Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 784 (2.4.1921)
- Date
- 1921-04-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Die Schweiz ver» c Igygt, seine ehrenwlörNichb Etklärung, daß er eine Hitzdekholung. dieser Sensation 'in Hinkunft unterlassen wM? Et! wird das gerne versprechen, denn die Ent- Mschung wirkt in ihm zu stark. Er war hochgemut dürckngtzgängen,' die Flucht Napoleons vün Elba zu kopieven.' Aber er fand nicht wie dieser die Begeisterung' der großen Arinee und ibm'imd uns ist Waterloo erspart geblieben. Erst jetzt, wo die Operette zu Ende ist und das rNichterne. kalte Alltagsleben wieder' in.Mne Rechte tritt. Ist! es' möglich, die Tragik-zu überdenken, die das Schick-- sa! dieses Mannes durchzieht. .Zst großen Dingen genügt auch der Wille, so sagt ein römisches Dichterwort. Aber-das ist nicht. wahr. Eervcint.'s hat seinen Don Duichöte geschrreben, um diese Sentenz zu verspotten. . Außer dem Willen ist auch die Kraft und der guieMot notwendig Kar! von Habsburg ist ein Schulbeispiel. Er'hat den Frieden wollen und hat es mit uMchtitzen Leuten am unrichtigen Platz zur unrichtigen .Zeit versucht. Er hat die Versöhnung des Staates mit d(Ä'.Tschechen und Südslowen angestre.ht.und diese, heikle KMon dem Clam-Martinitz und dem Seidler anvertürUs Er M KtiWorrrlWn cheWmWr, wpssW SeHOMaW dev--MLeMMsieKy'g.i MäMri... 'Er hat W.MWElMn HochverrOer amnestiert uhd ist beim Deutschen. Aationalverband g:lanM. Er hat die F3« d5'calisierung der Monarchie eingeleW und die .Un-' aMangigkeitsexklärnngen der Nationen eingeheilnft. Er iß Acht'nach Ungarn gefahren, um den Thron zu retten, Mp. die. Nationaloersammtung weist ihm brüsk die Eure. Fahnen und Gmrlanden hoffte er.zu sehen,, als yMet-auS Not und aus erster bis znm'Himmel stinken- Ny." sittlichen Verwilderung .wollte er das ungarische HÄk..erlösen. —' und' führt unter dem Gelächter der ZWt. von englischen Offizieren eskortiert, bei Nacht rmd Nebel durch die Lande, die er als sein Eigentlim Erachtet/ins Exil zurück. Aber die Verwirrung, die er angerichtet hat, begiystt erst. In Ungarn und in Oesterreich bleibt scine - smarter zurück, bestürzt und gedemütigt, mit aller Lächerlichkeit eines mißlungenen Experiments beschwert. Sie chiH Nlles versuchen, ihre Position wieder zu gewinnen. Unnrhe, die eine Gesundung weiter verschiebt, ist dje. Folge.' Die Reaktion, die in Ungarn bereits einen Mlgenwald ausgebaut hat und in Oesterreich das gleiche. Mh'.malen wollte, ist Wied:r zurückgeworfen. Sie mutz Nene,' zugkräftige Schlagworte ersinnen und sie wird es sicher tun. Der Gang der Geschichte, der mit dem Schwergewicht d.s Krieges ganze Völker, ganze Klassen zerstampft hat, wird sich durch derlei Treibereien nicht chHndern. abw doch stören lassen, und die Art -er Komplikationen aus dieser Ecke iß kaum abzusehen. TS wirb immer klarer, wie wahnwitzig das Unternehmen Wr,'gerade pon Ungarn her den Versuch zur RückschMbüng des Rades -ü unternehmen. Ein' solches Beginnen könnte , nur. wenn überhaupt, von einem konsolidierten, geordneten Staat aus glücken, nie aber bpjv'1 eitlem Land, das von einer verkommenen Tippvon Banditen und politischen Hasardeuren bis NNN 'Heißblriten ausgepreßt wird. Auf diese Leute hat §rarl gebaut, ihr Wort für heilig erachtet! Er will, ehe er Ungarn verläßt, in einem Manifcst di^ > Gründe seiner Fahrt darlegen, den Anspruch auf fernen Thron erneuern und das Wieders.hen versprechen. AMk die Zeiten sind zu hart für romantische Spielereien und,'die'Spräche der großen und kleinen Funde, die r ßUiMgärN selbst erzogen hat. zu deutlich, als. daß. für W-'Nächste Zeit eine Erfüllung dieser Wünsche in Aus« j siM ' stünde.' Die Aufrichtung d?r alten Monarchie — I, und dieses Ziel muß ja dem entthronten Habsburger vEschweben — erfordert die gesamte geistige Spannd Mst 'eines Riesen an Willen und Energie, dem alles SSiff&iV äHc Technik - der Völker zur Verfügung steht. Keine dieser Dorauss. tzungen trifft hier zu und Karl von Habsburg steht wieder vor einem Unglück, das er sicher, nicht, wollte, vor n.uen Konflikten, an denen nicht er-'beteiligt ist, sondern die Völker, denen ex .Gutes .hot-.. Uor der Jbrei$< Die aLentewerliche Affäre des Exkönigs Karl gehr l ihrem Ende entgegen. Die scharfe, eindeutige Sprache der'S u k z e s s i o n s st a a t e n h' h auch'die Großmäch e dazu gezwungen.' kla'e Stellung zu nehmen, 'und auG Frankre'ch hat sich dazu beyuemen müssen, gnte Micr« zum bösen Spiel zu machen. Der Exkönig/ der sein« Reise sehr lange vorbereitet hatte, war in Kenntnis gesetzt worden., daß ihn Frankreich so wie' dert König Konstantin von Griechenland behandeln werde. Diesem, war es gelungen, ein Fast aceompli herzustellen, allerdings erst ncrch genauer Rück-° spräche mit den Führern der Parlanientspärteim mnd nach einer of'enen Wahlniederlage seines Gegners De n iz'e l o s. Ka' l l eß sich'von seinen Schränzen.uns vom G 'äsen A n d r a s s y vorschwätzen, baß ihn das ungarische Volk mit offenen Armen aufnehmen' werde, und trat seine Reise ohne weitere.politische Fundierunz an. In Steinamangerwurde er vom Obersten Lehar in rührender Mise ' begrüßt-. Dieser umarmte ihn, küßte ihm die Hand/versicherte ihn seiner Treue. Aber eine Tat konnte dem nicht folgen, weil bie Budapest^r Ne^ gierung, die im Besitz der Macht ist, gerade durch die plumpe und operettenhaftr: Inszenierung Hes-Pntsches Vorhand, erhielt, u / ... c i Ministen. Gratz verweilen. Es sei Mr Hoch nötig, mst/O e'st e vre i ch wegen der Durchreise und mit der S ch w e wegen der Einreise Vereinbarungen zn treffen. Inzwischenwerde ein S alonzug be eigestellt werbrn. Abxel-ehnt' von der Regierung, im Stiche gelassen von dem Volk, bas ganz andere Sorgen brücken, mußte Karl'sich fügen. Dazu kam, baß bereits ganz bestimmte Mitteilungen der italienischen und der jugoslaw-ischen Regierung Vorlagen, baß eine militärischc Aktion in ernster Erwägung stehe. Aus Frankreich kam ein Dementi nach dem anderen und auch Rumänien ließ in Paris heftigen Einspruch gegen -das weitere Verbleibens Karls in Ungarn erheben. In Oesterreich liegen die Dinge nicht mehr so kompliziert wie noch am Donnerstag. Im Ausschuß für Aeußeres war eine'einheitliche Au-fasfunz der Seche »utage getre^n und man befaßte sich - eher mit der. Frage, wie die Durchreise Karls zu behandeln sei und wie man in Zukunft solche Zwischenfälle verhindern, könne. Die Sozialdemok.'astn forderten die Verhängung der . Präventivhaft über Karl . während der Durchreise und die militärische Besetzung seines Waggons, um jede Weiterung zu vermeiden. Die Christlichsozialen wehrten sich gegen jede unnötige Härte. Die Regierung versprach, die Führer, der Parteien von ihren Entschlüssen zu verständigen. ' Damit ist der. technische Teil der Angelegenheit beendigt, soweit Oesterreich damit zu tun hat. Es ist nur noch notwendig, daß Karl auch wirklich abreist. Der „Temps" sch evt zur Behauptung Karls, er habe im Einvernehmen mit Frankreich seine Rückkehr bewerkstelligt, baß die Vertreter Frankreichs Horthy nntgeieilt hätten, die französische R'gi?runa habe im Einve. nehmen mit den Alliierten den Beschluß gefaßt, sich jeder Rückkehr der Habsburger zu wide setzen. Außerdem hat Br Land am Mitlwoch in Paris ein Zitkularlelegramm an die Bertveber Frankvelchs im Anslande unterzeichnet, worin erklärt wird, d'e f.anzöiische' Regierung habe bercits klar ihveGegnerschaft gegen jede I Rückführung der Habsburger zum Ausdruck gebracht, unter welchen Umständen?tc auch immer erfolgen soll'.e. Sic billige vollständig den Sch itt Ler alli'er en Öberkommisslire in Budap st. durch welchen die uuga i che Regierung nochmals bcnechrich igt wurde, daß die Entente sich einer jeden Restaurierung der Habsburger wider setzen werde. Der Exkönig müsse sich also zur Forrselu rg seines Unternehmens einen andere n B r> r w a n d suchen, als die anL^bliche Uvtcr- | ' Ueber bi» . Reife des Exkönigs wird ans Bern gene det, daß er am Mittwoch Pranginsverließ und die Schweizer Grenze bei . Basel überschritt. .Es stellt sich als gewiß heraus. d.iß nur wenige 'Personen^ von. seiner Absicht gewußt, haben, so datz sogar hie nähere' Umgebung nicht davon unterrichtet' war. Auf ungäri'scheyr.. Boden machte das Automobik des Grafen Erb ödh zuerst in Peterhof bei Roten», türm Halt- In einem kleinen 'Gasthaus wurde daß Essen genommen. Der Wirt fragte den ihm bekannten Erd öbif, wie c3 ihm in Wien bei den Bolsche« w i k e n gefalle. Der' König lächelte, sagte aber nichts'/ Äls der ' Wirt - frätzte, werder fremde - Herr - sei, e&\ w:de te Erdödy: „Ein Herr aus Kanada!" „So," fägtef der Wirt, „ich war lange in Amerika, da'kann ich jÄ wieder einmal -Englisch-sprechen!" Er s-etzte die Unters hallung.in englische'- Sprache fort. Der König stottert^! verlebe.: ein paar Worte, da er dige Sprache nicht 6^/ herrscht, und verließ sodann das Zimmer.^ Erdödy füh'.'te.ihn. sodann zu dem Gutlbesitzer Hermann S ch e dem er das Inkognito seines Gastes enthüllte. Sche^ war hochgeehrt und führte persönlich , den König - .im: seinem.Anho in das. Erdödysche Schloß..; /r ' Die Heimreise. /‘-'i’ Die Lorrcipondeirz - Herzpg, schreibt: DH..HeimMMdes Exkaisers Mrl nach Prang ins erfolgt Mit einewsl l Sonderzug. :Die -Stunde der Abfahrt sowie bie; MouM wurde bisher, naturgemäß nicht bekanntgegebenurw u-vorhergesehi:ne Zwischenfälle umsomehr zu vrrmeideUjjals von allm Seilen der/Wunsch ausgesprcche« - ..daß-die.Heim, eise sich möglichst rasch und ohne-Zwischen-i^ fälle vollziehen möge. Es ist unbedingt anzunehmeu/; baß der Zug zur Nachtzeit Wien passieren wird/; worauf die Reise über Salzburg—Innsbruck—Buchs' erfolgt. Zwei englische Gcneralstabsoffi-i're sollen dem' Vernehmen nach den Exkaiser bis zur 'Schweizer Grenzt begleiten. . , , König Karl wird ei« Manifest erlassen. AZ i c »; 1. April. Wie mir erfahren, toll sich König Karl mit einem Manifest an das ungarische Volk wenden, «m seine Abfichtea und Ziele der Deffentlichkeit mitzuteilen. Maa glaubt i» ungarischen Kreisen, datz König Karl vor dem 5. April, an welchem Tage eint neuerliche Sitzung der ungarischen Rat'onaL Versammlung Zusammentritt, Steinamanget nicht verlasien mied. Die ungarische Negierung sucht jetzt einen Answeg, um König Karl dig Rückkehr in die Schweiz zu erleichtern. Eine Erklärung der Dotfchafterkonferenz. Paris, 1. April. (Havas.) Die Botschafters Konferenz hat einstimmig eine Erklärung! angenommen, besagend, die Verbündeten kSnne» eine Restanration der tzabsdurgau weder anerkennen noch dulden. Die Schweiz gestattet Li« Rückkehr. - nur provisorisch. < ft 5»ig ft ft v! f«B über 1» ad)t roerfee«. *. Bei», 1. Avrll. Der ungarische Grichaststrager itt«« «ittelte dem BundeZrat den Wun'ch der «ligorächen Re-üruuW d ch dem König Karl die Rückreise m die Schweiz dewiÜW werden möge. Der ^Nmen Zürcher Zeitung* mfolgr dürste a»S volitischck Erwägungen, weil dadurch dem Friede« in Europa gedient rätrftj die provisorische Rückkehr gestattet «erden. Der endgültigen Bm schlahiasilmg würde eme Untersuchung vvrangche«, wie der Könih die Schweiz verlassen hat. DieDnldnngdeSKö «, g « auf schweizer ischem Bode» würde gewisse Ueberwach»«gft « a ß » a h m e» im Gefolge habe«. London, l. Lvrr!. (Tel-Komp.) R e »i r r meldet. ,W Schweiz »erde gegen die Wiedcrrinreise Karl HaböburgS »lchg \ ci.i'D'r.deo, diesmal jekoch kem Erkaocr daS E h r e » W » gdiuduaz. jtta Veckuamg m »ttzgckm ' % ***** ' M