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Wiener Morgenzeitung · 1921-03-30 · Heft 781 (30.3.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 781 (30.3.1921)
Date
1921-03-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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In der Ofener Burg fa d eine Konferenz zwischen dem Kaiser und dem Reichsverweser tz o r t h y statt, welch letzterer Mer den Besuch keine Freude zeigte. Es fand ein Ministrrrat statt, dev zu dem Entschlich gelangte, dem Kaiser zu verstehen zu geben, er mö^e Budalröst wieder verlassen, da seine Anwesenheit in Ungar» derzeit nicht erwünscht sei. Der Kaiser fuhr daraufhin so fort n aÄ Steinamanger zurück, wo er sich zurzeit noch befindet. . Die Wiener s panische Gesund U sch a f t hat gestern an die österreichische Pegierung das Ersuchen g richtet» dem Kaiser die Durchreise «ach der Schweiz zu gestatte». Zm Wiener A u s.w L r t f &e n A m t war die sstgchricht von dem versuchten Sragts- Ultl w rrKI Hwich .Kaisers ^gWrrüMlijAttaM^My^ gelaufen. Auf eine telephonische Anfrage bei der ö st err e i ch i s ch e n Ges a'n d t schaft in Budapest wurde geantwortet, man könne mit Rücksicht auf die Zensur keine Andkunft geben. Es sei ein chiffrierter Bericht «ach Wien abgegangen. Wiener Banken» die gestern vormittags mit Budapest telephonisch sprächen» wurden von dort gefragt, ob in Wien Extraaus g ab en d er Z e itungen er.chienrrr feien, Auf die verwunderte Anfrage nach dem Grunde fuhr der Budapester Kontra übe amte dazwischen und n n t e rbrach die D erb i n d ü n g. Der telephonische Verkehr mit Westungarn ist seit vorgestern durch die Ungarischen Behörden für. Oesterreich eingestellt worden. Eiste ungarische Meldrmft. ' ' Budapest, 29. Marz. Das Ungarische Tele- ' gräphen-Äorrespondenzburcau meldet: Ostersonntag nachmittags erschien K ö n lg Karl unerwartet in ' Budapest und suchte den Reichsverwescr Nikolaus von Hort Hy aus. Nach kurzer Besprechung hat der König, dem Wunsche des Reichsverwesers und der in Budapest weilenden Parteiführer und RegicrüngS. Mitglieder entsprechend, die Hauptstadt verl äs se «. Die ungarische Regierung hat Verfügungen getrosse», damit die Rückkehr des Königs Karl «ach einem neutrale« Staate er. ' m ö g l i ch t w e r d e. In der Hauptstadt und im ‘ Laude herrscht vollkommcne Ruhe. DaS Publikum erhielt von der Reise des LtönigS Karl kaum 'Kenntnis.' Mitteilungen der Politische» Korrespondenz. Ueber die durch die Anwesenheit. deS Exkaisers Karl in /Ungarn Hervorgernfenen Vorgänge gehen der ofsiziiHen „Politischen Korrespondenz" Mitteilungen zu. die, wenn auch nicht in allen ihren Einzelheiten sichergestellt, folgendes Bild der Lage geben: E x k ö n i g .Hart ist Samstag abends in Verkleidung in Steina» manger eingetroffen und beim dortigen Bischof abge» stiegen. Ministerpräsident Graf „geleit wurde nach Steinamanger berufen, und sowohl er wie Ol erst L eh a r. haben dem Exkönig von der Durchs!! hrun g f e i n e r. A b s ich t e n a b g er a t - n. Exkönig Karl fuhr Sonntag früh, msi Kraftwagen nach Budapest. In einem zweiten Wagen folgte Ministerpräsident Graf Telekk der ungefähr zwei Stunden später in Buda» pesi' eintraf. Der Reichsverweser Horthy war vollkommen unvorbereitet, und nach einer langen Besprechung veranlaßt,? er den Exkönig zur Rückreise d i e K ch w er z. Exkönig Karl fuhr, am selben Abend mit dem Ministerpräsidenten Grafen Teleki - von Budapest ab, hat sich aber während der F a h r i entschlossen, im Lande zu bleiben und soll sich gegen» wärtig in. Steinamanger befinden. In den Besprechungen war auch von einer Zu st immung der f r a n z 8 s i sch enRegie r u n g z u r 91 ü ck k ehr d es Exkönigs.die Rede. Der französische Vertreterin. i Budapest: hat inzwischen in formeller Weise bekanntgegeben. daß die Miierten sich der Rückkehr des Exkönigs ans denungarischen Thron' widersetzen, ünd die Grafen A n d ra s s y und B e t h l e n sind darauf nach Steinamanger gereist, .um den Exkönig über die Situation, aufzuklären. In Bndapest selbst sollen nur wenige Lenke von diesen Plänen gewußt-Haben. Dem Vernehmen nach sind einige Verhaftungen vorgenommen »vordem Die französische Regierung weiß von Bon informierter Seite wird uns folgendes mitgeteilt: Kaiser Karl war am Samstüg in Verkleidung, in Steingmapger' .ßinMkösfen und hatte sich, gMgt! voü drei .Herren. .zrM BWf Gwsihh/ML-:kMäAh tze- UEMSeWk" tz'jlpWU-zWU die Budapester Regierung hon dem Besuch, worauf Ministerp'räsvLent Graf T'e l'e'k i sofort nach Stein' amanger abreiste. Dort fand noch in der Nacht eine Begegnung zwischen dem Kaiser und Leleki statt. Sonntag fmh fuhr der Kaiser im Automobil nach Budapestin einem zweiten Automobil folgte d?r Minister- Präsident. In Budapest fand in der Hofburg beim Rerchsver» Weser Horthy eine lange Konferenz statt; in d!es-r wurde dem Kaisen nahegelegt, Wiede« in die^ Schweiz zurückzukehre». D^r Kaiser erklärte, die französische Regierüng habe offiziell ihre. Zustimmung zu seiner Rück, kehr nach Budapest gegeben. Er! sei jedoch bereit, nach der Schweiz zurückzufahren. Der französisch? Vertreter in Budapest, Herr F o u ch e t, hat hierauf, in einer: Note an die ungarische Negierung mitgeteilt, daß die Erklärung d?s Kaisers nicht den Tatsachen entspreche - und daß die Westmachte.nach wie vor gegen die Rückkehr de r Hab s b u r g e r na ch Ungarn Stellung nehmen. Der Kaiser fuhr nach dicker Besprechung von Budapest weg. Auf der Fahrt überlegte er sich jed o ch d i e S a ch e und ließ das Automobil n a ch Stet na mang er fahren, wo er im.Franziskan-rklöster . Aufenthalt nahm. Dort/befindet er sich noch jetzt. Von dem Putschplan sollen, nur wenige Leute in Budapest gewußt haben. Es sollen in B,U d a P e st bereits einige D e r ha f tun g eN erfolgt sein. So sind^ nach einer noch unverbürgten Meldung, der Abgeordnete S m r c z a n y i, das 'Haupt, der Erwachenden Ungarn, ferner der gew.-jene Stadtkommandant General L ukachich und der frühere Minister deS Innern Beniczky in Haft genommen worden. . . Kanzler Mayr «ach Wie« bervfe». Der Bundeskanzler Dr. M a y r, dev sich über die Feiertage zu seiner Familie' nach Innsbruck begebe» hatte, ist gestern von der Regierung ' nach Wie» zurücki berufen worden. Er hat als Leiter des AußenressortS über das Verhalten der Regierung zu entscheiden. 'Der/ ' Ministerrat wird über die Angelegenheit beraten unddie' Antwort auf das. Gesuch der. spanischen Regierung.' ,• feststellen. | Die Sst.rreichische Regierimg. Bundeskanzler Dr./Mayr, der. sich, derzeit in Innsbruck befindet, wurde vom Auswärtigen Amt telej Phonisch von dem Ersuchen der spanischen Gesandtschaft verständigt. Dr. Mayr wird , im Lauf? deS heutigen i TageS in Wien eintreffen, worcurf der Kabinettsrat die * Notwendigen Beschlüsse Lassen , Bon sozialdemokratischer Seite wird dick Regierung interpelliert werden, ob bei der Fahrt deS Kaisers über österreichisches Gebiet nicht österreichische: monarchistische Kreise mit im Spiel waren. Man tzrklärt, daß seine Reise unbedingt nur durch Mithilfe.' zahlreicher Personen gelingen konnte, die. sowohl ins Wien, wie in Innsbruck urob Graz von dem PutschPlwH wissen mußten. Maßnahme« vesterretchs. . :: Dir österreichische Regierung hat, wie offiziell/ er»', klärt wird, alle Vorsorgen getroffen, um ein Uehergreisytz^ der Bewegung auf österreichisches Gebiet zu verhindert An der Grenze wurde der ... . . verstärkte Schutz *: eingerichtet, Ae Gendarmerie vermehrt und außeche^ Militär mit der Grenzbewachung betraut. . Es ^wurde» außerdem einestrenge Untersuchung; cingelcttet; itr»- sestzüstellen, ob der Kaiser etwa' über österreWsches^ Gebiet gekommen sei und' wie überhaupt.- seine .Reiser, vor sich gegangen ist. Sollte. er durch. Oesterreich ■ ge*^ fahren sein, so wird die Negierung die PerantwortliHi,) keit. der betreffenden Organe feststelleu. . ■ Die Korrespondenz - Herzog meldet: Die .ösiev^. reich ische Regierung hat noch im Laufe der heutig-/ Abendstunden energische Maßnahmen getwffr«,. umt ■ Grenzschutz m Riederösberreich uyd. in /der. Sheiexmü^'. gegen Ungarn zu verschärfen. Zu diesem Zwecke/ivnrLr»,- Ger.darmer'ede ächeyrents und kleüle« -TruppMahM-ÜM. Gleich-öitig würde ertze yntzrsuchüng eingcDrlrtsM kaiser Kart die Reise - imMuto etwa. über- ÄsteweichsschM; Gebiet nach. Steinamanger ünsernomwen Hlt.'sM wÄ/ i bestätigt, daß sich der Exkaiser einer Verkleidung..^ diente, da er aks7,aus Oesterreich landesverwiesen, :«M'. erkannt werden-'durfte, umnicht sofort sestgsnommeik, zu werden.-/ Die Schweiz wiN dem KMer die " 'Leye nicht erlanbei«: Spät nachts verlautete hier, daß die Schweizer Bundesregierung eine Rückkehr de,S Kaisers Karl auf Schweizer Gebiet nicht mehr gestatten will. Der Kaiser hat sich seines zeit bei seiner Flucht in 'die Schweiz verpflichtet/: als Privatmann' zu leben, auf jede politische Tätigkeit verzichten und ohne'Erlaubnis der Schweizer RegierunD' das Land nicht zu verlassen. Dieses Versprechen/hak d?p Kaiser nicht eingehalten und die' Schweizer Regierung hintexgangen, indem - er heimlich das Land verließ. :Dch die Schweiz durch' seine Rückkehr nach Ungarn in . ernsts: Verwicklungen 'mit den Ententestaaten komme« könnts» will sie sich eine Wiederholung ähnlicher Unannehmlich«: keiten ersparen und Exkaiser Karl nicht mehr in dö? Schweiz gurücklassen. . - - ' . :' Kaiser Karl soll ivterniert «erdetk. Man glaubt, daß die Entente nach einer Aussprache mit den interessierten Sukzessionsstaaten dem Kaiser Karl einen Aufenthaltsort zuweisen wird, wo er üntee' Bewachung interniert werden soll. Auf diese W'ekse'5>oH'. man in Zukunft derartigen Extravaganzen vorzubeügeu, Ein Protest der Tschecho-Slowakei. Wie in hiesigen diplomatischen Kreise» verlaut^ wird die tsch.»cho.slowoklsche Regierung' in Paris -uns London einen Protest gegen die Rückkehr des Exkalsers nach Ungarn überreichen. Ein ähnlicher Protest wirs' auch in Budapest überreicht werden.; '7 In Steinamanger. Bon einem Wiener Industriellen, welcher über his. Osterfeiertage nach Steinamanger gefahren war. und. gestern abends wieder in Wi^n eingetroffen ist.' wird Ms:über die Ankunft de§ Knijers.iu S te'i.n'«m.tzP.gas,' folgendes mitgeteilt: Ich kam Freitag in Steinamanger an. Im Laufe des Samstag konnte ich zu meine« großen Verwunderung beobachten, baß in gewisse» §krcisen eine Spannung u n d E r r e g u n g herrschte, welche mir unerklärlich war. Vergebens forschte ich «ach der Ursache, welche, wie ich. mit sagte, «ine« politt« schen Hintergrund habe» müsse. Als ich züm Tel««'' graphenamt ging, um cins 'Depesche nach Diy». emiLülleLe»« wuÄw bedeusst» datz der.

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