Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1921-04-20 · Heft 801 (20.4.1921) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 801 (20.4.1921)
Date
1921-04-20
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2979076-2979773-2979880--07325-2993365
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

SeÄe 4 Dien. Mittwoch Haben. Nach dem Umstürze haben die Sozialdemokraten die Deutschnationalen an Chauvinismus überboten. Die sozialdemokratische Regierung hat das Schandgesetz - der Fremdenaüsweisung erlassen, der' sozialdemokratische Landeshauptmann Sever hat die Ostjuden und andere Fremde wie Freiwild behandelt und geschworen,-, das .deutsche. Wie« von den „Eindringlingen" zu säubern. Die Herren Austerlitz und Leuthner haben in - der „Arbeiter-Zeitung" tagtäglich die Ostjuden beschimpft, die Regierung wegen ihrer „Lässigkeit" verhöhnt und den Instinkten der „tollen übergeschnappten Alldeutschen" geschmeichelt. Man muß sich eigentlich über die mutige Voraussetzungslosigkeit.. wundern, mit welcher die international und weltpolitisch orientierte „Arbeiter-Zeitung" von heute gegen die deutichrsaktioNäre „Arbeiter-Zeitung" von gestern losdonnert. Erfreulich ist die Wendung zur Vernunft immerhin. Wien kann von ihr mrr profitieren. ReKonstruKtton -es Kabinetts Mayr? Das gestrige Abendblatt der „Reichspost" schreibt: „Der Ausgang der Abstimmungen am letzten Freitag hat das fernere Verbleiben - der christlichsozialen - Regierung ermöglicht. Aber ebenso gewiß ist, daß'mit hem Ergebnis bloß einer Stimme Mehrheit die Situation Aicht als dauernd geklart betrachtet werden künn. Die Verhandlungen zu einer haltbaren Lösung der R e g i e r u n g s-, beziehungsweise M e h r he i t s- Stije im Nationalrat müssen und werden auch in der nächsten- Zeit w re d e r a u f ge n o m m e n werdend Das würde den Eintritt des rechten /Flügels der Großdeutschen in die Regierung bedeuten. Die Hilfsaktion des Völkerbundes. '' Die in Wien weilende Völkerbundkommission hat gestern die Direktoren Neurath (Krcditanst'.tt), Feilchenfeld und Krasny (Eskompbegesellschaft) über den frnanziel t\i S.and der Krediiinstiute cinvernommen. Die gestellten Fragen bezogen sich aus die voraussichtliche Wirkung einer S e'gerung der Krone auf die Entwicklung der Industrie sowie auf die in Aussicht genommene innere Anleihe. Auch mit den leitenden Funktionären der. Oesterreichisch-ungarischen Ban? fand eine Besprechung statt- Der oberösterreichische Landtag gegen die Habsbnrger. Linz, 19. April. Der oberösterreichische Landtag hat hcüte folgenden Dringlichleitsantrag alter drei Parteien einstimmig angenommen: „Der ob.-rösterrcichische Landtag erneuert feierlich das Bekenntnis zur demo-kratistche n Rep ublik und stellt fest, daß das Volk von Oberöfterreich die Republik gegen zeden'Urystürz zu verteidigen entichlossen ist. Der Landtag erwartet, daß die Bundesregierung all>:n derartigen Angriffen mit vollster Entschiedenheit entgegen- 4reten wird." Die Vslksabftimmnng fit Tirol. Aus Innsbruck w ld unS brrichter: Di? Blätter sind mit Aufrwen und Enls^luhungm belmisrbrr Vereine undKmverscha>ttn, dre für trn Anschluß an Deutschland Stimmung machen. üb'rsüÄl. In Jnnßbiuck «erden Tag für Tag grobe Veisommrvugm m allen. S'.üdneileN rmprovrstm. Aus zahlreichen Trabten und ans der» Gau Osttirol, der sich belanml ck für ünadiiängig hält, werrm An.chlußkundgebungen gemeldet. Am kommenden Sarnslag'findct vor vcm Startiheater inJnnsbruck rrneMafsenkundgetmng statt. Dieser Tag ist auch als Blumemag vorgesehen. Dir von auswärts kommenden, Strmmbcrecht'gtcn werden am Dahnhof festlich empfangen. Die amtlichen Adstimmungskundvrachunpen zu der am Sonntag staltsinbenden Abstimmung sind ist der Slädt bereits plakatiert. Bayer« und der Ruschkvtz. Müschen, 19. Aprrl. (Wolff. Der französische G r s ch ä f r S t r ä g e r m München lenkte gestern in e i n e r von ihm erbetenen Ausspr a'ch e de Aufmerksamküt deS bayrrfchen M nisterprättdenten auf du Werbetätigkeit in Eayern für den A u sch l u.6 TrrolS. Drr bayrische Ministerpräsident erwiderte, daß der Negirrurig von einer solchen Propaganda mchrs bekannt und baß von fctlcn der Regrernng für eirrr solche Bewegung nichts unternommen worden fei. Die Pläne für die Universität Jerusalem. Gründung von Forschungsinstitute». Jerusalem, 16. April. Nach den bisherigen Plänen soll die Universität Jerusalem emLrseits eine Fakultät für j üd.ische und vrienta tische Wissenschaften (Philologie, Literatur. MIckücbte. Recht, Archäologie, Religion und Philosophie) enthalten, weiche sich vorwiegend mit der Mischen, aber auch mit den arabischen und sonstigen Wissenschaften besaßt. Diese Fakultät wird sogleich auch als Heh rinstitut eingerichtet werden und sämtliche Grade her leihen Ein ForschungIinstuüt für.die hebräische Sprache schließt sich an. Weiter sind ins Auge gefaßt für den Anfang reine For,chungsinstüute für.Physik, Chemie'und Mikrobiologie. Eine Schule für Rechts- und Sta atsWissenschaft soll der Universität angesügt werden. Lviener Morgenzsitung Zionisten! Am 24. April fahrt sich zum ersten Male -er Tag von San Rcmo, der uns in aller Form Rechtens Palastina wiedergegeben hat. Ungeheuer groß sind die Ausgabendie vor uns stehen, und dementsprechend große Mittel müssen wir für die verschiedensten Zwecke von euch verlangen. Wir kennen die Opfer, die jeder von euch bringt. Darum hat sich die österreichische Parteileitung die ganze« lebten Jahre bemüht, ihr ordentliches Budget aus den Eingängen an ordentlicher Parteisteuer zu decken, um eure Lasten nicht noch zu vergrößern. Nun aber sind die Aufgaben zu große geworden und'wir können unsere Organisation nicht ansbauen, großzügige Propaganda nicht betreiben» wenn ihr nicht besondere Mittel zur Verfügung stellt. . Es muß euch klar , werden, daß letzten Endes auch die Arbeit des Keren Hajrsiod, des Natioualforrds, unseres Schulwesens, unserer Fürsorg"institutro»en, unserer Turn- und Sportvcrbande, unserer Jugend, gruppen, unserer Chaluz-Fürsorge davon abhängt. ob» die zionistische Organisation als solche stark und groß ist. Mit ihr steht und fallt alle andere Arbeit. Das müßt ihr einsehen und datum müßt ihr außerordentliche Beiträge zum Parteisonds leisten. Zionisten, zahlt außerordentliche Parteisteuer! DaS Zionistische Landeökomitee für Oesterreich, Wien, 2. Bezirk, Zirkusgasse 33. Telegramme. Eine Besprechung Briands mit Lloyd George in Hythe. Paris. IS. April. (SBotff.) Sie der „Matin" meldet, hat Ministerpräsident Briand vor'zwei Tagen Lloyd George den Vorschlag gemacht, mit ihm im Laufe dieser Woche zusammenzukommen. Eine Meldung aus Dover besagt, daß Lloyd George und Bricurd jedenfalls kommenden Samstag in der Villa Sassoon in Hythe zu Besprechungen Zusammenkommen werden. Die ostgalizische Frage. Warschau. 19. April. Der Pariser Korrespondent -ex „Gazeta Warszawska" meldet, der Oberste Rat werde sich bei seiner nächsten Sitzung gemäß den Anträgen des Referenten Hhmans mit dem vom Völkerbund dem OberfterrsAat borgelegten Dossier in der' Angelegenheit OstgalizienS beschäftigen. Die bezüglichen Dokumente seien mit einer Mantelnote des Generalsekretärs des Völkerbundes versehen worden, in welcher er mittei.lt, daß das Dossier 29 Dokumente enthalte, welche gegen das in Ostgalizien gegenwärtig etablierte System Protest erheben, desgleichen eine Note des polnischen Delegierten Aschkenasy samt 7 Beilagen, weiche die Rekriminationen der Ukrainer bekämpfen. Der Lemb'erger Advokat Dr. Heinrich Lowe nherz ist soeben.zum Leiter des eben geschaffenen Referats für Ostgalizien im polnischen Ministerium für Inneres ernannt und mit dem Titel eines Dizeministers versehen worden. Löwenherz, welcher politisch der Sozialdemokratie angehört, hat sein Amt bereits angetreten. Er war seinerzeit Mitglied der polnischen ostgalizischen Delegation, welche in der Frage Ostgaliziens nach Paris entsendet wurde. Lissa — jugoslawisch. Rom, 19. April. (Tel.-Komp.) Wie die •- „Jdea Nazionale" meldet, wird heute die Insel Lissa von den Italienern geräumt und den Jugoslaven übergehen werden. Mehrere kleine Inseln sowie die Insel Curzola sind bereits vor längerer Zeit in den Besitz Jugoslawiens übergegangen. - Der Tisza-Prozetz. Budapest, 19. April. In der heutigen Verhandlung des Prozesses gegen die Mörder des Grafen Tisza erklärte Alexander Büttner, nach der Demonstration bei der Kettenbrücke habe im Klublokal der Karvlyi- Partei eine Besprechung stattgefunden. Dort habe man behauptet, an allem sei Tisza schuld. Auf die Frage des Präsidenten, ob von der Ermordung Tiszas die Rede gewesen sei. erklärte der Zeuge, Keri sei dafür gewesen, Johann Hock aber dagegen. Auf die Frage des Präsidenten, ob bei dieser Sitzung Friedrich anwesend gewesen sei. erklärte der Zeuge, Friedrich sei anwesend gewesen. Die Wirtschaftskrise in der Schweiz. Zürich, 19. April. (Tel.-Komp.) Der Verband der schweizerischen Herren- und. Knaben ko n fektion, der 23 Betriebe umfaßt und mehrere tausend. Arbeiter beschäftigt, hat beschlossen, die übrigens schon seit mehreren Monaten stark eingeschränkten Betriebe ab l.Funi gänzlich eiuiufteUeiu 20, April 1921 _Nr. 801 Tagesbericht. ErnShrnngsLemonstrationen der oOe*« österreichische« Arbeiterschaft. . Linz, 19. April. Die sozialdamokratisch organisier^ Arbeiterschaft veranstaltete heute in Linz, Steyr,! W e 13 und anderen Jndustrieorten, strner an allen Anltssitzen von Bezirkshauptmannschaften in Ober^ . österreich Maße Kundgebungen gegen die schlech.te. B r o tch. e schaff e n h e i t, die unmittelbar bevorstehende! starke Fl e i s ch p rc i-S e r,h ö h un g, di« schlechte Milchslieferung und 'die hohen Eierpreise. ij . In Linz stellten , um 11 Uhr vormittags all«, Betriebe die Arbeit ein und die Arbeiter zogen i» Maffen vor das Landrsregierungsgebäude. Auch die ' Straßenbahner, GemeindeangestellLen, Eisenbahner,. Postbediensteten usw. beteiligten sich an. der Kund* gebung. -Bei der Landesregierung.erschienen ,derl. s oberösterreichifche LarrdesarbeiterrrL, die Betriebsräte und Vertrauensmänner, der; Linzer Betriebe sowie Arbeiterdelegierte aus allen größevrnr Jndustrieorten! des Landes, um ihre Beschwerden zu vertr-etezr. Di« Mdner, die vor dem Laudhause zu der vieltausend^ köpfigen,Menschenmenge, sprachen, erklärten, die heutige Demonstration sei der. erste Schritt zur Durchsetzung; der bereits am 13. d. M. vom Arbeiterrat der Landes-' regierüng überreichten Forderungen- Vor allem wurhe^ die sofortige Entfernung des sogenannten Ernährung§-> direktoriums der Landesregierung gefordert, Dre Gendarmerie ist zurückgezogen worben. DK Stimmung der Arbei!erschaft ist besonnen und ruhige Zu Ausschreitungen ist es nicht gekommen. i ,. Die Delegierten her Arbeiterschaft aus Linz und» ganz OSerösterreich wurden, von den Landeshauptmannftellvertretern' Dr, Schlegel. (chriftlichfozial>, Lau-, g o t h (großdeutsch), und G r,u b e r (Sozialdenrokrat), ferner Mitgliedern des Landesrates und des Ernährungsdirektoriums empfangen und brachten im einzelnen alle Wünsche und Beschwerden der Arbeiterschaft hinsichtlich der ENr.ährungslagT zum Ausdrück. Infolge, der großen Zahl der Sprecher dauerten die Verhandlungen sehr lange, Mit Rücksicht auf die unten harrende. Menge wurden sie schließlich gegen s/*! ' Uhr abgebrochen. Es würde eine gemeinsame' Basis in der Ernährungsfrage dahin gefunden, daß nur eine mäßige Preiserhöhung des Fleisches eintreten, die Eierpreise im nächsten ^^nLt)Her'aLPeMtzt/mnd-^die^MilPbelieferung durch, ein neües Syfteck^^ 'verbessert werden ^soll. - '' ' '‘ •':: LandeshüupiMaNAstellvLLtreler Dwl S'chlege! Lejlte sodann vqm Fenster aus den.au^ der Straße stehenden Arbeit^rmassen das Resültat drr Verhandlungen mit^ Er verwies auf dieschwierige Lage Obirr- Ssterreichs, das unter allen Nachbarländern die -'nie-- . drigsten Preise hckbe. wodurch ein Abströmen.der Lebensmittel erntreie.' Deshalb müsse man von Zeit zu Zeit mit den Preisen in. die Höhe gehen. Im Rahmen der MögliWit' 'Mibe den' WÜnsMn der Arbeiterschaft Rechnung getragen tverden.' Hierauf. hielt der Obniarnrstellvertretsr des Arbeiterrates Per nasch ek eine Ansprache au die Arbeiter und forderte sie zum ruhigen AuseinandergeherL auf. Gegen 1 Uhr war bi« Kundgebung zu Ende, ohn« daß, die Ruhe irgendwie gestört tvorden wäre. Nachrnittags wird das ErnäbrnngMrektorium mit Vertretern der Arbeiterschaft über die vorgebrachten Forderungen in Beratungen eintreten. Das Meinwohnttuäsproaramm der Gemeinde. Im gemeinderätlichen Ausschuß für Sozialpolitik erstattete gestern Stadtrat Grünwalb einen ausführlichen Bericht über die Schaffung neuer Wohnung^ anlagen durch die Gemeinde Wien. Nach dem vorgelegteu . Programm soll die Gemeinde vor allem fünf Baracken des ehemaligen Artillerielagers in Favoriten (Laaer- ' straße) für Wohnzwecke' einrichten. Dadurch werdett 55 aus Zimmer und Küche bestehende Wohnungen^ geschaffen. In Simmering sollen Baracken des dortigen Lagers zu Wohnungen umgestaltet werden. Es lassen sich aus diesen 8 Baracken 136 Wohnungen Herstellen, wovon 96 aus Zimmer und Küchen 8 aus Zimmer,. Mche und Kabinett und 32 aus einer Wohnküchebestehen würden. Auch die Baum gartner Baracken, die-ereW Eigentum dev Gemeinde .sind, werden zu Wohnungszwecken Verwendung finden. Es lassen sich dort zwölf Wohnungen schaffen. (Hoffentlich bleibt die dortige Joint-Anstalt bestehen.) Mit den Arbeiten ist bereits begonnen worden. In der Jedles^erftraße sollen drei. Baracken durch Umgestaltung in 23 aus Zimmer und .Arche bestehe:.de Wohnungen umgewanbelt werden. Die Gemeinde steht wegen des Ankaufes dieser Baracke« mit der Sach'demobilisierung in Verhandlung. In der Triesterstraße werden in den angeforderten Arbeiter- Wohnhäusern 48 Wohnküchen hecgesksltt.' Fm städtischen Hause Alleegasse 49 können Wohnungen geschaffen werden. Ungefähr 40 Wohnungen werden durch Adaptierungen in städtischen Gebäuden erstem. Die größere Zahl der mttgeteiltrn Arbeiten kan« sofort begonnen werden, ober auch die Übrige» Objekte

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.