Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 761 (9.3.1921)
- Date
- 1921-03-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Belgische und französische Truppen haben die Grenzorte besetzt und das «eus Zollregime, die Abführung der eingehobenen Zölle, soll inorgen beginnen. Das sind die Ergebnisse der kritischen Woche, der die englische Oesfentlichkeit mit größer Sorge entgegengesehen hatte. Die Geschäftsstille in der Londoner City, die bereits bei Bekanntwerden der Sanktionen begann, hat gezeigt, mit welchen Gefühlen der englische Kaufmann die Konferenz verfolgte. Aber die Sietmkeit der deutschen Mark ans den' internationalen Gtzldplätzen gibt doch ein anderes'Bild non der altgemeisten Äilffassung. Mit militmischen Besetzungen ist die Frage nicht zu lösen. Darüber besteht nirgends ein Zweifel und auch die Rede, mit welcher Lloyd George von den deutschen Delegierten Abschied nahm, trägt in ihrem Hinweis auf die Notwendigkeiteiner definitiven Regelung einen sehr unbehaglichen Grundzug. Es ist für Regierungsinänner nicht angenehm, Soldaten das Geschäft zu übergeben, weil fie dann die Unzweckmäßigkeit ihres Handelns eingestehen und außerdem in der Furcht vyr dem gänzlichen Zerreißen des Kadens ihres'Sieges nicht recht froh werden können. Es ist auch nicht zu verkennen, daß in London lieben den offiziellen, mit großer Aufmachung geführten Besprechungen auch noch inoffizielle stattgefunden haben, in . denen wahrscheinlich über den : waffenklirrenden Abbruch hinausreichende Verein» bc^'nurgen getroffen wurdem Mwirdberschtet, dc^, die englischen uM Ählllßictzden fplgeytzen Rächt 'siK mEhWtdev 'in Fiihlung gesetzt hätten.. Das. eröffnet doch die Hoffnung, daß es schließlich zu einer Einigung komnten wird, wenngleich e& schwer ist,- im Angesicht der von Koch in Belegung gesetzten Truppen und Panzerautos zu verhandeln. ' Aber man sucht in allen mitgeteilten Auseinandersetzungen zwischen Freund und Feind im St. James- Palast vergeblich nach einer Grundidoe, die. uns die Härte des ganzen Vorganges erklären könnte. Es hat sich in London neben den deutschen Geldern auch um die OAentftäge gehandelt. In beiden: Dingeir konnte kein Resultat erzielt werden, lveil es eben auch auf Seite dür Entente an einem einheitlichen,, bis zürn. Ende durchgedachten Weltprogramm fehlt. Die einen begünstigest Griechenland, die anderen die Türkei. Aber. doch, nur scheinbar. Bei den einen ist das monarchistische Griechenland,' bei den anderen die mit! der bolschewikischen Expansion kokettierenden Türkei der Stein int Brett. Zur Herausschälüng des Weltgedankens,der. grundlegenden Auffassung-von einer die Krüegsmotive. a,r der. Wurzel fassenden, über den Tag hinausreichenden Politik kann M'aN' sveder die. griechischen. noch die türkischen Stveitenoien — so-ernst sie an sich sein mögen — brauchen. Pas'unheilvolle Suchen aller Welt nach einem neuen Fixpunkt, 'nach einer neuen Ordnung, vollzieht sich im Rahmeil. einer allgemeinen Ratlosigkeit, die durch das tiefe Schweigest Amerikas noch verstärkt wird. Für den Krieg konnten die Zentralmächte ihren Völkow die Idee der Verteidigung gegen den Ueberfall durch die Feinde suggerieren. Auf der Gegenseite sprach man von der Freiheit der . Meere, von der Heiligkeit der internationalen Verträge^ von. dem Recht der kleinen Völker. Welcher Grundgedanke liegt in der Behandlung der Friedens fragedurch die Sieger? Wo ist die Basis, auf welcher der Sozialismus die Welt neu aufbauen soll? In Wien hat man esste Woche lang, über die Wege zu eister neuen Internationale gesprochen und ist zum bürgerlichen Pazifismus, zurückgekömmen. Moskau führt Krieg, um im Innern der großen Auseinandersetzung auszuweichen. Auch hier diese ^usicherheit und Verwirrung, die ckeifte-Klarheit in den- Begriffen aufkommen läßt. l Niemand sieht den Weg zum Frieden. Man hat das Wchwert'sprechen lassen und kayn es nicht zur Ruhe HHWn,.weAmäw kein' Ziel--'-keine Methode findet -Die Entdnte hat in- Versailles das Schicksal der Besiegten elftem Kollegium von fünf Leuten übergeben, die als Richter in ihrer eigenen Sache astftraten. Nun haben sie mit dein Urteil über die nicht zur Verteidigung zugölassenen Angeklagten ihre eigenen Staaten 'getroffen. Sie haben den Kreis der Kriegskatastrophe verengen wollen und haben ihn doch nur weiter gespannt. Alle Konferenzen,, die der. Ausführung der FriedensverMge Die' vmchMning der wirtscbafilicben Sicherungen gegen Deutschland. Beschlagnahme der Zölle. — Die neue Zollgrenze am Rhein. Paris, 8. März. Rach Blättermeldnnqen werde die Durchführung der wirtschaftlich e tt Sicherungen in allernächster Zeit der militärischen Besetzung folgen. Es seien bereits die nötigen Maßnahmen getroffen worden, damit die B e f ch l <t gnähme der Zölle an der f r a n z ö s i s ch e n nnd an der belgischen Grenze unverzüglich in Kr aiZ treten könne. Immerhin würden einige Tage nötig sein, um die vorgesehene I o l l g r e n z e aür Rhein festzulegen. Zunächst dürften nur Zollposten an de» verschiedenen Brückenköpfen, die von den alliierten Gruppen besetzt seien, eingerichtet werde«. Die dritte vorgesehene Sicherung, nämlich die Erhebung eines Ausschlages ans de« Verkaufspreis deutscher Waren irr den alliierten Ländern werde erst nach Erledigvng der entsprechendett Gesetze dutzch die Parlamente i» Kraft treten. La nb on,8^MÄz.«ManchesterGuardian" meldet, daß sich die franzöfische Flotte anschicke, Hamburg zu blockieren. And dies alles, weil Deutschland sich geweigert hat, etwas zu tun, wozu es vertpagsmätzig nicht Verpflichtet ist. Die Alliierten, sägt das englische Blatt, verstoßen durch ein derartiges Vorgehen gegen den Vertrag, den fie selbst formuliert haben. Wir stehen im Begriffe gegen einen Staat Krieg zu führen. Mit dem wir bereits Frieden geschlossen haben. Wenn wir den von uns geschloffenen Vertrag brechen, gibt es für die Gesetzlosigkeit überhaupt keine Grenzen mehr. treten werden kann. (Sehr richtig!) Aber zu einer nähme, .welche - die alliierten Negierungen beschlössen^ und bereits in Wirksamkeit gesetzt haben, gl-arlb? ich/s verpslichtxt zu sein, Stellung zu nehmen, uämlüh zm's den S a n k t to. n e u. ,Jch' Winne damit) daß 'ich didse^s Wort in bas richtige Peütsch Mersetze: Die SchikÜ-onen^ sind. nichts anderes als G.e tv alt ta t e rr. Die. ehrs würdigen' Begriffe des/Rechtes Haben' mit solchen- Akten.,jj nichts zu tnn. Es gibt'kein e n' R e ch t s b o b^eu' für.-, die militärische Maßnahmen, welche die Alliiertem Regierungen jetzt eingeleitet haben, um einseitig ges^derLL(' Leistungen von ftms zu. erzwingen. (Leb.haste. Ruff:.^ Sehr richtig!) Den. P r o testen, die Aeußern schon in London erhoben, hat, schließe/uchf mich namens der. Regierung und namens.des ddutsHeE Volkes an. (Lebhafter Beifall.) . Dieser-R »bruch. wird auch durch juristische ^BerkleiöunMn'' sticht^ verhüllt oder gar geheiligt.' (Sehr richtig!) Er erscheint' umso schlimmer,' wenn er durch' die Pamen der- Staats-? männer der '»siegreichen' Machte^ gedE wird Und 'iwenn->' W m gerückt. Die Rheinflottille. hat Ru h r o r t, besetzt. ' iElöttstlb,: 8.. März. (Wolfs.)' Aus D ü ss e-bdo r f wird' gemeldet,' daß heute nachts-,englische und-französtsche Trnpfien. dort cingerückt sind...Gegen 6 Uhr früh kreisteil ungefähr ein Dutzend Ententeflieger über dem Rhein und dem bisher unbesetzten- Äebiet zwischen Duisburg und Elberfeld. Bald darauf, zogen Kavallerie, Maschiuengewehrabterlnngen. .und. Infanterie ' in schwerster Kriegsa-usrüfturrg. in'.''Düssebborf ein.' Die' Fr a n z o s.e n haben vorläufig die Führung, aber auch die Engländer und Belgier sind hertreten. Ein Tckil der Tbuppen schwenkte nach Duisburg ab. Die Truppen wtzrden '. in Schulen .ünd- Kasernen v untergebracht,.-die Offiziere bezogen Quartier in. den Hobels. Der Verkehr nyd der Telephoirdienst' nach, denr linksrheinischen Gebiet sind unterbrochen. Die Erklärungen des deutschÄr Reichskanzlers. Borlin, 8.. März. Jil den heutigen Sitzung des Reichstages gab .der Reichskanzler Feyreubach folgende Erklärung ab: Die Londoner Verhandlungen sind unterbrochen. Unsere Delegation ist aus d^m Rückweg. 'Jch^ bin. der' Meinung, daß '.'in. eine. Erörterung 'dev in','London geführten Verhandlungen.er.st nach R ü ckk e h r unseres A u ß e n m i n i st e r s erngver sich, gegen üin' Volk: richtet,. derK mün lede» .Mitteln Linken.)'. ' ' .' " - > ..r Jnf Wir haben nun wenigsten in-diesen-'Wochen.^ gekernt, daß uns in den,'Pariser Beschlilssensetbuis-rei-ws' Unmögliches zugenlutet worben ist. - (SHr.f -MhOl'^Ler - der stKehrheit-)i.-D'ie'- vergangenen^^^WdchÄt'- haben-uns'- nur in der Ueberzeuglmitz -bekräftitzen-MMM^MK^ äuchs'' in dieser von den alliierten Regierrrngen Mlieb^ur-'Art, weder eine Regelungder.europäischen 'Ve-rhältiusse' noch! eine Liqnidiertmg des Krieges möglichist. (Sehr-' wahr!)' r Wenn in dieser Weise förtgefahren wirdkann--däs 'Uebeb-i nur' vergrößert werden. (Sehr wahr!) -Glauben-wirklich die alliierten Staatsmänner, daß auf. diese - Art ein^ geordnete.Regelüng in der europäischen^ W i r r n i s gefundeir werden kann? Es ist nnni ötzlich Jetzt und zunächst haben wir den.Tatsachen in. die, Der Vormarsch im Rheinland. Maknz, 8. März. (Havas.) Fran z ö sifche und Augen zu sehen, die bei der Ver.wirkli chung de^s be'lgische.Truppen sind.mittags in Duisb.n'pg ein- Sanktionen über das deutsche Volk herelnbvechsi::^ Es/.beginnt^-.sür^'das ''deutsche- ^ll,',v^s^,so.sNÜchchliH^ viel während des Krieges und nach' BWdigpng selben durchznm-chen hatte, abermals' .'e iu e"sch w e're^ Zeit.- - •' '' Sdoch ein Port zur S ch nld fr chg e. Unser Unßenminister hat in London an die 'Geschichte appelliert.■. Ich glaube, feststen zir' dürseit).. Laß dasUrteihvon Wie!" feststtzht (Ähr richtig!)/ daß' es jedenfalls - ift dech Rich-l tung festsbeht, daß die' Äufbttrdüng cher'Schuld''au.sschl ießlich-em'f-'.die' deutschen Schnlterir nicht bhoß'' eine Verkennung,' sondern eine Kränkung der' 'Herren'-' J s wolski und P oinear 6, - wie auch-- -gewisser:' en glisch cr S taatsnr'ännerbedeutet:- (Sehr.gut!'- Beifaltz) Auch ich überlasse das Urteil der Geschichte, iM bin aber der Meinung^ daß die Geschichte ein Urteil abzugebcn haben wird, nicht bloß über.die Schuld am Kriege, sondern auchüber das Diktat des Versailler Friedens. (Stiirmischer, langan-haltender. -Beifall.) - ' ' . s . j Der Reichstag beschloß gegen die Stimmen der Unabhängig e-nund Ko mm uni st e n, die - Be-, sprechung der NegiernngserUärung-erst n 0ß b er Rück kehr, des .Re i ch^s. m ini st er s - Dr. S im >o n S- -und nach der Besprechung der Londoner.Konsereirz im. -Auswärtigen Ausschuß vorzunehmen. gölten,'- belveisen deren innere - Unmöglichkeit, ihre grellen Widorsprüche mit der traurigen Wirklichkeit, vor allen: aber deren Kriegswillen. Auch jetzt ist die Lonhofter Konferenz' von dsr - Feststellung ausgegangen, daß die Schuld am Kriege bei Deutschland liegt. Das ist '.? nicht! der Weg, zu deiner Klärung .der politischen .Pro-, bleme zu kommen, und die Entente mit ihr, die ganze z Welt, gerät immer tieker iü eim tzWolygijche Ste!Wirrung. Der Geist des Friedens ist ider des Krieges. 'Nur die Erkenntnis., daß, alle in gleicher Weise die Schuld tragen und in gemeinsamer gutwilliger Beratung die Quellen des Hasses verschütten müssen, kann der:; Menschheit die Genesung bringen. ' Die. Soldaten der Foch oder- Ludendorff oder Trotzki werden dieses Ziel nie erreichen» '