Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 793 (12.4.1921)
- Date
- 1921-04-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2979076-2979773-2979872--07244-2993276- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
i, Mt IISfiÄ ..iwwy>- , *1©»— mm »H»«*«* w* es«« m» Scftvmid: fllMMtfid . . tMIMI W.- <fthech»^1«»«ret: mmmium . . tmo IT.— «■«VB: ,. Matt M. Elnzerpreks K a.9 29 9^IUNMVCltill8Nl|M|| krnfjmgjl. a^mm ] -iTk1 SKSittUi*”'!?mS£ M NMf*W CNKmb j M«MU4 M M«Ns»: Mwmmu© . . . . »M V& .Set Echwetj «. Mt fttnri®* ünttli#. . . fjeww* «LWiWWL^ »s< ©«! Rr. 793 Wien, Dienstag den 12. April 1921 3. Jahrgang DflifeeMatMl macht Berlin, 11 AprlL. Auf der'Rückreise von Lugano nach Berlin hatte Minister Dr. Simons e:it« Ün ervsdung mit einem Bericht'rstattev des „Matin". Doktor Himons antwortete auf die Frage, was Deutschland AU« in der Wiedergutmachungsfrage tun werde:' „Ich Erkläre, baß wir in ninigen Tag.en unseren.guietj .Sitten in unwiderlegbarer Weise kundgeben werden., Wenn das neue deutsche Angebot aber'abgelehnt' wird, w ä re das bei der imgeiwlicklich-eir großen.Spannung tzr Europa eine. ungeheure Gefahr. Wir' sind, aber überxugt, daß Frankreich' ünsereic guten Willen auf' die Probe stellen wird, ehe es uns völlig vernichtet." Die ReparaLionsKsmmission beendet ihre Beratungen. P«ri8,12. April. (Havas.) Der >Temps" schreibt. Die Nep'arationSkommission wird' morgen die Entgegennahme der Äeützerungeu der deutschen Delegierten beendigen.. Sie wird hiÄttrüft die von den Alliierten am' M Februar!. I. beschlossenen Forderungen erwägen und gewisse Grundlagen der Äbschähungen 'bestimmen. . Sodann wind sie die endgültigen Ziffern der deutschen Schuld und. die Modalitäten der m Ä)' Jahresraten erfolgenden "Zahlung' festsehen. '-.1 -Der Präsident 'der ReparationKkomnlission DuboiS hatte' mÄ' den Ministern Do'ü'rk^r-M'd 2 oücheu r Besprechungen über verschiedene Fragen und die FestsetzungdeS von Deutschland geschuldeten Restbetrages, der 20 Milliarden Goldmark, .deren Gegenwert.es piS-.Mt. 1,.Mai leistchi^hat. ->7- '.r.\;'v: Das Zollrigime IM besetzte« v Deutschlands April.. <Funkspruch.)v Das-neue, von km •toti* ralliie rte n K 0 mmi s s i 0 n' in. den Weinländen entsprechend den Instruktionen der verbündeten Regierungen' festgesetzte Zollregime, das demnächst in-'Kraft tritt, enthält folgende' '.Bestiinmüngeu: 1. Die o-U'den früheren Grenzen erhobenen Zölle werden d:e gleichen ^wie vor. der. Durchführung der von der -Londoner -Konferenz verfügten Sanktionen sein; 2. die an den neuen Grenzen von der Einfuhr in die besetzten Gebiete erhobenen Zölle!werden auf ein Viertel der au? Grund des deutschen Tamfes erhobenen herabgesetzt: 3. die bei der Ausfuhr aus den besetzten Gebieten nach dem zt 1#tllesetzte n T ent sch l a n d erhobene': - Zölle werden dieselben sein, wie, sie der-deutsche Tarif festsctzt, jedoch in Papiermärkr was ungefähr einem Fünfzehntel der'Zollausgaben in Goldmark entspricht. Was die Aus- und Einfuhr betrifft, hat die interalliierte Kommission in .den Rheinlanden beschlossen, daß die Beschränkungen seitens der. .deutschen Gesetzgebung vorläufig an. dersrüheren Grenze anfrechterhalten werden, daß sie jedoch auch : an. der neuen Grenz? a »gewendet werden sollen. Tie Kommission behält sich vor, auf dieses neue Regime Me Abänderungen anzuwenden, die sie für nützlich er«- achten' wird. Der Wirtschaftsausschuß der Kommission in 'Koblenz wird mir der Leitung des deutschen Aus- und Emsuhrdienstes betraut. Der Streik in England, Befferung dev Ls-e. ^.; Aus London wird berichtet, daß man. "dort die Gefahr eines Generalstreiks für abgewenbet ansiehtt Fast i« allen Distrikten ist eure Entspannungher Lage eingetreten. Am Samstag gab der Führer der Grubenleute. H 0 d g e. Befehl,' den Streik zu unterbrechen.-Er wurde fast in allen Sektionen befolgt und hie.-: ÄOeit'. an' den, Pumpen und Bentilationsemrichtrittgen. würde, wieder ausgenommen, so daß die^ Grobem vor weiteren Beschädigungen geschützt find. Mit großer Spannung erwartet , man den endgültigen Beschluß des Dreibundes über den GeneralsiW, der .jetzt hupch die gestern begonnenen VerhandlrrnM'zwischen den' - '' Grübeulrute» und de» Bergwerksbesitzen» triehep in den Bari,«.georüngt wird. Unter den. WinL -der - Wille, Lu he» .Streik . ein neues Angebot. | zu treten, etwas ins Schwanken gekommen zu sein. Dagegensind in Edinburgh, in Liverpool, .Derby und anderer: großen Jndustr'.e entren die Eisenbahner zu. 50 Prozent sehr streitlustig.. In.. Bristol fand eine große Versammlung der Eisenbahtt-arb'eiter statt, in der beschlossen wurde, einem Streikbefehl des Dreibundes Folge zu leisten. Eine in Birmingham veranstaltete Versammlung säß e folgende Nesölutiön: Die Ver sammlung verlangt' vom Dreihü-nd - die Ausgabe des Streikbefehls, doch 'soll die Streikaügelegenheit einem' Referendum unterbreitet/ werden.' " Muter verbreitet das folgende Regierungs-Com-' munique: Die Regierung'ist jetzt in der Lagei die Sicherheit der Kohlengruben zu verbürgen. Ein mit. dös:'Bergarbeitern getroffenes. Abkommen, wonach diese sich verpflichten, die Freiwilligen nicht e!tt^usch'üchtern, wird die.' Wiederaufnahme, der .Pumparbeite»'für eine kurze Frist ermöglichen. Die 'Einschreibungsstellen 7ür'Freiimlllge 'sind von Reservisten und anderen Leuten umlagert, die dem Rufe der Regierung mir Freuden folgen. Erzherzog Josef und Horthy über Ungarns Politik. . Paris, 11. April. Iw „Echo de Paris" vewssentlichtBe mefMe;M'UMr^ed»ng.,tuit Dr^hiF.ygAo-e'^. her M.M!:sichWmGW^/'W^^stgaim. volle MadMugigleMi' ' brauche u-W eiü^Mpbxragendes °Jnteviffc/darän 'besKe,; völlstandig von Desterreich getrennt zu i seini Auf die Frage Bennesons, vb der E'rzheezag, 'selbW-tz-?» -ungari-.i schem Thron annehmen würde, falls dieHnt'NLe ihren Wnsprüch. stillen liä^^rNderte Erzherzog . Ksef . aus-i weichend mit den Wörten, daß seine Vaterlandsliebe , ihm vor allem die Psllcht auserleg", Ungarn jede Unannehmlichkeit, sei es nach innen, sei, es nach außen, zu ersparen. Bezüglich des außenpolitischen Standpunktes, .'meinte Erzherzog Josef, werde sich gewiß ein Einvernehmen mit der Kleinen Eustn'e erzielen lassen. Der Haß u d. die Vo' eingerommenheit gegeuüberUngarn werde durch die Zeit besiegt worden. Nach dem Umsturz sei man in Ungarn zur Ueberzeugung gekommen, daß das Lebensinleresse des Landes eine Annäherung an die Entente verlange, vorausgesetzt,. daß der Geleitbrief' des Friedensvertrages nicht, ein wter Buchstabe bleibe u"d in der Zukunft Erleichh-'rungen dor drücken-' den Friedensb'edLnguugen gewährt wrrden.. Paris, 11. April. „Journal" veröffentlicht eine Unterredung mit dem ungan,chen ReichZverwser Horlhy, der unter, änderen:, erklärte, er vertraue auf. die Zukunft und auf die GereHligkeit, die das an Ungarn begangene Unrecht wieder gutmachen tverde. Von Liebe unter den Nationen zu. sprechen, sei eine Torheit. Die Interessen allein entscheiden über die Annäherung der Völker. Wer Ungarn Helsen könne und wolle, könne auf die Dankbarkeit Ungarns rechnen. Horthy sagte schließlich, Ungarn erwarte feine Stunde und werde wieder ein großer Staat werden. Ei« P«tschvers«ch in Wladiwostok. Moskau, 11. April. (Funkspruch.) Aus Tschita werden folgende Ein/elheiton über den w e i ß g a r d rstischen Putschversuch in Wladiwostok gemeldet: In der Nacht des 31. Marz habe» bewaffnete Reiter ü d Fußsoldaten das Gebäude der R ichlverleidi- . gung und das Hasenvier el Tags darauf wurden die Truppen der Republik des fernen'Ostens Herr der Bewegung. Die we 'chenden M u «rer wurden von japanischen Truppen ausgenommen, ihr Kommando b:gab sich in das Gebäude, des japanischen Stabes. ,Die.Waffen ' waren xvon Japanern beigestellt worden. Es verlautet, daß die Meu erer, fast durchwegs eh'mast^e Anhänger ^Semenow^ oder Angestellte der Japaner,' irr L n japanischen Kasernen der S.adt gesammelt worden seien. A»sfisch-r«mL«ische Verhandlungen. Bukarest, 11. April. (Funlspruch.) Die Verhandlungen zwischen Rumänien und Rußland werden anfansZ Mi m - Reval btzgim!e;s,' ' ■ ' " ' . Die Sicherung Oesterreichs. —7. Wie«, 12. Avril. \ ' Die parlamentarischen Schwierigkeiten., welchder Osterputsch des Exkaisers Karl in Oesterreich'verursacht hatte, sind im Schwinden. Die Sozialdemokraten haben in einem Initiativantrag verlangt, datz. das Aus«, Weisungsgesetz gegen die habsburgische Dynastie durch Strafsanktionen verschärft werbe. Der Widerstand gegen diesen Antrag ist ziemlich allg.'mein. Die.beste Ssch^-j-, rung - der Republik liegt in dem Empfinden der OsifenL?^ lichkeit und da die überwiegende Mehrh.it. der'Devöl-!.- kerung den Nestaurationsversuch abgelehnt hat, ~ ^0--'. würde.sich die Schaffung - eines solchen GefltzeS er»', übrigen, dem der odiose Charakter -eines "Astsnahms''^ gesetzes anhastet. Die Parlamentarischen Kreise sinhH übrigens bestrebt, aus dieser Frage keine StaatsaktiM^ werden zu lassen, und die Volksvertretung-.'stehi'^/gegen--. wärtig vor viel wichtigeren und badeutsarüeren AÜf^- gaben. Die Hilfsaktion für Oesterreich ist in Muß. kommen und die Kommission.des Völkerbunds,, welche, die Angelegenheit in Wien selbst untersuchen und mit. der Negierung sowie, mit. den Vertreten der probst^ zierenden, uwd erwerbenden Klassen durchberaten sollhat bereits ihre Pläne entwickelt. Zugleich tagt m Rom^ die Konferenz der Sükzessionsstaaten, deren Arbeit, dee^ Ordnung. der/Licsmdierungsfrage, gilt und die daß uktz^ fongr.'iche Pensum in mühevoller und..'ervstw. Weife ''z«l , bewältigen trachtet. Diesen. Aktionen kochrnt,'iy' wiss.m Sinne die Entwicklung OesterreiM /./zu/.WWr,->.' Zweifellos verfolgt dir wirtsHastliche ''üufwärtssteigerche RWüM Hs tigt,. die Arbeitslosigkeit/hat 'noMeitafsen.W-h.^hadyl^''''- hat sich ätlch die unheiwolke Sparlnuntz 'gelockert,^ die/M / longe Zeit unsere. Oeffentlichkeit^^ in Atem gehalten' .Das geschäftliche Leben l.ädet im'Augenblick sehr stark' " . unter, der vom Ausland 'hereingedrungenen Stasnytio^' es besteht aber - doch die 'Tendevz 'der Besserung,^die..Dl^ erhoffen.läßt) daß selbst die hinter den ErwaAunge^ zuvü ckbleib ende Kr Mithilfe der Entente 'den Anstoß zup. innerlichen Befreiung Oesterreichs bringen wird. - ' J, , Es kommt alles darauf an, ob Oesterreichimstand^ sein wird, di.se Zeit in politisier Ruhe zu überdauern<- Das Zentrum Oesterreichs ist. in gewissem. Sinne - M einem europäischen Handelszentrum geworden, N^s auch' seine politische Bedeutung je länger je starker hervor* treten läßt.. Wien ist nach wie vor ein Hauptunischlag-, Platz in dem Handelsverkehr zwischen Westen und. Osten» Angebot und Nachfrage haben sich hier an der.DonaE cWen Konzentrationspunkt geschaffen. Der Verkehr läßtsich. auf die Dauer durch Chauvinismus. nicht unter«, drücken und auch nicht an vorgeschriebene . Entwick°! lungslinien binden. Er sucht sich selbst, seine Wege und bleibt, wynn dies möglich, in den Bahnen, die ist jahr« hundert.'langer Tradition entstanden sind. Keine andere, Hauptstadt in Mitteleuropa verjügt iib'c so viel. Erfahrungen, Einrichtung und Zufahrtswege wie.Wie»' und keine andere Hauptstadt besitzt eine den Anspruchs, so entgegenkommend geschulte Bevölkerung. Daraus er«- geben sich Verpflichtungen sowohl für die Staaten, wllchtz' Wien äüfsuchen müssen, als auch für die Regierung^ dieses Staates. Daß Wien erhalten bleibt, ist/hsuts^ durch die Verhältnisse bereits in bejahendem Sinn ent«! schieden. Daß es seine weltwirtschaftliche Funktion nn«! gestört ansübt, liegt im Interesse ganz Europas, dessen' Gesamtwirtschast durch die Absperrung Rußlands eiw» beträchtliche Niveauverminderung erfahren hat. Die Erfahrungen der letzten Zeit lassen erkennen, daß'Äesrev»! reich politischen Extravaganzen abhold ist,' sie' lassen abexs auch erkennen, daß in den RestauratlonsbestrÄbunge» seiner Nachbarschaft große Gefahrenquellen für deU Frieden Europas liegen. Man weiß heute aus d.r Rede des Kanzlers selbst, daß, die Gefahr schwerer Verttück« lüngen für Oesterreich außerordentlich nahegerückt war' und'daß der Zusammenstoß der kleinen Entente mst^ Ungarn für Oesterreich den Krieg bsdeutet hätte. Dies«' Gefahr ist noch nicht beseitigt. Der Ausgang des Königs-. putsches hat in Ungarn die Part.ien von neuem aufs gestört und bei den bekannten Verbindungen der reaktionären Elemente hüben und drüben wird es W schwer, vermeiden lasten, daß auch Oest.rreich.m sie Wirren hinemgezogen wird^ Die Entente zeigt de« Willen, Oesterreich beizuftehen. Sie muß aber auch d« im Friedensvertrag verbürgte Unabhängigkeit Oester.^ reichs wahren, mdm sie die ungarischen MrenfeiedK