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Wiener Morgenzeitung · 1921-02-08 · Heft 732 (8.2.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 732 (8.2.1921)
Date
1921-02-08
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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9tfc 732 Men. Dienstag Vvrckon, die als sehr kritisch bezeichnet wurde. Die Arbeiterverbände stehen infolgedessen vor der Gefahr hes Unterganges. Die Konferenz hat beschlossen, diejenigen Personen, Welche Beschäftigung haben, aufzufordern, einen Teil ihres Einkommens zur Unterstützung der Arbeitslosen zu bestimmen. Es wurde ferner beschlossen, Vorarbeiten yit baldigen Schaffung verschiedener genossenschaftliche^ Unternehmungen wie auch einer genossenschaftlichen Hche für die Arbeitslosen einzuleiten. Sir Alfred Mond und Palästina. London, 7 Februar. (Del. der „W'ener Morgengertung".) Der englische Minister Sir Alfred Mond hat Palästina verlassen und sich nach Aegypten beheben. Einer Reuter-Meldung zufolge erklären die zionistischen Stellen, daß Sir Alfred Mond seine „endgültige Zusage gemacht hat, nach seiner Rückkehr nach London jüdische Finanzkreise in England, Amerika und Europa für die Entwicklung Palästinas interessieren zu wollen. Eine der ersten Unternehmungen nach Unterzeichnung des Mandats soll die Schaffung einer hydroelektrischen Anlage am Jordan werden, in welche zwei Millionen Pfund Sterling investiert werden sollen, -r Als' Vorsitzender des Wirtschastsrates des Palästina-Grundfonds (Keren Hajessod) hat sich Sir Mond dahin geäußert, daß. er die Frage der Palästina-Anleihe mit Sir Herbert Samuel und seinem Sekretär Wyndham Deebs besprechen werde und daß eine Palsistina-Anjeihe von fünf Millionen Pfund ausgenommen werden solle. Jerusalem, 4. Februar. (Jüd. Korr.-Bm.) Der Mische Stadtrat veranstaltete zu Ehren Sir Alfred Monds und Professor Weitzmanns ein großartiges Abschiedsbankett, das die vornehmsten jüdischen Kresse Palästinas vereinigte. Den Borsitz führ!» her Vizebürgermeister von Jerusalem, David D e l l i n, der Sir Alfred Mond ersuchte, Lloyd George den Dank der palästinensischen Judenheit auszudrücken. Sir Alfred Mond erwiderte auf die Abschiedsünspräche mit einer großen Rede, die er in hebräischer Sprache schloß, und ^versicherte, daß er in Palästina'viele Freunde zurücklasse. Er werde den. Dank an Lloyd George übermitteln, umsomehr, als der gegenwärtige englische Premier der größte Freund. des Zionismus ist. Keine wie immer geartete Propaganda, vermag nunmehr die Balfour-Deklarattonzu ändern. Palästina hat lauter treue, ergebene Diener der zionistischen Sache, die Nicht entmutigt! werden dürfen. Der Zionismus darf nicht die geistige und kulturelle Seite seiner Arbeit vernachlässigen. In dem. hebräischen Teil' seiner Rebe erklärte. Sir Mond, daß'ervom Ecowymical Council -.jMVge'-'ExgehHUzSWaW. ,;'.r^ Dr. Weih m a «M sagte, das jüdische Volk müsse zu Opfern bereit sein So wie esim Krieg in England reinen Mann ohne Khakiuniform gab, so dürfe es jetzt Seinen Juden geben, der sein Opfer nicht für Palästina brächte. Das jüdische Volk wird dieses Opfer. bringen. E>ie Judenheit Europas hat auf San Nemo mit der Entsendung Tausender von Chaluzim reagiert und nun warten wir auf die Antwort Amerikas. Die palästinensische Regierung hat die heften Absichten- Es. könnte sich jedoch eine überaus schwierige Lage ererben, falls wir unsere Pflichten nicht erfüllen, sollen- Konferenz der kanadischen Zionisten. Montreal, 3. Februar. (Jüd. Korr.-Bur.) Hier wurde die Konferenz der kanadischen Zionisten eröffnet, in der dis Herren James de Rothschild, Richter Mack, Präsident der amerikanischen zionistischen' Organisation, Dr. Schmgr-ahu Lew in und Sfr Mortimer Davis als Hauptredner auftraten. Eine große Anzahl reicher kanadischer Juden verpflichtete sich, die finanzielle Hilfe für den Wiederaufbau Palästinas zu organisieren. Jüdische Flüchtlinge in Italien. Paris, S. Februar- (Jüd. Korr.-Bur.) Ein« groß« Anzahl jüdischer Flüchtlinge aus Beßarabien ist letztens i« Neapel und anderen italienischen Häfen eingetroffyn. Sie leben in großer Not und sanitätswidrigen Verhältnissen. wodurch die Gefahr besteht, daß die Italienischen Häfen für die Emigrantendurchreise gesperrt würden. Rusniitzuna der WasserKriifte t« PaiSstina. Berlin, 7. Februar. (Z. K.) Nach Mitteilungen SololowS wurde «ine englisch-französisch« Kommission eingesetzt zwecks Regelung der Ausnützung brr Wasserkräfte in dem an Palästina angrenzenden, französischem Einfluß unterstehenden Gebiet. Auflösung dir monarchistischen Landwirtschaftskammer von Breslau. Berlin, 7. Februar. (Wolfs.) Das preußische Staats- Ministerium hat sich heute mit den Vorgängen bei der letzten Versammlung der Landwirtschaft skam Mer für Schlesien in VreSlau befaßt, bei der es zu monarchistischen Kundgebungen gekommen war. Da» Ptaatöminjsterium hat beschlossen, jBflyyiptr diefs? Hstffgispgf Wiener MvrqenrettNna / MrbeiLen «nd . sparen! 7 Das Vro^ramm Ler Grfpavmr Skvmmisston. Gestern vormittags fand im .Bmid-Mätt'leramt unter Vorsitz des PrSüdentsn Dr. Max Wtadinsir B,e ch.nnim deS Bundeskanzlers Dr. Mahr die konstituierende Sitzung der Ersparungskommis'ion statt. Der Bundeskanzler begrüßte die erschienenen Mitglieder der ErspärungSkommissvon und wies auf ihre großen Ausgaben hin, d ie er in drei Gruppen, teilte: Die erste ist die Herstellung einer atl gemeinen Vermal tu ngsreform, im b: sonde.en dis Durchführung von Ersparungen im Staatshaushalt und in.den, einzelnen. RcssortS. Im Zusammenhang damit wird, auch di? Frage des Beamte nübbaueS, fr.'i'i-h mehrmals eine.sekundäre,Frage, zu behandeln s in. Maßgeberrd wird, hiebei der Gesichtspunkt blribrn, der, heule, vielfach., zuruckgestellt ist, -daß .die. Beamten für den S.taat da sind^upd. nicht umgekehrt. Die. zivrite große Arbeitsgruppe'wird die Reform der staa'tlichen Betriebe und der - staatlichen Unternehmungen, sein. Als dritte Gruppe muß die Lösung des Wäh r ungsproblems iüs Auge gefaßt werden. Die Regierüüg wird dafür sorgen, daß dir 'Kommission in größter UHabhängigkeit nach ihrem Statut zu arbeiten vermag. Hierauf gab der Präsident der Kommission, Herr Doktor ' Wladimir Beck, eine eingehende Darstellung der Ausgaben der Kommission. Hhr'-dLrüt^' bezeichnt '•'«& -Zweck der von der Kommission zu erwägenden und vorzuschlagenden, Maßregeln dir Mefundung des gesamten Bunds s-- haus h a l t s', ohne Einschränkung, durch Herstellung deS Gleichgewichtes im Bundeshaushalt. Die Kommission wirb sich Klarheit verschaffen müssen über die I b e e n, M o t i v e und Z iele, welche die wichtigsten Lebensgebiete des Staates, das sind jene der finanziellen, der Wirtschaftl ich e n, der politischen und der kulturel!e n B erw a l t u n g, beherrschen. Sie wird b e f n g t undn ö 11 g {[ sein, ’ Kritik zu Üb«r urü» hieran Anträge zu knüpfen. Die verhängnisvollste. Idee, tpehhe. W. MtMtswestn bis zu den alltäglichsten Lebensänßerungen beherrschtist das Document humain voü Saiat»Germäitt, s ' * welches' vor dem Richtcrstuhl "einer ferneren Geschichtsschrcibung eitles, strengen. Urdrrls gewärtig .fein mag-, vorerst aber unser hartes, Gesetz ist. Aus finanziellem Gebiet .wird dis Kommisiionihre Aufmerksamkeit der grundsätzlichen Stellung der Finanzverwaltüng zur Währun gs-- f ra ge zuzuwenden haben, als jenem Punkt, vor dem alles Pehund,, ißt -yrrieven wäre. Auch wird die Kornmission die für das ' ,s. ..s ■■'5 ■ Kredit- und das Stmcrwefen Mßstebenden Leitmotivs prstsrn. l Das ErMpenngsProblom t... ist überaus schwierig, weil es eine Verwicklung' der valutarischen Frage mit jener der inneren Produktion, und der Händelspo.'i.ik bedeutet. Eirm B e r m i n d e r u n g drS geradezu katastrophalen Äüfwandes für die Ernährung der Bevölkerungist nur aus einer dauernden BesseruD ünseter Währung, auS zweckdienlichen Maßnahmen zur Hebung der landwirtschaftlichen Produktion und aus einer zielbewußten Handelspolitik zu erwarten. Die dermaligen Ergebnisse der staatlichen Betriebe sind mit einigen. Ausnahmen im allgemeinen so unbefriedigend, daß durchgreifende Aenderungen vorgenommen werden müssen^ Bei einzelne«. Staatsbetrieben (in erster Lin,ie ist an das DerkehrSwesen zu denken) wird die Frage in ernste Erwägung zu ziehen sein, ob nicht an Stelle des Eigenbetriebes, des Staats) ändere Betriebsarte n treten sollten. Vorsicht Wird das Vorgehen der Kommission auf dem so viele Zweige umfaßenden. und hier in weitestem Sinne gedachten Gebiets der kulturellen Verwaltung bedürfen. Wir sind infolge des langen Krieges sowie seiner Nachwirkungen insbesondere in unserem BilduagSwesen in. fühlbare - Rückstylchs geraten. Wenn wir auch besonders leidende Zeugen eines währen HexensabatS von Milliarden sind, in dem bereits die Billionen beginnen, eine Rolle zu spielen, darf uns die Million, ja auch eine, geringere Summe der Ersparnis im Aufwand oder der Vermehrung im Einkommen nicht unwert erscheinen. ES hat den Anschein, alS diente der Staat und der Großteil seiner Bevölkerung nicht zum wenigst«» seinen Angestellten und nicht umgekehrt, denn nach dem Staatsvoranschlag von 1928-21 beziffert sich der staatliche Personal» und Pensionsaufwand auf 8.9 Mckliarden. auf 27 Prozent aller Staatsausgaben, auf 43 Prozent aller Staatseinnahmen und überschreitet die gesautten Einnahmen aus öffentlichen Abgaben um 437.8 Millionen. Diese Ziffern sind seither durch die tatsächlichen Verhältnisse überholt worden, so daß dieser Aufwand mit 13 bis 14 Milliarden geschätzt werden muß. Daß dieser Zustand auf keinen Fall andauern kann, liegt klar, zutage. Unter einem für das laufende Budgetjahr mit über 30 Milliarde» zu schätzenden tatsächlichen Abgang» worunter 8.8 Milliarden Defizit allein bei dem StaatSLahnbetrieb unter einer mit der Ziffer von 102.8 Milliarden nicht einmal ganz erfaßten Schuldenlast und unter einem Banknoten, umlauf von rund 69 Milliarden — hei etwa 8 Millionen Metalldeckung — unter diesen Lasten muß der Staat bei unverminderter Andauer diese- Zustanderettungslos zn» sammenbrechen. Die Kommission muß und kann in sehr erheblichem Maße zur Annäherung an da» vom Statut gefetzte Ziel ftni Lrh«jt allerdings »jM oBcbt kau t»»»« 8. Februar 1921. 'Serie ff bedarf sie der werktätigen Nnterstützung der. Regierung, wie, denn überhaupt das Verhältnis zwischen Kommission.. Regierung nur als das des loyalsten, vor stand ui 4» voll st e n ZusammenarbeitenS denkbar ist. Dmist, konnte diese gemeinsame Arbeit allerdings wertvolle Früchte' in der Aufstellung eines förmlichen finanz- und. wirtschaftspolitischen Programmzeitigen, das geradezu als Rettungsprogramm durch dis Regierung und ^Volksvertretung durchgeführi zu werden hatten Einem solchen Programm müßte aber gewissermaßen ‘ «1$ Sanktion für die Aufrechterhaltung der Ordnung im Staatshaushalt ein ko di f iz rer tes Etat St echt, zu welcher^ übrigens die Vorarbeiten im Rechnungshof, bereits fast aH g e s ch l o s s e n find, und eine , energisch gehanühabte Net^« nungs- und Berwaltungskontrolle zur Seite stehen. - Die in großen Zügen so gedachte Sa nüt ung § aLtrozi bedarf aber zu dem durch sie erreichbaren Maß des.Erfolges! auch der vorbehaltlose» Unterstützung des ganzen Volkes. . Das Volk in seiner Gesamtheit, je der» mann ohne Ausnahme, muß arbeiten untz s p a r e n. Es muß durchdrungen sein von der sittlichen Erkenntnis, daß durch Arbeitsdisziplin gesicherte Arbeitsamkeit' und strengste Sparsamkeit zur Rettung vor dem Nntergarrg unentbehrlich sind. . <sd < Nach einer Debatte, an der sich die Mitglieder Vizepräsident P i t n e r, Prof. Dr. Redlich. S ai 11 e.r{: und Handelskammerpräsident Vetter beteiligten, beschloß die Kommission, übermorgen .4 Uhr nachmittags zu ' cine^ Generalde Latte über die Erklärungen deS BuudeZ?'. kanzlerS und des Präsidenten der ErsparrrngSÄ'.nrnMoij.i zusammenzutreten. ZurMd. f» , t> Der Kreditplan Loucheurs fW Oesterreich. Eine französische Kritik ' .si Im „Eclair" nimmt Mare Henry Stellung zu! den bisher bekanntgewordenen Einzelheiten des Loy-! cheurschen Projekts der K r e d r t Hilfe f ü r O e st e# reich und führte unter anderem aus: Ohne in,die, Einzelheiten des Projekts noch einzugehen, muß schon^ heute eingewendet werden, daß die Hoffnung auf. ÄvZ, Teilnahme der N a ch f o l g est a a t e v, wie sie indiesem Projekt vorgesehen -ist, zu i optimistisch, zu! .se^ scheint. Die finanzielle Lage der T s ch e ch o - S l o wa»! ket und Jugoslawiens ist eine so prekäre, daß" man nicht verstehen kann, wie diese Staaten die Mög», lichkeit Alben sollen. Geld in Oesterreich zu investieren^ Uebrigens ist auch der Hauptgrundsatz der an sich gerecht f^tlgten Kontrolle doch nicht glücklich erdacht, wenn Äi dieser Kontrolle Oesterreich direkt seinen wirtschaftlichen und politischen Widersachern untergeordnet und ausgesetzt werden soll, besonders wenn man die heutige Metz:! talität Mitteleuropas in Betracht zieht. Es ist sehr wahr-! fcheinlich, daß dieser Teil des Projekts in Wien sehr un*j günstig wirken werde, wenn man bedenkt, daß Wien ganz besonders unter der Vrvalität der neuey. Hauptstädte der Donaustaaten auch jetzt schon so viel zu leiden hat. Schließlich — und das ist wohl da^ Wichtigste — scheint die in Aussicht genommene Kredi^' summe gar nicht den wirklichen' Bedarf. Oesterreichs M berücksichtigen, das zum Zweck der.Stabilisierung seW Industrie wiederbeleben mutz. Bisher-hat.es sich immA um 230 Millionen Dollar gehandelt. Nehmen wir soH; an, daß diese Forderung übertrieben war, und r^tzA zieren wir die Forderung sogar um die Hälfte, voraus?! gesetzt, daß genaues Ziffernmaterial diese Reduktion! rechtfertigt, so stehen wirhet^125> MillronEDtzVE daher recht Mt entfernt von den 290 Millionen Francs o-der bei Einrechnung der rm Projekt Loucheurs vorgtz^ sehenen Beteiligung der österreichischen Banken vcck 200 Millionen Francs, welche höchstens 18 Millionen Dollar betragen. Die in dieser Form gedachte Finanz« Hilfe an Oesterreich würde daher keine definitive LösuD sondern nur eine neue Hinausschiebung auf dem Wegs, der wirtschaftlichen und politischen Ohnmacht des &m*i des, also ein recht verwerfliches Mittel, die Katastrophe! hinauszuschieben, bodeuten. Ein solcher Augcnblicksplaßl ist im übrigen auch geeignet, einen etwa vorhanden^ Willen des Privatkapitals, in Oesterreich irgendetwas riskieren, in bedeutendem Maße abzukühlen. Die Ostjudenfrage vor dem Völkerö«M Wi« hk Pr«ß-Zcntral. ersihrt, Hot der B-lfe?»! bundrat in Genf beschlossen, in Angelegenheit de^ ostjüdischen Frage in Oesterreich die Wiener: Regierung aufzufordern, einen Delestterten nach Genf zu entsenden und Aufklärungen Über diese Frag« zu erteilen. - Parlamentarisches. | Die Pause in den parlamentarischen VerhandluM gen wich bis Mittwoch währen, an welchem . LaM wieder die Ausschüsse ihr« Beratungen aufnehmen) FM den 9. Februar wurde der Hauptausschuß einberuftrI der die Inkraftsetzung der Biersteuererhöhung und dä Verlängerung her Verjährungsfristen zu genehmigt Hatz Außerdem treten an diesem Tage der Justizauöschaß zu« sammen. um die Beratungen über das Preiötreibergessttt P.rtKujetz«^ der LerMunAsausichuß, der b\t

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