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Wiener Morgenzeitung · 1921-02-01 · Heft 725 (1.2.1921) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 725 (1.2.1921)
Date
1921-02-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Wien, Dlenswg Wiener MorgenH^timg 1. Februar iÖ21 Nr. 725 trüben fischen tinb, von jeder politischen Verankornng unbeschwert, heute a!a Hausse und morgen a!a baisie mit dem Elend des Volkes spielen und daraus Gewinst ziehen, werden auch.diese Sachlage auszunützen wissen. Wir möchten aber die Hoffnung anssprechen, daß die Bevölkerung die Kreise dieser Haie meidet und den Wert ehrlicher Arbeit höher einschätzt als das Einraffen von Papier, das doch nur fiktiven Wert hat und das Leben bis zur Unerträglichkeit verbittert. PolMschs^NuNdfchM. Internierungslager fAr die eigenen Staatsbürger. Bo« «rrsrre« Warschauer Korrespondenten. Die von England angewendete Methode der Konzert alivnslager für die feindliche Zivilbevölkerung, wie sie im Weltkrieg von denselben Staaten, dir damals heftigsten Protest'erhoben hatten, wieder eing"sü"rt und sinnreich „verbessert" wurde, hat nun in Polen eine neue Anwendung gesunden. Dort werden poln'sche Staatsbürger in KonzentratlonZlazern interniert. Wer in diese Konzentrationslager kommt und wie es dort aussi.'ht, welche Behandlung den Insassen dieser Lager zuteil wird, darüber gibt eine Interpellation des Abgeordneten Dr. Osias Thon an den polnischen Minister des Innern geradezu erschütternde Aufklärung. Es heißt dort unter anderem: „In dieKonzent-ationslager. welche die Deutschen und Oesterreicher während der Okkupation Polens gegründet hatten, kommen, nebst feindl'chen Mi it"rge"angenen auch Zivilpersonen, aber nicht fremde/ sondern eigene Staatsbürger. Die Internierten müifen iu düsen Lagern, wohin sie oft ohne jegliches Verschulden, nur auf Grund eines leisen Verdachtes, verleumderischer Denunziation oder durch Schikanen eine' feindseligen Etadtvaters oder lokaler Beamten. ge',echt werden, monatelang verbringen. Kälte. Hunger, Mangel jeglicher Hygiene. Schläge durch die Aufsichtspersonen, Beschimpfungen, ja Sittl'chbeitsre-zehen seitens der Wächter gegen fcie Internierten sind an der Tagesordnung." Ans der Interpellation wird auch de Tatsache bekannt, daß in gewissen Inte.n'crnngslngern die Juden, einerlei, welcher politischen oder kriminellen Vergehen sie beschuldigt werden, in besonderen Gruppen untergebracht sind. Ihnenwird die ärgsteJBe- Handlung zuteil. Besonders zeichnen sich die Kenzen- Iratiouslager ln Strzalkow und Dvmb'e aus. Die Interpellation bericht tausG und u:.parteli,cher Aussagen von Augenzeugen, die weder Inden noch K.mmunist.n sind, daß die Juden in den Lägern Dombie und Strzalkow aller Begünstigungen beraubt sind, die anderen Internierten znstehen. In Dombie sind die Barack'n, in welchen Juden untergeüracht sind, durch einen Zaun von den übrigen Baracken getrennt, die Jniassen dürfen weder cmnoch ausgehen. Sie, erhalten schl.chte Bekleidung und müssen zumeist barfuß gehen, während die anderen Internierten Schuhe erhalt n. In Sir-alkow wurde in alle Baracken Licht eingeleit-et. nur in die der Juden und Kommunisten nicht. Internierte jüdische Frauen werden, wenn fie ins Bad gehen, gezwungen, sich in Gegenwart der Aussichtspersonen zu entkleiden, und es kommen mehrfach gegen sie Sittlichkeitverbrechen vor.. In Dombie ließen die Wachen tagelang den Juden kein Waifer durch das Gitter reichen. Die Kost der Internierten ist un ureichmd, zumeist ekele.regend und ung nicßbär. (In Dombie müssen internierte Juden, wenn sie..ssentvcll.n, auss Feld gehen und sich gelbe Rüben ausiehen, die roh verzehrt werden müssen.) Typhus und Cholera gradieren infolge der Nahrung, welche den internierten Juden verabreicht wird, in furch.barer Weise. Lebensmittel, welche für internierte Juden gesendet werden/ werben ihnen nicht ausgefolgt. Dies geschah in Dombie, ebenso in Strzalkow- Jüdische F auen werden mit Prostituierten zusammen in einer Baracke untergebracht und oft in grausamer Weife mißhandelt, wi'hrend die Prostiiuie ten allerlei Begünstigungen genießen. Aufklärung darüber, warum die Internierung erfolgte, erhalten die internierten Juden trotz aller Bitten nicht. Ein gewisser Benjamin Epfhein, welcher aus Aegypten nach Polen kam und englischer Untertan ist. befindet sich seit seine: in Grodno plötzlich erfolgten Verhaftung, bereits seit mehr als einem halben Jahre, in Dombie, ohne einen Grund hierfür zu erfahren. Die Interpellation Dr. Thons führt eine Reihe von Tatsachen an, aus denen nur die vo.ste en.en herausgehoben wurden. Es ist be-eichnend, daß in Kalisz, wo sich ebenfalls ein Jnterniertenlager befindet, neben Juden und Kommunisten auch die entwaffueten B a l a ch o w i c z - Banditen int ruieut ii d. Sie dürfen in der Stadt frei umhergehen und bilden durch ihr wüstes Treiben den Schrein der Stadtbevölkcru g. Die übrigen I ile.n'erten sind j d r freien Bewegung beraubt. Das Valachowic'..-Grsin'-'el e hält mehr als ausreichende Kost mit Zubußen an K'nse von, Tee nsw., während die ande eu Internierten hungern. So sorgt die Negierung für diejenigen, welche die Juden hingeschlachtet haben, so für die Juoen ihres eigenen Staaten, die sie, wohl zur Erhöhung ihres Patriotismus, in Kouzcu.ra.ion. lager steckt. Kein Abstrich der Rigaer Brrhandi«n-en. Die hiesige polnische Gesandtschaft teift über den Stand der Rigaer Verhandlungen auf Grund vcn Comnnlniquees des Ministers des Aeußern folgendes mit: Wie die letzten Nachrichten ans Riga besagen, hak die Redaktionskommission endgültig jene Artikel detz FriedensvertrageS formuliert, ivelche die Rückgabe der geraubten Güter an Privatpersonen betreffen. Es wurde beschlossen, daß jeder Staat die Kosten ans seinem eigenen Gebiet trage. Eine gemischte Kommission, wird hiesiir in Moskau eingesetzt werden. Die geschädigten Eigentümer sind vervfl'cküet ibre Ansvrnck? innei Vff) eines Jab res nach der Ratifizierung des Friedens bekanntzngeben. Die Rückgabe der Guter soll spätestens binnen sechs Monaten nacb der Entscheidung der Kommission erfolgen. Die in dieser Frage erfolgte Verständigung wird in Riga als ein wichtiger Schritt nach vorwärts bewertet, da gerade dieses Problem wegen seiner Kompliziertheit die gröstt-n Schwierigkeiten bereitete. Wie ans dieser Darstellung erhellt, sind die ln den letzten Tagen ansgetanchten Meldungen '/der einen an>. geblichen Abbruch der Rigaer FnedeNSverli «ndlimgen vollkommen ans der Luft gegritfen. Die Tatsache. daß in einer so wichtigen Fraae wie die Reevaknation der Güter, eine volle Einigung erzielt werden konnte, beweist am besten, daß ans beiden Seiten das aufrichtige Bestreben vorberrfcht, alle noch obwaltenden Schwierigkeiten zu überwinden. Inland. Dir BnÄgeLbrraLimg. Die Be,f*l?ppnng der öllcrreichtschrn K o^luwrlen De: F-i-anz- und Bu^geta-isschuß b s^äf'igte s'ch gestern mit de-n Bndpctkaprel Hofärar. Nach den Angaben f-e* De'ich'er>a ter? Dr> Waiß schließt die hefärar'sche Verwaltn"g mit einem Abgang von 3 6.6 M'-ll onen Kronen. Abgeordneter Lent.hner veroies auf Zwecklosigkeiten und Sinnwid igi'.i en der hof'rerischen Verwaltung. So gibt es noch immer einen Sektionschef mit seinem S atz. der den Stall verwaltet, obwohl Vse.de und Wagen zum größten Teil verkauft s'nd. Der Lainzer Tiergarten, eine) der we-tv ollsten Güter der Hosärarverwaltung, ist bei' den heutigen Verhältnissen na'.ürlich passiv. e <: pDer Krieg'bcschädigt-enso^ds wurde durch einige ZwifcherfAlr g sch^digt<, ,Einxr.derselben watz es. daß Obe sthofmeister Gal Berchtold den Staatsnotar Dr. Sylvester da'u bewog, ihm Schm uckstücke auS dem Kronschah zu übergeben, wie Berck-told angab. zum Zwecke der Bergung. Run handelte es sich nicht um seinem Privatbefttz - des Kaisers, vielmehr um Kronsuwolen. die nach , den gesetzlichen Bestimmungen dem Staat« gehö en. Berchtold hat die Kronjuwrlen in die Schweiz gebracht. Der Prä sitze t der Kriegsbesch äd'igzenkommission Dr. H a r p n e p teilt^ unter anderem mit, daß am 1. November 1918 ein großer Te'l der Kron'uwelen in die Schweiz gebracht wurde, also zu einer Zeit, da die Republik noch nicht konstituiert war. Oberstkämwercr G as Berchtold fei damals in der Schatzkammer bei Sektionsches Weckb ecker ersehenen und habe bei ihm die. Aussvlgu :g e'nes großen Teftes der'Kron'uwelen dürchgefe''.t.. Di-ese...wurden von Berchtold in. die Sch wo! z g e b r a eh t, wo sie sich nrch befinden. Der K-a b in e t ts r a t hat nun be,chloss'n. üm d'esc Juwelen, von denen ein Teil Italien zugesprochen ist. Prozeß zu führen. Das Pripatvermögen hes Ka'sers und das Fachiliep.sov.dtvern'.ögen wu.den gemeinsam verwaltet. Aus.dieser Zeit der gemeinsamen Verwaltung datiert noch ein R-estg '.thatzen von 10 bis 20 Millionen zugunsten tzes'Ka'sSes, auf das als 'Sicherstellung für Äie wegzeb achten Kron'uwelen gegrif'en werden könnte. Zwischen dem Redner und Vertretern des Kaisers haben Verhanblu rgen in der Nichtung stattgefunden. daß zur Bereinigung. des Streites um die Kroniuivelen ein Schiedsgericht ein.zesetzt werde.' Das hat aber der 5taiser a b g e le h n t. Der Redner habe die Zusicherung erhalten, daß vorläufig ein Verkauf der Kronfuwelen urite bleib?» werie. Abgeo-rdneter Le u th ne r beä ckragte eine Nesolnti>on, in der die Regierung ausgefordert wird, die hcs'irarische Verwaltung spätestens bis zum 30. April 1921 zu liquidieren und den Kriegsbesch.ädrgtensouds bis dahin in den vollen un) freien Besitz seiner Vermögensch.'.flen zu setzen. ' Abgeordueicr S ch ie g l mach t die Negierung dafür verantwortlich, daß für die Kriegsbeschädigten nichts geschehen. ..sei. -Die.. Negierung müsse den Mut haben, g e g e n den ehernaligen Kaiser v o n O r st e r r e i ch Prozeß -ü süh een. Er bran'ragte ei :e Res olution, wonach die Rrgirru:g ai f eso dort wird, in Sache der Krenjuweleu u.d des Gutes Eisenerz-R ad me r eine En schridu g herbe'usi'lh en. und zwar in den, Sinne, daß die gerichtlichen, ben-esungsweise g-rsetz" gclrr'schrn Sch i'te e'. pe -it.'t w.rtzeu. Nach dem L ch' -.'wrrr d s Bc ich st t ers D k sr Waiß wurde das Kc.vi l Hrs a " augenomm«n, die iit■ h.u'.ixKu u uuu egi wuroen zum B e s ch l u ß e r h o b e n. Da§ Bergwesen und der Ausbau der Wasserkräfte. Berichtersta'ter Dr. Schür ff referierte hierauf über das Kapitel „Berg wesen". Er gab eine eingehende, ziffernmäßige Darlegung des Doranichsages und fragt die Negierung, welche Maßnahmen sie für den A u s b a u v o n W a s s e r k r ä f t e n vorgesehen habe, und in welchem Ausmaße an einen Ersatz der aus-' ländischen Kehle gedacht werden könne. Minister Hein! gab eine Nebersicht über die Steigerung der Kohlenproduktion in Oesterreich. Im Jahre 1920 seien um 22 Prozent mehr Kohlen gefördert worden als im Vorjahre, dagegen bleibe die Erzeugung von Eisenerzen wegen Koksmangels weit unter dem Friedensstand zurück. Die Einfuhr von Kohle aus der Tich-cho-Slowakei sei in den Jahren 1920 und 1921 fast gleichgeblieben, günstiger sei.die Kohleneinfu.hr .. aus Oberichlesien gewesen. Der Kohlenbedarf konnte am J>ahreSende zu 54 Pro-ent gedeckt werden. Von den 430 Elcktri'ltätswerken Oesterreichs werden etwa. 35.0> mit Wasserkraft betrieben, s'e haben eine Leistung von 200 000 Pserdekräften, während die motorisch betriebenen 80 Werks 300 000 Pferdekräfte produzieren. ' Die Ausbringung des Kapitals für den Ausbau der Wasserkräfte stoße auf besondere Schwierigkeiten. Das Ausland?kapi'äl -zeige bisher wmig konkreten Ernst für den Ausbau unserer Wasserkräfte. Benesch und Mayr. Die „Politische Korrespondenz" meldet: Anläßlich der Romreise des tschecho-slowakijchen MinisierS des Aenßem Dr. Benesch wird eine Vegegnnng mit VirndeSkanzker Dr. Mayr stattfinden. DieseS' Zulammentresfen wird beiden Staatsmännern Gelegenbeit zu eingehender Aussprache über die allgemeine politische und wirtschaftliche Situation bieten. Grenzreaulieruny in TirsL. InnStz-u^. 31. Jänner. Der Pressedienst für Südtirol meldet amtlich: Die internationaie Kommission hat nunmehr endgültig dis Gren-e beim Neschenpaß drei Kilometer nördlich von der Vaf'enft'llstandslinie in einer Lange von sieben Kilometc'» festzelegt, so daß die Reichsg-enze mit der administrativen Grenze der Gemeinde Neschen und iener der Gemeinde NautzerS zusammenfällt. Im oberen Drautal. im Hoch Pustertal wurde die administrative Grenze zwischen der italienischen Gemeinde von Winnebach und der österreichischen Gemeinde von Ahrenbach mit zwei kleinen Varianten als Re'chsgrenze festgesetzt. Jtal'enischerseits wurde nunmehr die Besetzung der neuen Linie angeordnet; jene von Neschen erfolgte gestern im Beisein, des Generalzivllkommissärs Credaro. - Die ukrainische Rada Ln Wien. Hrme soll m W:en die aus sännlrchrn Partum der gal'zt« ickitn und arotzcn Mullne fltbtlbtte Rada zusammen!« m. D eie Köipericiaft umf'fn 40 Mitalnder und ückit unlrr der Lntung des rrweienrn ruisi'chen Cenaiors Dr. S ch e l u ch \ n. Ti« B^ra ung der Rada wird der durch den bevorstchmden Rncktrilt des Obcraramans B e t I j u r a gckchaismm Cima'ion geltcn. Dic Drmisslvn P tljuraS. dr? auf Verlangen Englands ei folgt ist. wurde bisher von se n^m Miinllcrium nicht zur Kenntnis genommen. Perljura brsindet llch zurzeit »n Tarnpw. Der neue jugoslawische GeschäststeLgeri Herr Svetozar Nafic. der neue jugoslawische Geschäftsträger hat seinen Wiener Dienstposten ang-etveten. Herr Rasic versah längere Zeit die Funktionen des Direktors der politischen Sektion im Ministerium des Aeußern in Belgrad. Die Wiener tschechische Gesandtschaft. Das „Präger Tagtlatt" mrldrt: Ge an^ter Dr. K r o f t a, der Brrtr-ier bcr T checho-Llowalei beim Bal.kan, soll srmm jetzigen Posten v rlast'm und die L-ütung der W i t« t r G t* sandtschai 1 übernebmcn. Sein Nachfolger beim Balila« wird Minlsterresident Dr. Kobe r Legationsrat in Berlin. Salzburg verlangt Noteuabstempeluug. Salzburg. 31. Jänneri Eine in Anwesenheit voy Vertretern der Behörden abgehaltene Versammlung der Kri-gsinvaliden-Landesorganisatlon und der Heimkehrer nahm eine Entschließung an, worin unter anderem eine Abstempelung dÄ-. Noten auf 50 Prozent, das Verbot der Einfuhr von Luxuswaren, eine energische Durch!- führung der Vermögensabgabe, ein 60prozentjger Preisabbau mit 30prozentigem Lohnabbau und eine energische Durchfsthrung des 'Anschlusses an Deutschland gefordert werden. . ' Die Urberskedlimg der Länderbank rach Paris. Bekanntlich hat die Länderbank mit ihren fravzcstfchsn Interessenten ein Abkommen über die Belegung des Sitzes des Instituts nach Paris gctro'fen. in welchem als Präktrisivfrist der 31. Jänner d. I. unter der Voraussetzung vorgesehen wird, daß die der. Sitzverlegung entgegenstehenden Schwierigkeiten durch ein vom Nationalrat zu beschließendes Gesetz beseitigl ivürden, das sohin noch vor dem erwähnten Termin hätte in iuuji gesetzt U-Ciieu müssen Nun ist aber die Regierungsvorlage über die

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