Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 798 (17.4.1921)
- Date
- 1921-04-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelpreis » Kronen ypL»*«rr»Lio«spre;ft r Pie«; A«a wcholeu i» der ßkpÄti»», 2. Be-irl, Tabor-, 11» JJ, oker in eine« -i (SttfK):!Hb. . Srsne»?».— IIÄÄich »10.- i P»ft»ersa«d fftt Men «ch 9uC|iCttnO}* Rch .. Krone« 70.-, . Tftze»o^l,»akei:' WsnMich .. Kronen 17.— WistrljÄrlich „ 51.— »tfthvh«^»k»MscherMihn«i >*■ Ungarn: Monatlich .. Kroneu VP^— kvjartelMrlich - ln nqz«ifcher wchrnng ' Jngoslawi«: Monatlich .. Dtnirr 1».- Vierteliichrlich .. Nr. 798 Einzelpreis 38 Krone« Pränumerationspreise; Pplen: - ‘ i ■ Monatlich.. Mart BterteljS-rltch »Ms* in polnischer Wahrnng •; __ Dentschlmd: ' Monatlich. . . Marl 12^ Italien: Monatlich .... Lire?-.?«, _ RumSllim: " ’ Monatlich. . . .SmSWfc-i- Schweiz u. da» übrig« Anölandj Monatlich'. JraneSL^ Nedaktkon u.Administratioir Wie«,S.B«8.,Taborstrai-L Telephone: 44SS8,4381S. ad «Uhr abendsRr.1SS0L Postsparkafhmtönto ISS^sq Wien» Sonntag den 17. April 1921 3. Jahrgang Die neuen Wischen Vorschläge. Brianfür direkte Verhandlnngen. P a r i s, 15. April. Wavas.) Im Kammerausschutz für Auswärtiges erklärte Ministerpräsident Briand, wenn Deutschland vor dem 1. Min ein Anbot machte, würde er nicht daraus cingchc», sich ohne 'Erlangung von Unterpfändern in neuerliche Besprechungen mit deutschen Delegierten cinzulnsscn, um sich einer möglichen Verschleppungspolitik seitens des Reiches zu widersetzen. Er würde sich weigern, durch irgendeine Mittelsperson Verhandlungen anzukrrüpfen, sondern bei sich darhietender Gelegenheit bloß direkten Verhandlungen 'zustimmen. Briand betonte» das; die Frage der Maßnahmen, die für den Fall ins Auge gefaßt seien, daß Deutschland seine Verpflichtungen nicht erfülle, ganz besonders die Aufmerksamkeit der Regierung in Anspruch nehme, die bereits einen Gesamtplan in Erwägung gezogen habe, der übrigens nur nach B ef r a g n u g der Verbündeten zur Durchführung gelangen würde. Wenn Frankreich zu einer Mobilisierung behufs Besetzung Deutschlands genötigt würde, müßten die besetzten Gebiete derart organisiert werden, daß die Einhebung der 5!)prozentigen Abgabe in einer Weise geschehe, die Frankreich sichere Unterpfänder für die Wiedergutmachung seiner Schäden böte. 1 In der Frage der Volksabstimmung in O b e rschlesien verwies, Briand darauf, daß der Versailler Vertrag das Recht emräüme, dasf Abstimm-ingtzgebiet Welse zu teilen; d«A Judustriezone zugewrese« uüd MnWaE die lanijwirtschaftliche Zone üclassenwerde. Der Ministerpräsident schloß: Er glaube, daß, wenn Deutschland vor dem 1. Mai neue Vorschläge mache, sie sich namentlich auf das Anbot von Arbeitsleistungen undMaterial beziehen dürften. Aber diese Wiedergutmachungsmethoden könnten nur unter den Voraussetzung geprüft werden, daß Deutschland einen Plan für seine Mitwirkung unterbreiten der präziser wäre als jener von Spa. Beratungen -es Reichskuhinetts. .u.?- Berlin, 16. April. Die „Derra" meldet: Heute vormittags hat das Retchskabinett z-ar Frag«: der neuen Repar.atioirsangebote''eingehend Stellung genommen. . Dabei trat innerhalb des Kabinetts'volle Einmütigkeit darüber zutage, daß die Reichsregierirng den Alliierten unbedingt neue Vorschläge unterbreiten müsse. Der neue deutsche Reparatrvnspläil werde.vor allein die.Wiederaufbaufrage in den Vordergrund zu rücken Havert und dann der Tatsache Rechnung tragen müssen, baß die Hauptbeschädigten, namentlich Frankreich, so rasch wie möglich-in den Besitz flüssiger Geldmittel gelangen. Berlin, 16. April. Die Beratungen über, den neacn von deutscher Seite zu unternehmenden Schritt irr der Frage der Reparationen dauern fort. Das größte Gewicht wird bei der jetzigen Beratung darauf gelegt, daß der neue Plan zum W i ed e r a u fb a u . N-o rd f r a n kr eichs no.ü biZ zum 1. Mai fertiggestellt wird. Die Mitarbeit am Wiederaufbau ist so gedacht, daß die d e u t s ch e Industrie als S u b u n t e r u e h m e r teilnimmt und unter Verw-nü.ung deutscher Arbeiter und deutschen Materials gleichzeitig alle 'Nachlieferungen in größtem Maße geleistet werden. Berlin, 16. Apr-.l. Zur Frage des innen deutschen Nepaiatwrisangedots sagt das „Berliner Tageblatt" unter anderem '> Im Vo dergrund aller ernsthaften llebrrlkgnnxen steht der große Plan einer i.n t et» a f i o it a l c n Anleihe. Daneben bcfcf}a:t:at man sich mit dem Gedanken einer Uebernahme aller oder eines Teiles der interalliierten Schulden an Amerika durch Deutschland. Endlich wird in Finan;,reisen das auch an diese^ Stelle schon von'sachkundiger Sele erörterte Projekt einer ä u sländischen De t e i l i g u n g a »per deutsche n Industrie ' diskutiert, auch wenn es vielleicht gegenwärtig nicht offiziell formiellert wird. Bei allen diesen Pläne» spielt auch die F r q g e d e r Gär a n t i e n eine grWtzenfWA 'leisten in der Lage iHre>upsqirßMem als 'odelsier Instanz, /zur. Mlsüjrldp»L aller sttittigrn Punkte, b:e im-Wege gütlicher Anseinandersetzpngnicht /entschieden. werden können. - Ein Kapitel für sich stelle der W i e d e t a u f b ü u Nords r an kr e.i ch s-dar. Das ist dev Nahmen, -iiinerhalb dessen die deutschen Vorschläge sich bewegen können. Diese Vorschläge weiden in wenigen Tagen dem . Urteil der öffentlichen Meinung der ganzen Welt überantwortet werden. Die Sanktionen nnd die Tschechen. Pvag, 16. April. Wie das „Prager Tagblatü* erfährt, ist der Direktor der handelspolitischen Abteilung des Ministeriums des Aeußern, Dr. Frrlin ger, nach Berlin gereist, um dort Besprechungen in der Sankt io n s a u g el e g e n h e i t zu pflegen. Man denktdaran, in dieser Angelegenheit ein E i n v e r n c h nt e n mit der d e ntschen Regicrung au z ustreben, und zwar so, daß der für die Tschecho-Slvwafei unentbehrliche Bezug gewisser Roh- und Hilfsstosfe, ferner einzelner Fabrikate nicht gestört wird. fiasko der englischen Beraarbeiier. Lands«» 15. April. (Havas.) Rach der heutigen Vormittagssitzung des Voüzrrssausfchuffes der Bergarbeiter erklärte der Sekxetar tz o d g e, der Vollzugsausschutz habe «ach reiflicher Prüfung der Lage beschlösse«, das; die Mit-, glieder des Ausschusses sich in ihre Heimatsorte begeben solltest, um an Ort und Stelle mit den örtliche« Organisationen die Lage zu beraten. Sie werde« kommenden Bonn er s tag wieder in London eintreffen nnd dann in einer neuerlichen Sitzung den Gesamtbericht avfftellen, der Montag der Vollversammlung der Abgeordneten sämtlicher Kreise unterbreitet werden wird. Inder Fwischenzeit wird die Arbeit in den Kohlengruben nicht aufgenommen werden, tzodge verweigerte jede Auskunft über die Absichten des Arbeitervreibnndes nnd äntzerte fich auch nicht über die Gerüchte, die von seinem Rücktritt sprechen. (Diese Erklärung zeigt die große Llneinigkett nnter den Bergarbeitern. — Red.) ' .-. LoWou, s16. April. (Reuter.) Infolge:des Btses der Eisenbahner und der Transportarbeiter, aUlöschüß der Bergarbeiter für morgen eine Versammlung der Bergarbeiter ein, um die nun zu bc.obachtende Haltung zu prüfen. Die kleine Entente gegen Angarn. Entwaffnung und Westungarn. Prag, 16. April. (Tsrhecho-slyw. Preßbur.) Zur Schqfsung von Garantien gegen die h ab sbur gische Restauration i n U « g a r n hat die tschrcho-slowakische Regierung mit den einzelnen interessierten Negierungen Verhandln«»en gepflogen. Bor allem handelt es fich um die genaue Dnrchsihrung des Frieden» vo« Trianon, in welcher Hinsicht bereit» die ersten erfol»reiche» Schütte getan wurde«, wozu ^speziell-die italienische Rtgieknus beigetragm hat. Der Füede vo» Triauou wurde von Italien bereits - ratistzrM. Nach einer der tschecho-flowakische« «ud der italimischen Regierung zugekomneneu Mitteilung wurde der Brrtr«» von Trianov eben jetzt aus dir TagrsArdnieng der ftauzöflschen Kammer gestellt. In England wird dielangstenk hi» zuni »d. d. M. geschehe». Sodann wird an die sofortige Durchführung der Klaus e l n über d \ e E'K'twOsjnpAH jtb Hher West uo.ar«. Otschütte« Kredit nnd Absperrung. —y. Wien, 17. April. Heute beginnen die Besprechungen <der nach Men entsendeten Völkerbu ndkommission mit der österreichischen Regierung über die Grundlagen der Sanierungsaktwn. Die Kommission soll nach zwei bis drei Wochen diese Besprechungen abschließen uwd der für den 10. Mai trach Genf einberuseuen Sitzung des Völkerbundes be»' richten. Eine Entscheiditng ist also kaum vor Mitte Mai' zu erwarten und sie wird'im Termin genau mit dem- Zeitpunkt zusammenfallen, bis zu welchem die Ernährung Oesterreichs aus Kontingent und Vorräten gesichert ist. Der Beginn des'Vakuums wird also auch in der Fragender Kredite einen kritischen Tag bringen. Es^. kantt als sicher gelten, daß' die in Wien verhandelnde Komünssion den redlichsten Willen zeigt, ihren Auftrag zugunsten Oesterreichs zu erfüllen. Die Entsendung, der Komntifsion selbst' ist schon als. Zeichen einer gün-'^ fügen Auffassung zu werten. Es ist allerdings bisher^ nichts über die Vollmachten der Kommission bekannt ge^ worden und es fehlt jede sichere Kenntnis darüber, ofr Italien den durch den Grafen Sforza erhobenen Ein-l. spruch gegen die Aufhebung des Generalpfandrechtesl zurückgezogen hat.; _ .! Die Erfahrungen, die die Kommission hier fant-j. mein wird, werden ihr hje ganz eigenarüge Gestalt des österreichischen Problems sehr bald ^vor Augen führen.^ Wirtschaftliche, soziale und politische Elemente sind hiep bis zur Nnentwirrbarkeit miteinander verflochten. Die, zentrifugalen Tendenzen, die der Zusammenbruch dep MonürW 'iv den neuen Staaten ausgelöst, hat, >.sinH mit ihren ureigensten wirtschaftlichen Interessen tn^ Widersprüch geraten.' Destexreich hat seine Funktion cck^ Welthanbelsplatz verdoppelt, ohne aber «daraus die für seine Existenz notwendigen wirtschaftlichen und politi-' scheu Vorteile zu gewinnen. Es hat ungemein viel gc«[. boten und kann noch viel mehr bieten, aber eZ ist dop arme Betteljunge, den man mit Aufträgen beehrt, umj^ dessen Befinden man sich aber nicht kümmert. Aber btej! Ereignisse der letzten Wochen, die sich rings um den^ Osterputsch des Exkaisers abspielten, haben doch die' tiefe innere Gemeinsamkeit der Grundlagen des Politi-s schon Lebens aufgezeigt, die zwischen den Nachfolge^ staaten besteht. Die Restaurationsversuche in Ungarns die ja nicht abgetan sind un«d noch immer das lebhaftestes Interesse der französischen Presse beschäftigen, ' haben allen Anrainern vor Augen geführt, wie sehr sie fidjj; selbst durch ihre Mißtrauenspolitik gegen Oesterreich ge< schadet haben, dessen Festhalten an der demokratisches Republik — so äußerlich sich dies auch manifestiereni^ mag — ihnen allein die Sicherheit vor reaktionären' Attentaten verbürgt. Die kleine Entente müßte mit Oesterreich kooperieren, um die in ihren malkontenten^ Schichten latenten Kräfte zu paralysieren. Wenn Oesters reich nicht bestünde, so müßten sie es erfinden. Umsomehr entsteht für sie die Pflicht, Oesterreich ihre Er»' kenntlichkeit zu betveisen und durch wirtschaftliche Hilfe,> nicht durch entwürdigende Almosen, die Ordnung seiner'' inneren Verhältniste zu ermöglichen. i- Die Schwierigkeiten, mit denen Oesterreich zu? kämpfen hat, liegen nur in dem Friedensvertrag, Lessen- Auswirkungen, wie die Ueberlaftung mit Beamten, dies Unfruchtbarkeit des Eisenbahnbetriebes, die Ab schnei-- düng von der Kohlenunld Petroleumproduküon, seines budgetäre Kraft aufzehren. Es mutz die eine Hälfte« seiner Einnahmen für Lebensmittel, die andere für die/ Staatsangestellten ausgeben. Zur kulturellen Entwick»-- lung, zur Vermehrung seiner Prodirktionsquellen, zu der so lange angestrebten Nutzbarmachung der Wasserkräfte fehlen die Mittel, die Landwirtschaft ist nicht nur politisch, sondern auch technisch zurückgeblieben. Die Industrie, das einzige Attivum, kann nicht zur vollen und rationellen Aufnahme des Betriebes schreiten, weildie Warenzirkulation durch das entsetzliche Kompensa-- Lionssystem, das eigentlich Schutzzollpolitik ist, künstlich gehemmt wird. Es ist begrüßenswert, Laß Oesterreich' von der Entente endlich als Mitglied des Völkerbundes,^ also als gleichlvertiger Kompaziszent behandelt wird. Aber es muß doch klargestellt werden, daß Oesterreich zu seiner Aufrichtung nichts anderes braucht als äußere^ und innere Freiheit. Es muß die wirtschaftlichen Derbindungen aufrecht erhalten und ausbauen, - es ntufr seine Existenz durch Verträge sichern, die vom Völkerbund garantiert werden. Die Aufgabe der Völkerbund- > bittnÜäiB. bi» jetzt in Wien idürlte fiifi ,1 1;!; : ■ ’h . 1 ' ' \\ i{ ' c. ■ ■ /r. ■■ , .i'! ' V: l & 4} '■:!/! ' ' •v. T i