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Wiener Morgenzeitung · 1921-03-15 · Heft 767 (15.3.1921) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 767 (15.3.1921)
Date
1921-03-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seve 4 Men, Diensrag feulbung/ die die Behörden jenen Horden entgegen- Lrmgen, die ihr Geschäft unter der gesetzlich geschützirn Hakenkreuzmarke ausi'cken und Mischen den Angriffen nach „feindlichen" Uhren und Geldbörsen nicht vergessen, dem Abgeordneten Seipel eine Ovation darzLbring-en? und seinen priesterlichen Segen für ihr gedeihliches Tun entgegenzunehmen. Harmlose Spaziergänger habrn ein -Anrecht auf Schutz vor räuberischen oder .. auch bloß sadistischen Ueberfallen — nicht nur auf der Schmelz, sondern auch auf der Ringstraß«. Die Wiener Bevölkerung hat sich am Sonntag <ehr deutlich gegen ihre Identifizierung mit den Elementen, die abends den,.guten Ruf der Stadt auf uit-, verantwortliche. Weise gefährdeten, zur Wehr gesetzt: Durch die wirklich würdevolle Kundgebung der Arbeiterschaft gegen die Pioniere der Reaktion und durch die Verurteilung, die der antisemitische Radau bei allen Augenzeugen gefunden hat. Es wird hoffentlich nicht, notwendig sein, alte dieseWiener durch — Sen^galneger ror den Ausschreitungen „deutschvölkischer Kulturträg'er" zu schützen. Wir haben ja eine autochthone Wehrmacht. Von dieser haben jedoch nur — dienstfreie Mannschaften bemerkenswerte, aber unzulängliche Versuche gernacht, den Uebe.Hebungen einer verhetzten Minderheit entgegenznr e.en. Bon planvollen Abw-ehrmaßreg ln, mit Venen jeder Kenner der antisemitischen „Geistigkei." hätte rechnen müssen, war am Sonntag ebensowenig zu bemerken wie jüngst bei dem Ueberfall auf die Besucher der „Reigen"-Aufführung. Wenn die Duldsamkeit solchen Verbrechen gegenüber anhält, dann werden sich die Behörden nicht wuntern dürfen, wenn auch die reiir gewerbsmäßigen RaubükerfällL rvch Einbrüche sich wieder vermehren. Abgeordneter Seipel attackleri. -Das „8-Uhr-Blatt" berichtet: Bei den Sonntagskrawallen wurde Ln der Wollzeile der christlich soziale Mgeordnete Dr. Seipel attackiert. Da er.wegen seiner etwas gekrümmten Nase und seiner goldenen Krille für einen „jüdischen Schiebet gehalten wurde, schleppten ihn die Demonstranten aus dem Wagon, dann erst gelang es ihm, Leu Beweis, zu erbringen, daß er Geistlicher sei. — Es wird gut sein, wenn die, chuistb lichsozialcn Parteigrößen in Zukunft bei solchen, Rrali-- sierungen ihrer Ideen zu Hause bleiben. Diesmal war rs Herr Seipel, später kann es einmal der Jerza-- bek-sein, der so aus sieht,, wie der Zeichner der „Reichspost" immer die Börsengauner malt. Riehl hat das Aenßere eines jüdischen Religionslehrers, nur Orel' entspricht feinem Namen... Was bei de« Aurisemrtr«kraW«klen gestohlen wurde. Berfchmundene Akte» der AdstimmÄNSSkomifsion für Sbsrfchlefierr. Kylizeikorrefpondenz meldet: Gestern während d.'r AiiiiienntLndemonstratipn ist bei einer Ansammlung, in der Stadt dem deutschen Leutnant Paul eine gelblederne ' -'Aktentasche mit deutsches Michswappen, enthaltend Papiere der paritätischen AbsrimmunzS-- lommrssion für Oberschlesien, und der Paß des BerWträgers abhanden gekommen. — Es wäre noch die Frage p stellen, was der deutsche Leutnant Paul bei der Pogrommenhrtze zu tun gehabt hat. MärZfeäer in Budapest. ' Ern Teil der „Erwachenden Magyaren" war zum Autlfemibenkongreß nach Wien beordert worden,'.um hier im Sinne der christlichnationaten Ideale zu wirken. Die Organisation der Exzesse war gut, aber sie, rechnete.,nicht mit der Anständigkeit der Wiener Be- Löllerung, die. den ganzen Kongreß, links liegen ließ. In Budapest wurde die Märzerhobung in, der Weife gefeiert, daß etwa 50.000' „Erwachende Magyaren" militärisch organisiert und bewaffnet eine Versammlung abhielten, irr der der Ausbau der Maulkorbgesetzgobnng gegen die Presse gefordert wurde. .Preßpergchen sollen unter standrechtliche Sanktion gestellt werden. Die Einladungen zu dieser echt magyarischen Freiheitsfeier waren unter anderem auch von W *> 5er £2 und Bethlen gezeichnet. Die beiden erklären im „Az Est", daß ihre Unterschriften gefälscht wordenseien. Ob es nach der Versammlung in Budapest ruhig Llieb, ist bisher nicht bekannt geworden. Der Antisemitenkongreß. In der Samstagsitzung wurde über Antrag eines Kuba-' pefiex Redners beschlossen,' noch für diese» Herbst einen Welt- Kongreß der Antisemiten nach Budapest einzuberufen. Der Verein der „Erwachenden Ungarn" wurde mit den Vorbereitungen für diesen uni« dem Namen deD ,W e 11* Verbandes ichrist! icher Völker emzuleitendsn Kongreß betraut. Ferner ist ein Zentralbureau einzustellen, dessen Ausgabe die Vertiefung der Beziehungen zum antisemitischen Ausland ist. Schließlich wurde beschlossen/noch im Laufe dieses und des nächsten Monates in allen österreichischen Landeshauptstädten Antisemitenhage abzuhalten. D« Vorsitzende, das ist der Jerzabek, erhielt die Ermächtigung zur Bildung eines Komitees, zur B siege des Meinungsaustausches mit den verschiedenen Ländern. Auch ein Arbeitsplan, der in folgenden Forderungen zu- Hmnnengefaßt erscheint, wurde beschlossen: ,/var arische Volk von Wien erklärt sich außerstande, heute zum allerletzt fyatbnmi J*n Ruf nach vefxeiun maßaed« au» seiner Not ovsreiuna au» seiner ichtet dal-«r an di«_ Sbi^dMdUAA. jyl r’WWPW MRWVtNWPwWM DWIll PHBRMHI wm% ^rllen. Die Versammlung richtet daher an ^di« Negürung _Wiener Morgenzeitung._ Mittkilüngen ans dem Publikum. Rosa Krämer Kasiel Glasier® empfehlen sich als Verlobte Wien, im März 1921 * ■ ZlIR VERLOBUNG unserer Cousine Helene GeBtnep mit Herrn Karl KllPger gratulieren wir beralich. Gsbriiciar Geitner % Wim, VII, Kenb&ugasse 26. 6165 RBLLAMTCH, Perlen,Oold,Silber,PlaWa ».Uhren * ktuü and verkaoit 776 ETTER Rotentarmair. 23, Xerlabllferetr. SS ' - - » .- .'■■■■■- Grösster und bester Säufer Wiens im Br*ii tont@*v Perlen Juwelen, EdefoteinhändferföatBinouf lisch, Juwelier 1. Mahlerstrasas 5 (frühere Wiaxlmnianstrass») Tel. 8541 il, Hollandstrasss 3, nar Nr. $ (frühere Slept»anlMtr.)T8l.45l43 hn eigenen Hanse freitej 5 Uhr *. StnwiBg gejeWosse«. 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Die Versammlung, erklärt gleichzeitig, sich nicht mehr durch leere Versprechungen Hinhalten zu lassen, sondern macht . die Regierung schon , heute auf die schwere Verantwortung für die Folgen aufmerksam, die unfehlbar eintreten werden, iuenh obige Forderung nicht bis längstens 1. Llpril d. I. M restlos erfüllt werden sollte. ■ ' Innerhalb dieser Frist bis zur Durchführung der Ausweisung verlangt dir Versammlung die Festlegung von - Ausnahmsbestimmungen strafrechtlicher Natur für solche Vergehen und Verbrechen, dir erfahrungsgemäß vorzugsweise den eingewandertdn Juden zur Last fallen und die bestehende Notlage besonders zu verschärfen geeignet. find, . wie Schl-etchh.andel, Valutenschieberei u. dgl. . Auch verwahrt sich die Versammlung energisch, gegen ' die in letzter' Zelt von der jüdischen Studentenschaft . ' wiederholt unternommene» Versuche, unsere Hochschule« zu Tummelplätzen einseitiger politischer Vropaganda zu machen» und. fordert die Regierung auf, für oie Erhaltung der Unabhängigkeit des akademischen Bodens mehr als bisher Sorge zu tragen. Endlich richtet die-Versammlung att die Regierung die Aufforderung, behufs Einführung ei,«s Numerus elausuS für unsere Hoch- und Mittelschulen sowie für die Besetzung der öffentlichen Aemter ein N ationalit äten gesetz, be'ie^üngsweise Minderheiter.- schutzgesetz, welches die Juden als nationale Minderheiten anerkemu nick solche de« für nationale Minderheite« gelten« den Bestimmungen des Vertrages vo» SainEermain unter- , wirft, ehestens im Natronälrat einzubringen." Wir Leben in emer traurigen Zeit, die Siegem und Besiegten, wenn, auch nicht in gleichem Maße, so doch Leiben ganz gewaltig in den Knochen liegt. In solcher Zeit müssen natürlich alte Burschenschafter doppelt freudig jeden Anlaß begrü^n, baS „Ergo bibaurus" in fröhlicher Stunde erschallen oder wenigstens als stumme Mahnung über den bemoosten Häuptern walten zu lassen, die sich ,LU löblichem Tun" versammÄt. Solch löbliches Tu« war der Wiener Antisemitenkongreß. Drei Tage lang haben die Herren aus Oesterreich, Deutschland und Ungarn „Gedanken" miteinander ans getauscht, Das Risiko einer Uebervorieilung der einen oder der anderen Seite lag bei diesem Tauschgeschäft 'nicht vor, denn es kamen allseits nur minderwertiger Ausschuß und uralte Ladenhüter ^urrt Vorschein. Für länger als drei Tage reichte der „Stoff" nicht, was mit der österveichi'schen Sperre gegen bas „Pilsner" zusammenhängen dürfte.. Der Durst war aber noch vochLuden und so beschloß man, zur ,ßc 11 i c f u n g" („Im ft 111 u St’j'fcr sitz' ich ht'.nr . . der Beziehungen die AutifemitLntage zu einer ständigen Einrichtung zu machen, wa" in Anbtt.aht der herrschrnden Blev» und Wtt.npreift wicritch' wi e-ringön Opfermut für die idMlM Ssche 5«.^. Mr:r wird vll»'LU»Wt die 15. März 1921_ Nr. 787 Salzburger, Kärntner und Steirer vor der drohenden Der» judung schützen — eS wird wohl hauptsächlich ein ästhetischer . Rassenkampf werden: Kropf gegen Judennasel Arier, schützt, eure heiligsten Güter! Dann aber als Clou im Herbst ein ^Weltkongreß der christlichen Bölverf^ in Budapest. . Um ein erstklassiges Programm braucht den Centn« staltern nicht zu bangen. Dre Magyaren find-berühmt a!< generös, und eine Judenhetze braucht fich bei ihnen nicht in den schäbigen Grenzen zu halten wie am Sonnt^rg m Wien. Dort ist ja der „fittllch-rettgiöse" Gedanke, wie ihn gewisse Christenherzen hegen,- gerade m der Vollblüte einer beglückenden Macht über Leiber und Seelen und das »Vev» fahren" gegen Juden ist dorr jetzt ebensowenig „zimperlrch^, wie eS nach der neidvollen Feststellung der ^Rerchspost" r« Jahrs 1421 in Wien gewesen rst. Auch ist der. Tokajer em mehr als notwendiger Ersatz für daS ausgesperrte »PAsner?- und . die feurigen Ungarinnen werden doppelt feurig ferch wenn sie. mit den Weißgardisten »erwachen" dürfen, u» zu vergessen, daß sie emst mit den Kommunistenführern schlafen gegangen sind . . . Die Erwartung solcher Genüsse läßt es als ausgeschlossen erscheinen,' daß der PassuS der angenommenen Resolution von der Unerträglichkeit des Wirt« fchafllrchen Druckes von seiten.„fremdrassiger Elemente'' auf die Wiener eine taktlose Anspielung auf das Verhalten des mongolischen Nachbars jenseits der Leitha in gewissen Fragen der Verproviantierung Oesterreichs wahrend oeS Krieges^und nachher darstellt. Immerhin sollte m«rn es der«, meiden, in . ungarischer Gesellschaft immer von ^arischen* Leiden zu sprechen. Die Nachkommen ArpadS haben.ja kein ganz reines Gewissen — man denke zum Beispiel an West» Ungarn! — und eS könnte.ziemliche Mißverständnisse geben! Eindeutiger ist das.unvermeidliche Verlangen nach her Ausweisung der Ostjuden und die Befristung deS. der Rs». gierung gestellten Ultimatums bringt. in die abgedroschene Leier oine neue köstliche Note., deren Pointe aber leider jene« entgehen, dürfte, die mit. der landesüblichen Schätzung des 1. April nicht vertraut find ... Wie sehr übrigens die Lösung der Ostjudenfrage schon bisher rm Zeichen des 11 April staich» geht aus der Entlarvung gtoeitt Schwindler hervor, die att falsche „Kommissionen* Hausdurchsuchungen bei polnischen Juden unternahmen und von'den bei solchen Gelegenheiten ge» machten Erpressungen herrlich und in Freude» lebte». Win« viele solcher .Kommissionen^ wag - es in Wie» als groteSkr ' Folge , der . famosen Ostjüdenpolitrk aller österreichische«, Bei. Horden noch geben? ' Das- Lichen ist eben der beste Satirjtev und für'einen solche» kann es kaum ein dankbareres The«», gebe« als die AnLisemitenpolitik in Theorie nnb Praxis. Frmlich — das wahre» herzbefreiende Lachen üb« solche' Satiren des Lebens bleibt einer glücklicheren Generation vor» behalten, dis auf solche Bevirrungen deS menschlichen Geistes aus westen Fernen zurückblickt und die Akteure solcher Ber» schrobenheiten nicht weniger Bedauern zollen wird» als es heute jeder rechtlich Denkende ihren.Opfern bringen muß. UnA fehlt leider die Borbedivgung der zeitlichen AbständeS süv' solch unbefangenen . Genuß. Doch bezweifeln wir nicht, daß' die Resolution auch auf unsere Zeitgenossen seine zwerchfellerschütternde Wirkung nicht ganz verfehlen wird. Kann ES zum . Beispiel etwas Heitereres geben, als wenn die Delegierten einer rein arischen „Hochschulkammer". Schutz dagegen verlangen, daß die jüdischen Studenten die Hochschule« "A Tummelplätzen Änsoitiger politischer Propaganda machen 1, Das Schicksal einer Sammlung für notleidende Wiener Kinder. In Tmin bildete fich vor vngesäbr zwei Jahr» rin mipvlüisches Hilfskomitee für die annm Wiener Kinder, daß mit Samollung n begann, Dir. Sozialisten erklärten jedoch, «m diese» Komitee, nicht , teilnehmm zv wollen, und gründeten ein eigenes» welches im Laufe der Zeit 172.000 Lire aufbrachte, welche bei ^>er Turimr. sofialistifchen Leih- und Depvsstcnkassa dkpsnirrt wurdtn. Im Verlaufe der unter den Arbeit« entstand«« Spaltung ereignete eS fich jedoch, daß der kommunistische Teil b:S ArbeiteiverbandrS. .der inzwischen die Mehrheit erlangt hatte, beschloß, die Gelder ihrem «riprünglichm Zwecke z« entziehe» mb dein kömmnmfiischm Organ zuEhre«. Da« Komüer für die. Wiener Kinder hat nun beschlossen, gcrichiliche Schritte «in zulrit«, um die Gelder ihrer Bestimmung -uifihrrn lassen z» könne«. Auch die «ichtkommnnistifchen Mitglieder der Tmin« Al beiter beabficht'gm natürlich, di« Kampagne geg« diese» Beschluß zu eröffnen. Vandali?cheDrrbebeimKai«z«Denkm»l. In der Rächt zmn Sonntag ist das Denkmal de» Sch«sspiekers Josef Kainz, das im sogenannten MeridianpmE nächst dem Gottage-Sanaborium und der Sternwarte auf« gestellt ist/ von Dieben heimgesmht worden. Sonntag abend» wurde wahvgenommen, daß der rechte Arm des Künstlers der acke Hamlet dargestellt ist. bis zum Gelenk abgesagt worden war. Mit der Hand ist auch der Totenkopf, den die Statue . hielt, verschwunden. Die Tat muß von sehr kundigen Leuten ' ausgeführt worden sein, was daraus geschloffen werde« Im, daß die Diebe zur Ausführung Oel verwendet hadrn. Entdeckt wurde der Frevel erst in den Abendstunden. Die Gemeinde. Wien und dar Staatsdenkmalamt wurden verständigt.. Die Statue blieb, über Rocht unter Bewachung. Gestern vormittags fand , sich eine Kommission des Staat»- denkmaSamteS im Park m. Rach den Tätern wird gefahndet. VerhafteteLadendiebinnen. Sine sehr erfahrene Bande von Sadsndieben wurde dieser.Tage hier dingfest gemacht. Sie besteht aus zwei Frauen und einem Mann, doch soll« der Bande noch ander« Mitglieder ar^ehSren. Zuerst verhaftet wurde »ine Frau; sie ist sin Opfer der movevnen Damenmode, der kurz« RSck». . Die Mm Kalbe im StiMGmant Lwieback «ine» W-ma» ^898397495

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