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Wiener Morgenzeitung · 1921-03-24 · Heft 776 (24.3.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 776 (24.3.1921)
Date
1921-03-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Die Behandlung öer russischen Frage ist von der' englischen und der? französischen Regierungin so gegensätzlicher Weise, betrieben Worden,' daß.sich .daraus ein fundamentaler UÄerschied in d.'r Stellung zsi. den europäischen Fragen Me^hüupt,. ergibt. Frankreich. sieht' immer nur aus. den?kälg unb engagiert seine Kräfte nach den Bödürfnissen h§r Kämmeraöstimmungen. Das trägt in seine Politik dxn bekannten Zug nervöser Ungeduld. Diö englische Regierung weiß sich in der Behandlung der auswärtigen Angelegenheiten immer eins mit ihrer an das Denken M Erdteilen gewöhnten Bevölkerung und schöpft daraus den »Mut. momentan Ech. cs in Geduld zu tragen. Die Noten Tschitscherins an Eurzon und Lloyd George sind HaMmal:öon. .unübertrefflicher Grobheit gewesen und WMeri 'sehr oft, als ob der Faden reißen und die fran- Mfcheu Schrrfmacherei - sich -durchWn werde.; Auch die Mtzfirhosten-Drohungen Krassin.s put, der Abreise und LMSingreifen her -Arbeiterparteizugunsten Rußlands Hurten hie-engliW. RegreruW. nicht aus : d m Text Wtkten. Sie-wußte' genau BsMeihum die Verhältnisse MMMeWM-rmL ihre Ablehnung aller militärischen Mchteuerdie: .schmffe Zurückweisung- Mangels — dem jMÄMFraykreich den Fyßtritt/gegebenhaL — ent° flMl'S deL.MWckMs vonder politischen Dynamik eines - . ' ' . ‘; ftt bcm Augeyblick/ nun, wo Hußland wieder vor -eyr ' Zusammenbruch .steht, Lenin..,den. ^Bankrott seines WßMS^MprW--und. die kommunistische Partei seine HlWr m hezug auf den App ll -an das ausländische Ka- 'MM^ünd:'die. ausländische - Arbeit!guthoitzt, hat Lloyd DMe ööm Vertrag : unterschriebem Er sichert, der engli-. MKMndüstrie7 nebst denr materiellen Vo.rsprung auch noch^ den'Moralischen, als Vertreter der größten Erdmacht die.-.mttder faktischest materiellen Anerkennung der Sowjetregierung.vorgegangen ist. England hrlrigt die Anerkennung, bringt. Waren, MaschinK, Geld,. Lokomotiven. ES reicht den Arbeitern und den Bauern He- -rettende Hand und drohtihrer Regierung nicht so lvi? Frankreich mit dem Schwert. England ist der erste europäische Staats der zu den russischen Massen kommt Md' zu' ihnen spricht. Vor diesem Schachzug der Lon- ,deM?r- Stäatskanzlei mußte Lenins kapitulieren und sein MvÄzutz! berechtigt Lloyd George' zu der Hoffnung, daß diesem Vertrag auch in Kürze einregulärer - Friedensschtuß folgen werde. Denn wenn -ein englischer Ministerpräsident bor seinem. Parlament Lenin dafür lobt, «daß er auf s.ine -Doktrinen verzichtet^ dang weiß er schon etwas mehr aus den Botschaften, die ihm Herr Krassin gebracht hat. - > .: •? ■ Die Eröffnung Rußlands für den Weltverkehr imj> best- Welthandelkann zu - einem Segen' für das verkümmernde Europa werden, wennes England gelingt. Frankr.ich zu einer Revision seiner russischen Prinzipien zu bewegen. Der englische Ministerpräsident kündigt ejisten.:.da.hüizielend.en Schritt an, in dem. er . mitteilt, die französische Regierung sei von. den.'Anschauungen, Eng. lguds iUstterrichtet worden. .Eine.Wendung in^ der russischen .Frage äb?r MÄe gleichzeitig eine Wenöüng in der Haltung zu Deutschland bedeutest und zur Revision ..Her. .Friedensvertrage', hinüberleityr' . - Durch , das Werk von Versailles ist die europäische Wirtschaftsgemeinschaft, die d:r .Krieg .unterbrochen ^tte. vollends aufgehoben worden-Wirtschaftsbeziehun- D»i die den Nationen in Fleisch und. Blut übergegangen Waren, sind zerstört und durch ein^erkunsteltes Absper- Mgssysttzm.- vernichtet worden-, dessen Sinnlosigkeit klar KKtag?. liegt, das aber doch, durch die fortdauernde Hriegsverwirrung.gestützt wivd.. Dieoffene. Auflehnung, W sich heutü in aller Äelt.gHW:mxse^rütali^8test.'der, Hölkerverhetznng. regt, gibt , die Hoffnung, baß doch'ein« mgl der. Wille zum Frieden die Oberhand gewinnen tvird^ Es gedeutet sehr viel. - wenn Bnglä« das Fenster' ist die rusiische Mauer aufstößt und. dem unmöglichen Hststand. oin.End.- macht, der die schaffende Kraft von mehr als.'hundert Millionen Menschen: dem,Leben des- Kontinents fernhält. Es gibt keinen Frieden, keine Arbeit keine Erhoümü- Lvrange WaÜM DeulscWand soll §o Eine Ablehnung der Forderung. — Frankreich droht. 23. Marz. iFunkspruch.) Die Paris, ReparaLronskornmiffion hat gestern die deutsch?« Vertreter an'ehört; es verlautet, datz die am 1. Mai an Deutschland zü Lborrerchende Tordernnq 90 Milliarden Goldfranes betragen werde. DeuLschland wist nicht zahlen. Berlin. 23. März. (Wolfs.) Die deutsche KriegSlasienkommissiön i« Paris hat der Ncpäratlonskommisiion eine Note übergeben, in der zu der Forderung nach Zahlung von zwölf Milliarden Goldniark vor'd-m 1. Mai 1921 in Gold oder fremden Devisen und von einer Milliarde Goldmark bis zum 23. Marz als Anzahlung hieraus erklärt wird, die deutsche Regierung könne die dieser Forderung zugrunde liegende Berechnung, wonach Deutschland in Erfüllung des Artikels 235 des Friedens- Vertrages höchstens acht Milliarden Goldmark bezahlt habe, nicht als richtig anerkennen und muffe Verwahrung dagegen einl-gen, daß ihre/diesbezügliche Darlegung in - dk^Hbte Wr W-W^A/M^reistMrmelktzk Gstwrknd. bezeichnet RestieNng WlügL schließiich die umgehende Eröffnung mündlicher Berhaadlunge» zwischen der Repärationskommiffion und; der KriegLläftenkommiffiön über die Bewertung der bisherigen Leistungen vor und erklärt sich bereit, in Verhandlungen bezüglich der Auflegung einer auswärtigen -Anleihe einzutreten. die aber nicht lediglich vom Standpunkt der Erfüllung des Artikels 235, sonder» nur im Zusammen- Hang mit de» Reparätionsproblemen erössnet werden könnte. Paris, 23. Marz. (Havas) Die Antwort der deutscheu Regierung auf die Forderung der Reparationskommission nach Zahlung von 12 Milliarden.Goldmark vor dem 1. Mai ist soeben eingetröffen. Die deutsche Regierung l e h n t d i e F o r d e r u n g a b. Sie weist (He durch die Kommission erfolgte Schätzung der.von ihr bereits erbrachten Leistungen zurück undx hält an ihrer Schätzung fest. Sie verlangt, daß eine Sachverständigenkommission zusammentrcte, um über die beiden Standpunkt: zu entscheiden, erklärt aber schon jetzt, daß sie außerstande sei, zu zahlen. Paris, 23. März.' (Havas.) Ja der Antwort an die Reparationskömmission über die Zahlung von zwölf Milliarden Goldmark vor dem 1. Mai erklärtdie deutsche Regierung, daß zwischen ihr und der RrparationSkom- Mission bezüglich der Bewertung der von Deutschlandbereits geleisteten Zahlung mit acht Milliarden Gold-' mark eine Meinungsverschiedenheit bestehe. Die deutsche Regierung behauptet, daß der Betrag ihrer Zählungen sich auf 20 Milliarden belaufe, und verlangt den Z«. sammentritt eines Sachverständigenausschuffes zn< einer Beratung, um den Betrag der - bisherigen Leiststnge« Deutschlands endgültig festzustellen. Sie versichert ferner, daß es ihr selbst ist dem Falle, als die.Bewertung der Reparationskommission "von den- Sachverständigen als richtig erkannt würde, infolge der wirtschaftlichen und finanziellen Erschöpfung des Reiches unmoglich wäre, vor dem t.-Mai-die Bezahlung von 12 Mil» liarden Göldmark zu leiste». Wenn auf Grund der Be«^ ratung der Sachverständigen in den Zählungen DeutschlandS elst-Fehlbetrag festgestellt' werden sollte, so sei dieses - bereit, mit der ReparälionSkömmissio» über die Aufnahme einer Ausländsanleihe zu verhandeln. Die dcntsche Rote wird von der HavaS folgender», maßest glossiert: Die deutsche» Sachverständige» wurde« von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer den Wechsel« sei.kgen Verkehr zwischen Mittel« und Osteuropa verhindert. sölange dy Funkenflüg aus dem unzugänglich gehaltenen Rußland - die ausgetrockneten Dächer feiner SÄffl bchrpht. Dar Ech-knglischg -mäm Ä -all über die Bewertung der Zahlung Deutschlands »!»^ hört, deren Betrag der Ausschuß nach ihrer Einvcrnah«© sestgkseht hat. Die Bewertung ist also endgültig, da sie gemäß dem Friedensvertrag in die ansschließliche Aom«. petenz der Reparationskommission fällt. AndetepseitS geht die deutsche Negierung der Frage beteessL der' Zählung der ersten Rate im Betrage von erner WjÜiarp^' Goldmark vollständig ans dem Wege und beweist/niD, ihre Unfähigkeit, diese Summe zu bezahlen, über hie M ebensowohl in Gold wie in ausländischen Werten verfLg^/ Die Reparationskommission trat hentt vormittaM. zusammen, um die dentsche Antwort zu prüfen, dre eistö. Verletz «ngdetz B ersai Ile r Vertrag es von »eiten Deutschlands durch offenkundige Nrchterfückttng, seiner Berpslichtunge« darstellt. , Der Ausschuh wiMdiese Nichterfüllung den verbündeten Regierüngey u»«^. verzüglich zur Kenntnis bringen, welchen es zn^mmH/ wird, die Folgen dieser Verletzung v»d die ersordMch^ Maßnahme» rnS Auge z« fasse». / % Briand brolit jölc^cr.::i B r iasth erflärtain denSmMthatzPfMslM'jMMnöWA und auswärtige AugelegenhÄen^ er /er!väM7 steM deutsche' Vorschläge, insbesondere. bezugW /dsr. rndiw striellenTeilnähme an dem Wiederaufbaus der vetwüstebest Gebiete. In /Erwiderung auf ,eine. Anfrage ' übe!r "dijs. Zählung der von/ dsr ReparätionskommissiM /Mö.eder^ ten zwölf " Milliarden sagte Brand, wenn die . Deutschest nicht zahlen, würden die A l l i i er t en sog l eich alle Maßnahmen ergreifen, um die vom Ve^f-ar-llsst. Vertrag' vorgesehenen S a n k t i o n e n a nz'u w> den. Aus eine weitere Anfrage, betreffend datz DätuM der Besetzungsfriften, erklärte der Ministerpräsident. dieM ' werde erst von dem Augenblick an-zu laufen beginnen^ wo Frankreich; Genugtuung erhalten haben werde, bst der Vertrag in diesem Punkte formell sei. Auf die Frag« einiger Senatoren^ ob Zwangsmaßnahmen, wie Ein» fuhrung neuer Steuern und Beschlagnahme von Wald» und Grubenprodükten in London in Aussicht genommen worden seien, - erwiderte Briand. diese Frage sei deMäwtz Natur und werde noch geprüft; Frankreich werde " nicht mit einer Zahlungsgrimaffe zufriedengeben. Vcrltn, 83. März-, (Lel.-Komp.) In politischen Krei rechnet man damit, baß die Entente mit Rücksicht auf M ablehnende Antwort auf die letzte Note der Alliierte« m neuen Gewaltmaßnahmen schreiten wird. Hi ES ist nämlich kaum anzunehmen, baß di« ReichSbqM ihre» Goldbestand, der zur Deckung des Notenumlaufes dir«Ls gutwillig an den Gegner ausliefern wird. Man würde ©ß allgemein für die beste Lösung ansehen, wen« sich Teile entschließen würben, den Streitfall einem »eutralstL Schiedsgericht &u untectoctte«. Die Entente trab Amerika N»r>», W. März. Meldungen aus Rew.york bes»^^ daß England und'Italien, dem Beispiele Frankreich, fqxgstjjst, demnächst Delegierte nach Washington entsenden Präsident Harding hoffe, mit ihnen alle mit dem . PeesaillM FriedenZvertrag und dem Volkerlnnd zusammenhängenden Fragen regeln zu können. Die amerikanischen Botschafter im London und Paris dürften erst auf ihre Posten abreise», nachdem sie mit. den Chefs der alliierten Sondiermissiö.ie» Fühlung genommen , haken werden. Wie ^Echo de Päris^- nreldet, habe die belgische Regierung, dem Bürgermeist«: tzy« Brüflel Adolphe Rax mit der Leitung der belgische» ZontzeG erste Mittel zur Herstellung geschichtlich gewordener bindungen und zur Wiederbelebung der so rünge ftlM gelegten Verkehrswege. Sr ist auch ein weiter«: HMUauf dem Wsae **** NsrnunfL. 8

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