über ein Korrespondenz- Bureau, die. Wiener Telegraphen-Kompagnie, die in Budapest eine Filiale unterhält. Diese erfahren Volks» wirtschaftliche Nachrichten um Minuten, manchmal aber auch um Stunden früher als alle anderen Nachrichtenquellen und haben schon oft falsche Meldungen über Ungcrvn kolportiert. Mir höben dies eipige Male fefigestellt,) Das Telegraphen« pvrrespondenz-Dureau müßte Fachleuten, vielleicht dan besten bcm Syndikat dtt Zeitungsverleger. übergeben werden. Die russisch«« SazialrevoluttouSkr wandern aus Prag ans. fM«, 86. Ap,N. (XxUtonty-) Sie bi« pistgei» Blätter melden, wirdie Prager Gruppe der russischen Oozialrevvlutionäre ihren Sitz demnächst Mch Finnland verlegen. Gleichzeitig wird auch ihr bisher in Präg «ffchtenems PublikakionsorgLN .Molja Rujji^ «ach Krrmlmch ly An unsere p. t. Leser «nd Abonnenien! Infolge der neuerlich enorm gesteigerten Herstellungskosten der Blätter sehen sich die Wiener Tageszeitungen gezwungest. die Bezugspreise für Abonnement und Einzelverkauf zu ^erhöhen. * Bereinigung der österreichischen Tageszettungeu.. » » * Auch die Verwaltung der «Wiener Morgenzeitung sieht sich genötigt, die Bezugspreise entsprechend zu erhöhen. Die Erhöhung wurde nur in dem Ausmaße vorgenommen, als notwendig ist, um die gesteigerten Gestehungskosten decken zu können. Wir bitten unsere Freunde und Leser, dies als eine im, Interesse der Erhaltung unseres Blattes notwendige'Maßnahme zu werfen und uns umso gewisser ihre Anhänglichkeit zu bewahren. Am 1. Mai beginnt ein «eneS Abonnement. Wir ersuchen, die Erneuerung rechtzeitig vprzunehmen, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintrete, Erlagscheine werden unseren Abonnenten m den nächsten Tagen zugehen. Abonnementpreise ab 1. Mai: Für Wie» (zum Abholen in den Trafiken oder mit Pofizusendung) Kr. 100.~ monatlich. Mit Postzusendung: Deutschösterreich monatlich . . . . . . . . Kr. 10».— Tfchecho-Slowakei monatlich ..... . . Kö. 17 — Polen monatttch ......... pofti, Mark 100.— Zugoslawie« «»«attich. Dinar 12.— Dentschlanv „ Mark 16»— rr««Snir» „ . .. Lei 20.— Holland m ........ holl. fl. 1.50 Schweiz „ .. Fr«». England „ ........ sli 3.— Italien ..»»».».« Lire 8.*“ Amerika » ......... Dollar —.50 Frankreich, Belgien monatlich. . . . . Fr««. 6.— Die Verwaltung der „Wiener Morgenzeitnng". Zahlstellen: vefterreichische» Postsparkaffenkonto (Wien) 150.603. rfchecho-jlo». Postsparkassenkonto (Prag) 5S.S5L. Polnische» Postsparkaffenkonto (Warschau) 190.227. Deutsche« Postspartaffenk» nt» (Verlin) 108.722. ^«goslawisches Postsparkaffenkonto (Zagreb) 40.08S. Anmanien (Ezernowih): Allgemeine Depositenbark, Filiale Ezernoivitz. Italien (Trieft): Sookotä ttkllsrr 6l vrosttta eenurorvlaie, Triest, Via Mizzliil 30, Inlsind. Ei« Protest Le» italienische» Konsul» in Innsbruck. Wien» 25. April. Die Korrrspondenz Herzog meldet MS Innsbruck: Alle Berbindrmgrn über dm Brenner find uuterbrechen, weder per Bahn poch per Auto kann dir Brrnnergrtnze passiert werden. Del italienische Konsul führte heute beim LandeShauptmam» Schraffl wegen der gestrkgm Kundgebungen vor dr« iialtenifche« Konsulat Beschwerde. Der Landeshauptmann verwies ans die ungeheure Erregung'der Bevolkeiung «egen dr» blutigen Ueberfakls in Bozen und auf die zum Schutze der Italien« in Innsbruck getroffenen Vorkehrung«. Die Ruhe wurde heute nicht gesiört; für die Abendstunde» wurde» dir behördlichen Maßnahme!: verstärkt. ___ Tiroler Studentenwitze. Die Drenzpfähl« »«lschea Tirol »ad Deatfchlaad entfernt. Wie«, SS. April. Die Korrespondent Herzog meldet an» Innsbruck: In dm Abendfiundm kamen hrer zwei mit Fahrun geschmückte AuioS auS Mittenwalde an, in denen StecheMen saßen, welche entlang der tirolisch-badrischen Grenze die Grenz« Pfahle anSgtrlffen und »ach Innkbmck gebracht hsttim. Auch hei Reutie und Kusüein würden die Grenzpsähle »iedergeleal Pne große Mmae folgte dm Autos und brachte sortgtsrtzt stürmische HefflNse auf Deutschland auS. unitr Abfingung nationaler Lützer wurde« di« Grenzpsähle durch die Stadt grsührt. Telegramme. Di« blutigen Vorgänge in Bozen. Italien Verspricht wie Äeftrafang ver SchMtziA««. Rom, 25. Astrtt. Die Agenzia Stesant mestchtr Gestern ist in Bozen ein Umzug de« Deutsche« t*tt Faszistett entgegen he« von ihnen Führer« übernmnmenen Verpflichtungen gestsvt worden. Kieb»i nnttd» eine Pees«« getötet und etwa zehn verletzt. Di« Steglerußg hak an geordnet, daß alte «« dem Attentat BeteMgten verhaftet werde« und baß rlns fahr stm»g< Untersuchung eingeleid-t mW, «m sestzuMM, sd ei« Versäumnis ftiltzns Hx Gewatt SSklieLk. Di» Regierung wünscht, baß sich so bierläWNsit^rte! Zwischr«- fälte nicht tvlederhalert. Dts Schuld iss«« und bi« V«rantwarkLtMe« werbLtr mweuzMH ß«sitz»ßi Belagerungszustand in Sü-ttröl? München. 25. April. (Privat.^ Der italienische General» komm ffar tftr Südtirol ist. verlautet, ^urückg^tretm und üba Südtirol wurde der Belagerungszustand verhäNsst. Vom italienischen Generalkonsulat in München wird auf Anfrage mitflettlt, daß ihm von den beide« angeblichen Maßnahmen nichts bekannt sei. Die dentsche» KriegsbeschulÄigten vo« Gericht. Begin« derverhandlnnflv« vor dem Sieichsgericht «m 23. Mai. Leipzig, 23. April. Am 23. Mai beginnen.vor dem Leipziger Reichsgericht die Verhandlungen im Prozeß gegen jene deutschen Reichsangehörigen und ehemaligen deutschen Heer-esmitglicder, die beschuldigt sind, Kriegsverbrechen begangen zu haben. Bisher sind vier Verhandlungstermine festgesatzt. Drci Prozesse beziehen sich auf Mißhandlungen englischer Kriegsgefangener und einer auf an belgischen Einwohnern' begangene Erpressungen. Den Verhandlungen werden Vertreher der Entente und des Ministeriums des Aeußern beiwohne«. Di« Verhandlungen werden öffentlich abgehalten. Lebenslängliche Zuchthansstrafe« für deutsche Kommunisten. Berlin, 26. April. Die - Blätter berichten a«s Naumburg: Das Söndergericht hat den Arbeiter Heinrich Kyrch, den Borsttzenden des Aktionsausschusses in den Leuna-Werken, zu lebenslänglichem ZuchthavZ verurteilt. Angriffe der Kemaltsten. Athvu, 24. Aprtt. (Agence dMhenes.) Aus Smyrna wird gemeldet: Die Kemglisten verdoppelten ih» Angriffe auf verschiedene Punkte der Meander- Front, wurden jedoch durch Artillerie- und Infanteriefeuer ab gewiesen. Die griechischen Vorposten wiesen auch' Angriffe im Norden tarn Dernahi und im Gebiet des? Tsal-Dagh ab. t . Wrangel löst seine „Regierung" auf. Paris, 26. April. (Funkspruch.) lieber UusfordErung her französischen Regierung wird General Wrangel vom Kommando seiner Armee zurücktreten,und seine „Regierung", auslüsen; Wrangel wird sich in einem Tagesbefehl von seinen Truppen verabschieden und ihnen seinen RÜStrtttsentschluß mittele«. Die rnsfische» Transportarbeiter an die englische» Eisenbahner. MvstaA, 25. April. (Funkspruch.) Die Gewerkschaft der russischen Transportarbeiter hat an die englischen Trausportarbeiteeine« Ausruf gerichtet, in dem sie die englischen Genossen auffvrdert, sich an die Seite der ausständigen Bergarbeiter zu stelle« und nicht die Kapttalisten zu unterstützen. Eine polnische Handelsdelegation in Kiew. StaMai, 26. April. (Fiinkspriich.) Eine polnische. HattdelSdetegation aus Aodz ist in Kiew angenommen, um Über die Ausnahme der Handelsbeziehungen zu berate«. Rumänien beteiligt fich an bei! . Sanktionen. «tttafep, 25. April. (Fuilypxuch.) Ktt Senat hak mit 66 gegen 9 Stimmen den Gesetzentwurf über die Teilnahme Rumäniens an den wirtschaftlichen Sansftivnen gegen Deutschland angenommen; das Gesetz wird noch vor dem 1. Mai in Zkraft treten. gUgostawifch-tschechische Ausfrchr- Verhandlungeru Lldidchch, SK Avrü. fPnv.) In Belgrad schwebe« Berhaudlanae» zwischen Jugoslawen und der Tschecho-Slowakei, um die Uasstwr. M* llovo hch 2000 WaggonS LevenSm,tt«l zu geßttte». Noch itett Belgrader Meldung wird das Salzmonopbl nicht «ngrsührt und das sertzische Httzmonopol ausgelassen. Di« Dieh- und Flelschausfuhr ans Ingo« slawir« freigegebe». »»»»«ch. m Aprlt. Du AeßltNtttg h-, Nt «ich. und Fle,schar-fnhr ans JugoslNwiM wiever freigegeben. Ehvrchills Palästina-Reise. ***** 21. April. (T«l. der „Wtener.Morgenzoitkn^) Ha der Letzten Sitzung des Unterhauses stellte» einig« Abgeordnete an den Kolonialminister Churchill dtö Frag«, welche Kosten seine Reise nach Msopotekmte« und Palästina erfordert Hab« Und ab er bereit sei, im Parlament Mitteilungen iiber die Ergebnisse Rittet Reite zu machen. Churchill antwortete, daß zwischeu den eingeltte« Departemeuts di« Verhandlungen bezüglich der Vorbereitung des vott ihm zu vertretende« Budgets Im Gange sind, daß er aber hoffe, anfangs dvs «ächsteu Monats sein Budget einzubringe« und arrliteWgßn «bzugsssn. Gr hoffe, nicht unr eine« Dortznschlag üvsr die 1» Mesopotamien Md Palästina emarteMi AttsgaMr Mbrtttgen, Mtzttt ei« eudgü ltigsS Btzdjtet für tzte KÄftett tztefts Hahkes vörlegeu zu Unm, wfya gsriUM seist wird als das Budget, b«l dom Haufe verabschiedet Mrbsn ist. Er hoffe auch, eine Schätzung vbgebe» ya fdmte», A utetchar Mise di« Ausgaben A den «ächM ZalMn reguliert werdest

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