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Wiener Morgenzeitung · 1921-02-22 · Heft 746 (22.2.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 746 (22.2.1921)
Date
1921-02-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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ZaHrgaNg ans wmanmssmemmimmsgm^ Beginn der Londoner Konferenz. 2 o it b o «t, 21. Febmar. (Privat.) Die Vertreter der EnLenteftaaten sind hier bereits eingetroffen. Heute fand enrs Vorbesprechung zwischen den MinifterpräsiSenten Frankreichs, Ztaliens und Englands statt. Die rnsritorischeu Beratungen beginnen am Dienstag. Die einzelnen FachLoMMisstonen werden sich ebenfalls im Laufe des morgigen Tages konstituieren. Was die Sieger Verlängert. - Paris, 21. F.bruar. (Wolfs.) Der Sonderberichterstatter des „Matin" meldet.ans London die Betrage, welche die einzelnen Staaten der R parationSkommiffion als Höhe ihrer Schäden angegeben haben. Fra »k r eich verlangt, ‘ wie bereits berichtet, 218.542,000.000 Franken; England 2.541,502.534 Pfund Sterling sowie 7.587,832.086 Franken; Italien 33 Milliarden Lire, 37 Milliarde« Franken und 128 Millionen Pfund; Polen 23 Milliarden Goldfranken; Rumänien 31'Milliarden Gold,franken; Brasilien schätzt seine maritimen Schäden aus j,189.000 Pfund Sterling; . , Belgien bringt eine Rechnung vor von 34 Mil. Närdeg belgischen und 2.5 Milliarden sranzösischen Franken. ' . . '''"" ' AMWMy.Wldytark... Anßcrösm w'crde» die MechttuÄtzeN von P ai* f n $ n I, der T sch e ch o« Sl o w a k r i, I a p a n nnd R « m ä n i e n, die noch Nachkommen, ans etwa 5 Milliarden Goldmark veranschlagt.. Der „Matin" bemerkt, die ganze Schatzung mache ✓ eine» z r emlich könfu s e » E i »druck. Die DrierrtdebaLte. I >. Kopenhagen, 21. F.'bruar. (Tel.-Komp.) „Politiken^ meldet aus London: Die Konferenz über die orientzal i s ch« Frage wurde heute in Gegenwart der^ Vertreter Japans, Frankreichs, Englands und Italiens, eröffnet. Während die Eröffnungssitzung bekanntlich in Downing Street ftatlfand, ist für DienZtag eine Vollsitzung in St. James-Palast vorgesehen, bei der den g r recht s ch e n u n d tü.r k i scheu Delegierten Gelegenheit gegeben werben.wird» ihre Angelegenheit vor!)<?«-, Großmächten zu vertreten. Der griechische Premicxminister Kalogeropulos, der vor Beginn der Konferenz . va^ L.'oyd.George empfanden wurde, steht auf Um S^and- > Punkt, Griechenland sei stark genug, um die finanzielle Wdi militärische Last des Kampfes gegen Kemal Pascha zn-trageW urch appelliere nur;an hie moralische Unter» ftühung F anlreichS und Englands. Neber die Stellung der Türkei äußerte sich Großivesir T e w f i k Pascha dahin, daß sein Hauptlesireben auf eine Wiederi v.e re i n i g ü n g s e i n e s Landes gerichtet sei. ®>le iwgojlamifdfje Verfassung. r;' ■ .©«Igffob, 90. Re^uwr. (Siivllaw. Prtßl'Ul.) Der Der' lasinngöauSsämß begann tzcärrn tle Cpe.ialkebatte über den Beriasiunflseniwtn» der Regierung. Liu Arttlel 1 der Rcg ^unflS vorlaae, wonrch der Srast S. 'H. S. eine vn'affungsmiiß'Sk. irarIHnenMriche E r b t o l g e m hi ft r ch i e mir tem Namen ^KSnisireich/ der Selben, Kroaten nnv Slowen-n" tft, brari ten ^e spv stnonell n Pureicn rm n Abanderungsarttrog ein, wonach der ojfizirlle Ti es ö n i g r e i ch I u a o N a n i a" ianren fvll..; Drr> repMikanifchen und die w.ialdrmokr Nischen ÄdgcKrdtter.m vetlairkitrn di« Errlchlung einer Republik. Die D-bare^vi'rd l^rrte sortgesetzr. Belgrad,' 80. Februar. (Südslawisches Preßbureau.) In der. gestrigen Sitzung des DerfassungsausschufseL wurde die-- Kp.--ialdebat.te festgesetzt. Der erste Artikel, wonach der Staat her Serben, Kroaten und Slowenen eine derfassungsmäßige^ parlamentarische Nachfolgemonarchie ist. wlirhe mit 35 gegen 0 Stimmen angenommen. Der zw. iw Absatz desselben Artikels, der besagt, daß der, offizielle Titel des Staates „Königreich der Serben. Kroaten und .Slowenen.^ Lautes wurde mit 36 gegen 16 Stimmen angenommen. Der zweite Artikel, H.iref. send das Staatswappen, würde mit großer Mehrheit angenommen. Der dritte Artikel, wonach die Amtssprache des Königr'icheS der Serben. Kroaten und Slowenen die serbokroatisch-slowenische ist, wurde nur von den Kommunisten abgelehnt. Der Artikel, betreffend die Einheitlichkert des Staatsbürg.-rtums, die Gleichberechtigung, aller Staatsbürger, die Abschaffung des Adelstitels und der Geburtsprivilegien, sowie die Bestimmung, daß die Mitgli.'der des Königshauses dieselben Rechte genießen wie die .übrigen Staatsbürger, soweit nichts Besonderes vorgesehen ist, würde ebenfalls in d^r Fassung des NcgierungZantrages mit Stimmenmehrheit angenommem V 1 ■, ' Hughes — Autzsuminlster in Amerika. London, 21. Februar..(Tel.-Komp.) Hughes, der neue amerikanische Außenmmister und Chef des neuen amerikanischen^ Kabinetts, gewährte unmittelbar nach/ seiner von H a r d i.n g bestätigten Wähl einigen Journalisten eine Unterredung, in der er u. «. erklärte, daß tt in der Führung der Außenpolitik auf Hardings: Wunsch vollkommen unabhängig sein werde, wogegen unter . Wilsons .Präsidentschaft der Außenminister.bloß Lessen Schatten gew.'stn sei..Härding habe, erklärt, Hughes solle sowohl nominell wie auch tatsächlich für die . auswärtige Politik' Amerikas verantwortlich''seini (Hughes war' Wilsons. Gegen-' kandidär.),. ..... ..... . in Deutschlau- MüWitzn, 21. Februar. Unter dem Vorsitz deS RcichSernährungsminister- Dr. Hermes begann heute hier eine Konferenz der deutsäM ErnährnngSminister, der eine Vorbesprechung der süddeutschen Ernährungsminister und' des sächsischen ErnährungZminifters vorausging. Um Sonntag beschüstigte sich auch der Ministerrat mit den-Beratungsgegenständen der heutigen Konferenz. Wie die ^Bayrische .Staatszeitung". meldet, war das bayrische Ministerium einmütig der Ansicht, baß-auch künftig der Landwirtschaft di: Gestehungskosten unbedingt ersetzt werden müssen, daß aber auch auf die Interesse» der Verbraucher Rücksicht genommen werden müsst. Es sei daher zurzeit ein« Aufhebung ■ der Zw an gsw ir t sch a ft noch nicht möglich, eS sei denn, daß die Einfuhr ausländischen Getreides derart ' gesichert wäre, daß vom 15. August ab ohne Bedenken zur freien Wirtschaft übergegangen werden könnt«. Der Ministerrat sprach sich gegen eine übermäßige Verteuerung der Brotprcise ans, welche für die breiten Massen unerträglich wäre. Polnische Kabinettskrise. Warschau, 20. Februar. (Tel. der „Wr. Mörgenzertung".) Die von Ihrem Korrespondenlen jüngst gemeldete Nachricht über einen Konflikt zwischen dem Premier WitoS und dem Innenminister Skulski wegen der D-setzung der Wojwodenstett^n in Galizien wird von linksstehender Seil« bestätigt. „Przegkad Wiec^orny" zufolge habe WitsS erklärt, er werde die. weitestgehenden Konsequenzen ziehen, wrnn daS Innenministerium seine Wünsche in dieser Frage nicht berücksichtigt. Am 16. d. M. fand eine Sitzung des Witos- Partei statt, bei welcher dev Konflikt behandelt wurde. Bon den gefaßten Beschlüssen, dir vorläufig K?h-im gehalten werden, hängt «S. ab, ob es. zu einer, offenen 'Kabinettskrise kommen wird. Wie verlaute), wirdWitoS in den nächsten Tagen über daS RegierungZexpos^ die Vertrauens frage stellen, die aller Wahrscheinlichkeit nach durch Ablehnung der Linksparlei (Thngut- Partei) sein Schicksal besiegeln wird. Die' schon seit Wochen herrschende Bewegung unter den polnisch.:« Industrie-, Wirtschafts- und EisenbahNarbcit^tn scsieint in einem allgemeinen Auöstand zu endigen. "Die Abstimmung in Oberschlesie». ,, London, 21. Fcbruar. (Wolfs.) Di.« Londoner Kon« ferenz hat beschlossen, daß die oberschlesischen Landes« bewohner und die auswärts wohnenden Obersch»efier SU gleicher Zeit nbltimmen sollen, Der Moloch der WeltpoUtik^ —^7. W t e x 22. Scbniar* Der große Kongreß der Alliierten, der gestern in London begonnen hat, wird die Entscheidung darüde^ bringen, ob ein Aufstieg des Kontinents, ein, Empor«. raffen aus dem Sumpf des Krieg-Friedens möglich ist. . Außer den Siegern, sind auch Deutschland rmd di.' türkischen Negierungen in. London vertreten. Amerika fehlt, steht, aber im Hintergrund bereit, s>rn mächtiges. Wort als Abschluß und Krönung der Debatte zu sprechen. Sem gewaltiger Schatten fällt auf den Konferenztisch und'dis unb.hagliche Stimmung einer Versammlung,, die ihr», eigen.' Unzulänglichkeit deutlich verspürt, zeigte sich schon Tage vorher in den Reden der französischen und englischen Staatsmänner. Vriand hat im Senatsausschuß für Aeußeres, deü sün schärfster Gegner Poincaree leitet, die energischeste Vertretung der Interessen' Frankreichs in London in Aussicht gestellt. Lloyd George hat im Unterhaus die Entschlossenheit unterstrichen, Deütschsau.d bis zur Gr-enze der Leistungsfähigkeit zahlen zu lassfm. Diese Erklärungen sind aber kaum mehr als. taktsi,'che Züge gegen den Besiegten, den man einschüchtern/will, richten sich aber auch als deutlich vernehmbares 'Aviso an die Vereinigten Staaten. Man hat von ihnerc ein--.» Schuld.ennachlatz und neuerliche Geldhilfe verlangt. Da Amerika zögert, so wird ihm gesagt, daß sein zukünftiger Hand.lsfreund Deutschland bis zum Weißbl'uLen zählen, müßte. Da man von Deutschland Gegenvorschlägeerwartet, die.geprüft werden^ wollen, hatte, .ein vorheriges Fsstl.gen anf Unnachgiebigkeit keinen Bestand./Freilich wird Deutschland es, nicht leicht haben, Lie ForderurMw "'hei' Mrückzuführen... Man traut WeutschhanL nicht und - die Aeußerung Paul Hymans'- imbelgischen Außenausschiitz,. daß Deutschland, auf Vergeltung sinne, wiegt sehrschweb. Aber, Deutschland befindet sich in günstiger- Hositiom ■ Es steht allein und muß auf niemand Rücksicht nehmen, als auf das in London nicht offiziell-vertretene^Rußland,! während die Entente . uneins ist. Der Schwervunkt; Deutschlands liegt, seit es keine Kolonien und keine Flottes mehr hat. in Europa. Die Entente muß an Moskau und Angora, an Kalkutta und Bagdad, an Washington und Tokio, an Athen und Damaskus denken. Sie hat nedon den europäischen Fragen noch die asiatischen zu regeln, dief Unstimmigkeiten ihrer kleinen Freunde zu schüren' oder beizulegen, sie muß den Vertrag von Sevr.s bedenken, auf Oberschlesien Änd Ostgalizien blicken mtfctief hinten im Dunkel der Welthandel steht Marokko und das Kolonialprobl.'M mit dem Kabelstreit. Frankreich sieht die russischen Milliarden in die Vergangen«' heit schwinden, ist an England und Amerika verschuldet und kann seiner sich ungenügend vermehrenden Volksmasse k^ine radikale Steuerpolitik zumuten. England hat' in Irland einen vollen Bürgerkrieg zu dämpfen uuh, stehbin einer ungeahnt großen Arbeitskrise. j Alle diese Erscheinungen haben ihre gem^insanw Wurzel in. den falschen Friedensverträgen. Der Sieg' der Rache über das wirtschaftliche Denken hat den europäischen Markt zerstört, historisch, gewordene und' fest ineinander verwachsene Staatengemeinschaften zec« rissen und kleine Völker die auf dem Boden der Welt* Wirtschaft noch nicht gehen gelernt haben, vor Aufgabe» gestellt, die über ihre Kraft wachsen. Tie reiche Tscheche- . Slowakei hält sich nur mühsam über Wafs.r, Polen, ist' zu einem willenlosen Werkzeug der französischen Bol-' schewikenangst geworden und verdorrt, Rumänien lebt, in Furcht vor seinen Bauern und vor dem.russischin Nachbarn. Jugoslawien verzehrt sich in inneren Konflikten zwischen Staatszentralismus und StamMsautonch^ mie, Ungarn ist auf dar Kellerniveau einer militärisch organisierten Derbrecherbande gesirnken. Oesterreich gibt nur mehr LebenSz . ichen. von sich. Wahrend sich die Weststaaten., dank ihres großen Wirtschaftsgebietes, gegen dis große Schlammflut wehren können, ist Mittel-, Ostrmd Südostenröpa ein ' einziges. Trümmerfeld g.-worden. Keine Währnngseinheit. kein Warenverkehr, kein frei;® Spiel der Kräfte. Ter Fetischismus der Unabhängigkeit hier, die Ohnmacht dort, der-soziale Wahnsinn in Rußland, der blanke, wütende Hunger auf dem Balkan und in der Türkei— der Nährboden biesür ist das Versailler Werk, b.i dem die Politik die Nernnnft niedergeknüppelt hat. Der Moloch der Rache hat sich übernönrmen und seine eifrigen Diener, die Generäle, Freibeuter und i Börjenhvänew, lassen Er rova nicht -ur Ruhe ftmmenj

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