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Wiener Morgenzeitung · 1921-04-13 · Heft 794 (13.4.1921) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 794 (13.4.1921)
Date
1921-04-13
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Wien, Mttrwocy rnttg stellten Richtlinien der amerikanischen Poliik ihre Beunnchigung über die Nachwirkungen deS Krieges Lussprechen. Amerika will die Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage der Welt erzielen. Das setzt aber eine sehr starke" Aktivität der amerikanischeil Politik in Europa voraus vnd hebt das setzt bestehende Desinteressement auf. Der Augenblick, in welchem dies angekündigt wird, komrie kaum besser gewählt werden. Kein europäisches Land ist heute frei von Sehnsucht nach einem.autoritären Eingreifen des transatlantischen Kontinents, dem die europäische Denkungsart vollständig fremd geblieben ist. Amerika kann den Gesetzen der Verständigung wieder zu Rang und Ansehen verhelfen und mit seiner praktischen, stets nur Erreichbares erstrebenden Art die Müdigkeit Europas überwinden. PottLische^tlmdschau. Die Alliance IftaöLLte und die jüdischen MinderheLtsrechte. Das Jüdische Korrespondenz-Bureau meldet aus Paris: Der in der letzten Zeit von der Alliance Jsraelite Universelle unternommenes Vorstoß gegen die in den Friedensverträgen gewährleisteten Minderheitsrechte an die Juden in den neu gebildeten Staaten fand zunächst seinen Ausdruck in geheimnisvollen und pnverantwortlichen Unterhandlungen, welche jüngst zwischen der Alliance und gewissen antisemitischen Regierungen in Osteuropa stattgefunden haben. Wenngleich die Alliance sich unter dem Drucke der empörten jüdischen Oessentlichekit veranlaßt sah, diese Talsache zu dementieren, so konnte sie doch ihr?« Haß den nationaljüdischen Forderungen gegenüber nicht länger verheimlichen. In der letzten Nummer ihres Organes „Paix et Drvit" reitet si-e an leitender Stelle eine scharfe Attaäk gegen die von den Ostjuden geforderten nationalen DUnderheitsrechte und prophezeit für Len Fall ihrer Verwirklichung den Ausbruch von neuen Pogromen in den betreffenden Ländern. Das größte Verbrechen an den nationaljüdischen Forderungen sieht b« Alliance darin, daß sie nicht zur Assimilation der jüdischen Minderheit, sondern zu einer Art jüdischer Autonomie sichren. Dieser unzweideutige Vorstoß der Alliance gerade gtt einem Zeitpunkt, als manche osteuropäische Regierungen sich nach langem Zögern zur Erfüllung der jüdischen Forderung entschlossen haben, hat in alten demokratischen jüdischen Kreisen große Erbitternn g hervorgerufen. Sa weit die Meldung der ybgenannten Korrespondenz. Wir haben seinerzeit über das angebliche Verhalten der Mliance nach Meldungen der polnisch-jüdischen Presse berichtet. Hieraus ging uns ein Dementi der Alliance zu, das wir am 15. März veröffentlicht ^den und in dem es heißt: „ .. , . daß die Alliance Jsraelite Universelle in einem unter dem 20. Februar 1919 an die Fried«rskonserenz gerichteten Me morandum ausdrücklich für die Minberheitsrechte eingetreten ist/und daß sie seitdem diesen Standpunkt bei jeder Gelegen heit vertreten hat." , Nach dieser ausdrücklichen Erklärung der Alliance erscheint die Haltung ihres Organs zumindest sehr merkwürdig und eine Aufklärung dieser mysteriösen Angelegenheit dringend nötig. Die Aufhebung der Rechtsbeschränbuuge» der Juden in Polen. In einem Artikel im „Rajen Hajut" verweist Abgeordneter Hartglas darauf, daß die im „Monitor Posiki" veröffentlichte Aufhebung verschiedener jüdischer Beschränkungen (von uns bereits gemeldet — Red.) keineswegs alle Beschränkungen umfaßt, deren Gültigkeit auf Grund neuer Gesetze und ganz besonders durch die Miuoritätenbestimmungen des Versailler Friedensvertrages erloschen ist. So wurden noch nicht aufgehoben: Das Verbot für Juden, auf bäuerlichem Boden zu wohnen, Bergwerke zu erwerben, wie auch die beledigende Sonderauffassung des jüdischen Zeugnis schwüre s, also gerade Beschränkungen, die ökonomisch sich sehr fühlbar machen, beziehungsweise große moralisch« Bedeutung besitzen. Szmreesanyi will nicht geheri. ‘•ilv.* Bud apest wird uns berichtet: Der Kampf zwischen dem Verbände der „Erwachenden Ungarn" und ihrem Präsidenten, dem Legitimisten Szmreesanhi, stellt, wenn die Dinge weiter so gedeihen, interessante Enthüllungen in Aussicht. Vorläusig droht Szmreesanyr noch, aber er führte bereits den ersten Hieb. Auf die Aufforderung, das Präsidium des Verbandes niederzulegen, antwortete Szmrecsanyi mit einem Schreiben, in welchem es nach dem „Magyar Kurir" unter anderem heißt: ,Menn an jemand in feitenbr' Stellung eine derartige Aufforderung gerichtet wir!., so pflegt ihr in der Regel auch Genüge geleistet zu werden. In dem vorliegenden Faltt bin ich zu meinem Bebauern nicht in der Lage, die Folgen für wich ab- Meilen, und ich erkläre, daß ich von der Stelle eines Präsidenten derzeit auf keinen Fall zurüStirete. Die Tätigkeit des Vereines wurde im vertzcrlU mittels. KLieruugsverv.rdruiM jusp /Wiener Morgenzeitnng penbiert. Damals einigten wir uns mit dem Ministerium des Innern dahin, daß bis zur Genehmigung der neuen Statuten die Mrbandsängcftgettheiten von einem durch den Ausschuß zu wählenden Vollzugskomitee besorg^,werdcn. Soviel ich weiß, sollen die Statuten demnächst behufs Genehmigung vor den Minister des Innern gelangen." S z m.r e c s a N y i erklärt schließlich, daß tzr im Sinus dieser neuen Statuten, eine Guiera'lversammlung ^einbörustn und dovt seinen Standpunkt präzisieren werde. Es ist aüch für' Ungarn auffällig, baß ein selbst Von der Horthy-Nägierwrg suspeüdierOL Verband bis zum heutigen Tage eine Macht auszuüben vermag, von bei der Führer der kleinen MÄ>ivirte Szabo-Nagyatad erklären konnte, daß sie nicht nur eine moralische, sondern auch eine Waffen macht darftelle und die Partei der kleinen Landwirte durch den Anschluß der „Erwachenden Ungarn" nunmehr cchH in frän Besitz einer Waffengewalt gelange. Diese WüffeÜ-- macht haben bisher in Ungarn Hunderte jüdischer Familien zu beklagen und es ist noch fraglich, ob die Verbindung der „Erwachenden" mit den kleinen Landwirten in dieser Richtung eM ErleichtevliNg für die Juden bedeutet.. __________ 3n(anb. Sine innere Anleihe in Oesterreich. Das Finanzkomitee des Völkerbundes veröffentlicht seine an den Oberste» Rat erstattete Denkschrift über die Sanierung Oesterreichs. In dieser Denkschrift heißt eS unter anderem: Um für Oesterreich eine wirksame Hilfe zu schaffen, ist' es notwendig, daß das Land sich dazu verpflichte^ Maßregeln administrativer" und anderer Art zu ergreifen, um die finanziell« Situation zu heilen. Um die Geldverhältnisse zu verbessern, wird Oesterreich eine innere Anleihe aufnehrnerr Müssen, deren Ertrag dazu dienen wird, das Gleichgewicht im Budget herzustellen, indem ein großer Teil des Papiergeldes aus der Zirkulation gezogen wird. Diese Maßregel wird den Boden vorberciten für die Emi ssion einer auswärtigen Anleihe, verbürgt durch die Pfänder, deren Auswahl die Kommission billigen würde. Diese Anleihe hätte den Zweck, Oesterreich in der Uebergängszeit zu unterstützen, die der Wiederherstellung der normalen wirtschaftlichen Existenz vorangeht. Erst dün.nwird der Plan internationaler Kredite durch den Völkerbund wirksam ins Werk gesetzt werden können. Die «nzulKssige AnschlutzaLftimmung. Zu dem Beschluß des Salzburger Landtages, am 24. d. M. eine Volksabstimmung in Salzburg über den Anschluß an Deutschland durchzuführen, hat die Bundesregierung der Landesregierung eröffnet, daß sie die Durchführung dieser Abstimmung verfassungsrechtlich für unzulässig erachte. Sie empfiehlt nun dem Landtag, von der Abhaltung derBvlksbefragungen am 24. d. M. abzusehen, um sie für den Fall einer neuerlichen negativen Entscheidung der Bunbesgewalt für einen späteren Zeitpunkt, Und zwar für beU 29. Mai 1921, anzuberamnen. Sektionschef Rappaport tritt in den Ruhestand. Die „Politische Korrespondenz" meldet: Dem Sektionschef im Bundes Ministerium für Aeußeres Alfred Rappaport wurde anläßlich seiner Versetzung in den Ruhestand der Dank unb die Anerkennung der Regierung für seine langjährige, außerordentlich wertvolle Dienstleistung zum Ausdruck gebracht. Sektionschef Rappaport ist ein ausgezeichneter Kenner der Handelsverhaltnisse auf dem Balkan. Telegramme. Churchill Sei Briand. London, 12. April. (Funkspruch.) Kolomennnnifter Churchill ist hier eingetrofsen. Auf seiner Rückreise von Palä stina hatte er mit Briand Besprechungen über Fragen der Orientpolitik. 35 Millionen Kriegstote. Moskau, 12. April. (Funkspruch.) In Petersburg fand eine Beratung von Vertretern der Fabriken und Gewerkschaften über die Hebung der Produktion und 'die Verbesserung der Lebensverhältnisse der Arbeiter statt. Die Wahl der 900 Delegierten, von denen die meisten keiner Partei angehörten, hatte unter den Arbeitermassen lebhaften Widerhall hervorgerufen. Das Präsidium bestand aus 32 Mitgliedern, die der Mehrzahl nach parteilos waren. Während der Wahl versuchten die Menschewiken eine Erklärung ihrer Partei abzug?ben, wurden aber von der Majorität daran verhindert. An Lenin wurde eine BegrüßungSdepesche abgesendet, mit der, Bitte, zur Arbeiterberatung zu kommen. Sinowsiew sagte, daß man die Fragen der Hebung der Produktivität und der Verbesserung der Lage der Arbeiter nicht im Zusammenhang mit der Welt-ArbHiterfrage bsurteilen körmk Die Petersburger Arbeiterfrage fei nur ein Teil der gesamten Arbeiterfragen. Redner wies auf die schweren Folgen des Krieges hin, der auf der ganzen Welt an 35 Millionen Menschenleben gekostet habe. Der WirtüüMückk VMM NIÄM M M KroMt M BMiM« 18. April 1921 Nk. m mögend. Diese Zahlen machten aus die Parteien starken Eindruck. Redner verwies auf die vielen Millionen Arbeitslosen Englands und Amerikas. In Petersburg, sagte er, find die Friedhöfe nie so angewachsen wie in den letzten Jahren; aber auch in Westeuropa war die Sterblichkeit des Pr öletariäts bedeutend. Rußlanid ist gegenwärtig an dßr Arbeit friedlichen Aufbaues. S i tt o w sie w verwies sodann auf die ungeheure Bedeutung der Maßregeln der Sowjets hinsichtlich 'der - N a k u r ül st e ü e r. Er appellierte an die Parteilosen, an der Hebung der Volkswirtschaft einmütig mrtzu-. arbeiten. Mit gemeinsamen Kräften, sagte er, werden wir Rußland einer lichten Zukunft entgegensiihren und dann werden die Völker 'der ganzen Welt uns beneide«. Die deutschen Sandergerichtti äSsrlin, 12. Slpril. Das Sandergericht in Naumburg verurteilt« znrei berüchtigte kommunistische Agitatoren zu lebenslänglichem Zuchthaus. Sie gehörten zu den.Fveunden Höltz', mit dem sie gemeinsam in de ' rüäsichMsesten Weise geplündert hatten. Exkaiser Karl. BSrn» 12. April. (Schweiz. Depeschm-Agentur.) Es bestätigt sich, daß die ungarische Regierung dem Schweizer Bundesrat zur Kenntnis gebracht hat, daß sie Karl alsrechtmaßigenKönig vonUngarn betrachte urtd er nur durch äußere Umstände an der Ausübung seiner Herrscherrechte verhindert sei. Die ungarische Neuerung ersuche also den Bundesrat, Karl den Äusentbalt auf Schweizer Gebiet zu gestatten. Der Buridrsrat wird nach Prüfung aller in Betracht kommenden Umstände unter ausschließlicher Rücksichtnahme die Interessen der Schweiz seine« Beschluß fasten. Frankreich War sür eine Restaurierung der Habsburger. Eine Feststellung BriandS. Bukarest, 12. April. (Privat.) Der französische Minister« Präsident Briand antwortete auf eine diesbezügliche Anfrage des .Adeverul" itt einer Depesche, daß vor zwei Monaten in den Pariser maßgebende« Kreisen die Absicht bestand, zwecks Verhinderung deS AnschlustcS Oesterreichs an Deutschland eine Restauration der HabLburgen tn Ungarn und spater auch in Oesterreich zuzulasten. Diese Absicht sei später fallen gelassen worden und man habe nach dem Osierabenteuer des Exlaisers Karl gesehen, wre man richtig gebandelt hat, als die scharse Stellungnahme Italiens und der steinen Entente gegen die Rückkehr Karls nach Ungarn in Erscheinung trat. Horthq dankt der Armee. Budapest, 12. April. Das Ungarische Telegraphist- Korrespoickenz-Bureak meldet: Der Reichs Verweser hat unfcet dem 30. März an die Nationale Armee folgenden Armeebefehl gerichtet: Als ich die Regentschaft Ungarns übernahm, war es. meine feste Absicht, im Amte des Reichsverwesers nur so lange zu verbleiben, als es das WohldeS Landes erfordert. Der Kampf um unseren Bestand und' um unsere innere Erstarkung ist noch nicht abgeschlossen. Ein« gewalttätige plötzliche Aenderung in der Regentschaft würde den Bestand der Nation gLfährösn.AnS, diesem Grunde habe ich trotz der Ereignisse der letzterr Tage an meinem ursprünglichen Entschluß festgehalten und'' habe iw Interesse des Bestandes unseres Vaterlandes auf meinem Platze auSgehirrrt. Die Nationale Armee hat auch in diese» schweren Tagen, meinen ErwartUngmt entsprechend, einheitlich und getreu den geleisteten Eid gehalten. Mit der ganzen Wärme meines mrgartschen Herzens sage ich den Leitern der ungarischen Nattonalen Armee, ihren Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften Dank. Mit Vertraue» blicke ich in die Zukunft, denn die erprobte ManneS^ncht der Armee, ihre Einheit und ihr Geist bieten die beste Bürgschaft dafür, daß unser Vaterland u na»f Halts am weiter fortschreitet auf dem Wege der ürneren. Erstarkung, und unter den Nationen der Welt jenen Platz eirr»ehmen wird, der ihm vermöge seiner tausendjährrgen Vergangenheit und feittet Gegenwart gebührt. Der Tisza-Prozeß. Budapest, 12. April. (Ung. Tel.-Korr.-Vur.) Der Vertreter der Familie T i s z a erklärt, diese wolle weder prrvatrechtliche Schadenersatzansprüche erheben noch als Zusatzkläger anftreten. Hierauf wird der Angeklagte Paul Kerr verhört, der die Vorgeschichte der Revolution ausfiihrlich darlegt. Er gesteht, an der Vorbereitung der Revolution hervorragenden Anteil gehabt zu haben, da er fest überzeugt gewesen sei, daß der Krieg nur durch eine Revolution beendet werden könne. Er schildert sodann die geheimen Verhandlungen mit den turbulenten Elementen der Armee gegen Ende deZ Krieges und gibt zu, daß es zur Zeit des Ausbruches der Revolution in Budapest kaum zehn Soldaten gegeben habe, von deren Standpunkt gegenüber der Revolution das Revoluttonskomitee nicht pünktlich informiert gewesen wäre. Der Nationalrat sei ungefähr eine Woche vor Ausbruch der Revolution gegründet worden. Die ersten Zusammenkünfte desselben hätten in der Wohnung Michael Karolyis stattgefundm. An ihneB hätten Oskar I a s z i, F e n y e s, Kunst, Theodor Bütthyany und die übrigen bekannten Anstifter der Revolution teilgenommen. 30.000 bewaffnete Arbeiter bildeten die Kerntruppett der Revolution. Unter den Sozialisten sei die Meinung bezüglich der Unterstützung einer bürgerlichen Revolution verschiede» ... BtM joLlMMwkratiW VertrauLnZlimrryer.

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