Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 731 (7.2.1921)
- Date
- 1921-02-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelpreis 25 Kronen $*S*auK< tfttiimatrrfcife: «1«»r 8km Mftitar <* toc L Bezirk. Tabor, «atze I tttf 3, oder 1« ei «ft - .' SoffdlidKKHe iTrastk. t . . »tonen 5%— «Tettegijhrllch .. 150.- Mp Poftberfand ffit Wien twk Oesterreich: Monatlich .. Aropen 50.— , Tschechoslowakei: Monatlich. . Kronen 55.— «kertrltitbrltch .. 45.- Sntschrcho-slowakischerWihttrug! Unstern: Manhtlich .. Sron«, «o#- Wo»t-l»Shr«ch iso^. hi ©WininCi ' Manatlich .. Dtaar n»-. «erteuotzruch „ «4.- Einzelpreis 28 Kronen Prä^unseeationspreiser Bolen: > . Monatlich'. i' Mart 50.—.; Biertetiührlich „ . ISO,- tu volnischer Währnng Dnrtichland:; Monatlich Mart 1©.—< Frankreich: Monatlich Francs 6*-. Italien: Monatttch . Lire O.-l AinmSnie«:. -.J. Monatlich Lei 15*-^ Schweiz u. dar übrige Ausland: Monatlich . . . Francs ft.—., Redaktion n.Ndministr.atiö»^ Wien,2.Bez.. Taborftr.l—Ä Telephone: . ab " Uhr a.bpndS Si'-r.ltzS«^ Postlparkasseuro^to 150.Ü Nr. 731 Wien» Montag den 7. Februar 1921 3. I clifsr mmnmnacmiMa - ■ P a t i s, 7. Februar. (Tel.-Komp.) Nach einer Londoner Meldung des ^Temps" wird das Ministerium Lloyd Geör ze in der kommenden Woche «mgebildet werdend Lord Mi ln er verläßt das Kolönialministerium, an feine Stelle tritt E e e i l, Sir W o r f i n g ton wird Kriegs midister, Lord Lee Marin eminister. Die Luftschiffahrt wird dem Ver- Lehrsministerium angeUedert werden. Vor entscheidenden Beschlüßen in Berlin. Berlin, 6. Februar. . In der morgigen Sitzung desUeichskabinetts wird die Einladung der. Entente zur Londoner Konferenz den Gegensiond. von Bcratunaen bilden,, die sehr. ralch zum 'Abschluß . gelangen sollen, d^tzit die sachlichen Vorbereitunsen der für die Ausarbeitung der deutschen Gegenvorschläge in. Betracht kommunden Ressorts. mit Beschleunigung beendet werden NMeN. - Protest der Berliner HaüdelskamMer gegen die Pariser Beschlüsse. , ' Perlin» 6. Februar./(Wolfs.) Di«' Handelskammer zu .,Berlin hat in ihrer gestrigen Vollversammlung Die ungeheure Hone der; neuen EntenMorverpngen steht in unbegrenziem Wider'pruch zu der auchdem deutschen Volke verheißenen.Völkerversöhnung wie . -zur Lystungssähigkeit Deuschlands. Die angedrobie Handelskoylrolle ist e h r v e r! e tz e n d und birgt den To deskeim für de n de ul s cke nEx Port in sich. Auter den schwersten Umständen hat sich die deutsche Volkswirtschäst mühselig durchgerungen, Arbeiislelstung und Erfolg wachsen, soweit sie nicht durch übermächtige Hindernisse gehemmt sind. Zn diesem Augenbl cke der sich anbohnenden Gesundung erschlägt der verständnislose, unmenschliche Plan -er, Entente den Unternehmungsgeist und die Arbeitssreüdiakeit Deut'chlands. , Für den Klarblickenden wird die Hoffnung auf einen Epo1g in a' sebbaren Jadrzenten zur Uttmbglichkeit. Rettungslose Verarmung. Auswanderung des . jün.jen,- mselliqenten Teiles der. Bevölkerung. Absterben von Millionen rnfolge Nahrungsmangels - stehen in Aussicht. Die Kammer billigt mit größtem Nachdruck die Haltung der Reichsregierung gegenüber einer solchen Politik, die zum Ruin Deutschlands und zum Zusammenbruch des ganzen Kontinents führen muß." Die deutsche« Demokraten gegen die Pariser Beschlüsse. Frankfurt, 7. Februar. (Tel.-Komp.) Der Vorstand der deutschen demokratischen Partei hat einen Aufruf gegen die Pariser Beschlüsse erlassen. Dem Vermchtungswillen der Gegner muß von deutscher Seite ein geschlossener, unbeugsamer; Selbsterhaltungswille entgegengesetzt werden. Nur ein entschlossenes deutsches Volk könne die Anerkennung des Rechtes auf Selbstverwaltung erwarten. 24 Tonnen Goldmark abgeliefert. 'Paris. 6. Februar. (Tel.-Kömp.i Gestern morgens sind auf dem Nordbahnbof vier deutsche Waggons, enthaltend 24 Tonne n G o l d mark, eingetroffen. Sie würden in die Bank von Frankreich gebracht, wo sie auf Rechnung der Wiedergutmachung deponiert worden sind. - - ' ' Deutschlands Entwaffnung. Verl u, 6. Februar. Der „Lokalanzeiger" bringt Einzelheiten aus der gestrigen Konferenz der Staats- und Ministerpräsidenten der deutschen Länder und behauptet der bayrische Ministerpräsident von Kahr habe die E n t w a f f n u n g als schlechthin' a u s g eschlossen bezeichnet und eine Entscheidung innerhalb 48 Stunden in Aussicht gestellt. General von Seeckt habe aus die außerordentliche Bedrohung des deutschen Ostens und der Reichshauv.tjtadt durch die Polen hingewiejen. Frankreich und Polen. Sine offizielle Kundgebung. Paris, ö. Februar. (Havas.) Gelegentlich der Reise des Marschalls. Pilsudskr nach Frankreich haben die französische und die polnische. Regierung einvernehmlich folgende 'Erklärung abgefaßt : Die Negierungen Frankreichs und Polens, in gleicher Weise darauf bedacht, ihre Sicherheit und den Frieden Europas zu schützen, haben abermals die Gemeinsamkeit der Interessen anerkannt, die die beiden befreundeten Länder verbindet. Sie haben in voller Übereinstimmung ihren Willen bekräftigt, ihre Bemühungen zu vereinigen und zu diesem Zwecke ihren Kontakt zur Verteidigung dieser höchsten Interessen streng ausrechtzuerhalten. Ministerpräsident B r i a n d hat diele Erklärung den Botschaftern Großbritanniens, Italiens und Japans bei dem heutigen Empfang mitgeteilt. ' Die Rigaer Verhandlungen. Riga, 6. Februar. (Tel.-Komp.) Die Friedensoerhandlungen in Riga, die durch die Erkrankung Ivffes unterbrochen waren, sind wieder ausgenommen worden. Die Redaktionskommission wird zunächst die Grenzabmachungen endgültig ausarbeiten und einebesondere Kommission wird dann zur Ausarbeitung der Wirtschastsverträge schreiten. Der Minöritütenschütz in Poltztt. Warschau, 5. Februar. (Poln. Tel.>Ag.) Inder letzten t Sitzung des Landtages wurden; die. rest!ichen Artikel des Versassungsentwmfes nach den Beschlüssen der Kommission. unter Ablehnung aller. Zusatzanträge in zweiter 'Lesung angenommen. Artikel f lä. bestimmt, daß die R echt e d e r M i n o r i t ä t e n uyd ihre fre ie E n t.w i cklung im Wege eines b ej o nd er en G e setz es geregelt werden. Die Vorgänge in Danzig. ' Darfst, 7. Februar. (Tel.-Komp.) Infolge der tätlichen Angriffe, die kommunistische Abgeordnete in dev letzten Sitzung des Danziger Volktages gegen den Senator Sch mmer unternahm, beschloß die Regierung, nicht eher Vertreter in die Plenarsitzungen zu entsenden, bis nicht genügend Schutzvorrichtungen getroffen sind, um die Mitglieder der Negierung gegen Bedrohung an Leib und Leben zu schützen. Die in der letzten Vollsitzung des Parlaments erfolgten Angriffe geschahen aus Anlaß der Verhaftung des deutschen kommunistischen Abgeordneten Wegmann, der sich zu Propagandazwecken in Danzig aushielt. Wegmann wurde nunmehr aus Danzig ausgewiesen. . Die englischen Arbeiter fordern eine Vermögensabgabe. Zur Verbilligung der Lrdensmittel. . Berlin, 6. Februar. Der „Vorwärts^ meldet aus London: Der Untersuchungsausschuß der Arbeiterorgani- >ation zur Prüfung der Kosten der LebenSmittelhaltung erklärte, in seinem Berichte, daß mindestens. 4 Milliarden Pfund' Sterling zur Verbilligung der Lebensmittel durch eine Vermögen Labgabe aufgebracht werden könnten. Vermögen von weniger als 8000 P und müßten von der Abgabe heireit werden, während große.Vermögen, bis zu 50 Prozent herangezdgen werden sollen. Der Bericht sieht die Abschaffung aller Steuern ans Lebensmittel vor. , , , Die politischen Krisen in Lorthy- Ungarn. Budapest, 6. Februar. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Heute vormittags hat im Parlamentsgebände unter dest Führern der Parteien ein vertraulicher Ideenauslausch jtatlgefunden, an dem Mnisterpräsident Graf Teleki,. die Minister Toincsanyi, Ferdinandi, Szabo- Nagyatad und Vass, außerdem die führenden Politiker der Parteien, insgesamt 40 Personen, teiVaahmen. Es war von den Modalitä'.en der EntwirrNNg t>ie; Rede. Es wurden zwei Vorschläge unterbreitet: Die Piidung einer ein h e itl ich en Regie t uu g s.p artei oder die-Bildung einer Regierung auf der Basis einer Koalition. Ein Beschluß wurde nicht gefaßt. Die GesamtorganisKtisK Jet Juden in Deutschland. Die neue deiltsche Reichsverfassung hat den lüdischen Gemeinden in Deutschland die von verschiedenen Seiten' lange'ersehnte Möglichkeit gegeben, eine jüdische Gesamtorganisation ' zu sämsfen, welcher / össentUchrechtliche:; Charakter zukommt. Dem am 23. Jänner zusammengetretenen 15. Kongreß der jüdischen Gemeinden Deutschlands,'der. wie - ber-eits honchtet, zur Schaffung der GesaMtorganlsation des deutschen Judentums gefüht-t hat, ^war eine lebhafte Diskussion.vorausgegangenb.ie: trotz aller Differenzen den Wunsch nach'Schaffung der. einlieitlichen Organisation deutlich zum Ausdruck brachte. Der Gemeinöetäg,'aus dem 669 dem bisherigen .,deutsch-, israelitischen Gemeindebund" angehörige Gemeiudeü vertreten waren, wurde von dessen Vorsitzenden Professor Kulischep eröffnet, der auf den deutschen Antisemitismus hinwjes,, der allein schon den. Zusammenschluß erfordere, für die Leiden der jüdischen Opfer im. Osten; die^vaM--. sten Worte fand und aus Palästina j)inwies< das gegenwärtig den einzigen Lichtblick bilde. „Auf welchem Standpunkt - man auch - stekenmag: kein -Juhe, der -noch- Men -^Lot^chg'- vorbeigehen, daß eine Heim st ä tt e' errichtet wird,-tvp^ unseren Brüdern die MöglrchkerL gegeben wird, sich in der Sonne der F r e t heit auf u r a l te m . ch eä lrg,em Boden eine Existenz zu schassen, die ihrer Energie entspricht." > ' - - ° - Das Referat .über die ‘ neuzuschafsende Gesamtorganisation hielt der Verfasser des Entwurfes und Pro^. pägator der Idee, der BeirÄt der Berliner' jüdiWn Gemeinde Dr. Jsmar Freund:' . ..Die Weltümwälzüng hat auchdas deutsche Jüdöy-.^ tum schwer betroffhm Die^ Gesamtorganisätion ist.nicht' nur eine' Lebensfrage für. die Kleingemcinden. sondern^ auch für die größten geworden, wie zum Veispiel für Berlin, das mit großen Sorgen Deckung für. die materiellen Forderungen. des Tages suchen muß. Die finanziellen Grundlagen des gesamten' Judentums sind. erschüttert. Nur Sparsamkeit ‘ und strenge Oekonöniie der Kräfte,, intensive Arbeit muß durch den Zusanrmenschlnß erreicht werden. Neben der finanziellen Zukunft^ muß kür die g e i st i g e' Z ukunft Sorge getragen' werden, ttm der jüdischen Jugend' und unserer Zukunft willen müssen endlich alle geistigen, sittlichen nr.8 kulturellen Kräfte zusammengefaßt werden. Aber auch die bitterernste. Frage, des Antisemitismus zwingt uns ' zum Zusammenschluß. Im derrtschen Volke gärt ein so wilder. Haß gegen die jüdischen Mitbürger, wie er leit den finstersten Tagen des Mittelalters nicht zu ver> zeichnen war." - Die in der ganzen jüdischen Welt vorhandene Kongrehbcwegung oder daS.Streben nach einer jüdischen Gesamtvertrctung entsprechen einer tiefgefühlten''Notwendigkeit. Da es sich hier um eine Körperschaft d<-8' öffentlichen deutschen Rechtes handelt, können nur' Sie Interessen der deutschen Juden.vertreten werden, aber die Interessen der deutschen Judenhe'it haben, bic her nie. an Landesgrenzen aufgehört und werden e3 auch..'in Zukunft'nicht tun. . ';s; . Die A it.8 l an der fr a.g e kann nicht. übergangen werden. Für eine NeligionAgemeinde müsiew bis Gi-enzfrägen ohne Bedeutung sein. Jeder in.Deutschland wohnende Jude muß das Recht haben, zu diesem Bunde zu wählen. . In «der Generaldebatte wies namens der Zionisten Dr. Alfred Klee auf die Opfer hm, welche die Zionisten im Interesse der.Ci.nheit geb'- .cht hätten, und brachte verschiedene AenderungZanträge vor.' So forderte er. daß der Bund „die gesamten jüdischen Interesien" zu pflegen habe, damit er auch an der Mitarbeit am Aufbau Palästinateilnehmen könne, welches heute keine Parteilache, sondern eine Angelegenheit des gesamten Judentums sei, ferner einen Einfluß de? Bundes auf die Vertassuna der Bundesaemeinden rur Herbei. i . i 2142