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Wiener Morgenzeitung · 1921-02-14 · Heft 738 (14.2.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 738 (14.2.1921)
Date
1921-02-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Jahrgang Die französischen Sozialisten gegen die Pariser fordernden. w Paris» 13.Febmar. (HavüSi) DerNationalral der sozralistischen Partei (der früheren einheitlichen sozialistischen Partei)' entschied/ daß Albert T'h o m a s zwischen der Leitung des Internationalen Arbeitsdienstes und seinem Abgeordnetenmandat zu'. wühlen' habe. Weiters wurde eine, von Crumbach vorgelegene Entschließung angenommen» wonach von dem Manifest der U. S. P. D., das einerseits gegen die '-w^r-t-stch a -ft l i-ch'e n Po r d e r u n g e n v o n P a r i s C in sp r u ch erhebt und andererseits - D e u I sch l a n d ausfordert, seine W ieder g u t m a ch u n gspf! icht anzuerkennen, Kenntms genommen und den'Delegierten jilx die W i e n e r Ko n f e r e n z der Auftrag erteilt wird; eine gemeinsame Bersammlüvg mit den politischen und' wirtschaftlichen Organisationen Frankrei ch s, Engl a n d s und Deut f ch! ir n d s in die Wege M letten und die Lösung» der Wiedergutmachungssrage ins/Auge, zu fassen. ' / - . ) : - - Paul F a u r e verlas - sodann das von der Kmnmisstott verfaßte Manifest, das von der Spaltung der Partei, die sich in Tours auf die wiederholten Einflüsterungen von Moskau hm vollzogen Hatte, Kenmnis gibt und erklärt, die sozialistische Partei Frankreichs .werde fortfahren, die Weisungen von Jaurds, Guesde und Baillant zu befolgen, die dahin lauten, den, Amsterdamer Vertrag,' den Einheitspakt unmittelbaren AkstMvmr 1.919 zu.achM'OrrrWch'er.MemWyjtal^ wiroi sestgesteüt, daß die Starrköpfigkeit und Schroffhesti Moskaus alle Gruppierungen der mternalionalen Parteien unmöglich gemacht haben und daß die Wiederaüfbaubestcebungerr nächste Woche in Wien unbedingt AiU -Abschluß-gebracht werden müssen. . > K Die Abgeordneten Varenne und L6on Blum ckhoben Einspruch gegen die Stelle des Manifests, die/ von den von der Partei Gewählten verlangt, niemals mit anderen republikanischen Gruppen der Kämmer zusammenzuarbeiten. Das Manifest wurde gleichwohl angenommen. Außenminister Dr. Simons kündigt Gegenvorschläge Deutschlands an. Unmöglich- Ei»h,u««g »et Ei>te»tif»r»e«>ing«>>, / Stuttgart, 13. Februar. (Wolfs.) Reichsminister Dt. S j,m o n s sprach heute vor mehr als tausend Personen über die politische Läge. Er führte aus, daß die tzähere Prüfung der Pariser Beschlüsse das in seiner Michstagsertlärung gefällte Urteil nur bestätigt habe. Es HDuffallerrd, daß weder Lloyd George noch Bria nd ilÄ.Gras Sforza in ihren seither belannlgewordenen RWn über die Beschlüffe den Versuch gemacht hätten, aG/chem Material der Brüsseler Konferenzen nachzu- Mseu, daß Deutschland zur Zahlung der ungrheuerfiHen' Annuitäten von sechs M ill i a rd en W l d m a r k fähig sei. Man habe die deutschen Leistungen stich^ finanz- und wirtschaslsteÄmsch zn begründen gesucht, sMertrvnur phantastische Ziffern über die WMge Höhe des deutschen Exports genannt. Die bisherige Debatte habe klar ergeben, daß die Wrparationsb estimmungen des Friedensvetlrages die'ungeheure Aufgabe des'Wiederaufbaues der eüxdpärschen Wirrjchaft. nicht geleistet hätten, sondern dD-ch neue Bestimmungen ersetzt werden müßten. Die Lösung fönne aber nicht bli k t i e r t w e r d e n. Da die Hauptlast der Aufgabe g,uf Deuilschlgnds Schultern falle, sei es nötig. Deutschlands freiwillige Zustimmung zu gewinnen. D i e d e u t \ chen U e g e n v o r s'ch l ä g e würden Zeigen, daß Deutschland die Verpflichtung, b i s u r Grenze s ein e r B s i st u n g s s ä h i g k e i t für die Heilung der striegSsHabö^ zu arbeiten, e r n st n e h rn e. / Pas die europäische Gesämtmirtschast brauche, stämlsch sine, große Anleihe zum Zwecke des Wlederaufbünes l er, zerstörten Gebiete und zur Heilung der sonstigen ^rstgsschäden, sei nur erreichbar, wenn, man eine Anzahl der komplizierten Besiiünnungen des' FriedensverirageS durch rrujsche .«sd Usrr ^inoniverpslichtunsrn ersetze. Weiterhin bedürfe es einer PcrstZndigung über die Bedingungen, unter denen der beutsche Export gesteigert werden könnet ohne sich selbll oder die Industrie der übrigen Staaten zu gefährden. Die 12prozentige Exp o,rVa bgabe sei dazu n b s o lnt nn.g e e i g n e t. Man solle darüber die industrielle«' Sachverständigen der beteiligten Länder in unmittelbare ^Verhandlungen eintreten lassen. ' - P nrls, 13. Februar. sHavas.)' Der deutsche Staatssekretär Bergmann ist mit einer-Mitteilung der deutschen R gierung an hie sranzösischeMegierung, betreffend die,Zahlung der Wiedergutmachung-en, heute vormittags hier eingetroffen. 'i-’ / •" ' v Der „Temps" schreibt: Die französische Regierung, die im engen Einvernehmen mit den Verbündeten bleibt, ist vollkommen bereit, die dentschön Vorschläge a u z u h ö r e n, vorausgesetzt/ daß sie sich' dem Abkommen von 29. Jänner aupassen oder es ergänzm. Die deutschen Vorschläge werden aber nur dann ää notsm genommen werden, wenn sitz diesem Abkommen entspreche«/ das die , äußerste Grenze der erträglichen Opfer bedeutet. Frankreich wird sich auf keine' -ausschiebende' Taktik einlassen, die bestimmt wäre, die Londoner Konferenz zu verzögern oder ihre Aufgabe zu komplizieren. ' ' ' . Der Krieg i« . Dublin, 12. Februar. sReutech Gestern abends griffen etwa 100 Bewaffnete den Zug Mallvw-Fralee im Bahnhof von Millstreet in der Grcifschast Cork an. In dem Zuge befanden sich etwa 30 Soldaten, die beschossen wurden. Ein Soldat wurde getötet, mehrere wurden verwundet. Wie aus Bantry gemeldet wirb> griff in. der letzten Nacht eine Bande von Bewaffneten die Kaserne in Drimoleague an. Der Angriff erfolgte mit Gewehren und Sprengstoffen. Die Garnison leistete tapferen Widerstand. Der Schade ist bedeutend. Als Bers?ärkungen eintrasen, ergriffen die Angreifer die Flucht. \ . , Angriffe auf die Gendarmenekaserne von Elphin in der Grafschaft Roscommvn wurden zmückgewiesen. nachdem die Belagerung der Kaserne die ganze Nacht angedauert hatte. Standrecht in Thrazien. London, 13. Februar. Nach einer Meldung der „Daily News^ aus Athen hat die griechische Regierung über Thrazien das Standrecht verhängt. Keine Verfolgung Skurudis. Paris» 14. Februar. (Hävas.) Nach einem Athener Telegramm des ^Matin* ist der griechischen Naüanalyersammlung der Entwurf eines Erlasses -vorgelegt worden, wodurch die Beschlüsse der früheren Kammer bezüglich der Verfolgung gegen die Mitglieder der Kabinette Skuludis und Lambros aufgehoben werden, Vötkerbnndrst. Paris, 14. Februar. (Funtzfpruch) Die nächste Sitzung des Völkerbundrates wird am 21. d. M. in Paris stattfinden. AbreisederdeuschenHanbelsdelegierte» aus Belgrad. Belgrad, 13. Februar. (Privat.) Mit Rücksicht darauf, daß Jugoslawien keine permanenten, sondern nur zeitweilige Handelsübereinkommen zu unterzeichnen entschlossen ist, haben die deutschen Handelsdelegierten Belgrad verlassen. Bombenwurf in einer Wählerversammlung- New-Dork, 13. Februar. Durch einen Bombenwurf in einer Wähleroersammlung in Wcaao knd 17 Perionen schlyer orrktzt Nordes.. Balkanifche «nÄ mtttele^ro- . pMfche Fragen. Wie n, 14. Wriro«. Während früher der balkanifche WeiLerw?.nkel sich ' in Jugoslawien befand und der Friede m-erster Linie durch 'den jugoslawlsch'italienischeN Antagonismus de«, droht'war/ ist hierin in letzter Zeit eine Milderung eiw« getreten. Nun' aber droht eine neue' Kri'egHefahr am.; Balkan aus den rumänisch-russischen un)/ griechflichtürkischen Differenzen. Man kann wohl nj-cht. behaurten, daß de? Kampf zwischen Jugoslawien un.^ Italien um die Hegemonie in der Adria durch den Frieden van Rapallo endgültig abgeschlossen ist, - aber v i/te Gevamtwge Europas sowie die politischen und öVc/nomischen Verhältnisse in beiden Staaten und nicht in letzter Linie dynastische Interessen zw-mgen sowohl /Jugoslawien wie Italien vorläufig sich mir den Ergebni ssen von Rapallo zu - begnügen. Allerdings darf man s nicht außer acht lassen, daß m beiden Staaten mächtige Strömungen existieren -— in Italien die Nationalisten, die verhüllt ' öder rlnverhüllt' mit d'Annunzio - sympathisieren,' in . Kroatien und Kmin starke kroat'is/che und slowenische Gruppen—'welche im Frieden von 8Rapallo.eine - Preisgebung nationaler Lebensinteressen erblicken. Die vor kurzem stattgefundenen Unruhen in -Spaloto, Fmme sowie iri: Triest sind nur einzelne Shmptönre/ dafür, daß? das adriatische Problem noch lang-t nicht gelöst ist. . Unter den verschiedenen Gründen, die Jugoslawien veranlassen,' derzeit. am Frieders von Rapallo sestzu« halten^ kommt in erster Linie 'de?^ in Betracht, daß > man' von' dem Grlechenl'afld Konstantins nicht das Festhalteni an - dem ^fuaiMchtsck-^risEfche n Bündnis.-' i erwactet, Balkan'Änspruch erhebt And ‘He griechischen. Patrioten - — wenn sie es auch nicht imm^r aüssprech'en -— sich als die Erben, der Türkei betrachte« und immer wieder-von'- einem byzantisiischen. Reiche Mit der Hauptstadt 'Kon-?^ stantinopel träumen.' . h Vorläufig sind cülerdmg.s /.nicht die ^Jugoslawen«^ sondern die Türken ihre Harrptgegner. Die immer inüch^ t.iger anwachsende nätionalisiische Partei unter Führung Kemals, welche in der letzte« , Zeit Oberhand gewonnen * und sich mit den Konstantinopler Machthabern geeinigt zu haben scheint, ist . ein gefährlicher^ Gegner fü'r dis panhellenischen Nspiraüonen. Wenn auch die Türken derzeit keineswegs auf die Sympathien der Entente rechnen können, so erwarten sie andererseits eine Unterstützung von der Panislamitischm Bewegung ^in ihren Kolonialgebieten und nicht kn letzter Linie von den Bolschewiken. Trotz aller DemenUs ist es Tatsache, ög§. Rußland einerseits, Polen, Rumänien und Ungarn andererseits rüsten, obwohl, oder vielleicht gerade deshalb, die. inneren Verhältnisse in diesen Staaten äußerst verworren sind. Zwischen der Entwicklung der Balkan^ staaten und jen?r Ost7 und Mitteleuropas besteht eben ein enger Zusammenhang.. Der große Gärungsprozeß, welcher schließlich zum Weltkrieg führte, ist aber noch lange nicht abgeschlossen und die vielen berechtigten, zsiur Teil.auch .nicht berechtigten Aspirationen sind durch dis Frichensverträge/fast nirgends befriedigt worden. Alls die unbefriedigten Volkssplitter wartm aber nur auf die Gelegenheit, .gegen die jetzt geltende staatliche Neuord». nung zu rebellieren.: ' j Ob das heutige Staatensystem ohne schwere Erschütterungen sich weiter' behaupten kann, hängt davon ab, ob man überall zu einem gerechten Ausgleich mit den sogenannten nationalen Minoritäten — die in manchen : Staaten . numerisch fast so stark sind wie die herrschende Staatsnationalität — gelangen wird und ob man die aus der Kleinstaaterei resultierenden ökonourischeu- Schäden wenigstens durch eine wirtschaftliche Föderation einzuschränken sich entschließen wird. Ohne diese kann weder der Balkan noch Mittel- und Osteuropa gesunden. Wenn diese aber an dem Chauvinismus der einen und der Unentschlossenheit der anderes scheitert, dann ist es unausbleiblich, daß Europa neuen Kompttkationen entgegengeht. Zündstoff ist genügend' am Balkan, in Mittel- und Osteuropa angesammelt und jöder auch nur lokale neue Krieg birgt die Gefahr in sich, daß alle, scheinbar schon gelösten europäischen Probleme in ihrem ganzen Umfang wieder aufgeroll^ werden, i

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