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Wiener Morgenzeitung · 1921-03-01 · Heft 753 (1.3.1921) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 753 (1.3.1921)
Date
1921-03-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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SrUr * Wim. Piensrog_Wiener Morgeuzettunst_i^rcarz 1921 Nr. 753 Die kuwsttnimgrlrage int Meben Reichstag. Polttische^undschau. Der englische Minister Sir Alfred Mond über den Aufban Palästinas. ' Der britische Minister für öffentliche Arbeiten Sir Alfred Mond gewährte einem Vertreter deS Jüdischen Korrespondenz-Bureaus eine Unterredung, in der er seine Ansichten über die jetzige Lage und die Zukunst Palästinas äußerte. Vor allem äußerte er sich über die neue» Einwanderer, «die Chaluzim, mit besonderer Begeisterung. Ilm sie richtig einzuschätzen, müsse man diese jungen Leute von stolzer Haltung, die allen Widrigkeiten und Entbehrungen mutig trotzen, bei ihrer Arbeit, in ihren Zelten sehen, wie sie die schwersten Aufgaben, die härtesten Arbeiten ohne Murren und mit einem frohen Läch.'ln vollziehen. Manche von ihnen legten Hunderte von Meilen zu Fuß zurück, um ins Land ihrer Väter zu gelangen. Er sprach mit Leuten, die den ganzen Weg von Persien nach Bagdad zu Fuß machten. Was die Zukunft Palästinas betrifft, so sei er absolut optimistisch. Er glaube zwar nicht, daß Palästina in zw.ü bis drei Jahren sich selbst werde erhalten können. Dies würde allerdings eine längere Zeitspanne erfordern. Er sei aber überzeugt, daß Palästina genügend natürliche Schätze besitze, um anstatt der einigen Hunderttausend, die jetzt das Land bewohnen, einige Millionen zu ernähren. Die jetzige Zivilverwaltung Palästinas unter Sir Herbert Samuel sei ein? sehr wirksame Regierungsform, die Tatsache aber, daß das Mandat bisnun vom Völkerbund offiziell noch nicht anerkannt sei, schaffe gewiss.rmaßen eine Atmosphäre von Unentschlossenheit und hindere die Initiative uub den Fortschritt. Gegenwärtig — sagte Sir Alfred Mowd — ist Palästina ebenso wie andere Länder von wirtschaftlichen Bedingungen, die die Nachernte des Krieges sind, betroffen. Die Preise sind um 600 Prozent gestiegen. Sämtliche Bedarfsartikel müssen eingeführt werden. Es unterliegt aber keinem Zweifel, daß, sobald sich diese Verhältnisse gebesiert haben und die Mandatsfrage geregelt ist. Palästina sich bestimmt seinen W'g im Handel bahnen wird. Es exportiert bereits verschiedene Obsterzeugnisse. Ich glaube, daß dieBaumwollp l a n t a t i o n sich mit d?r Zeit zu einer wichtigen Industrie emporschwingen wird. Es wivd sich ein Handel mit Aegypten, Südrutzland, England und Amerika entwickeln. Ich glaube allerdings nicht, daß Palästina einst ein Land von großen Industrien sein werde. Aber ich für meine Person habe nicht den Wunsch, Palästina als zweites Manchester zu sehen. Wir wollen, daß Palästina ein Land desVolkes werde, ein Land, wo wir eine jüdische Nation wiÄer schaffen und ihr die Möglichkeit geben, ihre großen Gaben zu entfalten und die Welt, wie im Altertum, mit neuen Kulturwerten zu bereichern. Kein Volk ist heute geeigneter, als B'märglied zwischen den Idealen deS Ostens und des Westenzu fungieren als das jüdische, ein Volk von östlichem Ursprung, das Jahrhunderte hindurch in westlichen Ländern lebte. Jeder der daS heutige Anwachsen des Antagonismus zwischen Osten und Westen sieht und der in Indien und Aegypten herrschenden Unzufriedenheit seine Aufmerksamkeit schenkt, muß begreifen, was diese Funktion des jüdischen Volkes für das brstische Imperium bedeuten könne. DieS ist auch die Bedeutung der Rolle, die das jüdische Volk in Palästina spielen soll. Inzwischen erwarten Hunlderttausende von Juden die Stunde der Rückkehr nach Palästina. Es ist P flicht eines jeden Juden, die zionistische Organisation in ihrer gigantischen Aufgabe der Organisierung und Leitung des Einwanderungsstromes in die eigentlichen Wege zu unterstützen. Bezüglich deS Eeonomie Council, dem Sir Alfred Mond Vorst -ht, sagte er, daß diese Körperschaft, deren Aufgabe die Erschließung und Prüfung der wirtschaftlichen Möglichkeiten Palästinas ist, von der palästinensischen Regierung bereits anerkannt wurde. Was die jüdisch-arabische Zusammenarbeit betrifft, so glaubt Sir Alfred Mond, daß diese durchaus möglich sei. Die arabischen Führer, die er sprach, seien überzeugt, daß die jüdische Kolonisierung des Landes Wohlstand und Gedeihen für die Araber bedeute. Der Prozeß gegen die Kommunisten in Paris. Paris, 28. Februar. (HavaS.) Heute haben vor dem Schwurgericht die Verhandlungen im Prozeß wegen Verschwörung gegen die Sicherheit des Staates begonnen. Sämtliche Angeklagten gehören der Dritten Internationale an. Der Anklageakt stellt fest, daß die zehn Angeklagten in Verbindung mit Lenin und den Bolschewiken in Moskau gestanden find. ES wird ihnen zur Last gelegt, durch die Entfesselung kurz aufeinanderfolgender Streiks, die zu einem Generalstreik führen sollten, in Frankreich revolutionäre Verhältnisse herbeigeführt zu haben, deren Ziel es gewesen sei, nach dem Sturz der gegenwärtigen Regierung den Kommunisten die Aufrichtung einer Diktatur de- Proletariats zu ermöglichen. Die Verbaridlrrng wird etwa 14 Taae in Anifhrujft nehmen. 4 Berlin, 28. Februar. In der heutigen Sitzung des Reichstages wurde die Beratung des Gesetzentwurfes, betreffend die Verlängerung der Geltungsdauer deS Entwa ffnungsgesetzes, begonnen. Abgeordneter Soldmann (Unabhängiger) polemisierte gegen die bayrischen Einwohnerwehr:«. Die Reichsregierung müsse energisch geg'n Bayern Vorgehen. Re chsministrr des Innern Koch erklärte im Namen der Reichsregierung: Die Reichsregicrung wird die schleunigste Durchführung des Gesetzes innerhalb der gesteckten Fristen zu bewerkstelligen wi,s?n. Das gilt auch für Bayern. Dem Reichstag wird bis zum 15. März ein Gesetz über dem Friedensvertrag widersprechende Organisa ionen zu gehen. Abgeordneter Vogel (Mehrheitssozialist) polemisierte ebenfalls gegen das Verhalten der bayrischen Regierung, die gegenüber den Maßnahmen bei Reichsregierung zumiud. st passiven Widerstand leiste. Er g'aube nicht gn die Versicherungen der Regierung Kahr über deren Bereitwilligkeit zur Entwaffnung. Der Widerstand der bayrischen Kreise gegen die Reichsregicrung scheine ihm aus einem Einverständ nis mit der Entente zu beruhen. (Pfuirufe rechts und im Zentrum.) Man habe nichts anderes im Auge, als die Wiederherstellung der Monar chie in Bayern und den Anschluß Oesterreichs an Bayern. (Erneuter Protest) Hiezu paßten di? Mitteilungen über den Zusammenschluß gew ss?r kommunistischer Elemente mit den Reaktionären vorzüglch. DaS Geld stamme anschsinend aus fra nzösis cher Quelle. Die Orgesch erklärte offen, daß sie die Waffen niemals abgeben werde. Abgeordneter Levi (Kommunist) greift die Regierung an. Er wirft ihr vor, daß sie die Entwaffnung absichtlich hinausschiebe. Abgeo dneter Dr. Heim (Bayrische Bolkspartei): Das Statut der bayrischen Einwohnerwehren ist von einem soz ialdem okratischen Minister gemacht worden. Es cher ich ist ein fo einwandfreier Mann, daß ich es für eine Falschheit halten würde, wenn ich nicht hier für ihn Zeugnis ablegen wollte. (Beifall.) rechts. Rufe bei den Unabhängigen: Gleich und gleich gesellt sich gern!) Ich würde auf das entschiedenste dagegen Front machen,--wMn hie Einwohnerwehren zn reaktionären Zwecken mißbraucht würden. Die Orgesch-Frageist ein Tumrnetptatz für sozialdemokratische Telegramme. Der amerika«ische Mandatsprotest. Paris, 28. Februar. (Havas.) Der Böllerbundrat wird nachmittags die Beratung des Entwurfs der Antwort auf die amerikanische Note fvrtsetzen. Bormittags befaßte er sich mit verschiedenen Fragen bezüglich der Verfassung von Danzig und beschloß, an de« Gouverneur ein Schreiben zu richten, worin di« Annahme verschiedener Abänderungen der Verfassung der Stadt Danzig verlangt wird. Prrfie« sagt fich vo« England ko». Dchevan, 28. Februar. (Havas.) Eine Kundmachung des neuen Ministerpräsidenten über das Programm der Regierung stellt eine Reorganisation der Armee und der Finanzen, die Verteilung der Staatsgüter, die Aufhebung unnützer Posten und eine Justizreform in Aussicht. Der englische Vertrag vom Jahre 1919 wird nicht aufrechterhalten, hingegen das russisch-persische Abkommen unterzeichnet werde«. Die Kapitulationen werden im Geiste der Freundschaft mit den in Betracht kommende» Mächten aufgehoben werde«. Aufstand tu Montenegro. 28. Februar. (Funkspruch.) Nach Meldungen «ms Balon.a ist die montenegrinische Bevötkerung gegen die serbische Besatzung Montenegros im Aufstand. In der Nähe von Podgoritza tobt ein« Schlacht. Man hört den Kanonendonner bis Antipari. Dentschland zahlt Rumänien beschlagnahmte Gelder zurülk. ©»flneft, 28. Februar. (Havas.) Deutschland hat sich bereit erklärt, 80 Millionen Gold, die von de» deutschen Heeren in der Walachei dem rumänische» Staatsschatz entnommen worden waren, zurückzustellen. Dr. Flieder bleibt in Wie«. PASO, SS. Februar. „Tribun«" «fährt au» kompetenten Kreisen. baß alle Nachrichten über die Ernennung de» KwfetfM» Dr. Kraft» |w» tschßcha-flvwarifche» Entstellungen geworden. Vom bayrischen Lanbesststschießen wu de behauptet, daß dort die Mona.chie aus« gerufrn werden sollt«. Tatsächlich wurde aber nur ein Schützenkönig ausgerufcn. (Heiterkeit.) Alle di« sozialdemokratischen und kommunistischen Greuelgesch'chten von reaktionären Verschwörungen und bayrischen Mö.derzentralen haben sich als Erfindungen erwiesen. Ich weiß, daß Escherich gar keine Verbindung mit Ludendorff hat. Es gibt heute Leute, die sich ein Geschäft daraus machen, Nachrichten von links nach rechts und gl?ichzeitig von rechts nach links zu verbreiten. Die Presse sollte solche Nach? r:ch enersiuder nicht mehr durch Diskretion schützen. Bayern leidet besonders unter solchen Schwindelgeschichten. (Unruhe bei den Kommunisten. Abgeordneter Malzahn (Kommunist) ruft dem Redner zu: „Schieber!" und wird deswegen vom Vizepräsidenten gerügt.) Mit den Nationalbolschewiken, haben wir gewiß nlchts zu tun. Wer glaubt, man könne in Bayern Putschs. Pläne auZführen, der ist im Irrtum. Wir kennen die Illusionisten, aber wir lassen sie nicht auf kam men. Unser« ganze bayrische Einwohnerwehr wäre erledigt, wenn ihr zehn feindliche Bataillone entgegenträten. Niemals bestand weniger Veranlassung, nationalistisch« Nevanch'Politik zu treiben, als jetzt- Alle Länder sind aui eine Politik des Zusammenarbeipens der Völker angewiesen. Uns wäre es erwünscht, wenn die Staatsan'orit."t so wachsen würde, daß wir keine Selbstschutzorganisa'.ion mehr brauchten. (Beifall rechts und im Zentrum) Hierauf wurde der Entwurf gegen die Stimmen der äußersten Linken angenommen. Die Anträge der Unabhängigen wurden abgelehnt. Sodann wurde die Etatsbe atung fortgesetzt. Bei Beratung des Etats des Reichsfinanzministeriums führte ReichLfinanzminister Dr. Wirth aus, daß in Angelegenheit der bekannten Amsterdamer Bank, firma G 'user, Philipp & Es. die Untersuchung ergeben habe, daß in mehr als zehn FMenKapitalsverschiebungen ins Ausland vorgekommen seien und daß bisher eine Gesamtsumme von zweieinhalb Millionen als verschoben festzustrllen sti. Im Falle Spiro sei bisher fcstgcstellt, daß die hinterzogen« Summe an Steuern und Steuerstrafen sechs Millionen übersteige. Das Verfahren gegen die beiden Mitgliedsr des Hauses Hohenzollern sei noch nicht abgeschlossen. Gesandten in Wien der Wahrheit nicht entsprechen. ES wurden zwar Verhandlungen bezüglich d«S Agrements für Professor Dr. Krvfta ein geleitet, die Entscheidung ist aber noch nicht gefallen und der bisherige Stand der Vertretung der tschecho-slowakischen Republik in Wien bleibt aufrecht. Au» der christttchnattonale« Kammer. Gratz und Szterenqi wäre« Freimaurer. — Gin neue» Attentat gegen jüdische Gtmerdetreibende. Budapest, 28. Februar. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) (Nationalversammlung.) Minister des Aeußern Doktor Gratz erklärte in persönlicher Angelegenheit, daß er 1906 tatsächlich in eine Freimaurerloge eingetreten, sei, sie jedoch nach einigen Wochen verlasse» habe, da Ihm die Tätigkeit der Loge mißfiel. Abgeordneter Prälat Gießwein reflektiert auf die Angriff« des Abgeordneten Georg Hegedüs, die dieser im Laufe der letzten Sitzung gegen ihn gerichtet hat und erklärt, die Worte, die er in der I u d e n f r a g e gesprochen Hab«, entsprechen der Auffassung des Obcrhirten der ungarischen katholischen Kirche, das Karbinal- FürstprimaS Cfernoch, der diese Ansicht bereits vor einem Jahr« im „Pester Lloyd" vertreten habe. Redner verwahrt sich dagegen, daß der liberale Block, dem er angehört als Gegner des christlichen Gedankens hingestellt werde. In vor Beratung über die SLankgefällsnovell« kündigt der Czegleder Panamifl H-aller Vorschläge an, die die Wahrung gewisser nationaler undmor-altscherRücksichtengewähr.'e^sten sollen- Abgeordneter Ernst Brodh (Lcopoldstädt«r Demokrat) stimmt in den meisten Punkten mit dem Vorredner überein und findet es natürlich, daß den Fremden, namentlich galizifchenJuden, keineSchanklizenzeu erteilt werden und baß bei der Verteilung neuer Schani lizenzen in erster Reihe Kriegsteilnehmer und derest Hinterbliebene berücksichtigt werden. Hierauf reflektiert Abgeordneter Baron Szterenyi ebenfalls auf die Angriffe des Abgeordnete» Hegedüs und erklärt, daß er bereits vor 21 Jahren aus der Freimaurerloge, der er früher angehört«, ausgetreten sei. Wie Horthy den Setzerstreik bekämpft. MNwjL 28. Febr»«. (Unj. T»I..Aorr.-Bur.) Dil technische» Nothilfe ist es gelungen, trotz des AuSfteabei der fo-iaLernokratilÄe» Setze» in Laufe

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