Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 804 (23.4.1921)
- Date
- 1921-04-23
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Wlever Morgtttzetturtg 23. Aprll 1921 M. SÖf Me«, Samsrag filne wnfcffenbe Gvschrchts deS jüdischen Volles bis zuvr Umbruch deS Kvit'geS ab. In einevr Jahre wird er mit der Arbeit fertig fein. Sobald er diese Arbeit volleirdet hat, will er sein ganzes Werk noch einmal in hebräischer Sprache heranZgeben. Er sicÄt setzt ein, Latz die Wissenschaft, des ArdentumS nur in hebräisiher Sprache einen Sinn und eine Zukunft hat. Nachdem die Regierung die -Oberaufsicht über die jüdische Hochschule Übernommen hatte, lenkten die Regiecnngskommissare ihre Aufmerksamkeit auf die Archivs der^ verschiedenen jüdischen Kommissionen in Petersburg (Kommission zur .Untersuchung der Pogrome, der angeblichen -Judenspionage und andere mehr). Auch in der historisch-ethnographischen Gesellschaft, die früher unter der Redaktion von Dubnoto die MertLtzahrszeitschrist „Jewrejslaja Starina" (Jüdische Altertümer) herauZgegeben hatte, hat sich eine ganze Anzahl Lgn außerordentlich .wichtigen historischen Dokumenten äugesammelt. Die bolschewtk-rsche - Regierung hat diese Arbeiten in einer Kommission unter der Leitung von Duürrow, beuein Regiorungskommissör bergogebeu ist, konzentriert. Die- Regisrung hat sich verpflichtet, dieses mannigfache. Maten«! rrr? eigene Kostet zu veröffentlichen, wenn'sie dazu, das nötige Papier und Druckfarben bekommen wird/ Die Regierung wird bestimmt ihr Versprechen einhalten, schon aus dem Grunde, Werl sie in diesen . Dokumenten sehr viel^d-ie Reaktion kompromittierenden Agitakionsstoff finden wird. Ob aber -die bolschewikische Regierung das Papier und die Druckfarben noch rechtzeitig wird erhalten können oder ob dieses Papier und diese.Druckfarben schon in den Händen ihrer Nachfolger zu neuen Pogromaufrufen gegen die Juden benützt werden wird, um/an den Juden' den Bolschewismus zu rächen, wird die nächste Zukunft zeigen ... Die Affäre der Frau Elisabeth Windischgrätz. Kce Bezlrksrtchter non Bade» verfügt das Binden der Kinder dev Frau Windischgrätz. Die bekannte Affavs der Frau Elisabeth Windischgrätz, beziehungsweise die gerichtliche Behandlung der Pfleg,chajtsfache ihrer minderjährigen Kinder Stephanie und Rudolf Windischgrätz findet nunmehr auch rm Nationalrat ein Nach.!piel. Die gvoßdeutschen Abgeordneten Dr. S chür ff, Dr. Wabex und'Genossen werden in der nächsten Sitzung des Nationalrates an den Bundesminister für Justiz emo Anfrage richten, die das Borgehen der Gerichtsbehörden in bor Pflegschaftssache der Kinder der Frau Elisabeth Windijchgrätz behandelt. In der Begründung der Anfrage heißt es: Durch Beschluß des Bezirksgerichtes Baden.' Abteilung VI vom 19. März 192t (gezeichnet Dr. Lamel), wurde in der Pflegschasts fache der minderjährig-m Stephanie und Rudolf Windischgrätz d-er Antrag.'der Frau Elisabeth Maria Windischgrätz auf Aufschub' der Jnvollzugsetzung' des Beschlusses vom 9. April IW), mit dem die Uebergabe der Kinder an de« Vater Windischgrätz verfügt wurde, abgewieftn." .. In dem Beschluß heißt es: „Nötigenfalls müssen Kinder gebunden werden." Am 20. März hat das Bezirksgericht Baden, Abteilung VI (gcz. Lamel), nach Rücksprache mit dem Vater Otto Wtndi/chgrätz, dessen Vertreter und dem Vorstand der Bezirkshauptmann,chaft Baden, Hofrat Bosizie. an die Bezirkshaup^mann,'chaft Baden das folgeutn'Schreiben gerichtet: „Es besteht dringenast der Verdacht, daß die Kinder Rudolf (14 Jahve) und Stephanie. (13 Jahr«) Windischgrätz, welche sich noch bei ihrer Mutter, Frau Elisabeth Windischgrätz, geborene Habsburg-Lvthringeu. befinden, dürf.en von der Mutter ins Ausland (Ungarn) gebracht werden, um deren bevorstehende gerichtliche Uebergabe der. Kinder an ihren Vater Otto Windischgrätz, zu vereiteln. Insbesondere Herr Tibor Kevekes und Baronin Rosa Mühlen, geborene Toinor/ dürften als Werk-eug vem'e.,det werb'N und als TeAeitperjoiral dienen. Es besteht die Gefahr, daß die Kinder verborgen gehalten oder verkleidet werden. Die genannten Personen sind vor Grenzüberschreitung anzuhalten «nb zu internieren. In einem weiteren Beschluß des Bezirksgerichtes Baden. Abteilung VI (gez. Dr. Lamel), vom 2. April 1921 wird auch der Vorstellung der Frau Elisabeth Marie Windischgrätz gegen den Beschluß vom 19. März fcüte Folge gegeben. Mit Rücksicht auf die in der Vorstellung bekämpfte Verfügung, daß die Kinder nötigen-, falls gebunden werden müsse«, führt die Begründung unter anderem folgendes an: „Es war voraus,zusehen, daß die Kinder das Vollstreckungsorgan schlagen und stoßen würden, wie es auch tatsächlich geschehen ist. Für diesen Fall war eine feste und sichere energische Maßnahme geboten. Die Abgeordneten, stellen die Anfragen: Ist der Bundesmin'.ster für Justiz geneigt, eine Untersuchung der geschilderten Vorgänge in d«r Pflegschaftssache der minderjährigen Kinder Windiichgrätz zu veranlass:« und Entsprechende Aufklärung darüber zu geben, inwieweit ltt diesem Falle Gesetzes stimmungen überschatten, verletzt oder falsch an^gelegt wurden? Ist der Minister geneigt, diesen Fall zum Anlaß zu nehmen, um durch Verordnung oder eine Monisten! Am 24. April fahrt sich zum ersten Male der Tag von San Remo, der uns in aller Form Rechtens Palästina wikdergegeben hat. Ungeheuer groß sind die Ausgaben. die vor uns stehen, und dementsprechend große Mittel müssen wir für die verschiedensten Zwecke von euch verlangen. Wir kennen die Opfer, die jeder von euch bringt. Darum hat sich die österreichische Parteileitung die ganzen letzte» Jahre bemüht, ihr ordentliches Budget aus den Eingängen au ordentlicher Parteisteuer zu decken, um eure Lasten nicht noch zu vergrößern. Run aber sind die Aufgaben zu große geworden und wir können unsere Organisation nicht ausbaueu, großzügige Propaganda nicht betreibe«, wenn ihr nicht besondere Mittel Zur Verfügung stellt. Es muß euch klar werden, daß letzten Endes auch die Arbeit des Keren Hajeffod, des ' Natronalfonds, unseres Schulwesens, unserer Fürforgeinstktntronen, unserer Turn- und Sportverbände, unserer Jugendgruppeu. unserer Chaluz-Fürsorge davon abhangt, ob die zionistische Organisation als solche stark und groß ist. Mit ihr steht und fallt alle andere Arbeit. Das müßt ihr einschen und darum müßt ihr außerordentliche Beiträge zum Parteisonds leisten. Zionisten, zahlt außerordentliche P a rt e i ft e u e r! DaS Zionistische Landeskomitee für Oesterreich, Wien, 2. Bezirk, Zirknsgasse 33. Gesetzesvorlage dafür Sorge zu tragen, daß solche, das Rechtsgefühl der Bevö.kerurig verletzende Urteile, durch die gewaltsame Wegnahme und das Fefftln von Kindern aus Anlaß der Ueberg-abe von Kindern an deren ElLern- - teil verfügt wird, in Hinkunft nicht mehr gefällt werden können und daß bü Rechne der Mutter ihren 51'-adern gegenüber gewahrt werde»? Et« Riesrnbrand in Schwechat. Die Berpstegsmagazine brennen. Bei heftigstem Regen und bei starken: Wind ist gestern abends in den Depots des ehemaligen Bcrpflegsmagazius Schwechat ein Brand ausgebrochen, der sich mit ungewöhnlicher Eite verbreitete und einen Millionenschaden gestiftet hat. Die Depots lagen an der Grenze des Ortes, an der-Strecke der Landesbahn Wien—Preßburg, zwischen der Lederfabrik, Schütz & Co. und den Hammerbrotwerke«. Dis Anlage nimmt große Flächen ein und besteht^aus einer Reihe langgestreckter, aus Ziegelwänden erbauten Baracken. Sie sind gegenwärtig von verschiedenen Stellen als Magazine verwendet. In den Baracken sollen große Vorräte der Kriegsgetreideverkehrsgesellschaft, dann wertvolle Güter, der Sachdemobilisierung, wie Möbel usw., dann Textilwaren, lagern. Gegen 7 Uhr brach in einer der Baracken der Brand aus. Er fand an dem leichten Bau und an dem Inhalt reichliche Nahrung und griff so rasch um sich, daß dem Feuer nicht Einhalt geboten werden konnte. Ehe Hilfe kam. war eine zweite Baracke in Brand geraten und mit ihrem Inhalt gleich der ersten ein Raub der Flammen geworden. Auch andere Baracken wurden von den Flammen ergriffen, lieber Schwechat stand greller Feuerschein nnd der ganze Ort und seine weite Umgebung waren alarmiert. Die ÖrtZfeuerwehr rückte mit den freiwilligen Feuerwehren der Umgebung aus und leistete mühevolle Arbeit. Auch von Wien kam Hilfe. Branddirektor Schifter kam mit d«m Fernlösch^ug der Zentrale der städtischen Feuerwehr mit drei Kraftspritzen. Dann kamen Löschzüge der Hauptwache Favoriten, der Filialen Simmering und Brigittenau. Mit starken Kräften wurde trotz widriger Verhältnisse der Brand bekämpft. Bis in die späte Nacht hinein währte die Löscharbeit. Die Flammen haben einen Schaden gestiftet, der in die Millionen geht. Wie RitualmordmSrchen aus genützt werden. Aus Warschau wird uns berichtet: Die Zeit vor den Peßachtagen ist für die Juden in vielen Städten und Städtchen Polens Anlaß zur Beunruhigung, da immer wieder Ritualmordbeschuldigungen auftauchen. Jüngst gab es eine solche auch in Wilna, wo jedoch der wahre Sachverhalt — der Mörder seiner eigenen Mutter hatte das Gerücht verbreitet. Juden hätten an ihr Ritualmord begangen — bald aufgedeckt wurde. Wie jedoch das Ritualmördmärchen zu antisemitischer Hetze abgenützt wirb, davon gibt ein Vorfall in der Stadt Uchatt (Gouvernement Lublin) eine ebenso deutliche wie traurige Vorstellung: Dort verschwand vor kurzem bi« vierzehnjährige Stieftochter des Bauern Gantasch. Bald verbreitete sich unter den Bauern bas Gerücht, bas Mädchen sei von teil ' Juden ermordet worden. Das unsinnige Gerücht ve« anlaßte die Polizei des Ortes, am 3. April eine HauÄ durchs.uchung Leim Rabbi, im Beth-Hamidrasch und! hei. einigen Mitgliedern der jüdischen Gemeinde vor-! zunehmen. Skfe hätte natürlich Lein Ergebnis. Aber: die drohende Stimmung gegen die Juden blieb bestehen^ , zumal der Ortspfarrer von der Kanzel herab Hetzt» redenhielt. Inzwischen aber wurde das Mädchen ge-> funhen; sie war vor den. Nachstellungen ihres SLies- , .Vaters zu Verwandten in ein nahes Dorf geflüchtet. Die Juden von Uchän atmeten auf, aber ihre Freude sollte nicht Klange dauern. Der Pfarrer und dev Vertreter, des städtiichen Feldschers machten dem wiedergesurideneu Mädchen einen Besuch und nachher erzählte sie, fi& Wäre von den Juden vergewaltigt worden. Den Hergang der Sache schmückte sie mit allerlei Kolpvrtagödetails aus: Sie sei zu dem jüdische» Krämer Tei§ Farbe ka.ufen gegangen, da habe er ihr sin Fläschchen, unter die Nase gehalten, worauf sie bewußtlos geworden sei. 'Sie sei dann von zwei. Juden in den Wald Verschleppt und dort mißbraucht worden. Erst ein Bauer habe, sie im Walde gefunden und heimSebracht. Diese Geschichte rief gewaltige Aufregung unter der Bauernbevölkerung i« der Umgebung der Stadt hervor. Sie nahm gegen die Juden eine drohende Haltung ein,: es kam zu Ueberfälten und die jüdische Bevölkerung traute sich nicht mehr auf die Straße-. Sie wmckLe sich an den .SLaLtlommandauten, welcher das Mädchen mit: Ä:ig konfrontierte und sie fragte, ob Teig sie vergeh, waltigt habe. Das Mädchen wurde sehr verlege«, antworte jedoch mit ,^sa" und Teig wurde verhaftet. Erst auf hie Vermittlung eini'ger angesehener'jüdischer Brirger würde er freigelassen. Die drohende Haltung, der. Bauern hörte jedoch nicht auf'und die Juden mußten sich' an die Kreisbehörde werrden, welche eine polizeiliche UntLrsuchung anorbnete. Ihr Ergoeünrs ist bisher nvG nühL bekannt. Die Lage der jüdischen Bevölkerung in Uchan aber ist heule so kritisch, daß sie eine Deputation" nach'Warschau entsenden mußte, um Maßregeln' für ihre' Sicherheit zu erbitten. Die Lohnbewegung im Scha«Lgewerbe. . Einigung hinstchtlrch der materi«L«tt Frage». .Nach mehrtägigen Unterhandlungen wurde gestern abends hinsichtlich der von den Gehilfenveriretern den Genossenschaften des . Schank- und Gastgewerbes überreichten materiellen Forderungen ein Einvernehmen erzielt. Das Lohnkomitee der Schankgewerbetreibenderr erklärte sich zu Zugeständnissen bereit und wurde im Einvernehmen mit den Gehilfenvertretern dem Trink- ' göld nehmenden Personal eine Lohnerhöhung von 70' bis 76 Prozent, den anderen AngesLFtenkaiegorien eines solche von 85 bis 90 Prozent bewilligt. Die Zugeständnisse erhöhten sich auch auf die Kostbewertung.. Die Lohnerhöhungen irden gemäß den getroffenen Ab-' machungen mit 25. d. M. in Wirksamkeit. , Die jüdischen Heimlose« im der Sowjetmkraime. - Der bekannte jüdische Schriftsteller S. Zern a'ch',.' der aus der Ukraine hier eingetroffen ist, erzählt &>\ greifende Einzelheiten über die Lage der Heimloserr irr der Ukraine. Wer noch imstande ist, einen bedeutendLu Betrag Rymanow-Nnbel aufzubringen, um damit die rvtew Grenzwächter zu bezahven, dem gelingt es sogar,, amt hellen Tage den Dnjestr zu übersetzen und auf rumäni-. sches Territorium zü gelangen.; \ Wer aber über eine entsprechend große Barschaft nicht'verfügt, wird sogleich ergriffen müb der Gerichts-, bärkeit der militärischen „Tsch. K." (AußerordenAche.i Kommission) ausgeliefert. 'Hunderve diesw Unglücklichen: füllen die bolschewikische« Gefängnisse an. weil sie ihr nacktes Leben retten wollten. Wenn die Machthaber/ von . der „Tsch. K." gefragt werden, warum sie dies<. Unglücklichen verfolgen, so sagen si«, daß sie die- „Bourgeois^ suchen. Dies ist natürlich unwahr, demr I gerade jene, die über ausreichende Mittel verfügen;«' um auf allen Seiten zu „schmieren", werden fast nie erwischt. Nur die Armen, die ihr letztes Hemd verkaufen^ fallen dem gedankenlosen Terror der Außewrdentlichen; Kvmmijjio» zum Opfer. (Jüd. Korr.-Buc.) Emir Faisul - König von Mefopntnmie»? «air», 19. Alnil. A«r.-B»i.> Smir 8*tfstl ü «Bf skmrm Wegr nack Mekka hier eingetivssen. Er wurde van ein« osfivellrn arabischen Deputation empwnge«. der er erWrte, eS sei' Äm grlungen, mit der britischen Regiernug g« einem erfolgreichen Uebereinkommen in biWg anf die Zukunit Mesopotamiens fl« tzrlangen. ®5 sei ibm inoffiziell de« Vorschlag gemacht wordcn, den mesopvtami'chm Thro« zu besteigen. was er jedoch von der Entscheidung eines Familienrates abhavgig machte. ei.LKK^UIIKMW?