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Wiener Morgenzeitung · 1921-02-17 · Heft 741 (17.2.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 741 (17.2.1921)
Date
1921-02-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der „Matin" Meldet «ns Nrw-Aork: 50V der größten Bankiers und Großkänflente der Bereinigten Staaten habe« in Chicago die. Wirtfchäsiskrise der alte« und der neuen SjScIi eingehend beraten. Es wurde der Beschluß; gefaßt,, große Anstrengunftsn zu machen, um dem Harrdes zwischen de» beiden' Erdteilen wieder die frühere Regsamkeit zu Zu diesem Zwecke wurde ein Riesenverbaud ge» gründet, der schon jetzt über ein Kapital von 150 Millionen Dollar verfügt und mit dessen Leitung der ameri. kamsche Bankier C a r d i n g betraut wurde.; Zu den bedeutendsten Mitgliedern gebort der frühere Ernahrnnaskowmisiar Hoover, die Präsidenten der Standard Oil Companv und der internationalen Handels» Kammer und viele undere. Es gelang der Derfammlnng, eine Foreign trade finance Corporation unter Mit. Wirkung von 1500 Rew-Norker Großkaufleute« zu gründen, die an der Wiederaufrichtung des europäischen Handels Mitwirken sollen. lieber den Zweck der Gründung hat Hoover dem New-Iorker. Korrespondenten des ,,Matin" erklärt, Europa leide Mangel an Lebensmitteln und an Roh° stoffen, während sie Amerika in lieberfluß besitze. Der Austausch sei nicht leicht, da Europa nicht sofort bezahlen könne. Durch den Krieg sei es völlig verarmt und feine.Valuten haben verhängnisvolle Einbußen erlitten. Das einzige Mittel, dem Handel wieder aufznhelfen, bestehe darin, Europa so lange Kredit für Rohstoffe und Lebensrnittel z« gewähren, als es ihrer bedarf. Diese langfristigen Kredite könnten aber nicht von privaten Banken gewahrt werden, weshalb man die Gründung einer besonderen Organisation unter Mitwirkung der Staatsbank für notwendig erachte. MM' Programm M poriorm Wle man Oesterreich helfen will. Parts, 1#. Mruar. „P^rit PÄrisien" meldet: Die HMH'cWamK 'der Konferenz, an der auM den Sukzessionsstaateu auch die «Metten Grötz- Utächte teilnehnren werden, sei bei b;« Anwesenheit Dr. >tacjdjr in Hsyr. i^nb Paris ein Einvernehmen ge-, tl^fftn.HvWn.Men'M hör Heratung"» werde dlS;MzedoryeAl«uuk^'der durch die politischen Evngniffe , uDr-rvchenen" wtrtschäftttchen Bande im.. Donau Gebiet KAM. -Zunächst werde, demnach die Frage der. Eiserrbäysten behaNdelk werden, um die Olufteilung des Wagen-. vstM ^pon'"S^gHÜ0.' 'Waggvns!, - ,Wbelr - den die' alte Monarch^ verfügte, zu ordnen. Än zweiter Stelle werben Oosi- und Telegraphenfragen, an dritter Stelle die MUenf age, insbesonde« die.Verteilung der Kohle auf die Nachfolgestaaten, an'vierter bke Besserung der Valuten 'besprochen wexden. Die Konferenz werde nicht nur Äestrebt sein, der gegenwärtigen Lage Österreichs Hzuhelfen, sondern das große mitteleuropäische Problem -seiner. GescrUrtheit zu lösen, und an Stelle der bisherigen Absonderung der. Staaten voneinander gegenseitige Unterstützung treten zu lassen. ^,-Parks» -16. Februar. Der . tschecho-slowakische. Minister hes Aeußern Dr. Benes ch erklärte einem.Bericht-: erstatter d«S „Journal": Nach reiflicher Überlegung Mnhe ich, zur/Wiederherstellung der dauernden Ord- ME in den Staaten ZcntraleuropaS gewisse Vorschläge ist Mrtorose unterbreiten zu können, die vom österreichischen Kanzler angenommen wurden, dem ich sie bei unserer Begegnung mitteilte und die auch die Zustimmung der italienischen Negierung gefunden haben. Ich hin überzeugt, daß sie gleichfalls die Unterstützung der französischen Neuerung finden w-?r.den.. " Ruf die Bitte/die Vorschläge zu skizzieren, erklärte' Hr^Benesch: Die Vorschläge gründest sich auf die wirkliche -Lage. Oesterreichs, die man nicht immer richtig'be-. urteil^ Mene Börschläge sollen, nötge Abhlse brngen, ohntz doch. zu künstlichen Mitteln Zuflucht, zu nehmen ijh meine zu provisorischen Lösungen, wie man sie seit Mfi. Fahren immer wieder beginnt. Dr. Bene sch besprach nun Hie- Verbesserung des Transportwesens, die gestattest würde, aus Jugoslawien, Nstmänien und Ungarn statt aus Amerika Getreide herbetzuschafsen und hebt qnch als einen seiner Programmpünkt« die Verbesserung dev Donauschifiahrt und die Erleichterung des Paßwesens hervor. Er schließt, er sei überzeugt, daß seine Vorschläge M'einem guten Erfolge für alle Beteiligten führen Würden/ unter der einzigen Bedingung, daß die' Verhandlungen nicht das wirtschaftliche Gebiet verlassr.l und sich in der Politik verlieren, wo man mit Empfindlichkriten aller Art. rechnen müßte. Alle Nachfolgestaaten «her seien darüber einig, solche Fehlgriffe, zu vermeiden, und Harum stehe der Erfolg der Konferenz von Porto rose außer $cn$2. Prag, 16 bima"-vervfMt^ Aeußern Dr . B c 'n e sch an die DertEr d/r kschechischen Presse in Paris. Ueber feine ZufamMeWnst Mit dem öste?re:chi''ch2n Kanzler SuZerle slchMinWvDr.Mnesch',^ .daß in.den grundsätzlichen Fragen volle Einigung erzrett ^Worden sei, so das; er' in.-Rom -ln,'bestr-HWtß'^ftin'habe.; i sprechen können) daß Oesterre'ch das Programm für die Konferenz in Portovose, wie d Don der Tschecho-! Slowakei vorgeschlagen werde, annehme. In dem. Bericht heißt es weitet, bäß Minister Dr. Benesch über die' Hilfeleistung für O/ft"rv?ich und deren Durchführung bereits in Paris verhandelt habe. Er glaube, die Frage dev Hilfeleistung für> Oesterwich wäre zur Hä'lfte erledigt, - .wenn;eine •' Konvention zustande käme/die die Verkehrs fragen zwischen all?» mitteleuropäischen Staaten und ebenso den Telephonstno Tetegraphruv'erkehr zwischen ihnen regelntveitt'rs e^ns endgültige Entscheidung über die Ausvitung des Wagenparks herbeiführen, die Frage der Kohleülicftrungen ordnen, die Aufteilung der Donausahrzeuge lösen, die Angelegenheit der Donaüschiffahrt überhaupt regrln und schließlich die Zoll- und Paßvorschrjsten erleichtern und vereinfachen würde. Die Türken im LmchM. Paris, :16. Februar. .(Funkspruch.) Es! verlautet, daß -die Vertreter der Ängora«Regiernn g Heß her Londoner Konferenz die. vo'lständige Revision des Frichestsverträges, die Grenzen des Jahres 1913 und eine vollkommen selbständige Türkri ohne jede fremde Kontrolle verlangen werden. London, 14. Februar. (Reuter. — Verspätet eingelangt.) -Man ist "gefriedigt, daß der Minister des Aeußern der Regierung vonAnzora, Bekir Samt Bei, die-Delegation der Nationalisten auf der Londoner; Konferenz leiten wird. Die Konferenz wird keinesfalls über den 21. Februar hinausgeschoben werden. .Nur.die Delegation her Hohen i Pf orte wird a n e r ka n n t. Die Natiönaliste» müssen durch deren Vermittlung sprechen. Man hofft, daß es zu einer Verständigung beider Delegationen kommt. Intervention zugunsten der «kratnischen Heirnlöse« in Betzarabie«. N^w-Dlo:k,' 13. Februar. (Jüd. Korr.-Bur.) Die Nachricht^ über die Verweigerung der Paßyisa für die jüdisch-ukrainischen Flüchtlinge in!Beßarabien durch den amerikanischen Konsul in Bukarest hat hier großes Aufsehen erregt. Louis M a r s h a ll wandte sich in dieser- Angelegenheit namens de) Joint DistMütton Committee an das Staat§bepartem7nt in Washington, ebenso Morris Rottenberg namens des provisorischen amerrkanisch" Mischen KqimMes an M rumänischen MsLndtün. Internationale Spannungen. ‘ —y. W t c vs, 17. ZÄruar.! In London sollen zu Ende dieses oder anfangs des nächsten Monats die Besprechungen der alliierten , Ministerpräsidenten fortgesetzt werden. Vorher soll noch; in Paris über das österreichische, in Brüssel über das > deutsche, in Rom über das nnttelenropäische Problem. überhaupt gesprochen werden. Die hier erzielten Reful* täte sollen in London sanktioniert werden. Doch geht das Lpndorrer Programm über diesen Rahmen hinaus. Die Weltsituation ist von Spannungen erfüllt, die dis/ hartnäckigste Aufmerksamkeit der Negierungen erfordern. Die Frage mach Amerikas Haltung kann noch immer nicht beantwortet werden. Die wiederholten Versicherungen. der amerikanischen Politiker, eS fei ihnen ernst mit der großen und allgemeinen Abrüstung, gleichen zu sehr den / friedlichen Erklänmgen her Kabinette in den letzten Jahren vor. dem Kriege. Die japanische/Kammer hat ' außerordentlich hohe HeereS- und Marinekredite be». - willigt, was nur für eine Verschärfung des . japanischamerikanischen Konflikts spricht. Amerika^ das sich knapp, vor einem. Systemwechfel befindet, macht , eine außen-. politische Krise.durch, die durch das Abklingen der Hochkonjunktur. des Weltkrieges ihre ganz besondere Rots erhält und es als selbstvrständlich erscheinen läßt, daß. man, m Washington so wenig europäische Sorgen haben mochte als nur möglich.. Das Land muß ssine Mittel für' alle Fälle bereit halten. Daraus ergibt sich auch die Er- , gebnislosigkeit, die die Forderungen seiner, europäischen Verbündeten nach.Reduziernng der Schulden bisher fandest. Daß Mte.Mort rq dleserr.Angelegenheit ist aber, wM mrder Schuldestfräge eins etwas' leichtere Dqnd. zeigen müssen. / j Einstweilen sind die Verbündeten auf sich, selbst Mgewiesen und müssen so gut oder.so schlecht als chöglrchj auf eine Einigung in den großen Streitfiägest hin-. ^arbeiten. Alle haben mit inneren Sorgen . zu kämpfen. Frankreich befindet sich in finanzieller Not.. Die großen" Summen, die Deutschland bereits für den Wiederaufbau'. - der-zer-ftorten Nordgebiete .geleistet hat, sind, wie Minister, Simons jüngst feststellte, nicht in die Staatskassen geflössen und in Nordfrankreich ist bisher noch kein Ort aufgebaut worden. Ob. e8 sich hier um Fehler in der Organisation, oder um Durchstechereien handelt, ist nicht bekanntgeworden. Aher alles hofft ans die großen. Gelder, die man von -Deutschland erhalten soll, und die politische Bewegungsfpeiheit. der Regierung ist durch die allgemeine Hypnose stark beeintmchtigt. Sie kann in den großen Orientfragen nicht mehr ihre ganze Aktivität entwickelst ' und wird ihr Verlangen nach Revision des Vertrages von Sevres den englischen Anschauungen unterordnen müssen. England muß aus allen Kräften einer Klärung seiner äußeren Perhältnisse zustrebcn, um zu einem Frieden mit der eigenen Arbeiterschaft zu gelangen; deren Programm des Weltfriedens und der Beruhigung Irlands drängend und mit dem Hinweis auf General- ' streiks vorgetragen wird. Äie Arbeitslosigkeit, die; Wohnungsnot und der Rückgang der Grtreideproduktiön stellen die englische Regierung unter Druck rmd werden' sich auch bei der Behandlung der deutschen Gegenvorschläge fühlbar machen, ebenso wie sie auf die Be-' Handlung der Beziehungen zu Rußland bestimmend einwirken. Der Handelsvertrag M den Sowjets ist im Werden. Die Anstrengungen, die Moskau machte um zur Anbahnung einer geordneten Wechselseitigkeit mit England zn gelangen, zeigen deutlich ihre schwierige Situation. Rußland muß sein Verkehrswesen erneuern und feine agrarische Produktion durch die Einfuhr von: Maschinen und wahrscheinlich auch'von Saatgut in die Höhe bringen. Vor allem aber brauchtes geschulte Intelligenz, da es seine eigene im Weltkrieg und in den' Stürmen der Revolution verlören hat. Die Herrschaft der Sowjets ist nicht auf kommunistisch gesinnte Massen, sondern nur auf ein paar Dutzend Kommissäre, lettische- Bataillone und die Dumpfheit der Bauern gestützt.' Kömmt in die Millionen Bauern das politische Machtstreben, dann ist es mit dem Bolschewismus vorbei. Lie Diktatur muß also auf dem Wege deS Handelsvertrages mit England und der Ausnützung der japanisch-amorikanischen Gegensätze die Anerkennung ihres Systems anstreben, mit dem Ausland in Verkehr kommen, für Lebensmittel, Lokomotiven und Maschinen sorgen, kurz» sie muß den Weg gehen, den jetzt in Wien die Sozial-

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