Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 760 (8.3.1921)
- Date
- 1921-03-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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W l e n. 8. Män. Die deutschen Gegenvorschläge sind, von den Alliierten in einer motivierten Note abgelehnt worden. Per., hinter den Kulissen geführte Kämpf zwischen den ENtentefreundeu hat damit geendet, daß die französische HärtnäÄgkeit' sich'dnMetzte. Dies bedeutet, Laß die grosse Weltkrise-von nun ab ein rascheres Tempo ein« . Wagen ivird^ Pie Niederlage der Sachlichkeit in einem Äpgcsnblick.' der am Osten, in dem. brennenden Rußland, lleue.' große Entscheidungen ankündigt,' hätte vermieden therden könnend wenn. Amerika auf den Plan getreten lväx^ Da man aber dort unbekümmert Fenster und Pürml geschlossen hält und Europa, sich selbst iiberlasicn t^ill,'.kommt das Geschick des alten Kontinents wieder in hie Hände der. Foch und Poincaree.. Diese Situation ist chrsder gleichen Ursache entstanden wie der Krieg, aus dem Aufeinanderstoßen einander bekämpfender Kon- 8<rn^ der Frieden, den die beiden nach vierjährigem, iy,i.t. größter. Erbitterung. betriebenem Blutvergießen ge» Mosten haben, ist ein Scheinfrieden, der nichts an denr Moröcharakter: des. gegenseitig entzündeten Hasses geändert hat/ Beide Teste machen von dem Rechte der Kriegslist,und der Kriegstäuschung Gebrauch.und so er- . gibt sich der Zustand, daß cin.Eipvernehmen zwischen, bstidän' sich, nur in der Form, nicht aber ,im Wesen von d^n Sstten der wilden. Stämme unterscheidet,! * ' Lloyd George, der als Sprecher-der siegenden Seite ' . Ev° mußteverhindern, daß; sein -Freund. Brittnd znw Gegner spmch, iund nrntzte zur gleichen Heit den Standpunkt cher hinter ihm stehenden Kreise 'wahren. Er müßte!.es wenigstens versuchen/ dcmDeutschen ihre Lage nicht allzu sehr zu erschweren-, und daran zu denken, daß cß in Deutschland sehr viele und sehr mächtige Gruppen gibt, denen der Einmarsch französischer Truppen in die Pfalz und in Bäheru fast so angenehm'-wäre, wie seinerzeit .den Ein marsch der Fiisiliere m Haris. Wenn Simons fällt:-— und er muß, jetzt fallen — so steht irgendein \ KäNdrdat der Alldeutschen schob bereit, das Konzept auszunehinem iwd m das Horn des großen Rachegeschreis zü/sttößen. Lloyd- George' hat ebensoviele Ungeduldige in ssineni-eigenen Land, deren mihtöniger Chor in die Ver. Handlung hineingellte. Eben erst ist in Woolwich. dem englischen Arsenal mit einer Diersünstel-Arbeiter- Mehrheit einnationalistischer Scharfmacher gegen RMsätz" Nka^doüald. ins Parlament gewählt worgegen, den ehrlichen .Kriegshasser, der avs > ssiygr .' wtvxnätionalen Ueberzeugung'niemals ein Hehl, gewacht hät: i Däs ist ein Zeichen, das ein so hellhöriger Maün^ WitzLlöyd George nicht übersehen darf. Mali twnk in' England der . deutschen Darlegung nicht mW sogax ein so offener Gegner des Versailler Schaud- Werkes wie Keynes.hat den Deutschen falsches Spiel vorgehalten. Er nähert sich in seiner' Auffassung denr itAienischen Finanzsachverständigen Lnzatti, der die deutsche Steuergesetzgebung als frisiert bekämpft. Aber h!e/..SchW.ichngfeiten, 'die. .sich..ergeben, wenn — »me es im./Augenblick' den Anschein hat —. wirklich die SäbelhDxii das Dort.erhallen, übertreffen an Wirkung weitkMwste EnMstlung, welche der Annahme der deutschen GegeWorsGäge notwendig gefolgt wäre. Deutsch; und Kagzogen. »parech wenn, man., die Sache genau bssieht,' M^/sünf WjÜiärden Mark auseinander. Pas wäre , im M'eden eine ungeheuerliche Ziffer gewesen, di« aber in dem' papierenen Nebermaß her Nachkriegszeit auf eine btzdeutungslöse Differenz Zusamnrenschrumpft. Die Onigüng/Htte'Mr' die.nächsten, fünf^tzahre Ruhe und Stetigkeit' wenigstens in' den' deutsch-ententistischen Ve- - ziehrmgen gestattet. Wenn nn.n Nürklich eine neuerliche weitere Okkupation deutschen/ Jndnstriegebietes durch fmchösische und belgische Soldateü/ die Errichtung eines ' gewissermaßen autononwn Zollgebietes am Rhein und die Rückbehaltung privater Guthaben deutscher Industrieller'. eintreten sollte, so' heißt dies nichts anderes, als denl mit dem Verenden-kämpfen'dm russischen BolschewlSmus ndüen Sauerstoff in.die Lungen zu pmnpcn. Die Elemente '.natürlich/ die rings um Ludendorff auf den geeigneten Moment »varten, die Welt von neuem in Brand zu stecken und die Trommel für die bedrohte deutsche Arbeit zu rühren, von der sie im Frieden nichts verstehen und nichts wissen wollten, Iver'den Foch mü Fug -und Recht als ihren neuen Heiligen erküre». übbrueb der Londoner" ‘ _ Ahlehnung der deutschen GegenvorschlLge. — Die MMtiirischen Maßnahmen gegen Deutschland treten in Kraft. S 0 n b 0 ttf 6. März. (Wolfs.) Zn der heutigen Nachmittagssitzung der Konferenz erteilte L loyd G e 0 r g e die Antwort der Alliierte«. Die Alliierten seien leider gezwungen gewesen/ d« die deutschen G e g e « v o rschlage «ngenügeud seien, die Gsnktione« in Kraft treten z« laffen. De» Abschlutz eines Provisoriums KSnnten sie nicht annehmen. Lloyd Georg begründete dann näher» warum der sofortige Eintritt der Sanktionen notwendig geworden sei und erklärte weiter, die Welt brauche ein Defiinitivum. Vor allem seien es zwei Punkte» die sofort geregelt werden miitzte«: Erstens die Besprechung der Faktoren, die als Aegnivalent für die Ansfuhrabgabe in Betracht kämen sowie die Beteiligung der Alliierten an einer Befferung der dentfche» Wirtschaft, und zweitens die Art und Weife der Zahlung. Reichsminister Dr. Simons erklärte, die deutsche Delegation über die Ant- "'.chort /Meaten->^müjse7"'Nüd'.. zog. sich mit den .znrüch-^ ' Vie Konfdrenj taMtMkiter und erwärtet die Antwort der derrtschrn Deregation, die um 6 Ahr abends noch beriet. Rach einer Reutermeldung ist der Beginn der «riitarischen Sanktionen für morgen ftstgosetzt. Abreise der deutschen Delegierten? Verlin» 7. März. fPrivat.) Nachts waren hier Gerüchte verbreitet» daß die deutschen Deregierten London morgen früh verlassen werden. •. * Paris, 7. März. 'Der Sv.nderb-erichl«rstathe'r der Ugence Havas meldet aus Lvubon: Heute versammelten sich nm IO Uhr 30 Minuten vormittags die allvierten Vertreter im Ministerium des Aeußern. Sie inaren von ihren wirtschaftlichen und finanziellen Sachverständigen begleitet. Knrz vor 11 Uhr kamen auch Loücheur und Lord d'Abernon an. Sie überbrachien die-Antwort der deutschen Sachverständigen auf'den heute nachts mitgeteilten Plan, der als Grundlage die Mindestforderungen für eine dem Pariser Abkommen gleichwertige Lösung enthält. Beim Aussteigeu aus dem Kraftwagen erklärte - Lourheur, daß noch nichts geschehen sei. Äus biesen Worten kann man schließen, erklärt dvr Berichterstatter,' daß die deutsche Abordnung ist dev Vollsitzung heute mittags das Ultimatum der Alliierten' mit „Unannehmbar^^ beantworten werde. -Die Verbündeten, die-gegenwärtig versammelt sind, ^finden die deutschen Bedingungen einmütig unannehmbar. Sie werden dem Minister Dr. Simons, bLr - diese Vorschläge in einer kurzen. Darlegung vorbMgen wird, eine formelle Ablehnung entgegensetzen. Die Sanktionen werden sofort in Wirksamkeit gesetzt werden, insbesondere die Besetzung vo-n Düsseldorf. Ministerpräsident Briand dürfte Dienstag von London abrrs^n.. Wie verlautet, gründet Deutschland seine muen -Vorschläge auf. d,en Artikel 232 des Friedensvertrages, iber anerkennt, daß seine Einkünfte nicht hinreicheu, unr 'die '.pollstäybLge '.Wiedergutmachung -der Kriegsschäden zu sichern. Durch die Unterzeichnung des Pariser Abkommens fürchte Dr. Simons, die Vorteile dieses Artikels zu'verlieren, der Deutschland verpflichtet, nur nach' seiner Leistungsfähigkeit zn bezahlen; außerdem würde es eine Verpflichtung übernehmen, die es sicherlich nicht einhalten könne. Indem Deutschland "seine Unterschrift honorieren will, würde es daher die . endgültige Lösung der Zukunft Vorbehalten. Unter Aner- Lnnung der Tatsache, daß das Pariser Abkommen den absoluten Wert einer endgültigen Vereinbarung der! Verbündeten besitzt, würde Deutschland erklären, daß es das Abkommen nur für fünf Jahre unterschreibe, die eine Art Probezeit bedeuten würden, und zwar würde es zwei Annuitäten zu zwei, Milliarden und dre-i zu drei Milliarden Gold mark zahlen. Wenn sich Herausstellen sollte, daß Deutschland unsährg fei, seinen Verpflichtungen nachfzukommen, wurde eine Kommission von internationalen Sachverständigen die Frage der Revision des Pariser Abkommens studieren, im anderen Falle würde bas Abkommen in Kraft bleiben. Für diese fünf Jahre/würde die deutsche Vertretung die zwölspvoMtige Ausfuhrtaxe annehmen. Deutschlands Gegenvorschläge. - - Lo-ndM, 7. März. (Reuter.) In der.- 'heutigen; -Sitzung' derdie- -deutsche/.-Abord-. ordnung, Deutschland sei bereit, bid fixen.Hun'uS. - täten, die im Pariser.Mkommen vorgesehen snrd, f.ür d i e e r st c n fii n f Jahre zu zahlen und darüber, hinaus ein volles Aeguivalent für die Einhebung der l 2prOzentigen Exportabgabe zu leisten. Solche Zahlangen seien nur möglich', wenn ein großer Deik derselben durch eine Anleihe finanziert würde, und' die Abordnung machte den Vorschlag unter Voraussetzung, daß ^»berschlesien bei Deutschland verbleibe, und baß die Deutschland anferlegten Handelseinschränkungen aufgehoben würden. Simons beantragt Vertagung. Lonbon, 7. März. (Wolfs.) Nach vorliegenden Meldungen beantragte Reichsminister Dr. Simons in der heutigen Sitzung die V e r t a g u n g bis D 0 n n e r s- ^ag zur Vorbereitung neuer Vorschläge. Die Alliierten ätzten die Entscheidung bis halb 5 Uhr nachmittags aus. ' ' , Foch bereitet sich vor. London, 7. März. (Frrnksprnch^) Der französischt. Generalstab hat die militärischen Zwangsmaßnahmen fertiggestellt. Ein englisches Bataillon wirb Düsseldorf besetzen. Brüssel, 7. März. (Havas.) Der Mimsterryt hat sich mit den politischen, wirtschaftlichen und militärischen Folgen der Londoner Konferenz beschäftigt. Die belgische Armee ist in der Lage, unverzüglich die militärischen Sanktionen, insbesondere die B es e tz u n g gewisser wichtiger Punkte auf dem rechten Ufer des Rheins, durchzuführen. Ein Aufruf Eberts an Düsseldorf. Berlin,?. März. (Privat.) Das Kabinett ist m Permanenz, um die ans London einlaufenden Berichte entgegenznnehme«. Für Donnerstag ist der Auswärtige Ausschutz einberufen, in dem Minister Simons berichten wird. An diese Sitzung soll sich eine Sitzung des Reichstages schließen» in welcher Kanzler F e h r e n b a ch eine Negierungserklärnng abgeben wird. Präsident E b e r t hat einen Aufruf an die Bevölkerung der Stadt Düsseldorf gerichtet^ iy welchem diese ans/Anlatz der bevorsteheuden Besetzung durch Enteutetruppen zur Besonnenheit und Ruhe gemahnt wird. Es geht sonderbar zu in diesem Kampf unr den Frieden, den wir seit fast zweieinhalb Jahren miterleben.' Jeder Staatsmann redet mit Tränen in den Augen rmd mit fetter Stimme von der Pflicht, der Welt die } Nnhe zu sichern. Aber kS Lt doch!a. wie mit. Kantä ewigem Frieden. Der Titel stammt nämlich, wie dieser Große mit trockenem Humor erzählt, von einern holländischen Gasthausschild, das einen Friedhof darstellte. Es hat sich nichts geändert und ss werden wieder Kinder weinen. Hel-x- Foch ist am Wovl ' 40500166