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Wiener Morgenzeitung · 1921-03-18 · Heft 770 (18.3.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 770 (18.3.1921)
Date
1921-03-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelpreis K W»»«: Mm «vtzol« t» m GchüiiiU», L. Bszkr». ßsw» i b» % •*» «« einer fcrfWitSftrte : Mnmnlltch. . Amren 7^.— «HnMimild **®»~ •HMWhwtf««» »v Wm mk Odtmeift: W»«NUch .. Krone» 7S.- rsthcchs.SrorsE: MmatNÄ .. Krone» 17.— «tterielljiwrr»« »« - dttltzscho^owakischttWs-w«» SIMM«» .. Krone» 7.^.- ievteliichrlich .. ' i» DS»rr»s Aatzoslevik»: Srouoeu» .. Dm« GlertelfLbrNS » ST- ■pwp^lgi Wiener Einzelpreis K 2B.Q€i| ■"■■' " i PrannmeratisnsPreisntz «««■: . 1 «o»««ch .. «ii»^ »imtlimm „ «4T^» t» po!»ilch»r wr»W>W —__.) »MMitfal . . . «Uwt HM M. T, Mrsattich kmmihi _ ShmSmlat: «omttttch. . . . Uri EchveiS ».wSßvUtz« Monatlich. . . Fr«uS Aerxrrri«««.<rd»lkRivr«rtStzch Svie»,E.Be«^ $»UM&r.l~9 Dekephove:?4Ö3M, -ftaai*. ab « Ufr «fte»M9te.iOSOl VEd«rLrife«u)LM 1SLLW Rr. 7?v Wien, Freitag den 18. MLrz 1921 3., Jahrgang Hüiiii mff ©«5 engtisch-rnssische Abkommen. '4 Wie«. 18. MLrz. . Die gestern in London erfolgte Unterzeichnung des englisch-russischen; Handelsabkommens. setzt eine: Tat non WeltbÄ?ütu'ng.' Sie leitet eineneue. Epochein -. der Geschichte Europas ein und ist eigentlich der: erste:Anfang zur Friedenswirtschaft. - Rußland tritt nach; dreijähriger Pause wieder in den Kreislauf des Verkehrs ein.. Die VswndAuMen7die ' sich 'in:, dieser Zeit - im ührkgen.Mropa und aus: d.w'/russischenKontinent .'vpllzotzefl'^ haben.'- werden .von? den! Kontrahenten hes '.MttiÄge^- anerkannt und -als Ausgangspunkt -von-'Ber>- .>Wbyrrmgen-,' festgesetzt,-- welche -politisch umdtvirtschnftlich den - momentanen -Stand als Basis nehmen. Die - Vdraussetz'nngen - desn^uen -Handelsabkommens .sind - SelbstverstZndlichk.iien, lassen aber doch durchsckimmy-n^ daß auf beiden Seiten, noch ein. gMisses Mißtraue besteht, das erst überwunden werden Äiütz, Das Abkümmen' „soll nätulich. erst - nach: Erfüll,mg '."der -folgendenrBavbeWte in Kraft treten:, 1 Beide Staaten barpflichten Pch,jeb^ fein bliche -.Haltung und jede Propaganda rm Lande des anderen.Dcctwgsteiles zu.unterlassen. Knsbesondere. verpflichtet sich Rußland, den Völkern JrKiens und,.AfghanistanZ. in. keiner - Weise bei feindlichen Handlungen gegen Großbritannien Vorschub zm-leisten. 2.-Den' b-iderseitiaen.Untertanen ist die Nückkehrin ihre Heimat freizustellen. i-. Die Tragweite. dieser PsreiubarMgen erhellt aus uO MauWytM -We amtlichen Vertreter genießen freien schriftlichsn und telegraphischen Verkehre -auch .\n Geh imsprache.'Die Kurierpost unter-' KM>kekW Mtersn'chuNg. England verpflichtet sich, kein Sondergesetz gegen' die Einfuhr russischen Edelmetällszu' etlässen.Nach zwölfmonatigem V stehen kaNrrHas Abkommen mit' sechsmonatiger Frist gekündigt werdend Die russische Regierung erkennt' grundsätzlich atz, Laß' 'sie- Personen, die an Rußland - Ansprüche für geliefert? Waren oder' geleistete Dienste stellen können, zu entschädigen habe, ohne daß. diese '.Personen bei den seinörzeitigen' Friedcnsverkmndlungen einebevorzugte Behandlung' zu geni tzen 'haben: Der Vertrag greift also den späteren Verhandlungen zwischen Rußland, und den Ententestaaten vor. hebt aber schon jetzt die fftr . Rußlands ungünstige diplomatische Vereinsamung auf, indem - er - Eon jetzt England als Vattner - des .Sowjet-, styates nomini'tt. Es liegt'klar auf. der Hand, daß'die englischen Handelskreise den Vorsprung/ den ihnen der Vertrag sichert.- äysnützcn werden.. - Die Folge davon muß 'sein, - daß England im - stärksten Interesse; seiner gitzenen - Industrie bei den zukünftigen- Fri 'densbelprechüngetz?än der. Seite Rußlands.'wird .stehen müssen. 7 Wir haben bereits-vor längerer? Zeit auf die Zähigkeit -und kluge Voraussicht 'hiNKwiesen, : mit? welcher die englisch? Regietüng in. der/. Russischen Frage ihre eigenen Anschauungen verfochtest/hat.' Das/Zustandekommen/ des Vertrages ist-?eist^neiierlicher^B.elyo!Sfür dke 'Zielsicherheit der englischen Molitik. unbeirrt von dZr Fkeborhitze des französischen 'Temperaments . die Ordnung Europas einzuleiten; /und ü.daS eutopäifchs Problem gerade^ ist ' seinem MfttelpuM/ aufzusuchen. Frankreich gcht immer nur von/dev Angst .Mp Deutsch--; lilnd aus: es »steht noch /immer auf. des Krieges - ünv alle^seme Handlungen sind.--- von dem Bestreben diktiert, Dttttschland7.-en/Wrs^---ttr?Rsvänche/ zst verle^cm Daraus leit 1esich auch' seine Haltung zu Rützlanb h'e'r: di^ Feindschift gegen diesen Staat hat Nldttlger ihren Gkünd in dem. MWN vor dem PseudokommnnisMuS-der Diktatur als vielmehr in der Tatsäche d-8 Abspringens' Rußlands -Yvn der Entente woh' renb des Krieges. Das Lichchigüln.'der deutschen Chau°- .Misten mit den militaristisches! Müren! «r Völsche-: Wiken hat Frankreich immer weiter auf-dieser - Bahn getrieben und 'ihm bie-8rccitj. lt-der Beüieguns fürlange' hinaus genommen. ES mußjetzt den Deutschen gn-der- Dinge bleiben, wahrend Engländ- - die Zuktinstsfrage Eüropaß aufrollt und die.Anprkestmlng ^«r ^VöwjotS' M gleichbexechtigte Macht vornimmt. yiS -m die lßtzte^ Gtmibe hat Btiand Emspruch Erhoben un8) iw englisDa - - Nnteryärrsdurch imperialistische Deputievte einen gegen-' WiKerr StauSpuM -.rrtr^rn .laÜWtz W.W dU Mkl- Die SM an dem MlAiege Ein« A»sel«a«-ersetzANg im deutsche« Reichstag. Drrlin, 17. März. In der heutigen Sitzung des R.-ichstages. wllrde Her. Etat des Auswärtigen Amtes und des Reichskanzlers beraten, wobei Gelegenheit zu einer . Auseinandersetzung über die Frage der S ch u l d - a m K r l e g e gegeben: war, Hie - durchdie Rede Lloyd Georges auf der Londoner Konferenz wieder angeschnitten wurde. : 1 . .Zuerst' erklärte Abgeordneter Eduarde B e r n ft e i n ' (M.'h rheI t§sozia l i ft), - daß D c it t f ch l a n d das . B e rt ra u e n der d e m o k r a t \ sch e n S ch ich t e n aller Lanüer der Erde brauche. Dieses Vertrauen fehle aber und-die Parteien d.'r Rechten machten alles,, um es nur ja nicht aufkommen zu lassen. Redner -führte; den Miß- .erfolg der „Londoner Konferenz auf diesen Mange! an Vertrauen zurück. Zur Schuld am Kriege, erklärte Bernstein, es fei nicht zu bestreiten, daß - bie kaiserliche Regierung Deutschlands den Ausbruch des Krieges hcrbcigrsührt habe. Nicht das deutsche Volk als solches trage 'die Schuld am Kriege, sondern das kaiserliche R gime der Vorkriegszeit. Nehmen wir, sagte.Redner, daher die Schuld am Kriege auf uns (stürmische Rufe rechts: Nein, nein!), dann werden sich die Forderungen der Alliierten ermäßigen und. man würde, dazu beitragen, daß eine, freundlichere Atmosphäre zwischen dem republikanischen ^Fn^'MMeMk WMeDNMMUMWMfWGHb.--- geordnete . .B r e i t s ch e i d,' der bÄ dieser Gelegenheit auf die Behauptung zurückkam. daß Ka.utsky sein ur- .sprüngliches . Urt.il. über /den Anteil ^".ftchlands, an der Schuld am Kriegerurüchgenomtnen habe. Redner erklärte, daß'Käütskch'seiw Urteils!.daß Dentschland^zielbewußt auf den- Hrieg biygearbeitet Hübe, bereits vor der Heräiisgäbe seines Büches r?vidiert' habe.' Kautsky sei nicht so töricht, z« behaupten, daß die Regienmg Bethnwnn Hollweg bewußt.den Krieg herausbcschworen hat. aber er habe ausdrücklich. fcstg stellt,, daß die kaiser-. liche Negierung mit der größten Leichtfertigkeit gehandelt und Oesterreich von feinem verbrsch^rischen Anschlag aus Serbien *'" nicht abgebracht bat. -Die moralische Schuld Deutsch, lands datiere freilich nicht aus den Julitagen Istl i. sondern aus der ganzen früheren Zeit. Redn.-r kgm sodann ans die Ausführungen des bayrischen Ministerpräsidenten von Kahr in, -der vorgestrigen Landtagssttzung zu-sprechen und erklärte: . Der P rote st gegen die A u flö'sn n g der Ei nw o h n e r w o h ve n und die E n t w a.s s n u n g ist u ne r h ö r t.-Ministerpräsident'Kahr fordert in seiner Rede dazu auf. den Anordnungen der Reichskegierung Widerstand zu leisten. Dieser baynsck)e, . Repräsentant des Geist-s von Potsdam treibt uns in eine? böse innere Krise, mit höchst unangenehmen Wirkungen; auf das Ausland. Wir wollen doch alle, daßweiter mit - der Entente verhandelt werden soll. Tie R.üchsregiernng, soll, sich daher rücksichtslos-auf die. Arbeiterschaft Norddeutschlands stützen und die bayrische Negierungzur Vernunft bringen. Tut sie das - nicht, dann hat sie bereits abgedantt. Dre Berufung. ' der auswärtigen Vertr.ter in Ä o n d o tt, Brüssel und Paris macht den Eindruck ^einerDemanstraLion. Wir', dürfen aber weher an dew Abbruchs noch, an die Suspendierung der diplomüHchen Be? Ziehungen denken. In der Neparationsfrage und in aüswärLigen Politik müssen wir von Her Regierung'eüd» 'lich ein postftves'Programm hören. Die Regierung muß ' -sich' in' g'eche'lnsämen Beratungen' mit SMverstävdi'gen - darüber klar werden, was sie als Reparation leisrÄr ' kann' und?leisten. will. . '' Der dsntschnation'ale Abgeordnete Schultz-Brom-!' borg trat den beiden Vorredners bezüglich ' 'der'' Frags'- der. Schuld am Kriege' entgegen. Sein StanWMt sei,.'. daß es. keine f r i e d f e r t'i g e re Negierung;. gegebeir; habe, als die Wilhelms? des Zweiten. ^Ders.-lben Mer« -NANg gab der Abgeordnete der deutschen Volkspartch R ie ß e r Ausdruck. . Abgeordneter M ü H c r-Franken erklärte, LaL Ausland We eine feste Auffassung über die SchrM am Kriege auf. Grund 'der geschichtlichen Vorgänge'ge*' Wonnen, wie. sie iw Ausland gesehen wurdÄrH. ' Attsland bestehe die b^zrüadöte Ueberzeugung,' daß Wilhelm dcr Zweite die Schuld am Kriegsausbruch habe.'Daran werde man nichts ändern, .auch - wenn man A noch so viel , schimpfe. Srhebungen einer englische« ÄetzeEr» knmmissio« in De«tschla«d.? Lauvo», 17:'.März..(!?sW .Heryltz" her enflli ckc» Aibour Va. wrlde .Wv^zügstch in D'Utfchla;>d «ne ^Untersuchung?Lrder die Vage des dmischc« Mo»! lelori ns .iw H.nblrck aus die!^t?n Entscheidungen. anstelle». . - - ' Die Lösung drr «orderasiatische« Smyrna und Koiiftantlnopel türkisch. Paris, 17. Ma»r> (Tel -Komp I Der' Londrner crl'ater des Mnstr ew D o r k Hera meldet (mL _ Blatt'. ’ daß rix T ü 11 e« und G riechen die. von. dyt Eutcntente voraeschlag-re- Lösung der vo.derasiattsche» Fra-V a k z e.p t i e r t haben. Nach dem Boischlag kommt S m y r « « wieder un e, t ü r k i s ch e Souveränität, die Grieche«! -rikftn daftW bloß zwu Aompayn'rn mm Schutze ihrer Staats^ ansschöl gen bclasien. Der vom Völkubund za emennde ch i i K-j l i «h-r G v.u w'e »neue Smyrnawird' kein Grieche sei», j 7 )< Im Zusammmbang hiemir.wird m igftelt. vaß zwei tiy* tzschpMe?-sch».sfe nach dem PuauS «ntuwroS sind» um König Konstantin vor unvorheiges henc» Zwischenfallen z« : 'chii'ren. Man t efarchlrt nämlich ejp: nationaUstckche Reaktiv n n 'Athen gef.en . die Annahme dieser tzö ung. Auch hrzützlich' T h r a.z i fnl sind die.Tiixken mi^ dem Enleatevorfchlqg e i n-' o e r st?a n d?r y»'Aäch.'.>^m^eine/?^»;W^io« d:e Zuflchörigkest DlMie»S?nach echnWSvhijchm GmMpu-M-n <seH<Ü«nsvljL Facher? bchälr die 3^0 r k e r hie D. M ve.väch-i t-al a&iG K o « tz a n r i n o p e l. ,?-.< Hellsminist w Horne hat sich klar und deutlich als un°? bedingter Anhänger der Idee bekannt, mit Rüßland die HaWdelSbertehungEun'«nüeschkan.ktaufzünehwen; - Er? lrat die Nichttinien der enMclscn Politik 'dahin definiert,: doh der Händ^lsverkehr mit Rußland das - erste- und beste Mittel -se'ü diesem'Staat aus seinen Wirren -zur-/ Genösüng''zu verhelfem ' \ i. ’ Und' in'der Tat liegt hier ä^uch -dns -Mittel-zur Gestindüng -det Welt^ Rußland vermehrt'-s?ine ungeheuren - Kräfte in seinem inneren Brand, indem -seine? prodiik«' tiv'e'n Quellen versiegen und seine Menfchvnmassen > -durch Krieg ^rnd Hunger zu Schlacken atisbrennen. MützlaNL lbräucht europäisches Kapital, Intelligenz, AMtter. Wfchinen. Eisenbahnen. Europa Hrüifchr Mutzlands Getredde, sein Petroleum, ^seinL Kohlenitfib fesg Mm ober das grsLtz- Lrei^eWMtzW tzeZ russischen S?ele. die in de?' Wüste d^ Krkeses erRck^- weil. ihr die Befruchtung durch dM^ westlichchi^ Pösiti» 'tüsmuS fehlt. Weil. Rußland' die Verbindung ^mstdem Mistigen'? Europa fehlt, »die v ihmduych. den.- Egoismus feiner Zwingherren ahgeschnitten wn-.de, hat?sich sein« Fr.iheit iri; ein;Chaos?.verwandelt, 'allen ■ Reaktionären der. ganzen Welt zur Frende und aller Denrokratie zvm Abscheu. Vficht EnglündS. Kaufmann; und Englands Arbeitet die. Grenzschranken n ieder, dann wird R uft» :lQ«b, iien; Weg in die Freiheit finden. Für Europa ist dicS von höchst.r, seZyM Bedeutung, weil , hievon auch hle Einleitung zur Isolierung des franMschen. Im» perialiSmus gelegen, ist' und mfthM zür UufrichtunU dxr menschlichen Kultursolidarität « sür-« ttiüvS Bmch jtes fetem Völker. V :•,

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