Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 769 (17.3.1921)
- Date
- 1921-03-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Verlauf des AntisemitenkongreffeS und die -.'Myitzenfzenen, die ihm folgten, zeigten deutlich ein Aeherwiegen auswärtiger Elementes denen die Not des , deutschen Volkes' in Oesterreich und'dessen angebliche Bedruckung durch die Juden kaum sehr am Herzen liegen. Vs kam ihnen eine starke Empfänglichkeit der studierenden Jugepd zustatten, die zu einem ansehnlichen Teil unter schweren DerhalLnisssn leben muß. Die arische Studentenschaft — wir wollen diese durchaus falsche Bezeichnung für den Augenblick akzeptieren — leibet genau so wie alle anderen geschlossenen oder werdenden Berufe unter der Schwierigkeit der Nachkriegszeit, aber wenn man sie als Ganzes nimmt, so sind ihre Verhältnisse lange nicht so, arg wie die ^s bürgerlichen Mittel- WnbeSr. Es ist richtig, daß ein Mi! der Studenten hart kämpfen muß, um sich über Wasser zu halten, Lektionen tragen! heute nicht mehr so viel, als früher, Bücher, und StudienbehÄfe sind dank des WuchergeisteS der Buchhändler und dank der Unaufmerksamkeit der akademischen Behörden, die ihre Zeit mit Judenhetzen verbringen, fast Unerschwinglich geworden. Ätzer. arme Studenten hat es auch, schon vor dem Krieg gegeben, And es waren nicht die schlechtesten, die hungernd über "ihren Büchern sitzen mristten. Gn großer Teil der Studenten stammt von dem gutgenährten flachen Lande, wikiß von Not gar niüsts und fampst lediglich mit den -PMnp'tzM^. DiE StrüWten eS^ lste im Dorderflritifti dhr . vielfaMr' ^rE/M'öer.Aüßgang-E-WlGÄ'derUichM und. anstatt^ Sem Schicksal zu dünken, .'-Ä^^jveuitzsten^ ^fur längere . Zeit dem Kasernengefängnis;ein Ende gemacht und die ans. einem -gefälschten Ideal motivierte, Beschränkung der persönlichen Frerheit aufgehoben hat, weinen sie in ^fruchtbarer Sehnfuckck über den herben Sturz. Sie find drnchoüZ .militarrstisch. gesinnt. Das heißt, sie - 'haben.sich daran gewohnt, ihre Zeit in geistloser und strnnpfsinniger- Sekkätur von Rekruten zu , bertrödßln «yd-anders für sich denken.zn? lasten. :Es -war so k^- quem> einfach „Habt acht!7 stehen /zu Müfie«/ nach -Mädchen-zuschielen und'dendümmsten und'Unverständlichsten Befehl des Herrn Hanptmännes anzuhSren, der ritzr Desah!. weilwieder Än Höherer ihm befohlen hatte, ^lm Krieg war der Student als Leutnant, im Hinblick < yuf den Kriegsziveck, noch weniger*als eine Null. Cr Negnugte sich damit, dgtz er die Weltherrschaftsansprüche Germanentums gegen das Slawentum ■ zu ver- Leidigen - habe/ tveil man ihm das eingetrichtert hatte; er? Mmpste. aus Pas -perfide AlLion.7 auf das verratekifche.Italien, auf die ^Saubobm^.und die Juden. Sine eigene, geistige Einstellsmg auf/das. riesenhafte. Menschheitsproblem, das sich hinter dem Krieg ansrichtete und. alle armseligen Berechnungen in Scherben - Ichlug, war bei sehr wenigen Offizieren zu merken und diese wenigen sind bald -ins kommunistische/ wenn nicht anarchistische "Lager übvrgeganaen. Die große Maste der Studenten/ Aon der der Krieg nichts als Kadavergehorsam gefor» gab sich mit dem SNavendienst an der Mord- Maschine zufrieden. Die Maschine ist zerbrpck)en. ihr .Kestel kanw nicht Meß» <Nt-' dem Material de8 fronden - den. .hirtcir rt&en, r»»t °?nfnr^rSnalmSzu^änd Niehergehaltenen Hinterlandes gespeist werden; 1 aber. , Zwischen den ^nnnmern stdben die Sklaven. Sie haben.. anderen, noch ärmeren Teufeln, als sie selbst waren, befehlen dürfen. Alles ist weg. Der k. n. k. Schimmer ist, verlogen, der Krieg, verloren, die Sterne verblaßt. " Äie GrLäuschten haben den/ach, so getingen Inhalt ihres Mbens emgcbüßt. Jahrelang hatte man ihnen „Sieg!/ Weg N zugerufen, aber die Fejüde waren stärker bewaffnet/Politisch bester geführt', wirtschaftlich vorsichtiger organisiert.. Alle' Lieder) alle Gedichte und alle -Hmnnrn,'litten sich als erlogen cheransgestM. In dieser 'Wischest Prwzessosigkeit geriet diese Jugend in dis Gewalt fener Elemente, die den Krieg erzeugt, aber nM verloren hatten, weil sie beim Zusammenbruch flink ins bergende Drmkel^znrülsgetreten^ waren., ..-Da- Volk schnf ^ie Nevnblik/nud war großberzig. Es hatte eg verschmäht, die Scknckdigen zur Rechenschaft, zu ziehen. Me Minister. Generale, BoNtiker. die fünf Jahre sang bas Dnrchhokten den anderen anbofohlLu hatten, blieben «nbebelugt. Mau überließ sie ihrem Gewissen, sie und bk Wdh<'!-nn. bt*. MMone« ho« Merrsche« 1L bk .taex- Gn Ultimatum der Kronstddter Petersburg soL bombardiert werden» Riga, L6. M8kz,,(Prio6L.)V9n der finnischen Grenze wird gem'eche^ daß die KronstLdter Revolniivnare an die SowseÜehörde« ei« Mlimatum richleteN» die Stadt bis zum LS. d. M» Zv raumen. Falls dies nicht geschieht, drohen die ArevoluMnLre» mit 40 große« Geschütze» Petersburg m bombardieren rmd in Schutt z« lege«. Die Lage sehr srüst. Lo^nÄMk, 16. März. Wolfs.) Nach einem Telegramm der „Daily Mail" aus Bjvrneberg in Finnland bestätigen die an der . finnischen Grenze eingetrossenen Flüchtlinge, daß die La,;e in Petersburg sehr eryst ist. Bon Tag zu Tag wird der Mangel an Lebensmitteln, und .Brennstoffen fühlbarer. Zahlreich« Note Soldaten sinh an der finnischen Grenz« zusammenge^ogen worben, um g?^en,.. «ine eventuell« Ueberraschung hon stiten HinnlandS jpsÄstet z« sein. ZAWEÄK-KWLW'- duell zwifchdn Kronstadt üichiddn->Mstönsörr^'.ä-i^üerte: Ein bolichewilisches Flugzeug, das über Kronstadt Bomben abwarf, wurde abgesHyssen. Ei« AÄfrvf MosksUs. Berlin, 16. Marz. (Ter.-Komp/)- - - f- -fflk : regierung erlaßt durch einen Moskauer Funb'pruch fol^. genden- Aufruf: Bor vier Jahren würbe durch den Ansturm der Ärbeiier.- and - .DauevnEÄ- Soldatenmänteln die /zaristische Selbstherrschaft gestürzt. Die letzten Spuren der jahrhmrdertttangen Bedrückung und blutigen Ausbeutung wurden in vierjährigem Kampfe ausgetilgt. Die Tyrannei der Gutsbesitzer und Kapitalisten ist endgültig erledigt worden. Arbeiter und Bauern, laßt es nicht zu, daß im -fünften Jahre der- Revolution Wölfe im Schafspelz, Freande her Guts" besitzet und weißen Generale- Hw Macht des Volkes untergraben und einen Weg .zur Rückkehr der alten Unterdrückung zu bahnen versuchen. .... Die DorgSnge Ln Eowietrirtziand. Lvndo«, IS. Mavz. fRsuter.) Die MLttse Sericklen, daß die Angriffe der chrl«sifchen soldtruppen auf Kronstadt gescheitert seien. Im Laufe der letzten Tage haben die Roten Truppen 8lX)0'Mann an Toten - veclären. Warschav,!6. März. (Funkspruch.) Rach Meldrmgen auS HelsinDforS gestaltet sich d« TrrtähruugÄage der Krön« städt« Besatzung kritisch. RsSkaa. 16. März. (Funkfpruch.) Ms Lage:<m' mt*» stabt wendet sich täglich mehr zu unserem BorteA. Die letzte« Rachrichten aus der belagerten Festung meköen vo« große« Uneinigkeit «nwr der Besohmtg. In eine« Funkspruckan alle russische« ftexhefet AuÄand bezeuhnet der BolkSkommiffLr für auswärtige getegenhoiten die in der ausländischen -resse derdvritetsch Nachrichten über Aufstände « mindesten» zwAf ruWchsvs StSdrs» at» fr« erfunden. Kopenhagen, IS. Marz. (WeLff.) Sie -SsrNnzsL« Tidrnde" au» Helsingfor» telegraphiert Wied, soll Trotzktz den Aufrührern in Kronstadt neue FriebenSvov»! s ch! S g e auf bedeutend günstigerer Goundlage at» frühe« gemacht haben. Weiter wick berichtet, , dre ZM der Sok^ daten m Kronstadt belaufe sich zurzeit auf 50.000 m* fe? täglich im Anwachsen begriffen. f.. Die Abteilung der Hörer der Mlitärschnle», dir sk»s die verläßlichste üyd der Sowjetregierung vollkommen «r»! geben galt» M zu den Aufständischen übeogegangrn. . MtMEMckaMschE^/M^ MKoWättM gegen MM. New-Hork, IH.- MSy. - . Me vNew PorK Tvidune" meldet, daß die amerikanische Regierung - der Flotte de« Befehl geben werde, sich im Stillsn OZeaeL M ksnzenSrieren, «nd hofft, daß durch diese Kundgebung die Erledigung der -sirMitzeL Fragen zwischen Japan und Amerika de» fchlennigt merden wird. Rußland gibt Polen die KunWchLtze , zurück. , Mos?««, 16. März. sFunksprrrch.) Bei -den Ber.» Handlungen rn Riga wurde auch die-Frage.btt stell»ng der polnische-n Kunstschätze,'die seit der ersten Teilung Polens nach- Rußland geschafft-wurden/ beraten. Die Sow.'etregrerung hat wiederholt erklärt«; bereit zu sein, das von der Zarenregierung- Polen au-! getane Unrecht gutmachcn zu wollen. Da sich laber-di« polnischen ItttterHändler geweigert hohen, sowohl bÄ russischen Vorschläge anzunehmen als auch die Enb-I scheidung über die zur. Rückstellung zu gelangende^; Kunstgegenstände der Pariser Akademie der Wissen-i schäften zu überlassen, so hat die russische Regierung - nach viertägiger e r r e g t e r D e b a t t e nach g e g.e-!' b e n, um den F iedensschluß nicht zu verzögern. Ruß-!; land hofft, daß es.nicht zur.^ilweisrn Auflösung russvl scher Kunstsammlungen kommen werde,.;die in ihrer I Gesamtheit Wert für die zivilisierte Welt haben. . lausten Schützengraben, in die Choleräsp'italer und Ruhrstationen getrieben hatten. Der Lokomotivführer, der in der Sorge um das erkrankte Weib für die Länge eines Augenzuckens, ein Signal übersieht, muß ins Gefängnis. Die Massenmörder dürfen an das vNrteil der Geschichte appellieren und den Edelsinn -es Volkes dazu ausnützen, sich wieder nach vorne zu drängen, die Republik und ihre Menschenkraft fast übersteigende Not beschimpfen und verekeln. Sie/sie'dürfen nach den Schuldigen rufen, von dem Meuchelmord des Hinterlandes gegen die': Front reden. Von diesem Gelichter ist schon während des Krieges das Geschrei gegen die Inden ausgegangen, die wahrlich, wenn man selbst einen geschlossenen. einheitlich dirigierten jüdischen Massenwillcn annehmen könnte, den Krieg als.;politischc8 Mittel verabscheuen muffen. Diese Masse beschäktigungsloS gewordener Hoflakaien, Profosen und ' goldbestelnter Richtswisser schreit der seelisch verzweifelten Jugend mit tausend offenen Mäulern täglich, und stündlich zu: ..Die Juden find an allem schuld!" Die Profefforen und Beamten, alle, die durch den Stirrz d?s Thrones um ihren oftmals einzigen sozialen Wert ockommen, der Troß der Fsmde -er Entwicklung. M schreie« es nach. Und dann geht diese Jugend, deren Idealismus eine durch gar nichts gestutzte Lüge, ist, auf eine Mensa los nutz zellchlagt Teller, treibt Unfug auf der Ringstraße urch reißt einer-Schauspielerin den Pelzmantel weg. Es mußte so kommen, wie es-gekommen ift. Di^ Jugend der. österreichischen Hochschulen ' ist das Opfep der Demagogen aus Wien und München pnd datz willenlose Werkzeug Budäpester Strolche geworden.' weit, niemand anderer zu' ihr . spricht? 'Die akademrschen Lehrer, soweit sie sich noch ein bißchen Freiheiilichkeit gewahrt haben, getrauen sich nicht, den Hetzern entgegenzutreten; die Presse steht dieser Gefahr der, kulturellen Verödung verständnislos gegenüber und die wirklich geistigen Führer Oesterreichs verschmähen c8, die studierende Jugend, die künftigen Former deS staatlichen Lebens, über ihre Pflichten und ihren' Zusammenhang mit deck Volk anfzuklären. Und so vernimmt die Jugend immer nur die Stimmen der^ Jerzabek und Riehl. Wenn dies so fortdauert, wir^ Oesterreich wirklich zu einem Dorf, für das der gebildete und denkende Errropäer nicksiS anderes übriKhat alS die Aktion? Kinder ins Ausland. '«K f