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Wiener Morgenzeitung · 1921-02-04 · Heft 728 (4.2.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 728 (4.2.1921)
Date
1921-02-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Jahrgang Bor nenen Verhandlungen. . . , - —v. W i t», 4. Febiua?. J ■ Die maßvollen, bei aller Entschiedenheit doch die Form wahrenden Erklärungen der deutschen Reichstag?- pärteien geben der deutschen Regierung die notwendige Autorität, der Entente ihre Gegenvorschläge an Stelle der/alsin diskutabelerklärten Pariser Forderungen ßu erstatten. Daß Deutschland nichts anderes übrige bleibt als zu verhandeln.' versiebt sich von-selbst. Aber daß die /radikalen Eiiensresiereien der unter dem Einfluß des Celdmagnaten Sti.nnßs handelnden' und redenden Nationalisten' zu keiner Ünklugheit sortreitzen konnten/ gibt den deutschen Vertretern für die kommenden Besprechungen „in London eine gute Position. Die Aufnahme, die die.Pariser Rechnung in London und noch mehr in den Vereinigte'/ .Staaten gefunden hat, zeugt von einer lebr Unbehaglichen Stimmung. Die offenkundige formale Wrlehnng des Friedensverträges, die Frankreich mit dÄn Schwert in der Hand erzwingen will, hat in der englischen -und. amerikanischen Presse sehr schlvere Ver» stmlMung erzeugt. „Daily News" unterstreichen die vorn Fsiedensvertraa nerlävate offene Al'sivräche zwilchen den AWerten und, Deutschland; die „Times" bringen den Rückgang der europäischen Wechselkurse in New-Aork mitder- Wirkung der Reparationsforderun^en an Deutschland in Zlikammenbang. Keynes. der mutige Kritiker des Versailler Diktats, bezweifelt im ..Manchester Guardian" den Ernst der Forderungen Frankreichs.' Die Amerikaner wenden sich gegen'die Deutschland aufvrlegte Ausfuhrabgabe und gegen das Verbot / Man darf sich. freilich bei der Benrteisnng ' dieser' Ksitik. nicht der''Täuschung bingeben, als ob in England oder jenseits des -Ozeans über Nacht eine germänovbile Stimnnmg im Sinne von Sympathien für die deutsche Pdlitik oder die'beute in Deutschland herrschenden Richtungen entstanden 'ei. Man würdigt sehr genau die Gefährlichkeit cher 'framösischen Ueberl>anntbeiten. aber man vergißt nicht, daß die Urgründe für diesen imperialistischen Wahnsinn in der Politik, mehr aber noch in der psychischen Entwicklung des deutschen Bürgertums liegen. Alles, was zum Krieg getrieben bat. wgS ihn verlängert, hat was Me’ politische Unmündigkeit der deutschen Massen zur Knechtung freien Bürgersinns au?° nützte und in jede friedliche Auseinandersetzung -mit der gepanzerten Faisit hineinschlug, alles, was den. ehrlichen Namen der deutschen Arbeiter in der ganzen Welt herabgesetzt hat. ist heute wieder obenan. Nichts ist im Ausland ' verhaßter - als die. Erinnerung an den Bnzantinismus, der die Veranstaltung von lärmenden, glitzernden Haffesten. Geburtstagsfeiern. Ordensregen und ähnlichen Scherzen als Bekundungen des deutschen 6'esamtwesens ausnützen wollte, nichts kann der demokratisch denkenden Welt araei ans die Nerven fallen als das Verbeugen der deutschen Rechtspflege vor der Uniform. Und daran hat sich nichts geändert. Der deutsche Arbeiter gilt nichts, wenji er nicht Soldat ist, der deutsche Arzt, der Techniker, der Gelehrte nichts, wenn er nicht an die Kaserne angestreikt kort.: Der Krieg ist verloren, aber diejenigen, die vom Ausland als die Vertreter der deutschen Kriegs- Mentalität, angeteindet und bekämpft wurden, stellen sich heute. wieder. als die Vertrauensträger des deutschen Volkes hin. Sehr zur Freude aller französischen Kriegsfrieunde. die angestrengt daran arbeiten, hie gesamte franLosische Politik auf: dem Unterbau der deutschen Rachersistnngen zu errichten. Und eS ist doch so leicht, dem: französischen Ackerbürger plausibel zu machen, daß Deutschland reich und mächtig ist und daß es die Milliarden, die in die Bewaffnung von Einwohnerwehren und/Orgesch unproduktiv festgelegt werden, zur Bezahlung . der Kriegsschäden in Frankreich verwenden könnte. Diese antideutsche Tendenz besteht am krassesten i« Frankreich,, aber räumlich differenziert in England und .in Amerika. Und es ist so unsinnig, wenn man hönte in Deutschland Hoffnungen in die Streitereien zwischen den Verbündeten setzt ugd damit. rechnet, sie sprengen z» können. Deutschland ist der Besiegte und kqnm eine, Milderung der Zahlungsbedingungen nur - durch loyale Verhandlungen erringen.. Freundschaft wird es aber nur dann finden, wenn es demokratisch wird und die. ffrinncrnng an daS. was vorbei ist, zugunsten.. «mer ehrlichen Volkspolitik zurückstellt. bmre Lage in veuttchlsnü. Einberufung der deutschen Vundesregieruugen. B e v 11 3. Februar, Staates kretär Bergmann ist f'rn+e früh in Berlin ein etroffen und ^akte mireingehende Be-^rcchungen mit d m M'Ni uv Dr. SWsns owis im Neichsfinanzmin fterium. BaZ R:'chs?ra'inetL hat mit LNck'icht auf den Amstand, datz eine restio'e Aebrreinstimmnng des ranzen deutschen Volkes Voremssetzrmg ist für eine feinen Interessen gerecht werdende Losung der Lebensfragen, die fetzt zur Debatte beschlossen, die Mm'sterpräsidenten der dent^chen Bundesregierungen m einer Konferenz nach Berlin einzuladen, die übermorgen zusammentreten wird. Driaud Aber die Pariser Konferenz. Parks. 3. Februar. "(Havas.) In der Kammer gab Ministerpräsident Briand Erklärungen üler die Ergebnisse der Konferenz der Verbündeten ab. . Bei der Besprechung der Ontsch.'idigungZsumme erklärte Briand: Bei. der Beurteilung dieser Frage darf man nicht aus dem Auge verlieren, das; Deutschland, um uns zu bezahlen, sich jedes Jahr Reichtümer im Innern schaffen muß, indem es seine Ausfuhr entfaltet, seine Einfuhr aber auf das unerläßlich Notwendige . pHrwsndert,, Dies kany KWMsnb-, nun picht Inders aA zum Schaden des Handels' Änd her Industrie der Verbündeten. Das ist die merkwürdige und schmerzliche KoIseguen; der Tatsachen selbst. Diese paradoxe Lage wird durch die Vorwegerhebung einer proportionalen, in ausländischen Devisen rahlbaven Annuität auf die, gesamte Ausfuhr Deutschlands so weit als möglich' korrigiert werden. Der Ministerpräsident erwähnt sodann die Zablungsmodalitätm und kommt zu dem Schluß, daß die Zahlung von Deutschlands Schuld durchau» in den Grenzen seiner wirtschaftlichen Fähigkeiten liege, deren wichtigster Ausdruck die Entwicklung feiner Ausfuhr sei. Uebrigens werde es möglich fein, die genaue Höhe dieser Ausfuhr nachznprü^en und festzusetzen, um jedes frandulose uns schädigende Vorgehen zu verhindern. Diesbezüglich sei ein genauer Plan ins Auge gefaßt und die in dem getroffenen Neb-ereinkomm-en vorgesehenen Kontrollmaßnabmen würden die volle Einhebung der Annuitäten zu sichern geeignet sein. Durch die Z^ombin^ion der fixen und der veränderlichen Annuität, durch die die Schuldforderung der Alliierten mit der Zukunft Deutschlands verknüpft erscheint, hat die französ'sche N'gierung keineswegs auf die Möglichkeit verzichtet, von Deutschland, penn es sich wirtschaftlich erholt hat, die Zahlung der Gesamtschuld zu erlangen. Die Reparationskommission ^jrd. dem Friedensvertrag entsprechend, deren Höhe vo*' dem 1. Mai 1921 feststellen. Die Vorwegnahme von 12 Prozent auf die Ausfuhr, ein sichtbares Zeichen, das es unmöglich macht, das wirtschaftliche Gedeihen des Schuldners zu verheimlichen, wird es uns ermöglichen, die beiden Ziffern, die Ziffern der Tatsachen und die des Rechtes, einander anzunähern. Scharfe Sprache der errgLischerr Presse. London» 3. Februar. (Reuter.) ^Times^ schreiben in Besprechung der Rede des Ministers Simons, wenn die Verbündeten diese Neve als wahre Erklärung über die Haltung Deutschlands ausnähmen, würden sie schon jener ernsten Lage gegenüberstehen, welche nach Briands Erklärungen die Verbündeten zu vermeiden wünschen. Trotzdem werde niemand über die Haltung Dr. Simons' überrascht sein, der nur die Rolle sortsetze, die er in Spa gespielt habe. Aber diese Haltung werde die Verbündeten nicht schrecken, die absolut einig seien in ihrem Entschluß, Deutschland z u m Z a h l e n z u b r i n g e n. ^Daily Mail" schreibt: Falls Deutschland die Beschlüsse der Pariser Konferenz nicht annimmt, müssen die Verbündeten bereit sein, zu handeln, und wenn sie dazu bereit sind, werden sich die Deutschen beugen. Nur die enge Eintracht der Verbündeten kann den Friegen sichern, wie sie allem den Sieg gell ückert bat. Amerika borgt nichts mehr.-: Wafhi^ton, 2. Februar. (Reuter.) Das Senats-; Io mite« für auswärtige Angelegenheiten hat den Bericht; über einen Gesetzentwurf vorgelegt, laut welchem jede weitere Anleihegewährung an fremde Regie-i rungen von der Zustimmung de§ Kongresses abhänigig gemacht wird. Das Schatzamt wird aufgefordert, Berichte über die Zinfenzahlungen irnd Rücker ft atturzg der auswärtigen Anleihen vor'.ulegen^ Senator- Need kr'stisierte im Justizausschuß die Erteilung eines neuen -Kredits von 67,329.000. f Dollar an die Tjch echo.-'Slowakei, nachdem dieses Land bereits im ganzen 61,266.000 Dollar erhalten hatte. Nach . Ansicht Needs bestand unter' den gegenwärtigen, Umstände^ ' kein g ejetzlrches Recht für die Gewährung einer solchen Anleihe. * - England berviMgt einen Exportkredit- London. 3. Februar. (Funkspruch.) Der Minister für Außenhandel hat in einer Rede neuerlich darauf ' hingewiesen, daß eine Rückkehr des allgemeinen! Wohlstandes nur dann möglich fei, wenn es den'/, durch den Krieg am ärgsten betroffenen Ländern er« i möglicht werde, wieder^ zur Arbeit zurückzukehren. Um ■* den Handel mit dreien Ländern zu beleben, hat dir - Regierung einen Exportkredit, von 1,600.000 Pfund/ bewilligt. 1; ' PilsAdM irr Paris.; Paris, 3. Februar. (Hapas.) Marschall P11* suds k i, das polnische Staatsoberhaupt, ist heute i vormittags in Paris eingetroffsn. Er war vom Minister des Aeußern Fürsten Sapieha begleitet. Pilfudski wurde durch General Lasson als Vertreter; des Präsidenten der Republik vom Ministerpräsidenten < Briand und den Ministern Barthou und Guisthau begriißt. Mittags stattete Pilfudski dem Präsidenten. der Republik Millerand. einen Besuchab. den Millerand seinerseits um 12 Uhr im Begleitung des General Läsion erwiderte. Eine tschechisch-polnische AnnLhernng? Warschau» 3. Februar. (Poln. Tel.-Agentur.) Nach einer Mitteilung der „Gazeta Warszawska^ sollen gewisie Tatsachen vorliegen, die darauf hin« weisen, daß man sich in Prag ernstlich mit dem Ge- ' danken trage, eine Annäherung an Polen zu suchen.' So heißt es, daß die Tschechen ihr völliges Desinter«: esiement in der ostgalizischen Frage erklärt hätten und; daß der tschechoslowakische Vertreter in Warschau,! Herr N o w a k. der polnischen Regierung eine Reihe> von wirtschaftlichen Vorschlägen unterbreitet habe. - Ein französtsches Ultimatum an Kemal Pascha. Paris, 3. Februar. (Havas.) »Matin" meldet aus Konstantinopel: Admiral Dumesnil, der Befehls« * Haber der französischen Seestreitkräfte in Konstantinopel, hat an die Regierung Kemal Paschas ein Ultimatum gerichtet, worin die sofortige Freilassung der französischen Soldaten verlangt wird, die in Tschanguldak gefangengenommen worden sind. Im Falle der Nichtfolgeleistung wird mit dem Bombardement der Stadt' Tschanguldak gedroht. Die englischen Mehllieferungen für die Tschecho-SLowakei. Peai, 3. Fe's'uar. P eßvntr'ale.). 3>ie Blätter mrldc«,, daß gcst rn ein'D.pesche m Prag eingrlängt ist, wonach m London durch Ha dlsminiüer Dr. Hotovec ern Abkommen über d.n Mchlbemg derrns abgeschlossen wurde. Ter Verrrag lautet auf 7 00 Wapaons Mehl, die vrompr treferbnr smd. Dir nach' London berufnen Fachleute haben daS rbinrstiche Mehl als füt' uns unoerigner zu ückgew.esrn. Min üer Dr Hotovec vcrt).rndrlt'- auße dem mrt' eimecn euglisch>n Ban'gruvven um -Kredite mm- Eü'kaüf von Nabrurgsmitteln in England, Am'nla und Holland.' Auch d cse Perbandlung n st hcn 'chon vor einem günstlgcn Ab'chluß; kS Hand lt sich rm gau-en um tr .00 WaogonS Mehl und Gor, erde, wovon zuerst Mehl «ud darru Getreide Mefert »erde» soll.

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