Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 786 (5.4.1921)
- Date
- 1921-04-05
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 786 Wien, Dienstag Wiener MorgertKeiLung 5. April 1921 Sutttb üegab firfi um Mitternacht Politeikomttnfsär ■Üciü ijcij in das (Safe, von mehreren Kriminalbeamten. gefolgt, die vorerst ans der Straße blieben. Die kVerkkidung ermöglichte ihm, bis indas Cafä zu kommen. Schon ivvllte er unerkannt die schmale Treppe hinansteigen, die Zn dem abgosondertön Naurne, in dem gespielt wurde, führt, als ein Markördem der Gast doch bÄenklich v orgekonunen sein mag, ihm. eilends folgte, Und ihn an dem BesteLgen der Treppe hindern wollte. In dem kurzen Bemühen um den Weg zur Treppe büßte Kommissär D'r. Lewisch eine« Zipfel seines kUederrvckes ein; er konnte aber ungehindert die Treppe hirianfeilen: aber das Getümmel des kurzen Widerstandes hatte die Spieler oben gewarnt und sie steckten b l i tz s ch n? l l die großen Beträge ein, erhoben sich von den Sesseln und wandten sich zur Flucht. Nur ivenrgen gelang die Flucht; die anderen wurden von den indessen ins Lokal gedrungenen Kriminalbeamten daran gehindert. Dr. Lewisch selbst vermochte, eine Anzahl Gäste, die zum Teil ihr Leibesumfang an der Flucht hinderte, festzuhalten. DaZ Kaffeehaus wurde dann gesperrt. A«f dem Spieltische wurden die 104 Bakkaratkarteu gefunden und beschlagnahmt- Die beim Spieltisch Betretenen wurden ins Sicherheitsbureau gebracht und dort einvernommen. Eine Anzahl legte das Geständnis ab, daH Bakkarat gespielt wurde; mehrere andere blieben steif und fest dabei, das; sie nur Ecarts gespielt hätten. Sv'beit ans den Aussagender Zeugeir hervorging, yaiiten sich an dem Spiel beteiligt: Der '40jährige Buchmacher Hermann Goldstern, der 56jährige Kanfstrann Otto Löben stein, der .Kaufmann K u x, der Kaufmann Hamb u r g e r. der Bankbeamte Wilhelm Holzer, der Buchmacher Leo Reich, der Weinhändler Schick, der ^Rittmeister Weiß u. a. Geld wurde auf dem Tische nicht beschlagnahmt. Der Bankbeamte Holzer hatte Nock und Hut im Stich gelassen und sich von einem Markör Hut u-nd Rock ausgeöort und den Markör bestimmt-, seinen (Holzers) Hut und Rock als sein Eigentum zu reklamieren, doch kam die Täuschung auf. Da aber in dem im Stiche gelassenen Rock die Wohnungsschlüssel Holzers waren, war der Beamte in der Nacht zum 4. b. M. ohne Obdach. Gespielt wurde um hohe Beträge. Die Einheit des Satzes waren '500 K. Pointiert wurde dann immer um ein Vielfaches der Summe. Die Aufhebung der Spielpartie hat trotz der späten Nachtstunde großes Aufsehen verursacht und viele Leute standen vor den: Kaffeehaus. Gegen bis Spieler ist die Strafamtshanblung eingeleitet, ebenso, gegen den Markör, der den Kommissär zn verhindern suchte, in das Spielzimmer zu dringen. Der Frschzsg durchs Ferrftsr. Am letzten Donnerstag wurde iw H«ufe, IU., Unten Viaduktgasfe 43, ein Mann beobachtet» der von eine« Ganglenster a«-. das er erbrochen hatte, einenSchlafrock stehlen wollte. Der Manu sprang, als er sich entdeckt sah, durch er» Fenster in den Hvf und von dort über eine Mauer. ia de« Hof des Hanfes Hansnlaaffe 4. wo er festgenommen wurde. Bei seiner Anhslftmn hatte der Dieb einen etwa 3 m langen Eisendraht bei sich. Der Draht diente ihm als Angel, mit dem er sich leine Denke durch das Gangsevster zu holen pflegte. Der Verhaftete ist der 47jährige beschäftigungs- und unterstandslose Kutscher Michael U l r i ch, der schon zahlreiche Strafe« bis zu drei Jahren schweren Kerkers verbüßt hat; er gab zu, seit seiner Entlassung aus der letzten Strafhaft zahlreiche Diebstähle dieser Art verübt und mit dem Erlös fein Leben gefristet z« haben. Ulrich, der vom Brürksgerickl Margareten wegen Diebstahls gesucht wird, wu:de dem LandeZgcrichte Wien l wegen Gewöhn» britsdiebstahlS eingeliefert. Drei MMorrerr Krone« gestohlen. Jrmsbrncke, 3. April. Samstag gegen 7 UhrabendS erschien im Bahnhvsposiamt rin unbekannter Mann, Um einen eingeschriebenen Brief auszugeben, und benützte die momentane Abwesenheit deS Schallerd'.rnfi versehenden Poftorgans, um die Kaffenbsuhr im Betrage von bl 2,933.1300 Mittels eines Spazierstockrs ans dem Dienstraum an sich zu raffen «nd mit dem Rüvh.z» verschwinde« Hie Goh«ungs«ot in Budapest. Budapest, % April. (Ung. Tel.«Kor.-Bar.) Die heute erschienene neue Wohnungsverordnung Bereit die neue« Gebäude von allen Einschränkungen. Eine Wohnung können jedoch auch künftighin nur jene erhallen, die in Budapest wohuberecht igt sind. Wohnungen oder sonstige Lokalitäten dürfen nur aus Grund einer behördlichen Wohnungslizenz bezogen werden. Die Durch' -uhrnr.g der behördlichen Wohnungsrequirierung wird durch die neue Verordnung gemildert. Kleinwohnungen dürfen außer deu im Mai des Vorjahres bewilligten 30°/« um 60"/» deS am 1. November 1917 gütig gewesenen Mietzinses erhöht werden. * Unpolitische jüdische Tischgesellschaft Wiede«. , Margareten. Gründungseibend morgen, 8 Uhr, im Ca<6 Alt» W-en, V., Wiener Hauptstraße 89. Bortrag Dr. Wolsaang W e i s U Die Erziehung der itldfchen Jugend. Anschließend grfelligrt Teil Gäste herzlichst willkommen. * Blatter» »«d Flackthphrrs in Sestenrrich. Beim VeEgesiwdhe'.tszmt im Brmdrsmmisterium für soziale Ber» walkuvg sind in der Woche «vm 30. bis 28. v. M. keine Ren» cnrlmknngm an Blattern »ud eme Renerkranknnan Flecktyphus in Wien angemeldet worden. * Brand im Skutzdorfer Brauhaus. Am S. d. M , vormittags um Uhr, ist im Malzcreilratt Nr. 6 des Branhauses Nußdorf. XIX., Hackhoferstraße 1, vermutlich durch Selbfirmzünduug von «epselterber», ein Brand entstanden, der ans diesen Traft beschränkt werden konnte. Der Schade« beträgt L 400.000. * WattrrLevicht. In Mitteleuropa holt daS trsckwtt HM« an. HenLe früh war es ziemlich kühl. In Wien betrug der Resste Stand der Tem-eraw^ 1.8°. Tag4i:ür-.- hob sich d« Temperatur bis BorauÄftge: heiter, ftM Whl. ****&** Letzte RRchrichterr. König Karl Und die Partei der kleine« Landwirte. Budapest, 4. April. (Ung. Tsl.-Korr.-Bur.) Im Parteiklub der christlich'nationalen Vereinigung teilte der ..Präsident .der Nationalversammlung, Stephan Bakov s zty,?)kvntüg. abends Einzelheiten über seinen Besuch bei König Karl in SternamäNg^r mft'und erklärte, der König sei tatsächlich' erkrankt und seine Erkältung sei ernster Natur. Die Partei, der kleinen Laichwirte hielt eine Konferenz v:b, in der.über Antrag des AckerbaUMinisterZ Stephan Szabiö-Nügyatü'd beschlossen würde, die Frage der Verantwortlichkeit in der Angelegenheit der Reisedes Königs Karl Nach' Ungarn auf die' Tagesordnung der Nationalversammlung zu setzest. Falls sich König.'Karl auch morgen noch' in Ungarn aufhalten sollte, wr.d die Erörterung der Frag« der Vrrantwortlichkeit auf die Tagesordnung der Sitznstg vom 7. April verschoben. * Ditt MiRionrnoinbrrrcht Inder Nacht zum 2. d. M. wrrrde bei dem Kaufmann Bernhard Hader in Poysbors cingebrochen. Gestohlen wurden verschiedene sLrbige Hnren« und Dämmstoffe, Leinen, GlacsbandschUhe mtd Damenschoßen im Werte von K 2,000.000. , , . . * Verhungert. Der 56jährige Sprachlehrer JakobM a h e r, zu Sambvr geboren, noch. New'Aork zustündia. wohnte seit nngesahr einem Jahr im Hoiel ^Wilhelmkhos" in der Kleinen Stadrgutaaffe. Sonnlag wurde er in seinem Zimmer tot vusoefunden. Nach Aussage der Hausgenvfftn bat er derart kümmerlich gelebt, .daß. er dem. Anscheine nach verhungert ist. Die Leiche, die ckaisächüch zum Skelett abgcmclgert war, wicd phLuziert wcrden. Kettenhnubek mit Kondensmilch. Die Korrespondenz Wilhelm meldet: Das Polizeikommiffarat Margreten. verl'ügte am 18. Jänner l. I. die Beschlagnahme von 30 Kisten Kondensmilch, die .bei einer im V. Bezirk etablierten Firma abgeladeü würden. Die Erhebungen ergaben, daß die Milch seitens der Firma voll Alfred P o r t i g, VI., Mnriahilferstrnße 15 etabliert und wohnhaft,' durch Bermsttlung. des Vertreters Emil Frey zum Preise von K 89.50 per Dose bezogen wurde. Alfred Portig har die Mrlch von KarlSwoboda zum Preise von L 85 per Dole gekauft.- Swoboda wieder Hattt die Milch zum Preise von K 8350 von einem ibm dem Namert nach unbekannte« Händler im Cas6 Earlton erstanden. Bei dem Geschäfte zwischen Alfred Portig und Karl Swoboda war außerdem eine Anzahl Vermittler tärig. Gegen die Schuldtragenden wurde wegen Kettenhandels die Anzeige der Staatsauwaltschast erstattet. * Ei«r ftefährkiche Hausgehilfin. Anfangs Februar i I. batte der Zahntechniker Rudolf A l t m a n n, ll., Hofentdergaffe 1 wshrrhaft, eme Hausgehilfin ausgenommen, dre sich Mizzi Litzinger genannt hat; a« 30. v. M. entfernte sie sich ans seiner Wohmrng ««d gleichiertig entdeckte seine Assistentin Lina Patzelt dm Abgang eines Kleideim Werte vou K 6000. Am 31. v. M. wurde die »nsebliche Mi»i 8 i - r n g e r verhaftet uÄ vom Poli-eikommiffariat Leopsldstadt als die wegen.Diebstahl-, Betruges uud Deruntreuung mehrfach gesuchte 27jähr,ge Marie Hackenbamr erkannt, die ha Jahre 1920 auch schon wegen Mordverdachts in Untersuchung grstandeu war. Sie gab an. daS Kleid »irrtümüch" in ihrer Gchmutzwasche verpackt za habe«. * Brahaftm»« des Odmannr» des SchutzsereineS für «Agarifche Flüchtlinge. Gegen den gewesenen Hauptmanu und Obmann des »Schutzvereines iür imgarische Fluchtlmge^Jmre C z e r n v a k, nach Budapest zuständig, IV., Alleegaffe 12 wohnhaft, wurden in der letzten Zeit mehrfache Anzeigen des Inhaltes erhaltet, daß er seine Stellung als Obmann des NeeeincZ mißbraucht habe, indem er Kleidungs stücke und 8 e b e n s m i t t e l. welche von ausläudischen Missionen dem Schutzvereme znr Verteilung an die Emigranten zugewiesen worden seien, nicht zur Gänze zur VerteilMg gebracht, sondern sich angreignet habe. Im Zuge langwieriger Erhebungen konnte jedoch rin strafbarer Tatbestand nicht festgcstellt werde». In letzter Zeit wurde Czernhak jedoch nachgewiesen, drß er mit Wollt, die vom Amerikanischen Rdten Krenz dem Schutzverrm zm Verarbeitung zur Verfügung gestellt worden war. Geschäfte gemacht hat. Cztrnyak wurde heute dem Landesgericht eingeliefert. * Dev Mord «tt dem Sltimiinen Mielese«. In der Angelegenheit deS Rumänen Raoul M i c l e s c«, deffen Leiche am 20. Februar d. I. auS dem Heustadelwasser gezogen worden ist, bricht sich immer mehr die Anschauung Bahn, daß der Fnndort der Leiche nicht auch der Talort ist. Man nergt der Ansicht z«, daß Miclrscu in einem Hause ermordet worden «nd daß seine Leiche etwa in. einem Koffer auf einem Handwagen znm Heustadelwaffer verschleppt worden-und ins Wasser geworfen nordm ist, um an einen Selbstmord glauben zu laste«. * WojU-Aradrmte. Für die zugunsten der Wirtschaftliche« Organisation jüdischer Angestell?er (Woja) am 9. d. M.. V,8 Uhr, im Knrsalon siattfindende Akademie mit anschließendem Tanz haben sich m liebenSwüldiger Weise nachfolgende Küustler zur VersügUug gestellt: Nancy Bauer, OSkar Bereg», Betty Fischer, Fritz Lunzer,. Prvsestor Josef Sulzrr, Ludwrg Wodicka. Die vornehmsten Kreise des Publikumlegen lebhaftes Jntereste für diese Veranstaltung an den Tag. Restliche Eintrittskarten find erhältlich in der KonrertdauSdirektio« Guttmann, l, Marmttststn« straße 22, sowie bei der Ahendkaffe. BeveirrSmrchrichte«. Jüdisch-akademischerFsristenverei». Sonntag, V-9 Uhr vormittags, im BwnuSherm, ll., Täborstraste 1/3, anßerordeEche Generalversammlung. 1. Bericht. 2. Debatte »u 1. 3. Neuwahlen. 4. Eventueller. Sollte n« V»9 Uhr die erforderliche Zahl der Mitglieder nicht erschiene« sein, so findet ü« 9 Uhr eine zweite Geunalversammlang ohne Rücksicht auf dre Anrühl der ErlchieNenrn stell. — Arb e irr sitz nn, des Keren-H »jeffod für de« l. B e z i r l. Mittwoch, 7 Uhr abends, nn Cas4 Residenz. — Zionistische Bezirks sektion Heute. 7 Uhr abends, im Verein-lokal, XlV., Herllotzgaffe 21, Vortrag von Dr. R. M» G e l h e ri h o w e w e Z i o Äüftc willkommen. --Zionistische Sektion für die w e stl i ch e» B e z i rk e A i e «S. Donnerstag he«7.d. 7 Uhie abends, spricht Herr LÄttar G oldschmiedt i« Bezirksheim, Vl., Anmckrngsira-e IS. Hbwc »Soziale FLforge i« der jüdische« Äehre*. — Jugeubreterat de- Jüdische« N a t i o n a l f s n d S. Donnerstag de« 7. d. M. studet me Bureau des Jüdischen Rationalfonds, II., Zirkusgaste.88, ppäzise '^llhr a!>cnd2. eine außerordentliche Sitzung der jngendlimen Mtlonalsondskomurissäre st.ttr, , vre sttcirg geheimen ChaMtt Briefkasten bet Redalitis«. Abonttent: Uns lff bisher nichts bekannt, iragenSie ii^ der Kultusgetnelude oder beim Joint nach! — Äl. T. Besten Dank! Leider nicht geeignet. — A ©.» Wie», Hakoah, Cas^ Industriellen, Konkordiaplatz. pi-si» jQdische Volksbühne Leher: Egon Brecher — Isak Deutsch. 4280 »f »r»f r<M»rr»f Heute Va8 Uhr abemds: uas Gott, Mensch und Teufel B Drama in rier Akten und Prolog von 7. Gordin. ■■ Regie: I. Donisch HB WÄHrre mtb Kunst. Freie Jüdische Volksbühne Jtr der dresaktigen Komödie „Zefeit u« s p r ei t" vertieft S ch o l e m A l e jch e m den i.n dev modernen Literatun beliebten Konflikt zwischen dev clteni und der jungen Generation inr Mischen Sinne. De« Vater ist der Typus des Polnischen „Hausjuden" mit; der ganzen Selbsterniedrigung dieser Galuth-Figur. DÄt Kinder repräsentieren die jüdische Emanzipation. Wbey diese meist jedem nach Neigung und Veranlagung an* dere Wege. Den Charakterschwachen raubt sie nur de« inneren Halt, den die Alten bei aller äußeren DentÜtigung doch im Gesetz der Väter gefunden hatten. So; verlottert ein Sohn' im Kartenspiel und eine Lochte« geht Mi einem Verführer durch. Die anderen rntg^ sich' zwar ' zu positiven Weltanschauungen mit neuM Idealen durch, die aber auch' auf verschiedenen Bahne« liegen. Ein TM bekennt sich zum Kommunismus, detzs attderö zum Zionismus. So bietet die Familie schließt lich' das Bild vollrommener Auslösung: „Zefeit un zespreit" in alle Winde sind die Jungen und die Alte«; bleiben vereinsckmt zurück mit dem Gefühle ihrer tvaq gischen Schuld, die darin liegt, daß der Vater äußer.» lich/.(durch Namensänderung und Uebersiedlung cti# der „Gasse" in die Stadt) aus seinem Milieu heraus^, gestrebt hatte, das er innerlich nicht zu überwinde« vermag. Wie man sieht, ein durchaus tragischer Stoff, de« ein tragischer Dichter wohl in Handlung um zusetze« vermocht hättet Der Komödienschreiber kam ihm nuv drastische Sitten- und Charakterbilder abgewinnen. In. dieser . Ärmst zeigt sich Schalem Alejchemj als'.Heister. Er schuf eine Reihe dankbarster Rollen,, die 'iw den Händen der Damen Nathan, Jungwirths Weißberg, Deutsch und der 'Herren Deutsch, Bleichs Preiß, Reichmarm, Steiner und Sigall aufs beste auf-» gehoben sind. Die vortreffliche Darstellung der zunrj Teil rein episodenhaft auftretenden, aber vom DichLev. mit satirischem Scharfblick geschauten Typen ließ das ört*1' geregte Publikum die Armut der Komödie an äußerer; Handlung übersehen. Im zweiten Stück „An Eize" ist von einer svlchdft überhaupt keine Rede. Es ist ein reiner Dialog zwischen einem jungen Ehemann und einem Dichter. Wem» es trotzdem — wie es uns schien — die größere Wirkung erzielte, so erklärt sich' das ans der größeren Konzentriertheit der Problembehandlung gegenüber dev voraus gegangenen Komödie. Auch' im zweitel W rrke liegt die Geistigkeit des Ghettojudentums mit dev Ahnung höherer Menschenwürde int Konflikt. Aber dieser Konflikt spielt sich' nicht mehr zwischen verschiedene« Personen und Generationen ab, sondern ist mit großer Kunst in die Brust eines einzelnen Mannes verlegt» Dieser ahnt, daß er zur Rolle eines FahnreiZ vernr». teilt ist, und sein besseres Ich bäumt sich' gegen dieses Schicksal auf. Danebelt macht sich aber noch ein andercZ Ich geltend, bas des Ghettojudo», der es'verlernt hat« die Regung der Menschenwürde und des MannesstolzeZ als einzigen Leitstern an zuerkennen. Ihm gilt auch anderes als gleichwertig: Vermögen und soziale Stellung. Beides erlangt, er durch' seine Frau und beides macht ihm die Scheidung von ihr schwer. Scholen! Alejchem legt den Gewissenskonflikt des unglücklichen Ehemannes in der drolligsten Weise ia einer Schilderung bloß, die der Beklagenswerte einem Dichter von seiner Lage gibt, um einen Rat zu erhalten. Der Kon» sultiert« weiß sich aber ball» selbst nicht mehr zu helfen« Die auf ihn einstürmenden Gründe und Gegengründ« des ScheidungskaNdidaben machen ihn so konfus, daß er dem Ratheischeudem schließlich an die Gurgel fahrt. Die Kurziveittgkeit eines solchen Dialogs ruht durchaus auf der Kunst des Dichters. Den Darstellern bietet e« keine dankbarendafür über umso schwierigere Rollen. Man bedenke, was es für einen Schauspieler heißt, ein so langes Gespräch fast zur Gänze allein bestreiten zu müssen» ohne auf die Dauer monoton zu wirken. Daß es Herrn Deutsch gelang, die Aufmerksamkeit des Publikums bis zum letzten Moment festzuhalten, stellt seiner Avoßen und dabei diskreten Kunst das schönste Zeugnis aus. Beinahe noch schwerer ist es aber, so lange den Zuhörer zu markieren. Für diese Mimisch« Leistung gebührt Herr« SigalL die größte Anvrkemrnng. , Dr, H. Sp.. Wiener Stadttheater. („Taifun", Drama in vier Akte« von Melchior Leng hol.) Lengyels dieraktiges Drama, das ja längst keine Novität mehr ist, hat nunmehr das Stadttheater mit großem äußeren Erfolg seine« Spielplan eittverleibd. Der sichere ThvaEnstmkt, der diese vier Akte gestaltet hat, und der Sinn für drantatijche Wirlung ha! aüchs