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Wiener Morgenzeitung · 1921-02-23 · Heft 747 (23.2.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 747 (23.2.1921)
Date
1921-02-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ans- Die Stnnfeiner an der Arbeit. — Wie der Terror organisiert wird. - breitumg der Stnnfetner-Aktione« auf England und Schottland. Lergwerken und W a s s e r l e t t n » g e «, das Einäschern von Hauser» und die Vernichtung der Ernte in den Scheunen vor. Im Memorandum wird auch von 30.000 Pmnd Sterling gesprochen, die in Amerika London, 22. Februar. (Fünkspruch.) Im Unterhaus sprach der Chefsekretär für Irland, Sir Hamar Greeuwood, über die Politik der Regierung in Irland und führte ans, daß die Regierung entschlossen sei, die Gewalttaten der Sinnfeiner zu unterdrücken. Die von den Sinnseiner« verbreiteten Nachrichten über die ungünstige finanzielle Lage Irlands, das feinem Rniüe entgegcngehe, feien unrichtig. Da die Terrorakte in Irland hauptsächlich von jungen Leuten verübt werden, die nicht zu den arbeitenden Kreisen der Bevölkerung gerechnet werden können, sei trotz dieser Terrorakte die Lage Irlands besser, als je zuvor. Tie Tätigkeit der Sinnfeiner breite sich bereits auf Schottland nnd England ans» um die Regierung und die Bevölkerung durch Mord und Brand einznschüchtern. Gegen ein derartiges Vorgehen gebe es nur zwei Mittel, entweder di« Waffen zu strecken oder sie zu gebrauchen. Ich, sagte der Chefsekretär, bin dafür, sie zu gebrauchen. Gelegentlich der Hausdurchsuchung im: irischen Oberkommando wurde ein Entwurf für Terrorakte in E u g l a n d und Schottland gefunden. Dieser Ent- Wurf sieht die Z e r st 5 r u n g vpu S ch i sisr«, die Sprengung von Hochöfen, hie Zerstör«ng det FerkverLind«vgsantagen, Kohle». von Jrensreunden aufgebracht worden sind» und die zur Beschasfyng der nötigen Mittel für alle diese Anschläge dienen sollen. Die Anschläge solle» wefters die Kom« munisten und die zahlreichen Arbeitslosen zu ähnlichen Unternehmungen anspornen. Die mit der Ausführung dieser Pläne betrauten Personen werde« sufgefordert, nicht znrückz«schrecke«, wenn diese Anschläge auch Menschenopfer kosten sollten. So würde ein Herbergesührtes Eisenbahnunglück voraussichtlich zwar auch de« Tod von Pepsonen zur Folge haben, aber das gesamte reisende Publikum würde in Schrecken versetzt und die Eisenbahnverwaltttngen zu kostspieligen SicherungSmaß-. nahmen gezwungen werden. Ei« Gleiches gilt für die Vernichtung von Gaswerken; die eintretende Dunkelheit würde aber Gelegenheit z« erfolgreiche« Unternehmungen gehen. Zum Schlüsse seiner Rede teilte der Chefsekretar mit, daß hie Wahlen sür die Leide» irischen Parlamente in zwei Monaten ausgeschrieben werden würden, und daß der Premierminister hesiimmt daß «ordirische.pnp: Die Gefahren des Bolschewismus. Leo Toksiol Lber die OssenstVshsirhte« Moskaus. . Ps'.ßS, 22. Februar. Im Journal" bespracht Leo l ft o i, der Sohn des Dichters, die 'Gesährtzn,.' tzi< Europa, vom 'Bolschewismusdrohen. Er erklärt,, es' sei nicht daran'zu zweifeln, daß-die Sowjets für das KM)Zahr.emegroßangelegte Offensive vorbereiten. Die Sowjets' seien gezwungen, den Kampf ohne Unterbrechusig. fortzusetzen,' da sonst ihrtz Macht 'nicht' von langer Dauer sein würde. Nur' dadurch, daß die Note Armee ständig auf dem Kri-egssüß gehalten werde und einer eisernen Disziplin' unterworfen bleibr, könne sich sfe Sowwtregierung ihren Gehorsam sichern. In dem Augenblick, wo die Soldaten in ihre Dörfer und Städte z^rückkehren würden^ wäre die bolschdwikische Herrschaft, die nurauf Waffengewalt beruhe,'von einer tödlichen Gefahr bedroht. An der Westfront seien 70.000 Mann, im Kaukasus etwa 70.000 Mann und zwischen Petersburg und Moskau 50 Divisionen konzentriert. Tolstoi weint, daß.in den nächsten Monaten die Rete»' Truppen' Pole»,'vielleicht auch Rumänien, yngreiftn werden, und' daß die.Sowjets im Falle eines Erfolges ein Bündnis mit Deutschland und Jugoslawien anstreben würden. Polstoi rich-et an, die Negierungen des WesteüS dir Auffoiderung,' der Gefahr vorzubeugen^ solange noch Zeit sei. Die amerikanische Einwandernugsbill angenommen. W fhl gt:n,22 Feb u«r. (Funkspruch.) Der Senat hat mit großer Mehrheit das Gesetz zur DLschränknng her Einwarcherung angenommen., . ' * - ' r ■ Aus der vorliegenden Melhung geht nicht hervor, in welcher Form die Einwanderungsbeschrünkung in den Bereinigten Staaten durchgesüh'rt wird. Esist Wohl anzünehmen, daß die, Einwanderung in der Weise gedrosselt werden wird, daß den einzelnen Nationen die Einwänderung, nur im Verhältnis zu deren Anteil an der Bevölkerung der Vereinigten' Staatm gchattet sein wird. Damit wird natürlich eine stärke Ein" schtänkung geschaffen und insbesondere sind davon die Juden betroffen.' Denn gerade sie werden durch die heutigen Verhältnisse in Europa, besonders in- Osteuropa, am stärksten zur Auswanderung getrieben. Das Gesetz ist geeignet, die Mische Lage noch mehr zu verschlimmern. - Aus dem Telegramm geht auch nicht' hervor, für tens* dte Einschränkung der' MwgnderMr jn dA Vereinigten Staaten /gelten folt. Hr her Senats komnüssion ist eine Einschränkung nuie Ar ein /Jahr. LeaMägt worden; die radikalen Einw^tchsrungsgegner hatten sie für zwei'Jahre vorgeschlagen.' Der Grund für diese Einschränküngsbestimmungen.ist die in Amerika herrschende Wirtschaftskrise und die damit.' verbundene Arbei'tslosigkeit. EinwanderungIbeschränLuNgen wurden in den Vereinigten Staaten stets beantragt, wen» im Lande Wirtschaftskrisen herrscht:«- Sie könn en jedoch nie durchgebracht weichen. Es. ist das e r st e Ma l, daß hie Bereinigten Staaten eine Beschränkung der. Einwanderung einsühren. Ob dies' das richtige Mittel zur Behebung der Wirtschaftskrise ist, mag dahingestellt bleiben., ,,; ■, Die deatschen Schuldscheine. Berlin, 22. Februar. Der englische Schatzkanzlev Austen Chamberlain hat, wie die „Deutsche All" gemeine Zeitung" aus London meldet, im. Uriterhaus^ erklärt, die französische, die englische und Ibie*. amerikanische Regierung hätten beschlössen, di< beut s ch e n S.ch u lösche ine als. Za h l u n gsm i t tel fftr die belgische Schüld anzuerken».eit. Die Schuld der belgischen Regierung könne jedoch nicht aufgehoben werden. Wie dasselbe Blatt aus Washingtsn berichwk, werde Präsident W ikson.in einigen Tagen diese Entscheidung dem Kongreß vorlegen und ersuchen, die beutschrn Schuld", scheine als Zahlungsmittel für bi« belgische Schuld in den Vereinigten Staaten anzuerkennen. Di; belgischem Schuld betrage 170 Millionen Dollar. . Statt Stlnnes — SRatijewßw. Berlin, 22. Februar. Wie die „Pslitisch parlamen-- tarischen Nach ichten" von zuverlässiger Seite erfahr««, wird Minister Dr. S imo n S auf seiner Mise zur La«-, doner Konferenz in erster Reihe vom MinisteriaLdirektor Dr. v. S im so n begleitet sein. Als Berater der deutschen Delegation werden auch die Herren Dr. Mie l ch io r und Dr. Walter R a t h « n a u m^t nach London reise». Dagegen werde sich StinneS «icht Unterprimen befinden.',.-. - -- - .- - Rückkehr Denesch' «ach M«K. Prag, 22. Februar. (Tel.-Komp.) Minister Doktor. ^Lenesch. trifft Mittwoch in Prag .ein, worauf er. im Abgeordnetenhaus ein Exposee über bvr auswLÄlrL Lage evLaftttt wich» ' - - . Die Dterte Jnternatiorrsle. —7. W r e «..23. Februar. n Im Favoritner Arbeitßrhe'nn ist gest.rn dre Konferenz jener sozialistischen Parteien zusammengetreten, die die Schaffungeiner neuen Jntemationale ver^ suchen soll. Nach fünfzigjährigem Besianhe war die vonf Marx und Engels gegründete Zweite JnternaLionale) die zu mächtiger Größe' herangewachs-ene nllweltlichä> Sozialdemokratie,, im Jahre 1914 in den.Stxudrl hk^ Weltkrieges gerissen worden. Sie zerfiel in-jhre nptio« nylssn Zellen, zwischen denen in dem Gränen -des - Welk-' morherrs jede Verbindung zerstört wurde. In dem.BränLj des Nachkrjegeß ist der-Auflösungsprozeß auH in, d':« einzelnen Teile hineingetragen worden. Die -So.zinlq demokratie ist, in. allen Ländern g-spalten und, g^lähmdj In Rußlanb ist sie bis zur Ohnmacht. niedergepreßh worden. In den Mittelstaaten tragt - sie mit - dem en« wurzelten Bürgertum das gleiche Leid; die militärisrlw Niederlage :auf-den- Schlachtfeldern und der Umsturz^ hat ihr nur. einen scheinbaren Sieg gebracht,.-dessen sitz nicht froh 'werden kann; fie war im -Besitz her politisches Macht und konnte dennoch ihre Grundsätze der Men«' schenverföhnung und dm Aufrichtung' d.'r Arbeit nichr verwirklichen, weil ihr die atemrauöende Not jede' Be^' wegungsfreiheii genommen hatte. Das -nationalisLiichch Schlagwort, genährt und gestärkt durch den Wahusinni von Versailles und durch die'furchtbare Erbitterung der^ in ihrem Friedenssehnen enttäuschten Massen taucht« wieder auf und auf der andeten Seite bemachtrgte sich! bar' uMtzfe. -Radikülk^miG) ü'nö Ueb^rädikalismus dep' germurbton Seeleü'. Brn-märhin - aber könnte die Sozial«' demokrätis^ in^ ÄWötzllebiÜender StäE an das ' IM. fprmwerk gehen, tvennzleich sitz durch die von den Urrt-j. standeü erzwungene Koalition Mit; beM 'Bürgertum o«sr Schlagkraft und Entschlußfreudigkeit empfindlich emge^' büßt hätte.- '] In Rußland aber, wohin sich nach der Zertrümme< rung des Zarismus und des Militarismus die Hoffnungen, aller werktätigen Menschen gerichtet hatten/weil sie von; dort die Erneuerung des sozialen WiederäufbaueS. Europas erhofften^ ist die' Sozialdemokratie mundtot' gemacht, worden. D.ie Diktatur des Proletariats,' diq! in Rußland/ihre Kraft und ihre aufbauende TÄig^ feit beweisen, sollte, ist zu einer leeren,, inhaltslösen Phrase herabgewürdigt worden und. die Nomänowschs? Bureaukratie hat in anderer Form ihre Hand auf da^ Ungeheure Pebiet gelegt. Die Führer des russischen' Sozialismus. Lenin und.Trotzki, die mit dem Geld un^ in den Waggons der Zenträlmächte nach Rußland gs-' hmmen,wären, mit dem^.Auftrag, den Zarismus miij1 Hilfe 8er Revolution zu.stürzen, haben diesen Teil ihrep Äufgahe erfüllt.. Sie habend dann Kerenski geworfen,' als er unter, dem Diktat der. Ententestüaten den Krieg hon neuem, beginnen.wollte, Sie sind dann ihrem Pro«? g^amm'detz. Friedens. Untreu geworden und haben öi$ dem proletanschey Rußland einen national-sozialistischen' Staat gemacht, der das Testament Peters des Großen sortsehen will, ohne aber dessen Fenster nad) Europa offen zu halten. Ihre Herrschaft trägt Rußland in ohnmächtiger Wut; eS gibt keine Arbeit, keine Versamm-' lungs- und Dereinsfreiheit, keine Eisenbahnen, kein wissenschaftliches und künstlerisches Leben. Es gibt nur/ die verhätschelte Rote Armee, ein paar Dutzend Volks«' kömmissäre, sterbende Städte und. ein unübel sehbareä' Heer von Bauern, denen jedes proletarische Enrpfinden. jede politische Reife weltenfern ist. Die Zwing Herren des rrrssischen Proletariats sehen den Zustand ihres- Land.'s und suchen verzweifelt nach der materiellen und' intellektuellen Hilfe Europas und Amerikas. Sie sind zu' Konzessionen und Kompromissen entschlossen — aber nur mit dem Kapitalismus der Weststaoten. Ihr Verhältnis zur Sozialdemokratie ist eine starre Eins.-itigkeitUnd. dee Fanatismus' des hohlen Parteiprogramms: „Willst du picht mein Bruder, sein, so hau ich dir den Schädel ein!- Dieser Bolschewismus hat dem SozialismirS ärger mitgespi.'lt als es die stärkste weiße Reaktion hätte tun, können. Er hat seine Gcwaltmethoden auch in Mittel«, europa versucht, konnte aber.nur in Ungarn für kurztz Zeit/durchdringen. Dort ist Horthy .sein Erbe geworden,' dessen System sich nur erhalten kann, weil er die russü sche Brutalität um die magyarische Note iibertrlllnvft, In .Oesterreich und in Deutschland haben die Agenteq- LtzmnS viel Unheil gestiftet und Blirt vergossen. Abel durchdringen konnten sie nicht, weU die

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