Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 792 (11.4.1921)
- Date
- 1921-04-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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(Tcl.-Komp) Heule, Montag, wie der »Petri Parifien meldet, eine Konferenz latt, an der der Präsident der Wiedergutmachungshommijfion D u b o i s, der Finanzminister D oumn Md der Minister für den Wiederaufbau L o u ch e u r teilnehmen und in der der Termin festgesetzt werden soll, an dem die. Wiedergutmachungskommission die Gesamtsumme der von Deutschland zu zahlenden Entschädigung bekanntgeben wird. Die Kommission wird ferner sestzustellen haben, wieviel Deutschland auf die bis zum 1. Mai abzuliefernden 20 Milliarden Goldmork bisher gezahlt hat. Noch demselben Blatte soll eine Konferenz von Sachverständigen sich mit der Prüfung der Zwangsmaßnahmen beschäftigen, die gegen Deutschland vom li Mai an angewendet werden sollen. In Frage kommt hiebei vor allem eine 'B e st e u e r u n g der Ruhrkohle, wooy man sich ein ansehnliches Erträgnis verspricht. Neue denLscheVorfchrSAe ««Frankreich. Bern, 10. April. (Priv.-Tel.) Wahrend seiner Durchreise durch Bern wurde Neichsmmisier Tr. S im ons von einem Mitarbeiter des „Malin" interviewt. Doktor Simons erklärte, er glaube, daß sich.Deutschland direkt mit Frankreich über die Wiedergntmachnngen verständigen könne und bei Verhandlungen zwischen den beiden Hauptbeteiligten sich eine Einigung erzielen lassen werde. Die Pariser Blätter glauben in dieser Aeußerung und. in einer:.halbamtlichen Note aus Bern Anzeichen dafür zu finden,' daß- Deutschland * wahrscheinlich noch vordem 20. April neue Vorschlägemachen w e rd e. . ^Zaris, 10. April. (Funkspruch.) Die interalliierte Kommission in den Rheinlanden , hat, entsprechend den Weisungen der. Londoner Konferenz, das neue Zollregime ' geregelt. Es wird am 20. AM . m Kraft treten. . A•> - * .-.V v Äusftchr attf MrinerdAng des GeneraLstreiks. Der Kompromitzvorschlag Der Stegierung. Lo«do«, 11. April, (Tel.-Komp.) Heute begittnen die Verhandlungen zwischen den Bergarbeiter« und den Grubenbesitzern, an der ckirch Bertreler der Negierung, wahrscheinlich Lloyd George selbst» teilnehmen werden. Mnf jeden Fall wird auch Finanzminister H srne den Beratungen beiwohnen. Man glaubt, daß sich die Regierung bereit eMaten wird, die schlechten oder gar nicht ertragreichen Gruben vorläufig mit Staats- Mitteln zu unterstützen» damit in diesen Grube« dieselben Löhne gezahlt werden ASnrre» wie in de« ergiebigen. Die Verhandlungen mit Lloyd Georg. London, L. April. (Reuter.) Heute vor- Mittags hatten die Vertreter der Eisen ahner Änd der Transportarbeiter eine lange Änterreduugl mit Lloyd George. Es wurde keine Mitteilung darüber veröffentlicht. Man tlanbt jedoch, daß wichtige Schritte zur Viederaufnahme der Verhandlungen zwischen de« Grubenbesitzern und den Bergleuten Änteruommen wurden» die zu der Hosf> nnug berechtigen» daß sich die Katastrophe eines Industrie krieg es «och «erde vermeiden lassen. Die Frist von vier Tagen, die vom dem Arbeiterdreibunde, de« Bergleuten, Elsenbahner» und Transportarbeitern, vor dem angedrohte« Streikausbruch gestellt «nrde, hat eine Entspann«« i und eine beruhigtere Avsfaffnng in der Bevölkerung b wirkt, bei der die Nachrichten vom Donnerstag auf Freitag ernstlichen Pessimismus hervorgeruseu hatte«. 1 Heule nachmittag« begaben sich die Mitglieder der unabhängigen Arbeiterpartei im Unterhause nach dem, Sitze der Eckenbahnergewerkichast, wo die Abgeordneten des ArbeiterdreibundeS versammelt waren. Die Iluter- Mmig zwischen den Abgeordneten nnd den Delegierten betraf die für eine friedliche Lösung des Streitfalles ins'Auge zu fassenden Maßnahme». Aue zweite Konferenz fand heute nachmittags zwischen de» Vertreter« der Eisenbahner und der Transportarbeiter einerseits sowie Lloyd George und den iMWedM dev ReversW andererseiLs statt. Die B«- Ireter der Arbeiter überreifsten Vorschläge des Exckütivausschvsses' des Arbeiterbreibundes. Lloyd'George verharrte in der Frage der Entwässernngspumpen in - seiner! Haltung. Die Ergebnisse der Konferenz bedeuten nur einen geringen Fortschritt zu einem Ueberenikvmmen, . dock' bestcht immerhin die Möglichkeit zu einer dritten Zusammenkunft. -Aus den Gnibengebi'etcn werden einige Zwischenfälle und von verschiedenen Punkten eine gewisse Erregung gemeldet, die durch die Einberufung^ der Reservisten verursacht ist. Im Nhendda-Gebiet ist heute; ein Kohlenzng angehalten worden. In verschiedenen.' anderen Orten kam es zu Plünderüngen und Diebstählen im Zusammenhang mit dem Ausbruch von Bränden. In Newcastle wurden die Telegraphenmasten zerstört. , London, 9. April. (Reuter.) Rach der abends beendeten Besprechung des Arbeirerdrelbundes erklärte ThomaS, daß man folgendes v er,ei nb avt habe; 1. Die RsgrerÜNg werde für Montag vormittags ei n e -Konferenz der Vertreter des Bergarbetterverbündes und der Grubenbesitzer elnberusen, nm d.e fttSttigen Fragen zn besprechen» 2. Der Bergarbßiterverband werde abends alle seine Sektionen ausfordern, sich jeder Handlung zu enthalten» die geeignet wäre» die zur Iustandhaltnng der Gruben notwendigen Arbeiten zu verhindern oder die Regierung zur Anwendung von Gewaltmaßnahme» zu zwinZen. Verurteilte Sinufeiuer. London, l l. April. (Tel.-Kvmp.) In Liverpool sind fünf Sinnselner zu Strafen von fünf bis zehn Jahren Gefängnis wegen Jnbrandsteckung von Büuernhöfen verurteilt worden. Exkaiser Karl geht nach Spa«!««. Luzern, ’ 10. April. (Schweizerische Depeschen- Ägentur.) E x k a i s er K a r l st ehr derer t S i n Unter bau dl u « g e n b et reffe n d feine Auf n a h m' t i n t i n c m o n b e r e n Staat e. Paris, 10.Äpri!. (Priv.-Tel.) Aus Madrid wird gemeldet: Das SLaatsministerium hat erklärt, die spanische Regierung habe Exkaiser Karl »icht vvrgeschlagen, nach Spanie» zu Übersiedel». Es sei wahrschein- Lich, dsß Angchvt von tmm Mitglied der köMliche» Familie anSgehe und aus begreifliche« familiäre« Gründe» gemacht worden sei. Y Basel» 10. April. (Schweiz. Dep.-Ag.) Die N«iev-s suchung über die Ans reise des frühere« König» Karl hat bisher kein positives Ergebvi» gezeitigt. Dagegen wurde festgestcllt, daß der Besitzer beij j p a nisch ’c n Passes, mit dem angeblich der Exkönig' däs Land verlassen haben soll, von Basel tatsächlich ab! gereist ist. _ , Oberschlxsie« wird getellt. - VeEn, 10. April. Laut einer Warschauer Meldnn^ des „Eastt Europa habe Lerond vor seiner Abreise nach VariZ potnisäzen Prsssevertretern erklärt, daß die Teilung Oberschlefiens - z u min d e st n a ch d e r K o r f a v ty» Linie e rst o l g e n stve.rde. Das Industriegebiet mit oe» Bezjrken Nybnik, Pleß, Kcrttowitz, Benthe« uyd. einem Teile von Gl ei Witz und Hin den barg werde an P o len fallen. Nur der Teil von Kreützq bürg werde bei Deutschland bleiben. Teleki bleibt Ungar« erhalte«. . Bsdapest iv. April. (Pri«.-Tel.) In der poli^ tischen Lage ist noch stmmer ftme. Aenderung eingett eten.! Abends batte her gewesene AäerbauMinister NubstRek eine einstündige Konferenz mit dein' Gouverneur. ■ Er gewann den Eindruck, -daß die Krise, binnen kurzem gelöst >ein werde. Allem Anschein nach»erbe Teleki Minister«^ Präsident bleiben, nur in der. Zusammenjetztzng ftÄ Kabinetts werde eine Aenderung eintreten. Stephan Friedrich wegen MiLhilfe der Ermordung Tifzas angeklagt. Budapest. 10. April. (Urig. Tel-Korr-Bur.) Vor dem Strafgerichtshof beginnt Dienstag die Hauptverhandlung in Angelegenheit der Ermordung des Graferv Stephan Tisza. Im Sinne der Anklage werden Paul K e r.i und Ladislaus F e n y e s als Änstister^ Marcel Gärt n c r, Ladislaus L e n g y e l und! Eugen D a g o - W i l h e i m als Mitschuldige vor Gericht gestellt. Gegen Stephan Fried r i ch hat die! ursprüngliche 2lnklageschrift des. Sraatsanwalts keine Anklage erhoben mit der Begründung, ddjz hiezu die!vorliegenden Daten nicht ausrelchen. Mit Rücksicht aus die im Laufe der Verhandlung vor dem Militär» gericht aufgetauchten neuen Momente hat sich jedoch die Staatsanwaltschaft. zur Einreichung einer Zusatzanklage veranlaßt gesehen» worin StephauFriedrich der Mithilfe an dem Morde beschuldig» wird. Die Verhandlung wird mehrere Wochen M Anspruch nehmen. ‘ :; Der „Temps" über die Tätigkeit de« Sirparationokommisfio» in Wie«. In einem leitenden Aufsatz über die östev^ rei ch i s ch e Frage und über die Vorschläge ders Flnanzkvmnnss'on^ zur Wiederherstellung normaler' wird-; schaftlicher Derhältniise in Oesterreich führt der PariseÄ: „Temps" unter anderem aus: . ' Es handeltsich nunmehr darum, daß alle dies«. Prosekte auch wirklich ausgeführt werden, und das istz auch dasjenige, was das Finanzkomitee von den ver«t. Kündeten Negierungen fordert. Eine Vorbereitungsmaßa. nähme in dieser Richtung ist bereits ergriffen worde«n Die Repara tions ko mMission beruft ihre öfters reichische Abteilung, deren Personal wesentlich cheraba gemindert werden soll, von. Wien ab und soll ihre Tätigt keit in Paris fortsetzen. Dies gibt die gewünschte Ge^ legenhcit, den Delegierten der Neparationskommissio« in Oesterreich, besonders den Mitgliedern Kloöu> k o w f k i und Sir William G o o d e. wie auch einige« ihrer Mitarbeiter, wie Herrn de Mo nep,'Gerechtig-s seit widerfahren zu lassen. Es muß als ihr Vcröienstj! anerkannt werden, daß sie stets die Wahrheitüüer. d.i e La g e, O e st e r r e i ch s verkündeten und in ihre»' Berichten zum Ausdruck brachten, obgleich es an mancher Stelle, nicht angenehm, war, die Wahrheit zu höre«.' Es bleibt'auch ihr Verdienst, für die Lösung des öfters reichische« Problems Vorschläge erstattet zu habe«, div sie als di« einzig wirksamen Maßnahme« erkannte«^ und eg ist nicht ihr Fehler, daß diese ihre Dorschläg» uitfifc die SNts^röchende Würdigung gefunden habe«. NaH