Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 772 (20.3.1921)
- Date
- 1921-03-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelpreis SB Kronen PrL»«««ra<ronsr»r«rser Die«: g*w Uholm M »er Vxpetttio«, S. vr-irk, Täborftriche 1 bis H, oder in einer »ecfdilrifrfwre (TraflN: Monatlich. . Kronen 70.— «Zierteljkihrlich „ «10.- Mft P»ftversa»d fflt Wien und Oesterreich: Monatlich .'.Kronen 70.- ' Tschecho-tzlorvakei: Monatlich .. Kronen 17— Nierteljiihrlich „ 51 — i«tschkcho.flowarischerWSHr«ng Ungarn: Monatlich .. Kronen 70.— Merteljsthrktch „ 210.- in Ungarischer WSHnmg Jugoslawien: Monatlich .. Dinar 1».— Btevtelsöhrlich „ »0.- Einzelpreis 2B, Kronen Wien, Sonntag den 2V. Mürz 1921 Prännmekattlmopreiser Polen: Monatlich .. Mark BterteliiihrNch «. 240.- in pchuischer Währong Denchchlanb: Monatlich. . Mark 1»^ Krankreich: Monatlich . . Francs Italien: j Monatlich . . . - Lire 6.— AnWäniev: Monatlich. . . Lei 20*- Lchweiz u. dar übrige Kurland; Monatlich. . . FrmreS S*-> Redaktion ».Administration W ie»,2.Bez., Tabor^l—-» Telephone: 440S8.4S010, av S UHr abend« «r.lst«0» Ä ostsparkaffentonto ILOMst 3. Jahrgang Der Sieg von Kronstadt. 7, —7. W i t«; 20. März. Der Aufstand in Kronstadt ist niedergeschlagen. Die bolschewikische Regierung feiert ihren Sieg in Duldungen an das Ausland, die deutlich den Charakter des erleichterten Aufatmens an sich tragen. Wie es sich für eine Regierung gehört, dankt sie, wie Ludendorff und Joffre, den chraven Truppen, die über die zugefrorene Newa hinweg die Festung genommen haben. Die Bravour dieser Mannschaften in Ehren — aber wäre es nicht hübscher gewesen, wenn «das erste Wort der angeblich sozialistischen Regierung eine Amnestie gewesen wäre? Die Besatzung von Kronstadt ist, wie nachträglich bekannt wird, nicht iln Dienste der zaristischen Gegenrevolution gestanden und hat den General Koslowsky, der die Situation auszunützen versuchte, rasch unschädlich gemacht. Sie hat sich in Funksprüchen an das Ausland auf die Grundsätze «der Demokratie berufen und das von ihr mitgeteilte Programm fordert die freie Wahl der lokalen Sowjets, die Einberufung einer allgemeinen Konstituante und die Wiederherstellung des freien Handels. Die lokalen Sowjets wurden bis in die letzte Zeit in siebenfach gesiebten kommunistischen Versammlungen nach Vorschlags «des. Regierungsvertreters gewählt, was diese Aßahlen in nichts von den ehemaligen SeMstwos unterscheidet. Das Verlangen nach einer Konstituante, die aus ■ allgemeinen, direkten und geheimen Wahlen hervorgeht, sieht durchaus nicht gegenrevolütionür aus und der freie Händel, ist, von Lenin durch Dekretim Vertrieb laüdrvirtfchaftlicher Artikel vor wenige^ - Tagen Mgesteütc wachest? DreMchWW MütE lvarsm sMW^ ersten, die den Mut aufbrachten, öffentlich zu fordern,, und dieses -Verbrechen mutzte mit Kanonaden geräO werden. Ob dies überall so wie m Kronstadt/geglückt ist, kann nicht gesagt werden. Es gärt in ganz Rußland, aber die Virtuosität «der Regierung rm Vertuschen und Dementieren läßt kein klares Bild darüber.erkennen,, ob Ms System noch feststeht. Es geschieht vieles in Sibirien uhd in der Ufraine, wovon sich die europäische Schiulcheisheit nichts.träumen laßt, was «her in seiner Gesamtheit.und in den groben Umrissen, in denen es 8hr 5lenntuis der mchtbolschewMschen Oeffentlichkeit gelangt, doch; nur beweist, daß die Regierung'militärisch stark ist. . , 'Aber * starke Bajonette sind noch immer das Symptom < politischer Schwäche gelvesen. Das Sowjetsysiem, daseinmal der zornige Protest der russischen Massen gegen die, Kerenskische Kriegstreiberei war, hat sich überlebt. Die Resormbedürftigkeit ist von den Hauptsachlichsten Vertretern des Bolschewismus auf dem letzten kommunistischen Kongreß zugegeben worden, was umso schwerer ins Gewicht fällt, als dieser Kongreß kein Parlament, sondern die Regierung selbst ist. Ditz Oppositidn hakte sich recht fest an den Konzessionen und an der-Behandlung der Agrarfrage ein und Lenin müßte in wiederholten Beschwörungen bitten, den Diktatoren Vertrauen zu bewahren. Er mußte aber den trostlosen Niedergang der Wirtschaft zugestehen ünid er muUe bekennen, daß es mit der Weltrevolution nicht so rasch gehe. Die Schwierigkeiten lägen in dem Mißtrauen zwischen Bauern und Arbeitern, in dem maßlosen Anwachsen der Bureaukratie und in der mangelhaften Organisation des Ernährungsdienstes. Das - sind Dinge, die sich nicht nur in Rußland, sondern in vielen anderen Staaten zeigen, die nicht einen dreijährigen Kurs in praktischem Kommunismits durchgemacht' haben. Wenn man von dem vielen, was im Westen über Rußland geschrieben und telegraphiert wird, die Handgteislichen Entstellungen abzieht/ so bleibt noch immer genug übrig, um erkennen zu lassen, welch trauriges Spiel in- Rußland'? getrieben wird ünd mit welchtzn Mitteln die totale Hohlheit und Ideenarmut, die verwaltirngstechnische Unmöglichkeit dieser Doktrin verhüllt wird.. Daß diese 'Diktatür noch, am Leben - ist. kann die Politik -des -offiziellen Frankreichs mik'Fug- und Recht für sich buchen. Die Aufstellung bezahlter Banden - unter dem, Kommando der zaristischen, im Polke bis aufs Blut vLchaßten. Generäle'W den Söwjcks imüitzr Wieder. tM' Leben gefristet und ihnen die.Möglichkeit gegeben, den iizuererr-Schwievigkeitm durch den- Hinweis aus den Sieg der Weißen Reaktion zu begegne«: Es ist nicht.daS' schMWte Stück englischer RegierüngSkunst, daß diesen Arlterv^ntiönen' des. fränzöstschest Imperialismus dsirch ^den v m P aris, 19; März (Havas.)Der allgemeine Bericht über das Budget für das Jahr 1S21 fchStztdie französische Schuld auf SV? Milliarten Fran es. Frankreich hll-e von den 218 Milliarden, die Deutschland fstr VerforgungSgenüffe und als Schadenersatz m zahlen hat, bereits 38 Milliarden auf Rech- «uug Deutschlands gezahlt. Die verbleibenden 18V Milliarden würde« die franMfche Schuld Vergrößern» falls Deutschland nicht zahlen sollte. Der Bericht schließt, man müsse die Deutschen mit Hilfe der erforderliche» Sanktion»« zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen zwingen, wobei man alle notwendigen Pfänder nehme. Der französtfche Staatsschatz werde im Jahre 1921 Lasten im Betrage von 58 Williard en zu tragen haben, gegenüber Einnahmen von 28 Milliarde«. Der Reparationsbill im Unterhaus. Loüdon, 19. Marz. (Reuters) Im Laufe der Debatte im Unterhaus bei der dritten Lesung der Reparationsb i l l begründete Tlhnes (Arbeiterpartei) einen.Antrag, das Haus möge die Annahme des Gesetzes verweigern, das nicht die politische Einheit der Alliierten darstrlle und geeignet sei,--peipeutzlisHPL-Handel ^Schüd« zuzufügen-. - Der Attv erklärte im Namen der - l irn-geü inst" Deutschland wieder aufzunehmen, wenn dieses eiutärnünfttges Änbot mache. --UWWSsetz wurde mit 132 gegen -18 Stimmen in dritter Lesung angenommen. ♦ Der Wiederaufbau der zerstörte« . Gebiete. Berlin, 19. März .(Wolfs.) Im Wieberaüfbau.- ministerium fand heute unter dem Vorsitz des Staats* sekretärs Müller eine Beratung über die Frage der Beteiligung Deutschlands an dem Wiederaufbau der? zerstörten Gebiete Frankreichs statt. Staatssekretär Müller erklärte, daß Deutschland schon seit Juli 1919. ' seine Bereitschaft, sich aktiv an diesem Wiederaufbau« zu beteiligen, ausgesprochen habe.' Die Verhandlungen seien nahezu vor einem Abschluß gestanden, von j^an* zösischer Seite aber abgebvochen worden. Deutschland zieht die Vorschläge SiM0«s' zurück. . Berlin, 19. März. (Wolfs.) Die Sachverständigen, di» an der wirtschaftlichen Vorberatung des deutschen Angebotes in London tellgenommen hatten, sprachen beim Reichsmtutstey des Aeußern Dr. Simons vor und «erklärten, daß fia nach wie vor der Ueberzeugung sind, daß iveder die mit de» Pariser Forderungen der Entente noch mit den beide« Londoner Angeboten der deutschen Regierung ver^chenen smans zisllen Leistungen von der deutschen Wirtschaft ausgeörachK iverden konuen.! Dejngegenüber erKärte MichSmmister Die. nach hen/EÄ>gnisschr .der letzjLn .Zeit . käE' svv»hl Äe gierüng^wiL - auch - der Reichstag diese' M l . , -te setzüngen gebundenen AngebsO^iw London als' nichit meh« bestehend und gültig betrachten. Ul Warschau, 19. März. Die Polnische Telegraphenl Agentur meldet «aus Riga: Der polnisch-russische Frietzensvertrag ist gestern um 9 Uhr 30 'Minuten «abends unterzeichnet worden. Wnrfihmr, 19. März. (Funkspruch.) Der Friedensvertrag zwischen Polen und Rußland - umfaßt 26 Artikel. Art. 1 stellt daS Ende, des Kriegszustandes zwischen den beiden Staaten fest. Art. 2 erkennt die Unabhängigkeit der Ukraine und Weißrußlands an und bestimmt die Grenzen zwischen diesen beiden Staaten und Polen. Beide Teile verpflichten sich, ihre Truppen innerhalb 14 Tagen aus den ihnen nicht zugesprochenen Gebieten Mrückzuziehen. Art. 3 besagt: Rußland und die Ukraine verzichten a^f -alle Rechte und Ansprüche aus die westlich von der im Art. 2 frstgelegten Grenze liegenden Gebiete, Polen sinngemäß auf die östlich davon liegenden. Die zwischen Litauen und Polen zu regelnden Gebietsfragen sind wrr eine Angelegenheit dieser Leiden Staaten. Art. 4 bestimmt: AuS der ehemaligen Zugehörigkeit. zum russischen Reiche erwachsen Polen keine anderen Verpflichtungen, als die im gegenwärtig«: Vertrag sestgelegten. Art. 6 laptet: Beide Telle verpflichten sich, in -die inneren Angelegenheiten des anderen sich nicht einzumischsn, sich jeder Propaganda-zu erichalten und bewaffnete Unternehmungen gegen den anderen nicht zu unterstützen. . Art. 6 betrifft, das Optionsrecht russischer und polnischer Untertanen für Pulen, beziehungsweise Rußland. Ärt. 7 garantiert die Rechte der beiderseitigen Mnoritäten. Nach .- Art. 8 verzichten beide Telle auf die Zahlung t>0« ,5kriegskosten und Entschädigungen. . Art. .9 bestätigt den bereits geschlosencn Sondervertrag ' über die Kriegsgefangenen.;> Art. ,16 betieifst die Amnestie für politische Verbrecher.' , ... Art.. IsL «egett die Rückstellung der polnischen Archive. und dje.vor '1914 aus Polen weggeschafft wurden. Art. 12 besaßt sich mit der AnfteWmA deS tzhemaW. zaristischen Staatseigentums und überträgt die Ansprüche auA' diesem Besitz, soweit sie aus polnischem Gchiet. lieg«,^« politischen Republik. Art. 13 enthält die bekarrnte Zahlung von 39 MMovtzN Goldrubel au Polen. } Art. 14 enthält die bekannte Anstellung, bezöchMD weise Ablösung des Eisenbahnmaterials. Laut Art. 18 verpflichten sich Rußland und die ükvrmtz zur Rückstellung der Guthaben, die polnische Untertan« & Geldinstituten hatten, die von Rußland aufgelöst wurde». , Art. 16 enthält eine sinngemäße Verfügung Äer destt Besitz wissenschafllicher und religiöser Bereinigung«. Art. 17 trifft Bestimmungen über die Auszahlung be» Polen gebührenden Teile des Staatsgutes des alt« Rußlands Art. 18 schafft eine gennschte Kommission mit dem Sch ' in Warschau zur Durchführung der Bestimmung« des Artikels 17. ' Art. 19 stellt fest, daß Pol« zur Zahlung von Staats-' schulden des russischen Zkaiserreiches (diese sind nam«Ech * geführt) nicht mitverpflichtet sei. Nach Art. 20 werden. Polen die Rechte des «tekflp $ begünstigten Staates zugesichert. Art. 21 besagt: Sechs Wochen nach Ratifizierung habe» I .die Verhandlungen über die Wiedevaufnahme des HawdelS, den . Konsularvertretungen, des Post- und Eisenbahnverkehrs auf- . genommen zu werd«l. Art. 22 behandelt die Transitfrage. ( Art. 23 stellt fest, daß die Bestimnmngen für Polen auf alle jene Gebiete Bezug haben, die westlich der. geschlossen« < Grenze liegen und dem ehemaligen russischen Reich «mgehört' haben. Art. 24 und 25 fthlen im vorliegend«. Telegramm. . Art. 26 bestimmt, daß die,Ratisizierungsurkunden inner- - haL 45 Tagen nach der Lertragsnnterzeichnung in Musk auSzutauschen sind. : - - . " i ' vörgsschqben . wurde upid daß RußlanL mit! den, ünd ihm die Ausrede, der Betzrohung des Vater«. sqstst^r daraus verwiesen Wird, im Innern ge-! landes und der proletarischen Ordnung nehmen. Nuß-i «o;--nets üüp menschenwürdige Verhältnisse herzustellen. \ lamb wird seine Geyesung andrrs^ erreichen als durchs Rigagr Friede, Lessen ^Abschluß aus Warschau ge-; Generalstürme äuf Festungen. Es wird seinen, Bürgern {!m'eWt wich, wiü .einest' -wetteren, 'Erfolg des englizur glMM Wicht das gleiche Recht geben müssen.' .