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Wiener Morgenzeitung · 1921-04-08 · Heft 789 (8.4.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 789 (8.4.1921)
Date
1921-04-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Hie Koalition zwischen den kleinen Landwirten und den Galgenchristen ist im; Zerfall: und der Bäuernvertr.ter im: Kabinett, ■ Minister Szabö, . hat: demissioniert :Der' Anlatz zu'dieser Krise. liegt , unmittelbar. in den vorgestrigen .Ausführungen des Äußennlinift.-rs Dr. Grah üher die Demarchen der kleinen^ Entente und in.feinen persönlich yerletzersdw Angriffen, auf.^.den tschechischen; Minister Benesch. anderers D -irr^ dw. v-VetöffeNtlichustgl her AüWedsproklamation des/Exkönigs- Karl. .Es sind ayo .reinpolitische Momente,! dje^ die Krise schön .letzte ausgelöst haben.'. Darin komcht - der Unmut der. O.F.ent-/ Mkeit über die Behandlung der Putschaffäre durch die Regierung Horthys und Telekis zum parlamentarischen Ausdruck. Die Politische, Entchickl-nng - Ungarns und nrit §>r naturgemäß auch seine wirtschaftliche Wertung im uSland wird sich in-der nächsten Zeit, ganz unter dem Eindruck der Nachwirkungen der -Karl-Affäre vollziehen. Ärsd es ist selbstverständliche Pflicht der Nachbarn Ungarns, diesen Dingen mit schärfster Aufm^ksamkelt zu folgen. Es! scheint, daß die kleinen Landwirte-nunmehr entschlossen:-sind, die Frage der Königswahl restlos auszurWn und zu Ende zu führen. Das-unwürdige Spiel,: Ms-die Kreis? um Horthy mit der von ihnen für heilig aüsgcgebetten Person des. Exkönigs getrieben, haben, Mßt? nicht nur iwUngarn,.sondern auch außerhalb dieses: NHykstchfichen. Landes,.- .das Gefühl des Ekels hervorveulschlM ' em ungeteiltes Pe-chrch NE-^.r. GeMHe. um.drei Kahre zuiÄckZL.j.allen und Äe Devolution! für ungeschehen zu exklären. Wenn Ex- Wig Kar! konsequent handeln wollte, so mußte er das We.monarchistische Kabinett! seiner A:ra, die Regietjrng des Grafen Hadik, einberüfen, die aus fünf Liberalen und drei Sozialdomokraten bestawden hatte. Er hätte ferner den alten Reichstag- 'betnie aufgelöst wprden ist. wieder zusammentreten lassen müssen. Das Ware der Bürgerkrieg gewesen und . die Nationalversammlung hat sich dieser Gefqhrentgegengest.mmt, in- «!tn sie das Austauchen des Exkönigs als. ein Störung, her Entwicklung Ungarns erklärte. Die in sich gespaltene Regierung' versucht? zwischen den kleinen Landwirten und den Karlisten zu lavieren. Aber dieses Konzept der Heuchelei wird ihr nun verdorben. Die Regierungskxise ist ein Anzeichen dafür, daß cs' zwischen dem Mörderpack der „Erwachenden- Ungarn", die sich jetzt kdsn zwanzigjährigen' Erzherzog > Albrecht als Führer verschreiben wollen, und den kleinen Landwirten zum Bruch kommt, und daß vielleicht jetzt die R.inigung Ungarns von den vergiftenden -Miasmen der christlichnational tuenden Weltbctrügerei beginnen wird.- Die unglaubliche Korruption - des;«ungarischen öffentlichen Lebens enthüllt sich in ungeahnter W.lse und es wird nicht lange mehr möglich sein, die Valutakunststücke des Kiyayzministers HegedüS hinter dem bergenden Vorhang der Biederk.it' und Ritterlichkeit des Horthy- Systems vor sich, gehen zu lassen. Der Reichsverweser hat die Gelegenheit des Karl- Pytsches wahrgenommen, um in ein.m Interview mit Karl von Wiegand, dem Vertreter der New-Iorker „Hearst-Presse", wieder fei.rljch gegen die Beschuldigungen zu protestieren, daß es in.Ungarn einen weißen Terror gibt; nur Bolschewiken, ’ meinte er, könnten efwaS derartiges erzählen. Tie ' ungarisch? Regierung hat Ht jeher diese Methode des Ableugnens befolgt und dort, wo sie nicht anders kennte, arst das kurze Gedächtnis'der Welt spekuliert. Man weiß nichts mehr, von den Mördern der „Nspszava"-Redakteure, von dem Full Hamburger, von d.m Fall Landau, von den Leichen im Pa'her ' ^c ' s' - als Horthy sich in die Bnrst warf, ließ der Exkönig. Karl die Kerker rn. Steinamanger öffnen und verschaffte. den dort schmachtenden Kommunisten die Freiheit. Er ließ erklären, . daß. er entschlossen sei, den weißen Terror zu brechen und, aus allen Schichten des Volkes ein? Regierung, zu blden, die in Ungarn die Garantien des Gesetzes tvieder hersteyen solle. ES ist kein Wunder, daß sich daS Horthy-GLmdel 'zur Wehr setzte,' weil sS/frch vor der Gefahr sah. daß ihm die so reich fließenden LimLim iemer Emkünfts verstopft werden mch .daß es ,' Ü«,. 7. April.! MöU.) Die. bentfche Regierung h.ät.hLü'MgÄvrtngen,d«r, Entente und der J-n1eral.iierttn Ksnimission in' Opein eine Note in 8Lr - oberfchlcsischen Frage, 'übsrzepen'. .Sie. wM in: dü fev Pöte dürLuf. hin, daß; ihi.Vbei Abstimmung, vom W.'.Wch.".-tzas/- öüerichiefische Land sich'mit fast Zweid.ftL^.lmehrhert sciner Ernwöhüer und mit! der. tWrwiegendbn'M hrl,eft fei.-.er Geinemken: dafür * entschieden hat,, ber Hern' Deutschen Reiche zu 'ble'.ben. ' . Die No.e stetst fchl'.eMch den Antrag,, das gesamtL r-erschtesische. -A stimmü'gsgeü'.et! unget ilt \. &e;n. Deutschen:ÄeLche'zuzusp echen. und sch i ßt: D e deutsche' Regierung sletlt. dieses Antrag in dev festen Ueberzeugung,' daß Otersch'esiem ebensowenig ohne Deutschland leben kann, wie - Äsürschlano ohne. Obe'rschlesien. nicht in der Lage le'n würde,' sich 'wirtschaMch, zu erholen und seine Leistung^sDigleft wieder zu gewinnen- Jede andere Lösung rvüM auch dem Friedensvertrag . ^uwider'lau^en, der. ich Mgensatz: 'zu den Vorschriften; über d'e Äbstimmu^g in Schleswig eine DcilungSmöglichleit nicht vo'rsieht.' Dft' ZüLeilyyg ' des. •' gesamten ooerschHischen Gehie'es an Deutschland chirh 'eine^ stärle polnische Minderheit..in'chresem 'TerKe/.besl^aÄös 'be-- etne weit größere Minderheit von mehp als -S0Ü.6VV Deutschen von DeütsMand kvsgerisftn wurde. Die deuLsche Rmie'ung wtt'be. ^sich ferncr.rerP'l'cht''N. Dolen untervormqfweisen. Bedingungen-', Ke -. - für, s?ine.Wirtschaft erforberUche K?hle und Wstige! Echeugn'sse ans Db-^sch^es'en zu kiefern/ solange! das' üb^r^üs reiche polnische Koblenaebiet noch nicht e '^ch'ösftn ist. AnSwei'l'ch einer <eich'ei^^ überv'icht^n Kar'e. die auf G'sta.ch>n polnischer u^d öste"veich'scher Geolpqen b ruht, ist dieses Polnische Kob^enaebiet um' mehr als' die. Hälfte größer als der Anteil, den Obe^schlesirn,im Stchnkohlenbecken be'cht, u"d enthalt alle lim d'e'Industrie erforderlichen ^-oh^ensorten! Die deutsche R-gi?runa w'»rde^a"ch bereit lein, weitgehende Hil^e b?ider Erschießung 'di-ftr im polnischen Gebiet gelegenen Bodenschätze zu.leisten. England fiepen Me Teilung Ober« schlefiens. Wsrkck!»««. 7. Av' sl. . D<> „Garcka Wa's'aw'sa" vf Slsenlli^'t ein Tckmramm ibrrS Korresvond-ntm, wonach das enoli'che Kabinett a g e n eine Ana l, t b t* Vn n «, des obl-rs ch lr fischen Industriegebietes an Polen sei. Das Industriegebiet an Pake«. Warf^-*. 7. April. (Tel. der „Wiener Morgenztg/".) Der französische Oberkommissär bei der Abstimmungskommission, Herr Le ro u-x, hat vor seiner Abreise nach Paris' die polnischen Journalisten empfangen und ihnen' erklärt, daß die' Teilung Oberschlesier,s zumindest nach der Linie Korfanty erfolgen werde. Dcis Industriegebiet: mit den D-zi kru R Y b nrli P!e ß, K rtt o w itz, Ne«the n, einem Teil von Gleiwitz und Hindenburg (Zabrze) werde an Polen fallen; nur der Teil von K reuzbur g werde bei Deutschland bleiben. Verurteilung deutscher Journalisten in Oberschlesie«. Bcuthe«, 6.April. (Wolfs.) Der Verband der v b e r s ch l e s i s ch e n. P r e s s e hat an den Präsidenten * her interallttsrM RegierungSkommisswu Leren^ nachfolgendeZ ProteftschreIben gerichtet: Am 5- .Aprils! hat das Sondergericht der interalliierten Kommisfiouj, .gegen v i e r. dc u t s ch e R -? b a k t e u re oberschlcsische« Zeftungen ein Urteil gefällt, gegen das wir wegen seiner Schärfe Protest. einlegen, umso mehr, als-alle Verurteilten, wie auch der Gang der Verhandlungen ergab, bei der Verös entlichung der Nachricht über bi«j Schließung deVWarschauer Börse im gute»! Glauben gehandelt haben. Diese falsche Meldung hatttj' nach chem dauernden Fallen der. polnischen Valuta oh'nej Zwe-sel viel Wahrscheinlichkeit für sich. Indem wirs gegen die Verurteilung unserer Kollege» Einspruch er^ heben, bitreu wir Sie, Herr Präsident, das interalliiertt! Sondergericht zur Ausnahme eines Revisionsverfährenßi veranlassen zu wollen und der Presse die ihr rrötw-endia«, Freiheit zu gewährleisten. . .! -: - Briand über de« Wteder«fLsT..- Paris, 6. April'. (Hävas.) Im Senat erMr^s-. Briand in bezug auf die im Kriege verwüsteten.Ge-ft ..biete: Es feie» Ziffern und Tatsache» Vorhänden, W-,! man den Freunden und Verbündeten mltheilein - gibt es dort 41ÖO OOO Einwohner. Welch eine Genug^-' tuurg für uns/feststellen zu können, baß diese Franzssen<jdie so viel gelitten haben, mit vertrau7Nsvol"em Arbeit^' willen in ihre Heimat zurückgekehrt sind. (Peifä!k.D De utschland behauptet, daß wir nichts für' feeitj'* , SB-f e de r a u fb a n getan hätten. Bis jetzt haben, itim*'; unse 'e Bauern auf einem für seine'Bestimmung nahezu' unbrauchbar gemachten B?den 98 Prozent desdurckE" den Krieg, verwüste'«»' DvdenS 'einceehnet und 8V Pro--i , zent d'eler Oberfläche dem Anbau wicdergeaeben. (Leb-j: Hafter Beifall.) . , ' Wad die I n d u st r i e: änlangt, sind 60 Pyozeutt der Fabriken wieder in Betrieb. 99 Prozent der W-»' störten .Ei send ahn lin ien sind wieder hergrstejlW' 80 Prozent der zerstörten Kunstbauten wieder" aüs^ ' gebessert worden. Die deutsche Negierung. weist bk$\ und dennoch hat sie die Kühnheit, s» weit zu gehen^ einem Frankreich Vefveundeten Volks zu insinuieren^ daß' F-a^krsich feine Wunden'offen um den Haff! in der Welt zu verewigen. Solche Behauptungen dienen gs^ keine B-achiung- 1;> Die Entscheid««,» über die Krirqrfchnihe« auf ein Jahr verschoben? , Paris, ft. Avril. lPr'vM Die ans New-Mrk pemeldttz, wird, toll die ame ikan sche Reg eiovg beschlossen haben, d'e (ünW scheidung in der Fraqe der Schulden der aklüertm Mächte brS>! April 16Ä zn verschieben. Auch d'e Mlüng der Jntereffe» soll) i bis z« diesem Zü'vunlr snSpendirrt bleiben.! Dela Statt OberkammrsiLr btt Steine« > Berlin, 7. Aviil. Wre die Blätter an? HelnnoforS.mrlde«^! ist Bela K « n zum Oberksmmiffär der Sowjelregieums m bt$: Krim ein mnt worden. AuflöItsn$ der ttallsnlsche« K««mer. .Bo«, 7. Avril. (Steiani.) Die Kammer der Abgeordpeesj^ i »mnde miirelS Del»eis auftelöü. Die Neüwchken werden für de»! lS. Mai anberaumt nnb der Seuat sowie die «gewählt» Kamme« für den N. Juui nvSerusrn.!)', ii-i. mit Freuden die Intervention der Tschechen uttd Iugoslawen akz.Ptierte. Es wäre schwerlich dem Exkönig Gelungen, die Monarchie wieder aufzurichten. Die Welteytwicklung ist solchen Experimenten nicht günstig. Die Luft ist für Monarchien seit dem Weltkrieg zu scharf geworden. DaS Beispiel des Königs, Konstantin von Griechenland b.»weist nichts, denn dieser' König ist auf Grund, rmer BolksabsiünmunL in LvK Land Lekommm^ - und er wird eS wahrscheinlich wieder bald verlasse«' müssen. Aber darin, was über das Programm de§ Exkönigs Karl bekannt geworden ist, liegt die schärfsts > Verdammung des heutigen Derwesungsfystems »ich' zugleich der Grund dafür, daß die Budapester Patent«' Monarchisten den Träger der St?phanskrone wie einer^ Vagabunden b?Landelten. .- ^gaBÜBHS^ -3 76

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