Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 727 (3.2.1921)
- Date
- 1921-02-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelpreis 2S Kronen K«2KV>J fßtänumttationtvtttft \ ®ie«: An« Sbtzalen in »er figpäiiion, L Bezirk. S*6ar* Smite I bi- 8, oder in einer BersAkettzstekke <Traflk>i Wknnntii«,. . Kronen ~>‘\— Vierteliiihrttch .. 15©.— KU Bostversnnd kür Me« «ntz . Oesterreich: Pkonatiich .. Kronen 50.- ' Tsüircho-Tlowakei: IKonntlich .. Kronen 1> — Bierteljäbrltck .. 45.—!» hchecho-slowaki'si-rrWähNiirz Ungar«: . Blonütlich . . Krone« - ierteliährktch ... l^©^- tn »ngarischer SSHenng Angeslawien: Monatlich .. Dinar ©»- lviorteliahrttch n *4*~ renrr Einzelpreis LZ Krone» Pränumerationspreise; Polen: Monatlich . . Mark Vierteljährlich » ISO.— in polnischer Währung Deutschland: , Monatlich Mark 10r* Frankreich: Monatlich . . FraneS ß.-4 Italien: * Monatlich . . . Lire ©.— RnmSnlrn: j Monatlich . . Lek 15.— Schweix u. das übrige Auslands Monatlich. . . Francs 5,— Redaktion «.Administration Wien, L.Bex., Taborftr.1—-* Delevlione: ab U Nhr abendS Nr. 10801 Postsparkasse« tonto 150.693 a, Nr. 727 Wien, Donnerstag den 3. Februar 1821 3. Jahrgang 9BK V Oie 8i!rmic zwischen Dr. Itlayr und Dr. BenescD. Weitgehende Aebereinstimmung. Graz» 2. Februar. (Tel.-Korr.°Bm.) Bsi der heutigen Enkrsvrre. zwischen dem tschechoslowakischen Minister des Ae.chern Kr.« B enesch und dem Bundeskanzler Dr. Mayr er ab sich Gele enheit Zn einem Austausch der Ansichten über die a! U gemeine politischeLageZ entral- Europas. Die Besprechung n, die sehr herzlich und freundschaftlich verliefen, ergaben eine weitgehende Ä e b er e inst im m u n g in den für beide N2fl?erungen maßgebenden Richtlinien. Es wurden alle zwischen Oesterreich und vor A checho-S!owakei schwrbrnden Fragen erörtert und der Blan einer freundschaftlichen Zusammenarbeit zur Förderung der wirtschaftlichen Be- Ziehungen beider Staate« in großen Zügen festgelegt. s Eine», breiten Raum nahm in der Vesprechung die bevorstelende Konferenz von Ä o r t o r o s e ein. Auch da waren sich hie beiden Staatsmänner darüber einig, daß VZr Hauptauf abe d'eser Konferenz die Reg e l u n g a l t e rB e r k e h r S f ragen w^.hen den in Betracht kommenden Staaten ein werde. Minister Dr. B e n e f ch <°ab einer Freude über d e Aufnahme Oesterreichs n den B ö l k e r b u n d Ausdruck und beide Staatsmänner begegneten sich in der Ansicht, dgtz diese M tgli dichast ein weiteres Bindeglied zwischen den beiden Ländern sein werde. Deutschland und die Entente. Simons wird Gegenvorschläge machen. Die Rede des deutschen Ministers Dr. Simons siegt nun im Wortlaut vor. Es ist daraus ergänzend -u berichten, daß der Minister im Aufträge der Regierung die Forderungen der Pariser Konferenz, die er als Vorschläge auffaßte, für indiskutabel erklärte. Deutschland werde mit Gegenvor'chlägen antworten und sich auf die in den Forderungen begangene Verletzung des Friedensvertrages betufen. Die deutschen Reichstagsparteien. Berlin, 2. Februar. Vor überfülltem Haus erfolgten heute im deutschen Reichstag die Erklärungen der einzelnen Parteien über die Forderungen der Entente. Dos Zentrum, die Mehrheitssozialisten und die Deutschnationalen lehnten die Forderungen ab und stellten. sich, hinter die Regierung. Der Sprecher der Unabhängigen, Abgeordneter Ledebour, erklärte: Die erste Aufgabe des deutschen Volkes würde es sein, die volksverderblichen Machenschaften der Deutschnationalen zu zertrümmern. (Beifall links, Lärm rechts, leibhafte Unruhe.) Die Erscheinung muß uns in Erstaunen versetzen, daß diese Leute aus der jüngsten Vergangenheit der Nachkriegszeit, nichts gelernt haben. Sie haben alles vergessen, was sie selbst gesündigt haben. (Rufe links: Sehr wahr!) Wir dürfen das Volk und die Arbeiterschaft nicht vergessen lassen, was sie gesündigt haben. Es ist eine der Aufgaben, die alle Parteien der Arbeiterschaft gegenüber zu erfüllen haben, mit aller Entschiedenheit gegen diese Machenschaften anfzutreten. k.Hnrühe rechtst Rufe links: Kriegsschuldige! Ein großer Teil' der Abgeordneten der Rechten verläßt den Saal.) Unsere sachliche Stellung ist folgende: Ter leitende Gesichtspunkt bei Behandlung dieser Frage muß, sein, es nicht äußer acht zu lassen, daß wir durch die heute zu-fassenden Beschlüsse nicht die Möglichkeit verbauen, durch Verhandlungen und Vereinbarungen das Deutschland drohende Verhängnis abzuwehren. Leider Kat der'Minister des Aeußern Bemerkungen gemacht. Regelung atzer Berkehrsfrage«. die den Eindruck erwecken können, als ob die deutsche Negierung nur dann zu Verhandlungen bereit sei, wenn ihre eigenen, hoffentlich bald zu machenden Vorschläge als Grundlage gewählt werden. Ich wünsche, daß die Entente diesen Auslegungen nicht diese Auslegung gebe. Und ich möchte die Neichsregieiung auf das dringendste ersuchen, Verhandlungen nicht abzulehnen, auch wenn andere Verhandlungsgrundlagen vorgeschlagen werden. Wenn man Verhandlungen auf solcher Grundlage ablehnt, erleichtert man nur denjenigen Elementen bei der Entente ihre Arbeit, welche nicht verhandeln wollen. T»e an uns gestellten Entioaffnungsforderungen halten wir im Prinzip für berechtigt. Die deutsche Presse unterstützt die Regierung. Berlin, 2. Februar. Die gestrigen Ausführungen des Ministers des Aeu';ern Dr. Simons im Reichstag über die neuen Ententevorfchläge in der Reparation^ frag? finden die Zustimmung der gesamten Presse. Die B.'ätter heben besonders die nüchterne Sachlichkeit der Redehervor, die mehr überzeuge als große Worte. Sie geben der Ucbeozeugung Ausdruck, daß das d-utsthe Volk ohne' Ausnahme ..hiuter der Regierung .stM Wb-.datzM.LiK. werde, wenn^ sie mutvoll und tatkräftig' bei ihretrt einmal ausgesprochenen „Rein" bleiben werde. Es fet zu erhoffen, daß die Geschlossenheit aller Parteien auf' die Alliierten einen Druck dahin ausüben werde, daß sie sich wohl überlegen werden, ob sie Strasmaßnahmen in Betracht ziehen; oder n/cht. Die deutschen Vertrete« auf der Londoner Konferenz. Lsudori, 2. Februar. 'Funks ruch.) Ueder die Bezahlung der ersten Jahresrate der WiedergutmachnngSfchuld weiden im Februar gelegentlich rer Londoner Konferenz Einschlüsse gefaßt werden. Zu d eier Ko»se-.enz w rd Deutschland seine Beurcter inner der Führung des AuZemn nisserS Dr. SimonS entsenten- Herr Bergmann nnd Herr von Siemens, dir Berireler Deu'chlands m Brüssel, werden voiautsschtlich auch der Londoner Konferenz brigezogcn werden, ra ne in allen Frag.» der Wiedergutmachung auf dem laufenden sind. Die Abreise des deutschen Delegierten. Paris» 2. Februar. (Wol ff.) SkaarSs lre-är Bergmann, der Vorsitzende der Kttegslissenkommiisson, wird nach einer Meldung der Azence Havas hen'e abends P ir.8 verlassen, um ssch zu einer Rüch'prache mit seine'. R giernng nach Berlrn zu beheben. Paris. 2. Februar. (Wolfs ) Die Zeitungen erblicken in der Abreise des Führers der deutschen Sachverständigen auf der Brüsseler Konferenz, Bergmann, eine Bestätigung dafür, daß diese Konferenz vertagt werden soll. Vor seiner Abreise habe Bergmann, wie „Echo de Paris" meldet, Unterredungen mit verschiedenen Persönlichkeiten vom Ouai d'Orsay gehabt. Das Blatt will wissen, daß die deutschen Delegierten darauf gedrungen haben, daß die auf den 17. Februar anberaumte Brüsseler Konferenz auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werde, mit Rücksicht auf die kurze Frist, die zwischen ihr und der Londoner Konferenz liege, auf. der die Frage der Reparation in Gegenwart der deutschen Sachverständigen endgültig geregelt werden soll. Diean? drrs drntfchr Geld. Paris,-2. Februar. (Havas.) Die Abgeordneten Aubriet, Levasseur, Nozier und Bartdel e m Y haben einen, Gesetzentwurf. eingebracht, der die. unverzügliche Mobilmachung. der französischen Sck>u!dforderüngen an Deutschland boisieht. Ter Entwurf schlägt die Ausgabe von Bankwechseln der Bank von Frankreich auf die deutsche Schuld bis zu einer Höhe von IW Milliarden in Abschnitten vor, die je nach Bedarf äusgegeben werden sollen» Auf dem Wege nach Portorose. —Y- Wien.S. Februar. Herr Mayr, der österreichische Bundeskanzler, mutz', so sauer ihm dies vnkommt, die Politik seines Dorgän« gers, des Sozialdemokraten Renner, fortsetzen. Er mutz die einseitige ungarische Orientierung, die sich auf antisemitisch-reaktionäre Sympathien, aber auf sonst nrchts, . stützen konnte, zurückstellen und die wirtschaftliche Unterstützung dort suchen, wo sie zu finden ist. Oesterreich mutz mit all seinen Nachbarn in freundschaftliche Beziehungen kommen. Es braucht Getreide, Kohlen, Zucker und Waren aller Art vor allem aber Freunde. Und da e%, in der Politik gemeiniglich sehr hart zugeht, muß Li« Freundschaft reale Grundlagen haben. Der Staat, der - Freunde sucht, muß sie zu finden wert sein. Die Politik der Hilferufe und des Wartens auf Dollar und Francs hat Oesterreich in die traurige Vereinsamung geführt. .Wenn Dr. Mayr die Romantik seiner Partei, die Hoffnungen auf die schmutzige Wehr der magyarischen Gänsefederhelden beiseite läßt und die Dinge so ansieht, tvie sie wirklich sind, dann gerät er automatisch auf den richtigen Weg, den nüchternen Wirtschaftspolitik. Oesterreich braucht Arbeit; zur Arbeit braucht es innere Ruhe und Ordnung. Das wäre genug Unterlage für Kredite und es ist nicht notig, daß Bilder und Gobelins verschachert werden. Zu einem arbeitsamen, ruhigen Menschen hat jedermann Vertrauen. Wenn aber in . Oesterreich, wie man es gestern im Budgetausschuß gehört hat,. j zum Bürgerkrieg gerüstet wird und Frontkämpfers BurschenbüMer, christlichsoziale Militärgagisten und mobile Ländesschützen unter den Augen der Regierung mit der bayrischen Orgesch gemeinsam übelstes Car- . dann' sinken lassen. Das gestern ausgegebene Regierungscommuyiques über die Besprechung zwischen dem Kanzler und dem tschechischen Minister Benesch weiß von ein^r weitgehenden Uebereinftimmung in den für beide Regierungen maßgebenden Richtlinien zu berichten. Obzwar sich jedem Leser öieser Mitteilung die odiose Erinnerung an die berüchtigten CommuniqueeS des alten Auswärtigen Amtes aufdrängt, die von herzlicher Freundschaft, Uebereinstimmung, Kollaboration so lange zu reden wußten, bis der Krieg da war, wollen wir dennoch daran glauben, daß es diesmal beiden Teilen ernst ums Herz ist. Wie Oesterreich aussieht, wissen wir;. und daß die Tschecho-Slowakei auf eine Politik der Sympathien angewiesen ist, hat Herr Dr. Benesch erst jüngst deutlich ausgeführt. Beide Staaten sind ßir einander wertvoll, weil sie einander sichern können und weil sie einander sehr viel zu bieten haben. Sie sind für einander Absatzgebiet und die Regelung der Verkehrsfragen, das Aufhören aller Großmachtspielereien der Grenzwächter ist für die Entwicklung des wirtschaftlichen Lebens beider, für ihre Befreiung aus den Klauen der Schleichhändler und sonstigen ehrsamen Wucherers unbedingteste Notwendigkeit. Ebenso notwendig ist aber auch politische Klarheit in dem Verhältnis der beiden zueinander. Oesterreich darf sich nicht zum Tummelplatz aller die Ruhe der Tschecho-Slowakei bedrohenden Akvirntionen hergeben. Die Elemente, dj.e den Bürgerkrieg in Wien wollen, sind identisch mit den Hetzern, die im Sold Ungarns unter der alle Lumpereien deckenden Fahne des Antibolschewismus und des Monarchismus auf die . Entfesselung der blutigsten Reaktion und auf die Insurrektion tschechischen Gebietes hinarbeiten. Das Selbst- ' bestimmungsrecht der.Völker wird im Munde dieser^ 1 „Schnorrer und Verschwörer" — um ein Wort deS Grafen Bülow zu zitieren. — zur lächerlichen Phrase. Ihre Auftraggeber wollen keine Freiheit,'sondern Lakaientum. Der Geist freien Bürgertums braucht keine Polizei, aber Offenheit und politische Rechtlichkeit, und es ist notwendig, daß die Negierung mit dem guten Beispiel dorängeht und sich einmal darüber Hörens läßt, ob sie diese Treibereien, die kein öffentliches Geheimnis mehr sind, billigt. Es ist aber auch zu fordern, daß die tschechische Oeffentlichkeitdie mißgünstige Beurteilung der Lage Oesterreichs aufgibt und sich an den Gedanken gewöhnt, daß das Elend Oesterreichs doch auch eine Folge des Zusammenbruchs und. eine Folge des alten Systems ist. das den wirtschaftlichen Ausbau der tschschischen Gebiete unterstützte und aus Wien ein Beamtenl Zentrum machte. Alle heutigen Nachfolgestaaten konnte«