Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 725 (1.2.1921)
- Date
- 1921-02-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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* Men, Vrmsra- Wiener Morgenzerr««- 1. Februar 1921 Rr. 723 ». Der Ausschuß beabsichtigt ferner, eine Stellungvennittkung für kaufmännische Angestellte, eine Rechtsschutz. m»d- DeratungSsteLe und eine Darlehens-- und Sparkasse einzu» »richten.! Alle jüdischen Beamten und Angestellten werden hiennt im eigenen Interesse eingeladen, ihren Beitritt zur ^Wöja" ' »schriftlich oder mündlich anzumeldcn. Dureaustunden: Montag, Mittwoch und Dann;rötcq jfeö« 5 bis 7 Uhr abends. „Wos«^ Wirtschaftliche Organ'f ltton - - jüdischer Angestellter; Dttneindercröbittür De. M. Nosenmann. Präsident; Karl Blume, Schulrct Dr. Adolf Weiß. Vizepräsidenten; Giftet»' MappapotK Dr. 5tolf Glücklich, L .r'Führer; RechnungSrat Arno Robitfchek, Kassier. / Ausschuß: Dr. Adolf Brand, Sekretär des Jüdi» ^hen NationalrateS für Oesterreich; Hermann Chamat deS, Verwalter der MittelstandSküchen des American Joint ' Di» stribution Committee; Benno Deutsch. Handelöangestellter; Moritz Figdor, Lehrer; Dr. Armmrd Kamtnr», Sekretär der Israelitischen Allianz; Dr. Samuel Krausz, Brofeffor an der israelitischen theologischen Lehranstalt; Josef H i ck, Lehrer; Hanfi P o l l a l Beamtin der KirltuSgenniude; Samuel Strautz. Prokurist; Gabriel Wasser, Beamter -er „Wiener MoLgenZertimg". ELvfetzmre!«er WrrLsch aftskomMission. Die m der H«:t dom 10. bis 20. Jänner d. I. abgehaktene Evqnet« über dir Ursache» der Teuenmg und die Maßnahmen deren Bekamd^ng hat in der die Elgdniffe der Beratungen zuk«nmrniassknden Entschließung unter anderem.die'Foidernug rr- 8sben. eS möge rnit'r Beachtung der der der Engnet« kestgehaltene» Hrsvpirrnng eine Wirts ch-a.f t S k o m m i s s r s n eingesetzt » rden, welche die Ausgabe hatte, bei der Dmch'übruvs der der Relelulian vorgeschlagen rn sowie allte Lbulichen Maß- »abmm «itmarbeiten. Dkmentstzrechend hat die Regierung die Kinsktznvg einer solche« W'.rtschaftvkomm:ssto« beschlsffen, welche rhr« Sitz i« BandrSksnzleromte habe« wird und der über Be- «risns der Regierung folgende Persönlichrertm ««gehören «erden: Die BundrSmiuisterirn für BvMruaLran», kür Land- und Uorstwirtsrbasr, für Handel und. Gewerbe. Jndnürie und Ban'rrr sowie für Fmairzen werden m der Kommisston ständig vertreten jlÄn. 'Drr Manmrentritt der Ksmmiisis» ist für dje «Nrrnächstr Teil in AnSstcht ßensrnmeu. In dicker erstrx Stzuns wird «nch die Wohl drS Prasideutts zu erfolgen haben. Masaryk rmd Hsrthy. In heu „Times" schildert ein Amerikaner seine Erlebnisse in. Mitteleuropa. Interessent sind seine Ausführungen über die Staatsoberhäupter: Ich war froh,, im Präsidenten Masary? denselben Menschen Zu finden, der er bei seinem ersten Aufenthalt in Washington unter sehr verschiedenen Verhältnissen hm.' Er lebte damals -mit der größten Einfachheit in einer kleinen Wohnung, jetzt lebt er mit der größten Einfachheit- ■in einem, großen Schloß. Ich erinnere mich, daß er wenige Tage nach seiner Ankunft in Washington seine - Wohnung mit dem ehrenvollsten Hausrat ausgrstattot - Kat — nämlich mit den gesammelten Werken von Prosessor Daodrow Wilson. In Prag ist sein Arbeitszimmer eine große Bi 5 livthek. i In Budapest bemerkte ich außerhalb der Tür HarthyS, der mir in (Erscheinung und Benehmen ein sehr liebenswürdiger Admiral schien.und weit mehr ein Normaler Admiral als ein ehrgeiziger Autokrat, rin Museumstück. Es war das Bild eines Soldaten in mittelalterlichem, rotem, enganliegendem Gewand und : einer Hellebarde, die rin nrnrrikcmischer Geschäftsmann Lu meiner Begleitung als „Fleischhackr" bezeichnete. Plötzlich begann sich das Musaumstück zu bewegen,' es war lebendig. Es war das einzige Exemplar einer lebendigen historischen Staffage, das ich in Mitteleuropa sah. B?im Präsidenten Ma'arhk in Prag.bilden den Hintergrund Bücher. Beide Staffagen haben ihre Reize. Mr Ekls«g««s der it«Neki?chr« SLsaLs- Särgkrschaft. Das italienische Startsgrsehblc.Lt „kZazzrts llsstziale" p.-.-.l 18. v. M. veröffentlicht ein königliches Dekret vom 3G; Dezember v. I., m dem einerseits das Verfahren sür die Anerkennung brr nach den» Frie-deosverträgen von Saint- Gerrncin und von Rapallo von Rechts wegen erwsrbc-.'s'n italicnischen Staatsangehörigkeit besiirnmt wird, andererseits die Vorschriften über die Zuerkennung der ilalieuische^StaatS- Lürgerfrhast - aus Gwrnd des Optionsrechtrö oder bepnHzcn Ansuchens verlautoart werden. Die Erlm'p.uug der EtLatsbürgerschaft von Rechts wegen wirb durch die Ksimat- Lcmeinden festgestrllt und bescheinigt werden. Aichroien zur Nrlanguna der italienischen StaLtsbürgerschast auf Grund der Artikel 72 und 80 des Staats Vertrages von Salnt-^Germain» »kfo für Personen, wekche in den neuen. ito.Lrrnifchen sind, sdrr ferner r Personen, tvelche in einem andere^ Gebiet des frühcrcu esterveich Heimstber-chtigr sind nach Rasse und Sprache «cber dem italienische« Volk«. angehören, sowie Änsuchen auf Krund längerer Seßhaftigkeit, find bis 15. Juli 1V21 an tzie Heimatgemeinde oder an die Gemeinde des Aufenthaltsortes £« richten, welche über bi« Einreichung der Eingabe eine Bescheinigung ausstellt, das Ansuchen selbst,aber an die volitjsche Landesbehörde (Äommissariato generale civil«) zur Entscheidung weiterleitet. Den Parteien steht gegen die er» lgten . Feststellungen, beziehungSweisie Enischr-idun^en der «chtörvrg bis zu«.. Staatsrat (Berfas,uug-Ler.ühtShos) p'len. Mitteilungell ans dem Publikum. Anna Zaobler Hermann Wenkart .. Verlobte (Wohnung I .gesucht { Wien, im Jänner 1921. ' Georgette Lipsclifltz Fritz Störer Wien Wien VERLOBTE Ml) Anlässlich der Vermäblinig; des Herrn SBegmund 1*3oBlänger mit Fräulein emo BrQnner gratulieren herzlichst Kloettr Ncöstetel and Brödef Findet Sl ktii >fri uiirraffTHnw AU55TELÜJNQ mb UERKfiur M „!M MOBELHflUSF. ® VII. SCHOTTENFELDSASSE 24 TELEPHON NR. 39.108 SPEISEZIMMER Original Adamsstil, ia SPEIS -ZIMMER CHIPPENDALE, in SPEISEZIMMER Modem, geschnitzt, ia gesehrjitztes schönes, ia seHLAFZiMMERiaBad. DlnAt SCHLAFZIMMER. moderner ADAMSSTIL, in oiSShCwUllk Schlafzimmer" RIRftlF geächnitztj mit Tuja. irr SlfmBR. Hiil^Er SlNÄ p>r«!SW8kt SbLvgÄ^LSS. SpeziaHiatis fr?s* feine 88B5' Seidenil Wolhvirkwaren EX3a Lederer, L.» Grabest»Borö&Sieerg. T ESIEAAtttBH, Poyla»,Öold,Silber,Platin ts.ülisoa fcauftuad Verkauft 774 STTElSi 3ofsnt%rmst7. SS, lfItti'l&iiii£-©TSfcr. SS Bekannt seriöser Kiufer für :Brilla>Qte% Sft&fcinowifsch : ‘‘iiawseiiet1 «es' l sdüXsmNLnstrLSlr« 5 (hei&si Jetzt Mahlerötr), Tel. 834!!t. 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Jetzt merkt man- . erst/daß man eW• KWst!Weim>Hmiert lM- 'daS. sich freilich in seiner Schmucklosigkeit nach außen hin nichts als solches verrät^ An sechzigMeliech sind htex/.unte^, gebracht, Maler, Bildhauer, Radterer, Zeichner tvirken^ hier in einträchtiger Hausgemeinschaft und sie haben die ursprünglich kahlen Räume...mit. -küyßWscher > Phantasie reicher ansgeschmückt, als das äußere Bild dieses,, s Hüuserblocks vermuten ließe. . )■ Hier lebt auch Josef Budko, der Schöpfer vie^l. bewunderter jüdischer Graphik. Er lebte einst wohf mehr im Banne der biblischen Visionen, die er mit-hetz Radiernadel auf kleinen, zarten Blättern^ nachzubilden liebte, als in d-eu umgebenden Wirklichkeit. In den, Wilnaer Kunstschule, wo der Vierzehnjährige die Gö-!,, i he.imnisse der KupferstichtechnLk kennen lernLe, erwarb er', sich die handwerksmäßige Grundlage, seiner graphischert, Kunst. Aber auch, späterhin verließ ihn die Vorliebe, sür. die Pflege künstlerisch-technischer Arbeit nicht mrd ier..hat sich..viele Jahre mit'dem ZiMerhäudwerk 'und mit 'Metalltreibarbeiten beschäftigt.. Äls -er sich später vor -allem, der Radierung zuwandte, blieb ihm der. Blick, füit die pLakttscherAnwenduttg feines Schaffens, so daß. die zahlreichen Darstellungen biblischer.Themen' meist-; als Buchillustcationen , zur Verwendung gelangen konnten. Sie schmücken jetzt in .sorgfältiger ^.Auswahl die Wände' seines. hochfenftrigen Ärbeitsraumes und', geben einen guten UeberLlick.über die vexschiedenen Zeit-j: Perioden feines Schaffens. .. j- Aber auch in diesen stillen Raum drangen dtze. - (Achrcckuisse des brüderlichen Marthriuws der letzten. Ja'öre. Es kamen gequälte Landleute aus dem.Osten, cs kamen, elstaiijch' Anklagende, wild Verzweifelte und - tvdestraurige Resignierte. Sie erzählten von grauenhaften Schicksalen und verloren sich wieder. Aus ihren Gesichtern formte der Bildner das Antlitz des Voltes^ groß im Leiden, erreIend inl Schrei der Verzweiflung,,/ - .beklemmend im Ausdruck Liefster Ermüdung und Er--^ fchlaffung. Eine Reihe von Holzschnitten, in benen^ stärkster Ausdruck die begrenzte Fläche erfüllt? wurde zum Spiegelbild der im . Künstler wachgerufenen Gefühle. ,Es. ist nicht die ruhige, Abgeklärtheit von einst,, die sich auch am Spiel des Ornaments vergnüge^, konnte. 'Der Mensch.als Gegenstand der Darstellung ist wieder holl in seine Rechte tzetreten. Diese jüdischen' Köpfe, meist.von Lieser Schwarzwirkung, mit spärlicher weißer Konturierung, gehören schon dem Expressionist mus an, .wenn.ditzse 'Schabsvnisierung überhaicht anr' Platz ist.'Die NvtwsMgkeit'der schönen Form beugt sich vor der zwingenden, primären Kraft des Ausdrucks. Erleben und'Wirken ist,zunächst alles.. Dessen-«; ungeachtet hat ein großer ' Formwille die Architektonik dieser Blätter bestimmt Znd damit monumentalere Wirkung ermöglicht, als sie sonst i»'em Kleinformat zükommt.' Zur Erholung gleichsam nach - der anspannenden Arbeit an so bisisnaken Gestaltungen nimmt BubkS' gerne das halb.fertige Modelt einer neuen Nätiottalfoichs-- büchte vor, das, sauber in Gips abgedrückt, seiner Vollendung enigegensieht. Hin Markenentwürf daneben zeugt . gleichfalls von dem lobenswerten Bestreben, die vffiziellert 'Kundgebungen der jüdischen. Oeffentlichkrih mit' dem Werke jüdischer Künstler zu zieren. Die Zeit, wo die jüdische Kunst im eigenen Staatswesen die ihr gebührende Stellung wird einnehmen können, ersehnt, Budko wie keiner. Er hat auch jetzt schon nicht wenig dazu getan, um den in Berlin lebenden jüdischen Künste lern soziale Hilfe zu schaffen. Immer wieder kommt' er auf seine Schöpfung zurück, auf deren Gedeihen er ftqlz ist und die feiner organisatorischen Kraft alle Ehw ' macht. Es ist der „Bund ost.jüdischer Künstler"- iu Berlin, der einzig aus Bu'okos Initiative entstandenist. Nach wenigen Wochen des Bestehens verfügt «r bereits über eigene Atelierräume, in/denen Akt gezeichnet werden kann und ein streng geregelter und wohl überwachter - j Slud'.eubetrieb herrscht. So mancher Maler, der bisher I Raubbau an seiner Begabung getrieben hat, ist zu Budko [ czekommen, um wieder die Wonne fördernder,