Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1921-03-27 · Heft 779 (27.3.1921) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 779 (27.3.1921)
Date
1921-03-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2979076-2979773-2979858--07094-2993112
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

MazewrMss 5krone» pngg HtUi&m «Mdtal total itthR, L. ÖeUrtT Lick»»-, 1 Ml C, •*« in.eyM. sftMMMe Monatlich. . Kr»»»»,7§.- Merteljührlich Sj.0.^ jWtO-ßorrsaud für Ks«v >mtz ,» vrßrrräch: VteaMch .. JtaMfett 70.— fj.:: rschecho-Slowalei;' Mvnatttch .. Statfttnt lT*— Miaet-ljährttch „ . 51.- Vtfttzeq,^rmattsche,«Lv»>a Ungarn r MfüMtMf.. Seoiuea 70*— Zagapawte»: UtONatitch . . Di«i«k W.- lMffrttliSlfU« » S«.- Einzelpreis 2R Krone» PrSuumerationspreifel , ft^x: ia »»Fisch« «»«Mich.!Tste!l*rJ| Monatlich /7Aä«ö *«* Italien: Monatlich . . . .Ave9.4 RnmSnien: Monatllch. . . .Ui »0.^ Schweiz m dar übrige Monatlich. . .AchUtB SD RedaMo»«.M»«l»iyeatit>t Wte»,«Uve-.,LaV-WLk-U Telephone: 44088, IM1% aS «Me abenv» «».>««» , ■ ♦>...• DßK »»» vroiHMtnarmit* wmhi Nr 779 Wien, Sonntag den 27. März 1921 3. Jahrgang Die nächste Nummer M* »Wiener Morgenzeitung" erschein^ Dienstag de« 29. März mittags. 1 Die Motterzelle.; . -—7. Wien, 27. März. Die am 31. ^rz^in Rom beginnende Konferenz der , Sukzefsions-itaaten soll die Liquidierung aller durch den Krieg ^lltstclndenen und durch die Friedensvertrage . offenge^lrellenen Fragen erreichen. Sie soll einen weiteren Echr'ut auf. der Bahn zum Abbau der Absperrungsmaß' nÄmen versuchen, die die neuen Staaten nach dem Umsturz im Oktober 1918 gegeneinander ergriffen Haben. In diesen Fesseln erstickt alle vom sogenannten Kriegssozialismus noch verschont gebliebene Initiative/ Die Absperrungen'Hütten vielleicht im Augenblick ihres Entstehens einen gewissen prophylaktischen oder pädagogischen Sinm Sie sollten die Bewohner der jungen Staaten an. die. neu errungene Unabhängigkeit gewöhnen. Dadurch aber, daß frei die erste Zeit des Ueberganges überdaueytzen-./ragen. sie. m. die. Zeit des Friedens wie tolle Anachronismen hinein und haben sich bis zur Wirkung von Blockademaßnahmen entwickelt. Ihr vornehmlichstes Ziel, »die Errichtung neuer Wirtschaftseinheiten, haben -sie erreicht,.aber.ihre Fortdauer gefährdet die Entfaltung dgvproduktiven.Mäste dieser neuen Staaten in solcher Weise,, daß sie Mlcht.zur Ordnung ihrer Inneren Ver- MtnM gelangen kpnuen. Der Ueberfluß an KohW oder Zereallen Ä dem einen Industtieüberfülle und die Warenmengen m dein anderen Lande ansgetauscht werden; ppMfche hup Male Bakterien.finden -in diesem. Zustand ihren fetten Nährboden und das üble Ende ist stefs yeue Verhetzung, neuer Haß und neuer Militarismus. Es ist ein ewiger Gewittorzustand und. die Entladungen lassen sich nienials durch GrenAordöne beeinflussen. Ihre Eigensinnigkeit trägt den Brand über Zoll- und Paßschranken hintveg in das Nachbarhaus. ' . Kein Staat kann heute eine andere Außenpolitik machen ' als reine Äftrtschaftspolitik, so wie: muh jede innere Politik nur eine soziale Politik sein kann. Dies gilt für alle -Staaten ohne Rücksicht auf ihre Größe, es gilt aber ganz besonders für die jungen Staaten, in Welchen die unvermeidlichen sozialen Strömungen der Nachkriegszeit einebesonders. innige Pflege der inneren Wirtschaft und im engsten Zusammenhang damit die Pflege der internationalen wirtschaftlichen Beziehungen verlangt. Die' Nationen der alten Monarchie hatten diese internationalen Momente mit stärkerem oder geringerem Widerspruch ganz der Diplomatie überlassen, die damit eine Prärogative der Krone zu erfüllen meinte. Die Menschen galten nur als Material; niemals stützten sich -re Berechnungen der auswärtigen Politik auf die in den Völkern und. Menschen wirkenden kulturellen Kräfte. Aber diese Art von Politik hat aufgehört oder sollte doch aufgehört haben und eS -gehört zu den Elementen der Auffassung unserer Zeit, daß der Ausbau der internationalen Fragen Sache des gesamten Volkes ist. Freier wirtschafflichsr Verkehr ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für Mc Freiwerdrmg der Volker von den geistigen Entartungen des Krieges, aber die Zurückhaltung der Menschen in den Isolierzellen der unterschiedlichen Patriotismen macht aus den Staaten Krankenhäuser. Die durch die Einschnürung der wirtschaftlichen Beivegungsfreiheit erzeugten politischen und sozialen Exzesse verhindern es, daß die trotz allem sich legende kulturelle Solidarität der Völker den überhitzten Chauvinismus, wie er sich etwa, in Ungarn hrmnckrngsloZ austobt. oder den sozialistisch gefärbten Wahnsinn, dessen Opfer Rußland und, die Ukraine geworden sind, zur öffentlichen Rechenschaft zieht. , . Die Trennung der nationalen Individualitäten hon dem System der Monarchie war.ein historisch, notwendiger Prozeß, den die.Politiker oinleiten.und durchführen müßten. Nunmehr aber müssen' die Träger der Wirtschaft/ die wirklich schaffenden Menschen, die Bauern,. Arbeiter und die Kaufleute, in den Stand gesetzt Werden/aus der Absperrung freizuwerden und zur Gemeinsamft'rt der Arbeit und der Kultur zu gelangen. Peseln Ziele soll die Konferenz zu Rom und ihr Nachfolger, die/Besprechung zu Portorose, dienen. Die / in I " Berlin, 26. März. (Wolfs.) Die Lage in Mitteldeutschland stellt sich nach den bis Mittag eingelaufenen Nachrichten folgendermaßen dar: In Halle herrscht völlige Ruhe. In. Eis leben geht hie Säuberungsaktion vorwärts und dürfte binnen kurzem beendigt sein. In Bitterfeld wird gearbeitet. Lediglich bas' Elektrowerk Prichheim I und die Säurefabrik sind stilbgelegt. Helbra ist noch im Besitz der Aufständischen. ... Gestern ist in Man s fe ld das Amtsgericht gesprengt lvorden. Die angrenzenden Gebäude sind zur Sicherheit der Bewohner geräumt worden. Erfolgloser Aufruf zum Generalstreik. Brtti», 28. März. (SQSoXff.) Der Ausruf der kommunistischen Partei zum Generalstreik. hat hier ebensowenig Erfolg, wie die Aufforderung zur Besetzung der Betriebe. Der gestrige Tag ist in Berlin vö l li. g r uH ig verlaufen. Ein Kamp? in Berlin. Berlin, 26. März. (Wolfs.) Erwerbslose überfielen eine Polizeistreife, entwaffneten einen Wachtmeister und verschleppten ihn. Seine.Kameraden mußten von der Schußwaffe Gebrauch machend Hiebei sotten nach. einer Version ein Ma itifc Ä> eine Fr au get Stet und vier Personen'verwunhet, nach einer anderen Bersiyn drei schwer verletzt worden seien. Herbei- MMne.MrstZr^gewMstMM ohne' WaffonMrauch die Wfdinmlungen. Derentführte Ünierwachtmeisttzr^ wurde iNsfchw'erv«rsetzde pt HMMd-e Eder gefunden. - Berlin, 25. März. Zn den Straßen wurde folgende Bekanntmachung des PolizeiprSsideNten angeschlagen: Bon den Zeitungen beider kommunistischer Richtungen wird zum offenen Aufruhr gegen die StaatSautorrtät aufgerufen. Die Polizeiorgane haben Anweisung, mit allen Mitteln gegen die Versammlungen einzuschveiten. Um die friedliche Bevölkerung vor Schaden zu bewahren, wird vor der Teilnahme an allen Versammlungen unser freiem Himmel und vor Straßendemonstrationen gewarnt. Gestern hatte die Polizei erfahren, daß in der Nacht von kommunistischer Seite ein Attentat gegen das Polizeipräsidium geplant sei. Alle Vorsichtsmaßregeln wurden getroffen, die zum Polizeipräsidium führenden Straßen abgesperrt, das Gebäude selbst mit Maschinengewehren ausgestattet und auf dem Dach Schciniverfer in Tätigkeit gesetzt, welche die ganze Nacht die umliegenden Straßen durchleuchteten.' Zu einem Angriff kam es jedoch nicht. Terror nud Aushebungen. Berlin, 26. März. (Wolfs.) Wie die „Freiheit^ aus Dresden meldet, sind gestern abends in der Druckerei der unabhängigen „Bolkszeitung" die Motoren und' Schaltanlagen für die Ro tat io ns Maschinen zerstört worden. Die Treibriemen der Schnellpresse wurden zerschnitten und mitgenommen. Es liegt unzweifeli hast ein kommmnstischer Racheakt vor. ’/ Berlin, 26. März. (Wolfs.) Die polizeiliche Aktion schreitet mit Erfolg fort. Mansfeld und Kloster»' Mansfeld sind bereits besetzt- Nach Helbra ist eine starke Patrouille vorgestoßen. Im allgemeinen ist in der Provinz Sachsen die Bewegung im Abflauen. Hamburg, 26. März. (Wolfs.) Der-gestrige Tag ist in Groß-Hamburg ruhig verlaufen. Ge>est-i h a ch t, wo sich eine Pulverfabrik befindet, ist von unge.« führ 1560 bis 2000 bewaffneten Kommunisten besetzt worden. Einer Abteilung der Ordnungspolizei Ist ez gelungen, sich des Ortes zu bemächtigen. Hiebei kam; es zu einigen Verhaftungen. Zurzeit herrscht Ruhe. Dynamitattentate. Berlin, 26. März. Nach hier vorliegenden Informationen sind nach Mansfeld heute morgens starke P o l i z e i k r ä f t e abgegangen, die auch mit Maschinen-? gewehren und mtt, von der Reichsivchr zur Verfügung ^gestellten. Geschützen ausgerüstet sirü>. Die Blätter melden aus dem Aufstandsgebiet: In Eisleben und Hettstedt wurde, hse ganze Nacht gekämpft. Zahlreiche Villen wurden -in hie L u ft g e s p r e n g t- Unter der Bevölkerung herrscht große Eregung, da die Dynamitfabrik noch immer in den Händen der Terroristen ist, die von dort ganze Automobilladungen Dynamit wegführen. In Helbra urch anderen Orten sind von den Terroristen Geiseln :Mgenvmrnen, worden. Gestern abends haben die Kommunisten in , Eisleben einen Sturm auf das-Rathaus unter-. nommen, wurden jedoch unter schweren Verlusten zurückgeschlagen. Gegenwärttg herrscht wieder Ruhe. Fn Mitteldeutschland hat sich'/den Blättern, zufolge, der Aufruhr werter ausgebreitet. In der Gegend von Schrattlau und in den Ortschaften des Unstrut-, tales haben die Kornnmnisten gestern in rücksichtsloser Werse Aushebungen v o r g e n v mm en, und alle. Arbeiter vom 18. bis zum 50. Lebensjahr unter An-' drohung des Todes zum Eintritt in die Rote'Armee,' gepreßt. In den Leuna-Werkm ist die Lage nach wie' vor kritisch. Die Werke selbst, sind von 3000 bis 4000..; Arbeitern besetzt. neuer Kurs ln Russland? Centn brrnft Tschernow tn Me Regterung? Warschau, 24. März.. (Privat.) In der russischen. Kolonie von Reval verlautet', baß Len in den Führer der russischen Sozialrevolutionären, Tschernow, aufgefvrdert habe, nach Rußland zurückzukehren, und ihm das Kommissariat für Agrarwesen augeboten habe. (Eine Bestätigung dieser Nachricht bleibt abzuwarten.Tschernow hat der jüngst ab gehaltenen sogenannten russischen /Konstituante" in Paris präsidiert.) MvSkam, 26. März. (Funkspruch.) Die „Jswesttja" schreibt: Die neuen politischen Verhältnisse diktieren der Republik ein neues Verhältnis zu den im Ausland befindlichen Nüssen., Um die Nachwirkungen des langen Krieges so bald als möglich-zu überwinden, darf, sich Skußlarch nicht allein auf den Arbeiter, sondern es muß sich auch auf seine Bauern und auf seine Intelligenz stützen.' Mt. Ausnahme' der kriegerischen Elemente bemühen sich die russischen Emigranten i« Ausland, Beschäftigung und Bryt zu finden, und dies zu einer Zeit, wo Rußland Mangel an Arbeits-! kraft Leidet. Es handelt sich darum, jene a rbeitswilligen Schichten, die sich Üborzeugt haben dürften, daß nur die ^^wjetmachi Rußland aufbauen , kömw. am MeU in Hc Leimst veranzugichu» Rußland will Keinen Krieg führen. Moskau, 26. März.. (Funkspruch.) Steklow -schreibt in der „Jswestija" über die Haltung dLr französischen Regierung nach der Unterzeichnung hes englischrussischen Handelsabkommens, daß Rußland den Frieden wolle, aber leider nicht in der gleichen Münze-bezahlt werde. Noch vor kurzem hätten die Gegner Rußlands die Nachricht in die Welt gesetzt, daß Sdwjetrußland für den Frühling einen Angriff auf seine Nachbarn plane. Die Tatsachen aber hätten bewiesen, daß, wenn jemand einen Angriff für das Frühjahr vorbereite, es jene seien, die am lautesten diese Absicht Rußland zuschieben. Der polnische Gesandte für Moskau. Warschau, 24. März. (Privat.) Zum Gesandten Polens m Moskau, soll der bisherige pv-tnische Vertreter in Konstantinopel Dr. Ivb kv -ernMrt' werden. EhurchM in Jerusalem Loudon, 26. März. (Fiuckkptuch) Kolonialminister Wiuston C h u rch i 11 befindet fich i« Serusalem, «o er «tt de« Zionistenu«d den Araberfährer» über die PslLsttmw wer-aNdetto 677935 D1D

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.