Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 732 (8.2.1921)
- Date
- 1921-02-08
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seile 2 Wien. Dienstag vis RcgieruugSpr'mz'ip füln-i. Wenn 'die ErsparimgSkommiision in ihrem Wirken die vorbehaltlose Umerstühimg deS ganzen Volkes findet, wird si.e zur -Ordnung gelangen können. Wenn aber die^ Dinge so k>leiüvn. wie sie heute sind, und wenn der Staat weiterhin ans den Göhenaltar des Parteienmolochs gebunden bleibt, dann ist alles vergebens. PoMsche^uMchM. Die Habsburger und Ungarn. Die „Ungarische Rundschau" meldet: In Erwiderung der Erklärung des englischen Hauptbcvoltmächtigten Mr. Hohler äußerte sich Graf Julius Andrassy vor einem Redakteur des „Magyar Hirlap" folgendermaßen: „Mit g r ö fte r B e st ü r z u n g habe ich die Erklärung des Herrn Hohler gelesen, welche eine v o l l k o m m e n ü b e r s l ü s s i g e E i n m i s ch n n g' in die internsten Angelegenheiten Ungarns bedeutet. Diese Erklärung wurde zu einem Zeitpunkt abgegeben, wo die überwiegende Mehrheit der..ungarischen Nationalversammlung sich zu der Ausschaltung der Königsfrage entschlossen hat. Die mit Drohungen gespickte Erklärung Herrn Hehlers enpeist keine guten Dienste der Sache, die ich mit voller Kraft fördern möchte, nämlich daß das Vertrauen der össentlichen Meinung Ungarns gegenüber England an Int-njität zunehme. Herr Hohler meint. daß die U n g a rn es waren, die die Habsburger in ihren Großmachtbestrebungen unterstützt haben. Auf diese B-e s ch u lb i g u n g kann ich nur erwidern, daß gerade die Ungarn die Opfer drrieiben waren. Wie immer es auch sei, man kann die Psyche der ungarischen Nation nicht ver? stehen, wenn man zwei Umstände sich nicht vor die Augen hält. Der eine ist, daß man in Ungarn künftighin auf alle wie immer gearteten dynastischen Ziele verzichten muß. Ungarn hat vorläufig nur eine Ausgabe und das ist, se'ne Existenz zu sichern. Der andere Umstand, auf den ich die Zlustnerksattlkeit des Herrn Hohler icnM möchte, ist. daß das ungarische Volk entschlossen ist. sein Schicksal .in die eigenen Hände-zu vehmen, daß das unga ische Volk sich nicht von. den Füßen anderer Nationen treten und sich wie eine Provinz behandeln läßt._^_ Graf Andrassy soü zur ZurüMegnilg seines Mandats gezwungen werden. Graf Julius Andrassy vcrtr'tt... ty der Nationalversammlung den zweiten Wahlkreis von Miskolcz. Die Dttskolczer Wähler hatwn sich urspri'u glich aus den sozialdemokratischen Kandidaten Franz Neiii. g'r geeinigt und erst als dieser nach einem starken Druck von oben seine Kandidatur zurü'g'."ogen hatte, Hqb-N die fo.tichrirtlichen Wähler den Entschluß gematzt, den Grasen Andrassy, der damals zur Z^jt der Wahl noch gerne mit seinen liberal?» Ideen Urinierte und den Wählern versprochen hatte, energisch gegen die Verwilderung des christlichnalionaien Kurses anfzutrcren, ihre Stinuncn auf den Gra'eu Andrassy zu vcreiu'g.'u. Hatte schon d e völlige Paj,' yi;at, mit ueich r Graf Andrassy die uiedrigsten Ausschreibungen des christlichen Ku ses geschehen ließ, staries M'.ßoehaen in den Kreisen seiner Wähler erweckt, so ist sein letzte» Auf-, treten, durch welches er sich als einen Anhänger der unduldsamen christlichen H a ß po l i t i k bekannt hat. Von seinen Wählern in örieutlichen Versammlungen aufs schärfste mißbill gt worden. Wie aus Miskolcz berichtet wird, wurde daselbst eine Aktion eingeleitet, welche den Grafen Andrassy bewegen soll, sein Mandat nied erzul ege u. Die Mirkolc er Wäh'ec sichen auf dem Staudpunkl, d'aß der heutige Graf Andrassy nicht mehr jenes Programm verkörpere, zu dessen Verfechtung er von der Majorität seines Wahlkreises in die Nationalversammlung etilfeubct wurde. Enthüllungen Lw bulgarischen § irbra Die Belgrader „Politika" beichlfligt sich eingehend mit Enthüllungen, welche der Deputiere Da na ilow im bulgarischen Sobranje vorgrbracht hat. Hienach haben einige führende Persönlichkeücn der Agrarpartei. darunter mehrere heutige Minister, im Jahre 1017 dem damaligen Oberlommaudauten General Je k o w, den Vorschlag gemacht, d e Negierung Ra d of lawo w zu stürzen und eine ausden Agrariern,Demotraien und Sozialsten bestehende Koali.ion ans Ruder zu bringen, welche auch tvei.er bereit wäre, im Kampfe neben Deutschland auszuharren. Der bulgarische M* sandte in Belgrad erklärt nun in den Blät ern. «s habe sich damals nur eine Fiyte gehandelt. Die von Danäikow Erwähnten wollten zur Macbt gelangen, üm dann den König Ferdinand zur Acwa.ltUng zu zwingen und die Mittelmächte im Stiche zu lassen. Das Mandat über MesopotaA err. , Nach eiltet Londoner Meldung gibt die englische Negierung ihren Vorschlag hinsichtlich der Ausübung ihres Mandats über Mesopotamien bekannt. Im Artikel 1 verpflichtet sich England, innerhalb drei Jahren die Gcsctzgcbung sür Mesopotamien im Einverständnis mit . den Lande-- hchörden auszuarbeiten. England verspricht, die Rechte, Wünsche und Inter, sien der einheimischen« Bevölkerung hl'.en dabei berücksict)tigt werden. Die Gesetzgebung werde eS M zur Aufgabe machen, die allmähliche Enüvtctlung Meso-> W» ».er Mcrgenzcitunft potamienzu einem unabhängigen Staate vor.ul'ercitei'» Didahin soll das Land von Englan,d verwaltet werder« Artikel 2 sucht di- Notwenhiak.'it-nachzuiveisen, daß die englischen Truppen in Mes 'polami'n verbleiben müssen. Nach Artikel 3 steht England als Mandatar Mesopotamiens das Recht zu, dessen auswärtige Beziehungen zu kontrollieren, ferner auswärtigen Mächte,» das Exe.uatur sür Konsulate zu. erteilen. Die Bevölkerung 'MesopptamienS wird dyrch England' diplomatischen und konsularischer, Schutz genießen. Artikel 4 fordert, daß ich Falle eines Konflikts im mefopsiantifchen Gebiet der Schutz einer auswärtigen Macht nicht angerusen werden darf. Artikel ü bestimmt, daß die Vorrechte der F re in de n in Mesopotamien endgültig aufgehobr.. werden. Von Bedeutung sind auch die Artikel 6 bis 15, die erklären, daß hi..sichtlich des Handels, namentlich soweit eS sich um den Anspruch auf die Oe l selber handelt, keinerlei Unterschied zwischen den einzelnen Völkern gemacht werden soll und>daß alle Mächte Gleichberechtigung genießen; inLbes.'n-ere soleu alle Pa'.ioi-pn gleiche Behandlung hinsichtlich der archä. 'p-i,'cheu Forschungen haben. Dieci'^lische 8kegieru»g ist verpflichtet, dem B ö l ke r b u n d von I a h r z ü Jahr Bericht über die allgemeine Lage in Mesopotamien zu erstalten. - Telegramme. Brianhasst auf die ilse Amerikas. P-irr'S 7 F-e 7 - e. r- Tr'buüe" veröf'e.ltlicht ein Interview mit Briand. worin dieser die lieber» zeugung ausspricht, daß Frankreich auf hie Unterstütz»:.. i. . v' i i«j « . € an en in ic: Repa'eation.fr«-;« rechnen könne uuh daß es nicht vergeblich an das Sylidaitätsgosühl Amerikas a'pelliercn werde. Die gerechte Sache werde seuseits des Ozeans gehört werdest. Frankreich begreife die Deceuken. die Amerika haben zögern lassen, sich der ursprünglichen Ferm anzupaisen, in der die Svli'a.'ität der Völcer zum Aucdrurk komuren sollte. Er zweifle aber nicht, daß mit gulem Willen und nach freier Ll.isspräche sich eine Lösu.'.g für die Teilnahme Amerilas an dem großen ge»neiujamen Werke werde finden lassen. Venesch in Rom. Rom, 5, Februar. (Siesgni.) Heute mittag» ggh der Könjg zu Ehien des tichecho-slowakischey Minister» des Aeußery Pr. Venesch ein Frühslüch Minister des Acnftern Graf Sforza sagte, die Gieichheit der »vescntlitchen politischen Interessen der beiden Lsiirder spwie ihr geine'msamer Wille, die wrrtschastl'ichey und lyoraiischen Deziehimgeg sester zy knüpfey und inniger ynd fruchtbarer zu gestastest, würdest genügsnf den Wen des Besuches in» Histst zu stellen. Dr. Venesch enpiderte. daft kein e r i p i M e i n n g sve xschi ed p n hy i t jy pen hie beiden Stationen betreffenden wirtschastlichest und pofitlschen Fragen bestehen. Tr. Venesch hat ein?m Redakteur der Agenzia Stefans gegenüber folgende E.Mirling gegeben; Tie tschecha-stoniarischo Politik zielt daraitf ab, ^ine P e st a n r i y r n n g d e r Habsburger zu perhindem., .^och nüiijcu auch die Ha n d c l S b e z i e h u nge n wieder alifgcnommen werden, nanlenNich, mit Italien, der der. Tschecho-Slolvakei rachstgelegenen- Grotzmacht der. Entente. Penn einmaf die Transport- und Transitschwiengkeiten beseitigt sein werden, wild der Handel seinen traditionellen n o t ü rlichen Weg wieder einfchlagen, jenen über Triest. Spalirrng ln der tschechischen KoMMUnistenpartei. Prag. 7. Fchruar. Der gestern stattgcfundene Kongveft der tschechischen kommunistischen I.n>'ndorgyuisatipit hat be,chlosiün. sch vpn der tschechischen kommunistische» Partei los^ulösen. sich selbständig zu orgaupsieren und der Dritten Internationale anzuschließen. Auf einem für den 27. d. Manberaumten zweiten Kongreß soll die P'reiniguitg der kommunistische» Ingcndorfanisat'o.wn aller Rationen der- Tschecho- Sloivalei in einem geincinianlen Vechand durchgesührt werden. Die neuen ««Nischen Vorschläge an England. k»ndon, 7. Februar. (Tel.-Komp.) K ras sin soll der englischen Regirrung folgende Vorschläge unterhreiien: Die ruislschc Rgierung kann keine Verantwortung sür die von russischen Privatpersonen betriebene Propaganda übernehineu. 3. Die englische Regierung muß alle Güter der Rätcregierung in England vor der Beschlagnahme sichern. 3. England must die Einfuhr von russischem Gold bis zum B»'trage von 2>/2 Millionen Pfund Sterling gestatten. 4. Hinsichtlich der Schulden der früheren russischen Negierungen ist die Rüteregiernng bereit, diejenigen Schulden anzuerkennen. die durch die Lieferungen von Waren und Rohstöf'en sür Priratpersouen gemacht worden sind. M-oS'au. 7. Februar. (Funkspruch.) Dolkökommissär für Aeußeres Tschitscherin erklärt in einer Note an Lloyd George, es entspreche nicht der Wahrheit. daß Rußland T-uppen nach Persien sende; ebensowenig sei e» wahr, daß russische Truppen nach Kleinasi^n abgegangen seien. Tschitscheein verwahrt sich auch gegen den Vorwurf, daß der Aufstand in Buchara von Rußland hervoraerufe« worden sei und -.Februar 1521. Nr. 73$ daß Rußland beabsichtige, sich mit Afghanistan zu verbünden. um in Indien Unruhen hervorzurufen. Zum« Schlüsse wird der Vorwurf erhoben, daß die En te»t« die Weißgardisten unterstütze und daß dia Munition Polens englischen Ursprungs gewesen sei. > Die Kabinettsbildung in GriechenlÄnd. Uthyn, 6. Februar. (Havas.ß Der König hat den Finanzminister im Kabinett Rhally», Kalog.erop n l 0 S. mit der Bildung des Kabinetts beauftragt. Kalogerapulos übernimmt das Portejenille des Aeußern,' Gunaris Krieg. ProtopopadakiS Finanzen und Theo Lokis Justiz. Athen, 6. Februar. (HavaS.) Das Kabinett Ka löge ropulos hat den Eid in-die Hände des König» abgelegt. Kriegsminister G u n a r i s wfrd entgegen dem Wunsche seiner Partei nicht zu der Londoner Konferenz gehen. Die Wirren in Irland. Dublin, 4. Februar. (Reuter.) Zwei bewaffnete Mnnyr haben hier einen E l s e n b a h n z a h l m e i st e r angehalten und im über % 00 0 P f u n d S t e r- I i n fl, die zur Auszahlung an Eisenbahner, bestimmt waren, geraubt. — Vier P 0 l i ze i a g e n t c n sind im Tllllewdeg (Grafschaft Carlow) in einem Hinterhalt gefallen; z w e i wurdon erschoss e n, einer verwundet. Etwa hundert belvasfuete Leute haben die Gendarme r i e bei Fermey angegriffen. Die Gendarmen verteidigten sich mit Granaten und 'Gewehrfeuer imb trieben die Angreifer zurück, von denen einer getötet wurde. Ein Major der Hilfspali^i wurde, alS er in einem Restaurant zu Mittag aß, pc einem Mann,^ der am Nebentisch saß, durch einen Schutz verwundet. Der Angreifer entwich. Ein polnischer Nalionalschatz. Warschau, 7. Februar. (Tel -Komp.) Das Komitee zur Unterstützung des Nationalschatzes fordert in einem Aufeuf die Bevölkerung auf, ein Prozent des Gehalt» oder Lohnes mo-atstch al» Ubgäbe für den Nationale schätz zu entrichten. AuS diesen Beiträgen soll als Grundlage für die ttene Valuta Gold und Silber eingekauft we ben. Die Beratung der polnischen Verfassung Warschau 7. Februar. In seiner letzten Sitzung erledigte der Landtag in zweiter Lesung über 60 Ar-!i e ..tt -. Mt einer Majorität von einer Stimme wurde zum Artikel 47 ein Abänderungsant'ag angenommen, demzufolge der Präsident der Republik da' Oberkommando über die Armee.während eines Krieges übernehmen darf.' \ Stockung der Nigaer Verhandlungen. GarsckM, 7. Februar. (Tel. her „Wiener Moxgenzeichug" ) Die Friedensverhandlungey sind in der Frage der Goldzahlungen, die Rußland an Polen zu leisten hätte, an einem toten Punkt angelangt. Die Sowjetdslegatiort steht auf hem Standpunkt, daß ans dem rusfb. ,'chen Goldschatz Polen nicht mehr als 30 Millionen Rubel in Gold gebühren, während die polnischen Vertreter ursprünglich 120 Millionen, dann 70 Millionen verlangten. Statt hyD Goldes wollen die Russen Polen Konzessionen im Donetzer Kohlenbecken ^bm. ferner solche hei pen Eisenbergwerken in Zkriworog und bei den Zementunte-'nehinnngeu in N 0 w 0 r 9 (f i i | Nach einer anderen Meldung, welche allerdings bisher nicht bestätig ist, sotten die Russen vorgeschlagen haben. Polen möge sich mit de» 30 Millionen Rubeln iit Gold begnügen, dafür seien sie'bereit, Polen noch vier Kreise im Gouvernement Wolhynien abzutreten. Eine Einigung in dieser Frage konnte bisher nicht erzielt werden. ' Die Regelung der Elbeschlffahrt. ffrrtljcit, 7. flcbriwr. (Bolff.) Tic International« Elb-eKomMission Hai in den letzten Tagev mehrere Sitzungen abgehaiten. worin die Bestimlnungen über die Benützung ber Häfen, über die erforder' lichen Bauten und über die Abgaben erörtert wurden. Ferner wurde in eine Besprechung der Frage ein« geirrten, welch- Papiere für die El be-Schi s fahrt gefordert werden sollen. Unter Hinzuziehung von Zol lsachverständigen wurden sodann alle Zollfragen durchbesprochen. Die letzten ^erhanoillngen drehten sich wi\ die Anfrechterhaltnng der Svnderge richtsbar keit für die Elbe-Schis fahrt. Voraussichtlich wird die jetzige Tagung bereits morgen abgeschlossen ^werden. Die Horthy-Banditen rauben die Wohnungen der politischen Flüchtling« aus. Dudapest, '7. Februar. (U. T. K. D.) Wie die Blätter melden hat das Wohnungsamt di« Wohnung des seit längere.- Zeit im Ausland« weilenden ehemaligen Mrnlsters Lovafzi requiriert. (?) Die jüdischen Arbeitslosen in London. London, i. Februar. (IW. Korr.-Bur.) Der jüdisch« „Arbeiterfonds" rief eine Konferenz zusammen, an der sich Delegiert« einer großen Anzahl vpn Arbeiterverbänden be.ell'gte. Gegenstand der Beramngen bildete die La Ke der vielen jüdischen .Arbeitslose» in