Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 723 (30.1.1921)
- Date
- 1921-01-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Francs SM< 1 Redaktion «.Administration Wien» 2.Bez., Tadorstr.I—« Telephone: 4*»«»- ab »Uh« adendSNr.1«»«L Postsparkassenlonto 150.6gjj Krr*™vitxxMKmuc»aKiMum*eHwmBGs*»!XBt*'jS!rrmrrrvftinBtiiz Wien» Sonntag de« 30. JSnner 1921 3. Jahrgang neSS&SSt 200 Millionen (Tranes?) für Oesterreich. Paris» 29. Jänner. (Havas.) Die interalliierte Konferenz hat die Abkommen, betreffend dle Entwaffnung» die Wiedergutmachungen sowie betreffend die H ilfe für O efterreich. angenommen. DaS letztere sieht die Schaffung eines Finanz, fhndikats mit einem Kapital von 20VMillio«en unter Beteiligung der Staate« vor. (In der Depesche ist die Währung nicht angegeben. Es dürste sich «m 200 Millionen Franes handeln. Die Red.) Die Konferenz wurde sodann geschloffen. öeulscMands OKederguhnacbungen und 228 MMiarden Goldmark. Paris, 29. Jänner. (Havas.) Die Konferenz de, Verbündeten hat den Entwurf bezüglich der Wieoergntmachungen mit einigen Aendernnge» in den Einzelheiten in seiner Gänze angenommen. ' DaS für die Zahlung der Wiedergutmachungen angenommene System besteU in der Zahlung von 42^Annmtäten ab 1. Wai '1821^,ityd§-warr .je- 2„M-il-.. 1822, st.ÄydU. Zeitraum von drei Jahren 3, beziehungsweise 4 und d Milliarden und in den übrigen Jahren 6 Milliarden, im ganzen 226 Milliarden Goldmark. Während 42 Jahre wird Deutschland von seiner AnS. fuhr eine Taxe von 12 Prozent ad Valoren« zu zahlen haben, die üon der Rrparationdkommisfion erhöhen werden wird. Deutschland wird für Vorauszahlungen ein Eskompte eingeräumt, der in den ersten zwei Jahren bis 8 Prozent, in den beiden folgenden Jahren 6 Prozent und in den übrigen Jahren 5 Prozent betragt. Die vorgesehenen Strafen betreffen die Verpfändung der deutschen Zolleinnahmen, die Festsctzung neuer oder höherer Taxen und eventuell andere Maßnahmen, falls sich die vorherigen als ungenügend erweisen sollten. Die Ncparat'onskommission wird icoe eventuelle auswärtige Anleihe Deutschlands tontrollieren. Die Sachverständigen werden demnächst ihre Ar» beiten in Brüssel wieder ausnehmen. Zur Festsetznng der «Modalitäten der Durchführung dieses liebereinkommenS werden die Vertreter der alliierten Re« gierungen mit den deutschen Ministern Ende Februar in London nach Beendigung der Kon» ferenz über die Orientsragen znsammentrefsen. Paris, 29. Jänner. (HavaS.) Die Vollsitzung der interalliierten Konferenz begann um viertel 13 Uhr. Barthou. Fach und Wilson sowie die Militär-, Marine- und Luftschiffahrt-Sachverständigen winden der Sitzung -«gezogen. Vor der Sitzung hatten L l o y ö George, Lord Curzon und Lovd d'A b e r n o n eine Unterredung mit Brian d. ln Riga, 30. Jänner. („East Expreß".) Im neugeschaffenen Gouvernement Hömel, wo es bisher kerne Pogrome gab, sind Masfenpogrome' gegen die Juden ausgebrochen. Unter anderen gab es einen Pogrom in K r a s n o p o l, bei dem 72 Häuser eingeäschert und einige Dutzend Juden erschlagen wurden. Die „Jswestija" bringt genaue Berichte über diese Pogrome. '« Dar Unheil, bav über die Fudenheit . ,-.r, , Aebrochen ist, nimmt lern Ende. Wenn eS wahr fern sollie, ilab in. Sowietrustland, wo bisher die Autorität der boljche- Entwaffnung DeutschlaudZ bis 1. Juli. Paris, 29 Jänner. (HavaS.) Abgesehen von dem Entwilrs über die Wiedergutmachungen hat die 2W« bündetenkonferenz heute vormittags den Bericht des interalliierten Komitees von Versailles übr die E u twassnung Deutschlands angenommen, worin für jede der noch nicht außgeführten Maßnahmen eine Frist vorgesehen ist,/wobei als weitest eFri st - e r .H- J u l r festgefebt wird. ^U KMfev^M fi^ek für den Fall der Nichterfüllung folgende S t r a f m a ß° nahmen genehmigt: 1. Unterbrechung der Fristen für die Räumung des Rheingebietes; 2. Besetzung neuer Gebiete; 3. Einführung von Zollmastnahmen im Rheingebiet. Schließlich schlug Lord Curzon vor, daß sich die Verbündeten dem Eintritt Deutschlands in den Böllerbnnd widersetzen würden. Die interalliierte Konferenz hat um. dreiviertcl 4 Uhr nachmittags das lieberemkornmen, betreffend die Entwaffnung, unterzeichnet. Die franMifche Presse ist befriedigt. Paris, 29. Jänner. (Gavas.) Die gesamte Presse svricht sich über die vom Ausschuß der Konferenz erzielten Ergebnisse befriedigt ails. „Ganlois" stellt fest, dost der horte und bange Tag für Frankreich nnd für den Monn glücklich geendet habe, der das Maximum dessen erreicht habe, was die Franzosen erhoffen konnten. Uebertragbare Schrchscheine. Paris, 29. Jänner. (Hovas.) Zl,r Einigltng in der Wiedergutwachirngsfrage meldet der „Temps", dast auf Veranlassung Loncheurs bestimmt wurde, daß Deutschlantz übertragbare Schatzscheine überweisen müsse, welche, den Jahresraten entsprechen, deren Betrag heute schon bestimmt ist. Die weiteren Konferenzen. Paris, 29. Jänner. (Havas.) Tie Zusammenkunft zwischen den Vertretern der Verbündeten und der türkischen sowie der griechischen Regierung wird in London am 21. Februar stattfinden. Die Zusammenkunft mit den deutschen Delegierten erfolgt am 28. Februar in London. wikischen Behörden blutige Ausbrüche de§ auch dort vorhandenen Antisemitismus zu verhindern vermochte, jetzt Judenpogrome Vorkommen, so wäre der Ring geschlossen. Die Juden in Sowjetrußland sind die ersten, welche dn der grasten bolschewikischen Umwälzung unter die Räder generen. Schon zufolge ihrer wirtschaftlich»»! Schichtung müßte sich bei ihnen die durch den gewaltsamen wirtschaftlichen Umsturz hervorgerufene Rot besonders geltend machen. Nun droht ihnen noch das Schicksal, dast sie bei ei»«em Umschwung der Verhältnisse auch physisch vernichtet werden, wie es den Juden in der Ukraine bereits geschehen »st. Schekelaufruf. Z onisten Oesterreichs! Vor zwei Jahren haben wir, der geänderten Zeit Rechnung tragend, unsere Organisation in Oesterreich umgestaltet. Die Reorganisation ist geglückt. Die einheitliche und einige zionistische Organsation gründet sich heute auf eine Reihe von Ortsgruppen in -der ganzen österreichischen Provinz nnd Bezirkssektionen in allen Wiener Gemeindebezirken. Aber noch stehen viele Hunderte, ja Tausende girier Gesinnungengenossen austerhalb der Organisation. Sie nehmen wohl an aller unserer Arbeit teil, fördern alle unsere Aktionen, aber sie sind nicht in der Organisation) Um diese nun zu organisieren und unserem Landesverband einzufügen, proklamieren wir die Schekelaktion in Oesterreich, die bis Pestach dauern soll und jedem Zionisten - diel Pflicht auferlegt, selbst der zionistischen Organisation beizlktreten sowie dafür Sorge zu tragen, daß alle ferm Freunde, Verwandten und Bekannten ihr beitreten. Es mutz gelingen, die Vorkämpfer des lebendigen jüdischen Volkes straff zusammenzüfassen. Ihr müßt' verstehen, welche große Bedeutung dieser Aktion zu- . kommt, und müßt von dem tiefen Wunsche beseelt sein, •' sie zum größten politischen und finanziellen Erfolg zu - führen. Der Schekel war bisher ein Symbol, heute trägt er-! unsere Arbeit. Er bildet die finanzielle Grund-' läge unserer Organisa-tivn, denn alle an-i deren Mittel, die wir erlangen können, müssen fut?;> den A u sh a u Palläst i n a s bestinimh bleiben.. dem Schekel iiüjffßjt nllc: 6er VeMäMnK-ÄA Organisation uud Propaganda bestrittyn werden. - - Durch den Schekel, durch die ZugehöriglkeiL zuL. zionistischen Organisation — und nur durch sie — erlangen wir auch das Recht, über den Aufbau Palästinas zu. entscheiden, das Recht, bei den zionistischen Kongressen mitzuraten und mitzustimmen, -das Wahl-> recht zum Parlament des erwachten jüdischen Volkes! \ Zionisten! Der Schekel ist, wie einst, auch heute eine kleine Steuer, die der Aermste leisten kann. 'Tui . eure Pflicht! Zionistisches Landeskomitee; ‘ für Oesterreich. ’ Zur Beachtung: Es must darauf hingewiesen werden-- dast jeder Zionist» der der allgemeinen zionistischen Organi-, sation angehört, seinen Organisationsteitrag und seine« I Schekel nur den zioiistischen Bezirkssektionen, Ortsgruppe«, und Vereinen zu entrichten hat. Nur diejenigen, welche einer; gesonderten Föderation (Häpoe! Hazair, Misrachi usw.) an->' gehören, haben den Schekel und den Organisationsbeitrag dieser Föderation zu zahlen. Der Bund der Kleinen.; —7. W > t n. SO. Jänner. In der Nervosität, mit der die europäische- Oeffentlichke.it den Beratungen der Pariser Konferenz folgt, ist die große Rede, in der der tschechische Minister des Aeußern Dr. Benesch feine Politik vor der Kammer darlegte, in ihren Bedeutung zu wenig beachtet worden. Insbesondere in den Ausführungen über Mitteleuropa und dessen' Sorgenzentium Oesterreich hat der Minister Worte gesagt, die sich wohltuend von der bisherigen Reserve seines Staates abheben. Was die auL tausend Informationsquellen schöpfenden Großmächte in ihrem Bestreben,' den unglücklichen Friedensvertrag seftzuhalten..nicht, sehen wollen, sagt. Dr. Benesch rund heraus,: Das öfter-, reichische Problem ist die heutige Krise. Daraus, ergibt, sich einerseits die Notwendigkeit, dem, schwerkranken Nachbar mit etwas mehr alö bloßen Liebesgaben beizu« springen, andererseits aber auch die'Aufgabe der Er-' richtung eines neuen, politischen und wirtschaftlichen Systems in Mitteleuropa. Dies würde darin bestehen, daß definitive gegenseitige Dereinbärüllgen zwischen Tschecho-Slowakei, . Oesterreich, Ungarn, Südslawiey und Rumänien erfolgen, die das Verkehrswesen, die Schiffahrt, den Warenaustausch und Handelsverträge, betreffen. Die Durchführung dieses Programms stößig aber in dem Augenblick auf die harten Schranken dox I Großmächte, in weicher» sich die Unsreiheit der Suk-' »cssiouSitaaten heraus stellt. Lies muß Dr. Benesch selbtz